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Der große Knall

So stelle ich mir einen Arbeitstag vor. C. ist endlich wieder halbwegs gut gelaunt, ich bekomme feierlich mein Diensthandy überreicht (ob ich das als Zeichen sehen kann, dass man offenbar plant, mich längerfristig zu beschäftigen?) , der Montageleiter sucht mehrmals meinen Rat und ich reiße Witze mit dem Chef. Dass das alles im Afterglow bzw. unter Substanzeinfluss passiert, ist eine andere Sache, aber hey, zumindest ist jetzt alles so, wie es sein sollte, zumindest auf den ersten Blick. Als ich gegen 15:15 die Firma verlasse, haben die Wolken auch noch der Sonne Platz gemacht. Was will man mehr?

Ich bin keine 2km vor meinem Ort auf der Freilandstraße unterwegs, als der Wagen vor mir ziemlich spontan rechts abbiegen will. “Da hätte der auch mal früher draufkommen können!” denke ich mir noch und bremse. Der Wagen ist um die Kurve, ich will gerade wieder beschleunigen, als ich aus den Augenwinkeln im Rückspiegel Licht wahrnehme. Licht, das so nah eigentlich nicht sein sollte. Und ehe ich noch irgendetwas tun kann, höre ich Bremsen quietschen, Plastik splittern, Sekundenbruchteile später kracht es und das ganze Auto wird nach vorne geworfen. Mein Autoradio löst sich aus dem Rahmen und segelt in die Mittelkonsole. So knapp vorm Ziel, ich kann sogar schon den Kirchturm sehen, neben dem das Haus steht, in dem ich wohne.

Fuck. Was tun? Anhalten, ich muss anhalten. Zum Glück verläuft neben dem Abschnitt der Straße ein Weg, auf dem ich mein Auto erst mal mit eingeschalteter Warnblinkanlage abstelle. Als ich aussteige, läuft mir die Frau aus dem Wagen hinter mir schon entgegen. “Ist Ihnen etwas passiert? Oh Gott, es tut mir so leid, aber ich war mit meinen Kindern beim Arzt, ich habe mich nur einmal kurz umgedreht und dann…” Scheiße, auch das noch, Kinder. Ich folge ihr zu ihrem Fahrzeug, auf der Rückbank sitzen 2 Jungs, ganz still, die Augen weit aufgerissen, der Ältere der beiden, ungefähr 4 Jahre alt, blutet aus einer Wunde über dem Auge. “Ich rufe mal die Polizei” teile ich ihr mit und wähle zum ersten Mal in meinem Leben die 133. “Polizeinotruf, was kann ich für Sie tun?” Trotz der Situation bleibe ich erstaunlich ruhig, nenne meinen Namen, den Unfallort, die Anzahl der beteiligten Fahrzeuge und die Anzahl der Verletzten. “Ich schicke gleich jemanden vorbei!” sagt die Männerstimme am anderen Ende der Leitung.

Und dann stehe ich da draußen ziemlich schweigsam mit der Unfalllenkerin im Schneesturm, der inzwischen eingesetzt hat, und warte. Ein anderes Fahrzeug hat inzwischen auch angehalten, deren Insaßen und der inzwischen zu uns gestoßene Ehemann kümmern sich um die Kinder und alamieren die Rettung. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi, bis endlich Blaulichter am Horizont auftauchen. Siedend heiß fällt mir das Zeug in meinem Rucksack ein. Scheiße, was ist, wenn die mich aus irgendeinem Grund durchsuchen und das finden? Und dann noch einen Bluttest anordnen? Ich bin geliefert, Mann. Das wär es, gebusted bei einem Autounfall, an dem ich nicht mal Schuld habe. Einen kurzen Moment lang überlege ich, ob ich es noch irgendwie unauffällig in die Büsche werfen könnte, lasse es dann aber bleiben. Jetzt, wo die Polizei da ist, würde das mehr Aufsehen erregen, als wenn ich so tue, als hätte ich nichts zu verbergen.

Kurze Zeit nach dem ersten Streifenwagen trifft ein zweiter ein. Die Polizistinnen fotografieren eifrig, eine Polizistin befragt die andere Lenkerin, der einzige Mann vor Ort befragt mich. “Oh, alles Gute zum Geburtstag nachträglich!” sagt er, als er einen Blick auf das Geburtsdatum auf meinem Führerschein wirft. “Vielen Dank! Ich denke, ich weiß auch schon, wo ich das Geburtstagsgeld investieren werde…” sage ich mit einem schiefen Lächeln und einem Seitenblick auf mein am Heck vollkommen demoliertes Auto. Und beiße mir im selben Augenblick auch schon auf die Zunge. Du hattest gerade einen Unfall, Mensch, da ist man nicht humorvoll und entspannt, mach dich doch nicht verdächtig. Du hattest gerade einen Unfall und keine Versicherung der Welt wird dir Kohle für die Reparatur eines fast 20 Jahre alten Fahrzeugs geben. Er notiert sich meine Daten und die meines Autos und den groben Unfallhergang. “Wie sieht es bei Ihnen  zeitlich aus? Wir brauchen Sie noch auf der Dienststelle zur Vernehmung. Hätten Sie denn heute noch Zeit?” – “Ja, wo muss ich denn hin?” – “Kennen Sie die Polizeidienststelle in […]?” – “Nein, da war ich noch nie.” – “Okay, wir sind in ungefähr 10 MInuten sowieso fertig hier, dann können Sie uns einfach nachfahren.”

Ich folge dem Polizeiwagen durch die Pampa zur Dienststelle und frage mich, wie ich von dort aus jemals wieder zurück ins Kaff finden soll. Zum Glück vernimmt mich der Polizist, der mich auch schon am Unfallort befragt hat. Die Dienststelle wirkt so gar nicht wie eine typische Polizeidienststelle, sondern eher wie eine Wohnung in einem Altbau, die man vorrübergehend in ein Polizeibüro umfunktioniert hat. “Es kann sein, dass es etwas länger dauert, wir haben ein neues Programm bekommen und das habe ich noch nie benutzt!” meint er entschuldigend. Ich schlucke ein Es ist mir eine Ehre, die Erste sein zu dürfen hinunter und antworte stattdessen: “Das macht nichts, ich habe heute e nichts mehr vor.”- “Gut, dann fangen wir mal an. Sie können ruhig mitschauen.” sagt er und dreht den Bildschirm in meine Richtung. Er klärt mich über meine Rechte und Pflichten auf. “Soll ein Anwalt bei der Vernehmung dabei sein? Eine Vertrauensperson, Mutter, Vater, Partner..?” Ich verneine, wen sollte ich denn schon anrufen. Und dann geht es los, ich muss den ganzen Unfallverhang schildern, die Wetterverhältnisse, alles, und irgendwie ist es erschreckend, wie viele Details man vergisst, wenn man nicht bewusst darauf achtet. Ich versuche jedenfalls mein Bestes und nach ungefähr einer Dreiviertelstunde habe ich es geschafft. Meine Aussage wird ausgedruckt, ich muss unterschreiben, dann darf ich gehen.

Vor der Tür rufe ich erst mal meine Mutter an. Immerhin ist es ja schließlich offiziell ihr Auto. Sie verspricht, sofort bei der Versicherung anzurufen. “Und wenn irgendetwas ist, fährst du ins Krankenhaus, ja?” – “Ja, Mama…”. Das hatte mir ja auch der Polizist schon eingeschärft.

Als hätten sie es vorausgeahnt, bekomme ich im Laufe des Abends tatsächlich unglaublich fiese Rückenschmerzen. Auch wenn ich eigentlich überhaupt keine Lust habe, quäle ich mich nochmal in mein demoliertes Auto (mit dem ich eigentlich nicht mehr fahren sollte…). Vielleicht schaut ja zumindest irgendein nettes Schmerzmittel raus, überlege ich. Dann hätte der ganze Mist wenigstens auch irgendetwas Gutes. Ich war noch nie um eine solche Zeit im Krankenhaus. Die Eingangstür ist abgeschlossen, ich muss klingeln. Nachdem mich eine Schwester hineingelassen hat, muss ich das übliche Formular ausfüllen und dabei bemerke ich, dass ich so eines zum ersten Mal NICHT wegen einer Selbstverletzung ausfülle. Zu meinem Erstaunen bin ich die einzige Patientin- ich hatte eigentlich damit gerechnet, die halbe Nacht im Wartebereich zu verbringen und von Büchern über Häkelmaterial und Schreibzeug alles dabei. der Arzt tastet meine Wirbelsäule ab. “Also fühlen kann ich nichts Außergewöhnliches, aber ich schicke Sie zur Sicherheit noch zum Röntgen.” Ich muss mich ausziehen und vor eine weiße Platte stellen. Die Schwester reicht mir eine Bleischürze, an zwei gekrümmten Bügeln, die ich mir vor den Unterleib halten soll. “Sie sind so schmal, Sie müssten die festhalten, sonst rutscht sie hinunter.”  Ich halte mir sie also brav vor den Unterleib, es wird einmal ein Bild von vorne und einmal eines von der Seite gemacht und dann darf ich mich wieder anziehen. Keine 5 Minuten später sitze ich wieder beim Arzt und er teilt mir die Untersuchungsergebnisse mit. “Gebrochen ist nichts, aber Sie haben wohl eine starke Zerrung. Da werden Sie vermutlich noch einige Tage Schmerzen haben, ich gebe Ihnen ein Rezept für Voltaren mit, da können Sie bis zu 3 am Tag nehmen. Falls es schlimmer werden sollte, kommen Sie bitte wieder her. Ansonsten wünsche ich Ihnen gute Besserung!”

Also auch keine tollen Schmerzmittel. Manchmal habe ich das Gefühl, bloß weil ich aussehe wie durch den Fleischwolf gedreht gehen manche Menschen ganz automatisch davon aus, dass ich Schmerzen uneingeschränkt geil finde, dabei bin ich während den kurzen Phasen, in denen ich warten musste, die ganze Zeit den Gang auf- und abgegangen, weil es im Sitzen bzw. zuhause im Liegen keine einzige Position gab, in der ich keine Schmerzen hatte. Ständig hatte ich das Bedürfnis, mich anders hinzusetzen oder zu legen, nur um festzustellen, dass es da genauso wehtut.

Zuhause angekommen, greife ich zur Selbstmedikation.

 

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Guten Morgen

Es ist Mittwoch Früh um 7, mit den Sportklamotten fürs Tanzen am Abend unterm Arm öffne ich die Haustüre und trete in die kalte Luft. Dann fällt mein Blick auf das Auto, das neben meinem steht. Grundsätzlich nichts allzu seltsames- um diese Zeit allerdings schon und es ist keiner der anderen Hausbewohner, deren Autos kenne ich. Das Kennzeichen kommt mir bekannt vor, aber woher…? Als ich näher komme öffnet sich die Tür und im Schein der Straßenlaterne erkenne ich schließlich, wer es ist. Mir bleibt fast das Herz stehen.

“Ben? Was machst du hier??!!” – “Ich wollte mit dir reden!” – “Jetzt?! Ich muss in die Arbeit!” Ich kann es nicht fassen, dass er tatsächlich hier aufgetaucht ist. Verdammt, ich dachte er hätte es kapiert.

Seitdem bin ich wieder extrem paranoid. Schaue mich um, wenn ich das Haus verlasse. Überprüfe im Rückspiegel, wer hinter mir fährt. Schließe hinter mir ab, wenn ich die Wohnung betrete. Heute früh um 4 bin ich aufgewacht, und hatte panische Angst, dass jemand in der Wohnung ist. Und als ich von der Arbeit kam, stand mein Briefkasten offen und ich weiß nicht warum.

Lass mich doch einfach in Ruhe. Bitte.

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She´s another 2 years older and she´s 3 more steps behind

So, Geburtstag auch überlebt. Was heißt, überlebt… es war schön. Ich hatte meiner Familie ja zu Weihnachten einen Ausflug in einen Escape Room geschenkt, den ich für den gestrigen Tag angesetzt hatte, weil es ja grundsätzlich nicht so einfach ist, 4 Terminkalender und 180km Abstand unter einen Hut zu bringen. Aber besser hätte ich es nicht treffen können, so war es quasi gleichzeitig ein Geburtstagsgeschenk an mich selbst und wir sind nicht den ganzen Tag bei mir in der Wohnung herumgehockt. Meine Eltern waren von dem Spiel so begeistert, dass sie sich gleich vor Ort einen Gutschein für ein nächstes Mal kauften. “Das müssen wir unbedingt wieder zusammen machen! So schnell ist noch keine Stunde meines Lebens vergangen!”.

Wie schnell sich die Rollen vertauschen können. Da sich meine Eltern in der Stadt nicht auskennen, bin ich gefahren. Nadine neben mir auf dem Beifahrersitz, lauthals singend, und unsere Eltern hatten wir kurzerhand auf die Rückbank verbannt. Ja, in den letzten Monaten sind wir tatsächlich so etwas wie eine Familie geworden.

Sie haben alle meinen neuen Namen benutzt, das hatte ich mir gewünscht. Zumindest haben sie es versucht. Zu 50% haben sie es geschafft. Meine Mutter hat es in den SMS, die sie mir heute geschickt hat, beibehalten. Damit ist zumindest bei ihr mein Plan aufgegangen, dass ich eben anders heiße, und dass ich mich sehr freuen würde, wenn auch sie das nicht nur akzeptieren, sondern auch leben würden.

Ja, meine Mutter. Manchmal glaube ich, dass sie viel mehr weiß, als sie zugibt. Ich kann so tun, als wäre alles in Ordnung, wenn sie da ist, aber ich weiß, dass sie weiß, dass es nicht so ist. Aber sie versucht nicht mehr, mir irgendetwas aus der Nase zu ziehen, das sie eigentlich eh schon fühlt. Sie ist genauso Realistin wie ich, und weiß, dass die Zeit, die wir noch haben, kostbar ist. Das hat sie genau genommen schon vor Jahren gewusst und auch jemandem geschrieben, und als ich das herausgefunden habe war ich schockiert. Schockiert darüber, dass sich meine eigene Mutter mit meinem Tod auseinandersetzt. Aber mittlerweile  finde ich es positiv, denn ich weiß, dass ich mit ihr auch darüber reden könnte, weil es etwas ist, das ihr vielleicht schon länger klar war als mir selbst. Das ist unglaublich beruhigend, denn ich weiß, dass sie mich im Ernstfall nie in irgendeinem Zwischenstadium zwischen Leben und Tod dahinvegetieren lassen würde nur weil sie mich nicht loslassen kann. Für meine Schwester oder meinen Vater wäre es etwas Anderes, die würden glaube ich bis zur letzten Minute alles versuchen, aber meine Mutter ist damit mittlerweile genauso im Reinen wie ich selbst. Woher ich das weiß ist schwer zu sagen, es ist einfach so ein Gefühl. Genauso, wie sie fühlt, dass bei mir nicht alles okay ist, fühle ich, dass sie weiß was Sache ist und dass sie dem Ganzen mit demselben inneren Frieden entgegenblickt wie ich selbst. Wenn ich sie anrufen würde, und sagen würde: “Du, Mama, ich glaub irgendwann in den nächsten Wochen ists so weit!” würde sie keinen Heulkrampf kriegen und mich panisch ins nächste Krankenhaus karren, sondern mich nach Hause holen wenn ich das möchte, mich fragen, ob es noch irgendetwas gibt, was ich machen möchte… und vor Allem würde auch sie mich ernst nehmen, und mir nicht einreden wollen, dass ich mir das einbilde. Wie sehr mir die drei Chaoten in den letzten Monaten ans Herz gewachsen sind… hätte mir das vor 10 Jahren jemand erzählt, ich hätte es nicht geglaubt.

Am Wochenende haben mir meine ausgelutschten Rezeptoren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es ist ein verrücktes Gefühl, körperlich komplett dicht zu sein, aber psychisch so gut wie gar nicht. Ich war also die ganze Nacht wach, was zur Folge hatte, dass mich eine eigentlich minimalste Dosis am Samstag Abend ins Reich der Träume katapultierte. Klar, es war auch schön, mal zu schlafen. Schon alleine die zusätzliche Zeit, die ich in den letzten Jahren aufgrund von Schlafstörung, Essstörungsbedingter Schlafstörung und Konsum wach war, reicht aus, dass ich 20 Jahre kürzer leben darf, würde ich behaupten. Früher habe ich mir Benzos eingeworfen, um zu schlafen, aber seit ich weiß, dass es da diesen Zustand zwischen Schlafen und Wachsein in absoluter Glückseeligkeit gibt, reizt mich der mehr, als bloß schlafen. Und so in meinen Geburtstag zu starten, wäre natürlich das Allerschönste gewesen. Aber es hatte offenbar nicht sein sollen.

Heute Vormittag wusste ich in der Arbeit fast nicht, wie ich mich wachhalten sollte, in der Mittagspause schlief ich beinahe im Sitzen ein. Wieder eine Art Rezeptoren, die einfach mal so ihren Dienst verweigerte. Früher bin ich ohne Rasierklingen nirgendwo hingegangen- heute sind es andere Dinge, die mich im Alltag begleiten. Nur für den Fall.

In Erinnerung geblieben sind mir die mitleidigen Blicke der Apothekerinnen letzte Woche. Obwohl ich konsequent bei der Aussage blieb, das Desinfektionsmittel bräuchte ich für die Reiseapotheke, ach, und die Spritzen und das Zubehör? “Mein Freund ist Modellbauer, keine Ahnung was der damit macht…”

Und dann war der ganze Aufwand umsonst. “Bitte, lass es sein. Wenn du es nicht für dich tust, dann für mich.” , und ich habe es gelassen, einfach so, für ihn.

 

 

 

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Suchbegriffe

Asche auf mein Haupt, schon wieder ein halbes Jahr her seit dem letzten Suchbegriffbeitrag…

-Ich hab ein Haus ein kunterbuntes Haus lyrics – Ob das die heutigen Kinder noch kennen?

-Verbot fremdes Essen aus dem Kühlschrank – ich bin immer wieder erstaunt, wonach manche Leute suchen…

-Nacktschnecken Gulasch- das hatten wir doch schon mal? Noch immer Appetit darauf?

-Weihnachtsfeier peinlich- Wenn man es mit dem Punsch übertreibt, unter Umständen ja

-Schokolade ausgekotzt- kann ich ein Lied von singen.

-aus der Psychiatrie abhauen- bringt Abwechslung in den Stationsalltag

-das große Fressen ist vorbei- ich wünschte, es wäre so

Borderline Blogger- oooh, da gibts einige. Aber die meisten verschwinden relativ schnell wieder oder werden still gelegt.

-psychisch krank Auto gefahren Fuererschein Entzug was brauche fuer die MPU- wird man von Führerscheinentzug auch affig?

-psychisch krank Auto gefahren was nun- freuen, dass du angekommen bist?

-dürfen psychisch Kranke autofahren- so lange man nicht so unterwegs ist, dass man sich selbst oder andere gefährdet…

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Themenfreitag #32 – Reisen

Ein Vorschlag, der letztens auch kam, war, dass ich doch mal etwas über meine Reisen erzählen soll. Seltsamerweise bilde ich mir irgendwie ein, schon mal etwas darüber gemacht zu haben, ich konnte aber nirgendwo einen Themenfreitagsbeitrag dazu entdecken.

Als ich noch mit meiner Familie auf Urlaub gefahren bin, waren die typischen Rieseziele: Österreich, Türkei, Tunesien, Griechenland. Unsere Österreich-Urlaube waren immer sehr aufregend und abwechslungsreich, während der Rest eher so typischer “Massentourismuskram” war, von dem ich damals schon wusste, dass er nicht mein Ding ist. Deswegen möchte ich mir nur ein paar eher außergewöhnliche Reisen hinauspicken und darüber mehr erzählen, aber vorher zumindest mal eine Auflistung an Ländern geben, deren Boden ich schon mal betreten habe, auch wenn es oft nur ein paar Stunden waren:

Deutschland, Frankreich, Tschechien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, England, Estland, Schweiz, Slowenien, Ungarn, Tunesien, Griechenland, Türkei, Südafrika.

Starten wir mit der weitesten Reise meines Lebens. Sie führte mich mit meiner Oma nach Südafrika. Wir haben dort lebende Verwandte, die meine Oma schon immer mal besuchen wollte, doch aufgrund mangelnder Englischkenntnisse traute sie sich nicht alleine. Ich war damals 14 Jahre alt, so eine weite Reise war wirklich ein Abendteuer für mich, noch dazu ohne meine Eltern und meine Schwester. Trotzdem war es irgendwie eine Ernüchterung.

Landschaftlich ist es dort wunderschön, keine Frage. Besonders, wenn man nur Europa kennt, dort ist einfach alles ganz anders. Besonders fasziniert haben mich diese kilometerlangen, schnürlgeraden Straßen. Da gibt es Straßen, die gehen in einer geraden Linie bis zum Horizont. So etwas habe ich davor noch nie gesehen. Ich habe auch zum ersten Mal in meinem Leben einen Skorpion gesehen- passenderweise bei uns im Garten.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite, die mir massiv zu schaffen machte, war dieses ständige eingesperrt-sein. Das ist der Grund, weshalb ich dort dauerhaft nicht leben könnte. Entweder du hast dort dein eigenes Grundstück mit meterhoher Mauer, Stacheldraht und Alarmsicherung oder du lebst in einer Art “kleinem Dorf”, das auch durch eine große Mauer abgeschirmt ist und nur durch einen Kontrollzugang mit Wachpersonal betreten werden kann. Aber so mit: “Ich brauch mal Ruhe von den ganzen Menschen, ich geh mal eine Stunde in der Pampa spazieren” , wie ich es sonst gerne mache, ist da nicht. Selbst kürzeste Strecken, die ich sonst einfach zu Fuß gehen würde, fährt man dort. Mit eingeschaltener Zentralverriegelung, versteht sich, grundsätzlich. Nachts ist es übrigens gängige Praxis, an ampelgeregelten Kreuzungen bei rot nicht stehen zu bleiben, wenn kein Auto kommt. Dass man erst mal die Alarmanlage deaktivieren muss, wenn man aufsteht, weil man sonst am Weg in die Küche den Alarm auslöst… das war etwas, daran konnte ich mich bis zum Schluss nicht gewöhnen. Ich weiß auch noch, dass das Internet entsetzlich langsam war. Ich fühlte mich dort sehr fehl am Platz und hatte oft ein bisschen Heimweh. Außerdem waren Weihnachten und Silvester bei Sommerwetter unfassbar unromantisch. Heute könnte ich damit vielleicht schon anders umgehen, aber damals habe ich mich sehr einsam und abgeschnitten von der Außenwelt gefühlt.

Meine erste Reise alleine ist mir auch in besonderer Erinnerung geblieben. Damals war ich 17 und es ging 3 Wochen lang auf Schülerautausch nach Finnland. Wir waren aus unerer Klasse zu 5., aber da ich bis wenige Wochen vor Anreise nicht wusste, dass ich überhaupt mitkann, hatten die anderen die Flüge schon gebucht und ich musste einen anderen Flug nehmen. Die anderen verbrachten das gesamte Wochenende in Helsinki, ich kam am Samstag Abend dazu und wir fuhren mit dem Bus nach Tampere. Dort quartierten wir uns in der reservierten Jugendherberge ein. Es war unglaublich aufregend, das erste Mal quasi auf sich alleine gestellt so weit weg von zuhause. Natürlich hatten wir auch eine Ansprechpartnerin vor Ort, aber trotzdem war sehr viel Selbstorganisation notwendig. Auf dieser Reise lernte ich das Land und die Leute kennen und lieben. Die Jungs aus unserer Austauschklasse waren echt genial, wir unternahmen auch einige Male außerhalb der Schule etwas zusammen. Eines unserer Lieblingsspiele war, uns gegenseitig Texte in der jeweiligen Fremdsprache vorzulesen und uns dann darüber halb umzukommen vor lachen. Auch die Lieblingswörter waren schnell gefunden: Einer unserer Klassenkollegen hatte irgendwo mal das Wort “Panzerwagen” aufgeschnappt, das er unentwegt zum besten gab, während ich mich auf der Stelle in das Wort “pöytäkirja” verliebte. Allgemein taugt mir die Sprache ungemein, Finnisch hört sich selbst beim Fluchen noch niedlich an (nach der Reise habe ich mir sogar Lernunterlagen besorgt, aber es ist schwierig, eine Sprache zu lernen, wenn man sie eigentlich nicht verwendet). Schnell kamen wir dahinter, dass es doch in einem relativ hohen Prozentsatz der Fälle richtig ist, an das deutsche Wort einfach ein i dranzuhängen, wa dann zu interessanten Satzkreationen wie: “Oszilloskopi totalli kaputti!” führte.

Landschaftlich war es einfach nur Wahnsinn. Von den 21 Tagen hatten wir zwar nur an 2 schönes Wetter (es war Oktober/November), aber diese 2 Tage waren unglaublich. An einem davon war zufälligerweise Samstag und wir borgten uns Kanus aus und fuhren auf einem großen See herum. Das war einfach der Wahnsinn, der strahlend blaue Himmel, der See, der so groß ist, dass man ihn nicht überblicken kann, diese Inseln, an denen wir dann an Land gingen um sie zu erkunden, und überall Wald, Wald, Moos, Natur… wenn ich jemals auswandere, dann nach Finnland, soviel ist klar.

Die Menschen sind alle unglaublich freundlich und sprechen sehr gut Englisch, was aber auch einleuchtet wenn man bedenkt, dass sich niemand die Arbeit macht, für 5 Millionen Menschen einen Film zu synchronisieren und es daher Spielfilme normalerweise nur auf Englisch gibt. In Finnland ist auch die Metalszene zuhause. Wenn hier ein erwachsener Mann mit langen Haaren, komplett schwarz gekleidet mit Ledermantel herumläuft, schauen ihm die Leute hinterher. Dort gehört das zum alltäglichen Straßenbild, da schaut auch niemand doof wenn dieser Mann schon 40 oder 50 ist. Ganz im Gegensatz zur ersten geschilderten Reise habe ich mich dort sehr wohl und aufgehoben gefühlt.

Die nächste Reise, über die ich erzählen will, ist die Maturareise. Anstatt in ein einwöchiges Saufgelage zu investieren, entschied ich mich mit einer Freundin für den Klassiker: Interrail. Wir hatten einen groben Plan, wohin es gehen sollte: Skandinavien. Die genaue Reiseroute ergab sich dann erst im Verlauf der Reise. Es ging quer durch Deutschland über Dänemark nach Schweden, von dort rauf nach Norwegen, da wir dort dann nicht mehr weiterkamen, zurück nach Schweden und von dort aus weiter nach Finnland. Danach mit der Fähre zurück nach Dänemark und letztendlich über Prag nach Hause. Wir haben unglaublich viel erlebt und viele Schwierigkeiten gemeistert und wenn ich da anfangen würde zu erzählen, wäre ich morgen noch nicht fertig. Züge konnte ich danach allerdings eine Zeit lang keine mehr sehen, ich bin aber der Meinung, dass das etwas ist, was jeder mal gemacht haben sollte. Man lernt unglaublich gut, mit wenig auszukommen, zu improvisieren, zu kommunizieren und mit seinem Reisepartner zusammenzuarbeiten. Allerdings ist es kein Urlaub in der Form, dass man total erholt wiederkommt, denn ich habe es auch als sehr nervenaufreibend in Erinnerung. Hinterher war ich totmüde und musste mich erst mal von der Reise erholen und ich denke auch nicht, dass ich es nochmal machen würde- aber ich bereue es definitiv nicht und kann es wie gesagt nur jedem empfehlen, so etwas einmal im Leben zu machen.

Die vierte und letzte Reise, die ich erwähnen möchte, ist eine, die auch hier im Blog vertreten ist, weswegen ich nicht viel dazu sage (mehr wer wissen möchte, kann ja nachlesen): Nämlich mein Urlaub  im Oktober 2016 in Griechenland. Das war meine erste Reise, auf der ich durchgehend ganz alleine unterwegs war und ich habe auf dieser Reise einiges über mich selbst gelernt. So etwas würde ich sofort wiedermachen. Als ich da stundenlang alleine durch die Pampa gewandert bin, war ich ganz bei mir. In dem Moment war einfach alles vollständig. Und auch wenn ich immer dachte, ich brauche andere Menschen nicht, hat mir diese Reise eine Lektion erteilt. Nur ins Tagebuch schreiben, reicht noch lange nicht, um Dinge zu verarbeiten. Was war ich froh, wenn ich der Rezeptionistin am Abend erzählen konnte, was ich den Tag über so gemacht hatte und die ganzen Erlebnisse sortiert und verarbeitet waren. Also auch wenn ich es nicht gerne zugebe und wünschte, es wäre anders: Auch ich bin auf Menschen angewiesen, die mir zuhören, um Eindrücke verarbeiten zu können.

Auf dass noch viele weitere Reiseerlebnisse folgen! 🙂

 

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It´s not about seeing things

Ich fühle mich gerade, als müsste ich die Reste meines Verstandes aus den hintersten Winkeln meiner Wohnung zusammensuchen.

Ja, Dinge sehen ist das eine. Es ist lustig, man kann damit spielen, wenn man dabei ständig im Hinterkopf hat, dass es eben einfach eine andere Wahrnehmung ist, die man da gerade hat.

Vom Kopf her fühlt es sich an, als würde etwas in dein Gehirn kommen, es in seine Einzelteile zerlegen, lachend davonhüpfen und sagen: “Jetzt setz mal wieder richtig zusammen!”. Insofern ist es vielleicht gar nicht so unpassend, dass ich mit jemandem das Codewort “Puzzle” für diese Substanz vereinbart habe. Genauso fühlt es sich an. Es wundert mich nicht, dass sich Leute damit so zerschießen, dass sie nicht mehr alle Teile finden, denn der Grat ist schmal.

Himmel, ich weiß nur, dass heute Nacht Fragen beantwortet wurden, die ich nie gestellt habe. Fragen, die mir nicht mal bewusst sind und so tief in mir vergraben sind, dass ich sie jetzt nicht mehr formulieren kann. Ich weiß nur, dass sie beantwortet wurden, und ich bin mir nicht sicher, ob ich die Fragen kennen möchte, geschweige denn, die Antworten darauf.

Einen kurzen Moment habe ich es bereut, dass ich diese kurzen Gedankenblitze nicht festgehalten habe, einfach die ganze Zeit eine Tonaufnahme mitlaufen lassen und einfach nur labern, labern, labern, alles sagen was man sich gerade denkt. Um nachher noch ansatzweise nachvollziehen zu können, worum es eigentlich ging. Mittlerweile denke ich, dass es schon ganz gut so ist, dass diese Dinge in dieser anderen Welt geblieben sind. Es wird schon einen Grund haben, warum die dort sind und nicht hier. Ich weiß jetzt, wie ich die Türe zu dieser Welt öffnen kann, und kann mich dort zu gegebener Zeit damit auseinandersetzen.

Es kann einen so leicht überrollen. Auch ich hatte einen Moment, in dem es einfach too much war, alles zu viel, ich wollte nur mehr, dass es aufhört. Als es draußen dämmerte, hielt ich es nicht mehr aus in meiner Wohnung. Schnell in die Schuhe geschlüpft und im plüschigen Einteiler mit Kapuze mit Känguruohren und Schwanz raus auf die Straße. Zum Spielplatz. Ich bin seit langem Mal wieder mit dieser tollen Seilbahn gefahren, dieser Teller an einem Seil, das man auf einen Hügel raufziehen kann, ich weiß gar nicht, wie lange das her ist, als ich zuletzt auf so etwas gesessen bin. So viele Jahre. Ich wusste gar nicht mehr, wie viel Spaß das macht.

Was ich nicht bedacht habe: Heute ist Feiertag und um 8:30 in der Kirche eine Messe, wesalb sich das halbe Dorf ab 8:00 vor der Kirche versammelt. An der ich aber blöderweise auf dem Weg zu meiner Wohnung zurück vorbeimuss.

Wenn mich das Dorf bisher noch nicht für komplett geistesgestört gehalten hat… spätestens jetzt tun es alle.

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Was es besonders macht

Ja, Flausch und ich haben viele unterschiedliche Ansichten. Vielleicht sogar mehr wie früher. Bei vielem, was sie sagt bin ich nicht ihrer Meinung, versuche aber nicht ihr das auszureden, wo ich andersrum doch hin und wieder das Gefühl habe, dass sie mir ihre Ansichten “aufzwingen” will.

Und dennoch bin ich gerne bei ihr, besonders in letzter Zeit. Diese Akzeptanz, die sie mir in diesem sensiblen Thema “mein Tod” entgegenbringt ist unglaublich. Sie versucht mir nichts auszureden oder mich umzustimmen wie in so vielen anderen Bereichen. Sie versucht nicht, mein Gefühl, dass es bald vorbei ist, wegzureden. Sie diskutiert nicht.  Sie nimmt einfach an. Wenn dir dein Gefühl das sagt, dann ist es so. Punkt.  Sie akzeptiert auch, dass es irgendwo mein Wunsch ist, dass es demnächst mal zu Ende ist. “Vielleicht ist es wirklich schon deine Zeit und du hast alles erledigt, was du in diesem Leben erledigen musst.” sagte sie am Wochenende, als wir nebeneinander am Bett saßen. Beim Danach trennen sich unsere gedanklichen Wege wieder. Sie denkt, dass man wieder zurückkommt auf diese Erde. Das glaube ich nicht. Ich stelle mir vor, dass es irgendwo da draußen eine andere Welt gibt, wo der Lernprozess weitergeht, aber er graut mir davor, auf diese Welt zurückzukehren.

Bevor ich viel später als geplant zur Tür raus bin, nimmt sie nochmal meine Hand. “Wenn du denkst, dass es so weit ist… sagst du mir dann Bescheid? Wir sehen uns ja jetzt nicht mehr so oft, und naja…” – “Ja, okay” antworte ich, obwohl ich mir so ein Abschiedstreffen schon irgendwie komisch vorstelle. Aber ich denke nicht, dass es besonders traurig werden würde.

 

Wenn Freundschaft von Raum und Zeit abhängig wäre, tauge sie nichts mehr, sobald wir Raum und Zeit hinter uns lassen. Überwinde den Raum, und alles was übrigbleibt ist Hier. Überwinde die Zeit, und alles was übrigbleibt ist Jetzt. Und meinst du nicht auch, dass wir uns im Hier und Jetzt begegnen können?

-Richard Bach