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Eingefroren

Seit diesem Tag in März 2019 ist nichts mehr wie es war. Bis dahin dachte ich, nach all dem was schon passiert war, könne man mich nicht brechen. Trotz Allem hatte ich bis dahin ein Leben; ich habe zumindest gelegentlich Freunde getroffen oder habe Dinge getan, die mir Freude machen.

Seit März 2019 ist alles anders. An diesem Tag hat meine Welt aufgehört, sich weiterzudrehen. Das Leben um mich herum geht weiter, doch ich bin kein Teil mehr davon. Mein ohnehin schon spärliches Vertrauen zu anderen Menschen und zu mir selbst wurde an diesem Tag komplett vernichtet. Wer rechnet schon damit, wenn man morgens in die Arbeit fährt, dass so etwas passiert? Doch wenn sogar diese Menschen so eine zerstörerische Ereigniskette in Gang setzen können, könnte jeder der nächste sein, der es tut. Mein Nachbar, mein Vermieter, jemand vom Flugplatz, jeder,den ich nur im Entferntesten kenne. Wenn ich daraus etwas gelernt habe dann, dass man sich nie sicher sein kann. Bei niemandem.

Seit diesem Tag ist meine Wohnung kein sicherer Ort mehr für mich, denn sie haben mich gezwungen jemanden hineinzulassen,  den ich nie freiwillig hineingelassen hätte. Seitdem habe ich keine einzige Nacht mehr in meinem Bett geschlafen. Ich schlafe meistens im Sitzen und oft bei Licht auf dem Sofa. In guten Nächten sind es 5 Stunden, in schlechten 2.  Wenn ich unten die Eingangstüre ins Schloss fallen und Schritte im Treppenhaus höre, werde ich nervös. Und wenn es dann auch noch an meiner Tür klingelt, obwohl ich niemanden erwarte, bekomme ich Panik. Scheiße, wer ist das? Sind sie gekommen, um mich mitzunehmen? Ich komme einfach nicht mehr zur Ruhe und manchmal bin ich so erschöpft, dass ich schon während der Vorbereitungen für mein “Gute-Nacht-Ritual” einfach einschlafe. Wie oft bin ich schon wach geworden mit dem Stauband am Arm… zum Glück muss ich das nie richtig festziehen, sonst hätte ich wahrscheinlich nur mehr einen Arm.

Mein soziales Umfeld ist als solches quasi nicht mehr vorhanden. Selbst zu den Leuten, mit denen ich nur übers Internet geschrieben hatte, herrscht Funkstille. Zu groß ist die Angst, das Misstrauen, die Verunsicherung. Außerdem, worüber sollte ich schreiben, erzählen? Ich möchte nicht immer nur “herumsudern”, wie man bei uns sagt. Aber wirklich schöne Dinge passieren in meinem Leben einfach kaum noch, dazu müsste ich wieder anfangen, Freizeitbeschäftigungen nachzugehen.

Sie haben es bestimmt nicht mit Absicht gemacht, ihnen war einfach nicht bewusst, was sie damit anrichten. Ich kaue die Situation immer wieder durch, überlege, was ich anders machen hätte können, aber es führt zu nichts. Ich finde den Zeitpunkt nicht, an dem ich reagieren hätte können oder müssen, um das Unheil abzuwenden. Und solange ich den nicht gefunden habe, muss ich immer befürchten, dass es wieder passiert.

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Was man morgens definitiv NICHT braucht…

Immer wieder bin ich überrascht welche Absurditäten das Leben für mich bereithält. Dabei fing alles ganz harmlos an. Als ich Donnerstags aufwachte und einen Blick auf die Wettervorhersage warf, musste ich feststellen, dass für den Vormittag die Ankunft einer Regenfront angekündigt war, die sich längere Zeit halten sollte. Eigentlich hatte ich vorgehabt, vor der Arbeit Löwenzahn pflücken zu gehen, aber das ist im Regen unpraktisch. Also setzte ich mich bereits um halb 8 ins Auto und fuhr zu meiner Lieblingslöwenzahnwiese. Diese liegt 100m von der Firma, in der ich arbeite, entfernt, direkt an der Straße, die dorthin führt. Ich stellte mein Auto also an der Seite ab und warf mich ins Gebüsch. Nach einer Viertelstunde hatte ich die Schachtel, die ich mitgenommen hatte, gefüllt, klemmte sie mir unter den Arm und schlenderte zurück zum Auto. Da kam mir schon wer entgegengelaufen. In weißem Poloshirt. Ich ahnte Böses. Und meine Vorahnung bestätigte sich. Der Mann, der da auf mich zugelaufen kam, war mein Chef. Was wollte der hier?!  “Alles in Ordnung bei dir?” fragte er. “klar, was soll denn nicht in Ordnung sein?” – “Wirklich?” – “Bei mir ist wirklich alles gut. Ich war nur Löwenzahn pflücken, weil am Vormittag eine Regenfront kommen soll und ich daher vor der Arbeit nicht mehr pflücken kann.” – “Okay, dann bin ich beruhigt. Es hat dich nämlich wer gesehen, als du da gebückt in der Wiese standest, und gedacht, du übergibst dich. Da wollte ich mal nach dir schauen, nicht, dass du dann da bewusstlos liegst oder so…” Schon wieder hatte ich das Gefühl, dass er eine Grenze in mein Privatleben überschritten hatte, die er eigentlich nicht überschreiten sollte. “Der Löwenzahn wächst nun mal am Boden, da muss ich mich bücken.” entgegnete ich. “Hauptsache dir gehts gut. Tut mir leid, dass ich dich gestört habe, bis am Nachmittag dann.” – “Schon okay, mag sein, dass es komisch aussieht wenn man nur vorbeifährt. Bis später…”

Als ich am Nachmittag in die Arbeit kam, entschuldigte er sich dann noch dreimal. “Du musst glauben, wir haben einen kompletten Vogel…” sagte er. “Neiiiin…” antwortete ich, doch ich dachte etwas anderes. Ich erfuhr dann auch, wer ihm die Sache gesteckt hatte- nämlich die Chefin der Einkaufsabteilung. Nicht dass sie vielleicht stehen geblieben wäre und mich selbst angesprochen hätte, dann hätte sich das sofort aufgeklärt, aber nein, lieber erst mal meinen Chef in Panik versetzen, der mich sowieso schon auf dem kieker hat…

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Glückstag & Pipiaua

Gleich um 8 stehe ich am Montag vor der Apotheke. Vor einer anderen als letzte Woche. Nachdem das Erdbeerpulver zuletzt gar nicht mehr geholfen hat, will ich mal schauen was die hier empfiehlt, denn ich möchte es um alles in der Welt vermeiden, zu meinem Hausarzt zu müssen. Bei der Gelegenheit möchte ich auch wieder einen Schwung Mikrofilter mitnehmen, denn ich habe nur noch einen.

Erst mal schildere ich mein Anliegen bezüglich des Harnwegsinfekts und bekomme Tabletten mit irgendwelchen Pflanzenextrakten. Dann geht die Apothekerin nach hinten um die Filter zu holen und kommt mit einer kleinen Schachtel zurück. “Brauchen Sie die für medizinische Zwecke?” fragt sie. Ich bringe meine Standardausrede: “Nein, mein Freund ist Modellbauer, der filtert irgendwas damit, ich weiß nicht genau was, ich glaube irgendwelche Farben…” (auf die Idee war ich gekommen, weil mich das feine Netz an die Lacksiebe aus der alten Firma erinnert). “Dann würden ich Ihnen die ganze Schachtel hier schenken wenn Sie möchten, die sind nämlich abgelaufen und daher können wir sie nicht mehr verwenden.” – “Vielen Dank, da freut sich mein Freund bestimmt!”  Ich kann es kaum erwarten wieder im Auto zu sitzen und in die Schachtel zu schauen. Wie geil… 21 Filter und das komplett umsonst, obwohl einer von denen normalerweise 2,50€ kostet! Endlich mal wieder ein richtiger Glückstag!

Wobei sich im Nachhinein herausstellt, dass die Filter nicht ganz kostenlos waren, denn die 23,90€ für die Tabletten waren zum Fenster rausgeworfen, da die Wirkung gleich 0 ist. Also stehe ich am nächsten Tag doch bei meinem Hausarzt auf der Matte. Ich muss eine Harnprobe abgeben. “Das schaut schmerzhaft aus!” stellt er fest, nachdem er diese begutachtet hat und ich kann ihm nur zustimmen. Ich bekomme ein Antibiotikum verschrieben. “Dreimal täglich eine Tablette zu einer Mahlzeit einnehmen” lautet die Anweisung. Ich verkneife mir die Bemerkung, das Mahlzeiten bei mir nicht dreimal täglich stattfinden. Sonst kommt er am Ende noch auf die Idee, mich zu wiegen. Ich bin sowas von heilfroh, als ich die Praxis verlassen kann und weiß, dass alles gut gegangen ist. Es ist unglaublich, wie sehr mich nach all den negativen Erfahrungen mit Ärzten selbst ganz normle Arztbesuche stressen.

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Fassungslos

Ich wusste ja schon länger, dass man es in meiner Firma mit Vorschriften nicht so genau nimmt.Aber was in den letzten 48 Stunden passiert ist, hat echt den Vogel abgeschossen.

Bisher hatten wir uns ja mit unseren Arbeitszeiten laut Anweisung von unserem Chef an die Schichtzeiten der Montage gehalten- diese gehen aktuell von 05:30 bis 13:40 bzw. 14:40-22:50. Etwas misstrauisch war ich schon letzte Woche geworden, als ich meinen Chef gefragt hatte ob ich denn früher gehen dürfe, wenn ich während der 2 10-minütigen Rauchpausen durcharbeite. “Ja, klar darfst du… eure Arbeitszeiten sind ja nur an das Schichtsystem angelehnt, Hauptsache du kommst am Ende des Tages auf deine 7,5 Stunden!” Mit so einer großzügigen Antwort hatte ich nicht gerechnet,doch irgendetwas machte mich skeptisch. Angelehnt? Würden wir dann überhaupt Schichtzulage bzw. Nachtzuschlag bekommen?

Vorgestern Abend, als ich vor dem Schlafengehen nochmal meine Mails checkte, entdeckte ich eine Mail aus der Personalabteilung. Es hätte da ein Missverständnis zwischen ihnen und meinem Chef gegeben. Man habe zwar den Rahmen auf 22:00 erweitert, aber wir sollten dennoch nicht vor 6:00 oder nach 22:00 arbeiten. Das hätten sie unserem Chef zwar gesagt, aber der hätte das wohl falsch verstanden.  “Und da kommen sie nach 2 Wochen drauf?” dachte ich noch amüsiert. Immerhin hatte ich ihnen letzte Woche mehrmals meine Arbeitszeiten geschickt um sie manuell eintragen zu lassen, da ich im Zeiterfassungsprogramm ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr stempeln hatte können.
Gestern Vormittag erhielt ich eine E-Mail aus der Personalabteilung, man hätte nun all meine Arbeitszeiten korrigiert. Sehr gut, dann kann ich endlich mal nachschauen wie nahe ich dem Wochensoll von 30 Stunden bin, dachte ich, denn wir waren angehalten worden, diesen Wert nicht zu sehr zu über- oder unterschreiten.
Doch als ich mich einloggte, traf mich fast der Schlag. Fassungslos starrte ich abwechselnd auf die zwei Bildschirme vor mir, am linken der Rückblick der Zeiterfassungssoftware, am rechten das Excel-Dokument, in dem ich meine tatsächlichen Zeiten eingetragen hatte. Man hatte nicht meine wahren Arbeitszeiten eingetragen, die ich ihnen übermittelt hatte, sondern diese so nach vorne oder nach hinten verschoben, dass ich laut Software keinen Tag vor 06:00 oder nach 22:00 gearbeitet habe, die Summe der an dem Tag geleisteten Zeit aber gleich blieb. Hatte ich laut meinen Aufzeichnungen von 05:30 bis 13:31 gearbeitet, stand in der Zeiterfassungssoftware 06:00- 14:01. Hatte ich von 13:59 bis 22:15 gearbeitet, stand da nun 13:44 bis 22:00.
‘Und das alles ohne mich vorher zu fragen oder zu informieren. Wenn man vorher das Gespräch mit mir gesucht hätte und gesagt hätte: “Hör mal, wir haben da Scheiße gebaut, und wir kommen beim Abrechnen in Teufels Küche wenn das so stehen bleibt…wäre es okay wenn wir die Arbeitszeiten verschieben?” wäre ich die Letzte gewesen, die sich quer gestellt hätte. Aber sich diese Dreistigkeit herauszunehmen und einfach die Zeiten zu verfälschen, damit ich bloß keinen Anspruch auf irgendetwas habe, was sich daraus ergibt, wo ich doch mit E-Mails und Internetverläufen belegen kann, dass ich außerhalb dieser Zeiten hier war… ich weiß echt nicht mehr was ich dazu sagen soll. Ich bin fassungslos. Und ich bin enttäuscht. Ich hätte denen wirklich viel zugetraut, aber dass sie so weit gehen…damit hatte ich nicht gerechnet.

Heute Früh hatte ich die Sache schon wieder halbwegs verdaut, da kam der nächste Hammer. Mit Ende Mai läuft die vollständige Trennung der beiden Schichten in der Montage aus. Die Montagemitarbeiter, die zuvor in der Tagschicht gearbeitet haben, dürfen das endlich wieder. Gut, dann sollte man meinen, dass für uns auch keine Veranlassung mehr besteht, im Schichtsystem zu ans Schichtsystem angelehnten Zeiten zu arbeiten, oder? Falsch gedacht, im Dienstplan, den der Chef gestern Abend ausgeschickt hat, sind wir trotzdem wieder in Frühschicht und Spätschicht eingeteilt. Ich weiß nicht, ob er das ernst meint, oder dann wieder behauptet, das sei nur ein Vorschlag von ihm gewesen und wir hätten doch Gleitzeit und könnten arbeiten wann wir wollen, wenn ich ihn darauf anspreche. Ich weiß nur, dass es mir mit dieser Bude langsam echt bis hier steht.

Also wird es morgen mal wieder ein nettes Gespräch mit der Arbeiterkammer geben. Ich bin dort in letzter Zeit Stammkundin, kommt mir vor…

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Von wegen Gespräch

Die Nacht war kurz gewesen, als ich Montags um 6:15 in der Firma ankam. Noch zuhause hatte ich meiner Mutter eine SMS geschrieben, wie viel mehr Gehalt sie unter diesen Umständen für angemessen hält. Diese Antwort wollte ich auf alle Fälle noch abwarten. Am späten Vormittag tauchte mein Chef dann von sich aus neben meinem Schreibtisch auf. Da er normalweise von sich aus zu sprechen beginnt, arbeitete ich einfach weiter, doch er blieb stumm. Als die Stille unangenehm wurde, fragte ich: “Ist irgendwas?” Er schien nicht so recht mit der Sache rausrücken zu wollen. “Ja… also wir hatten gerade Jour Fixe, und es gab wohl Bedenken, dass ihr ja quasi die “Infektionsbrücke” zwischen den Schichten seid, weil ihr mit beiden Schichten Kontakt habt. Deswegen müssen wir unsere Arbeitszeiten auch wieder an das Schichtmodell anlehnen. Das heißt, du hast ab morgen Frühschicht. Die 4-Tage-Woche lassen wir so. Aber nur mehr bis Ende Mai, dann ist es wirklich vorbei” sagte er, klang aber nicht sehr überzeugt.

In dem Augenblick wurde ein prsönlicher Alptraum wahr. Wenn etwas für meine psychische Stabilität essentiell ist, dann ist es ein einheitlicher Tagesablauf. Die Frühschicht wich davon zumindest nicht allzu stark ab, aber vor der Spätschicht graute mir. So einen Tagesablauf hatte ich noch nie gehabt. Ich erfreute mich noch an dem Lichtblick, dass ich zumindest 2 der 3 verbleibenden Maiwochen Frühschicht hatte und nicht andersrum, als mich der Chef nochmal in sein Büro winkte. “Fliegermädchen, bleib mal kurz da, ich glaube ich hab dir vorhin einen Blödsinn gesagt. Du wärst diese Woche in der Spätschicht, sonst geht sich das nämlich mit den freien Tagen nicht aus, dass am Montag und Freitag beide Schichten besetzt sind.” Der Super-GAU war Realität geworden. Ich lachte trocken auf. “Ich bin heute um 5 aufgestanden. Wie soll ich innerhalb von 24 Stunden meinen Lebensrhythmus komplett umstellen?!” – “Ich weiß, es ist sehr kurzfristig, ich habe auch gesagt, dass ich das übertrieben finde, vor allem bei dir, wo du doch eh nur oben im Büro bist, aber es war nichts zu machen. Es ist wirklich nur mehr dieses Monat.” Ich seufzte. “Okay, ich habe ja keine Alternativen. Und im Gegensatz zu den anderen ist es eh das erste Mal für mich” – “Danke Fliegermädchen. Aber pass auf deine Gesundheit auf, ja?” Ich musste mir auf die Lippe beißen, um keinen sarkastischen Kommentar abzugeben. Da bin ich um 5 aufgestanden um um 6:15 mit der Arbeit zu beginnen, er erklärt mir dass ich am nächsten Tag zu der Zeit, wo ich mich
am selben Abend ins Bett kuscheln werde 24 Stunden später putzmunter und produktiv in der Firma sitzen soll wobei er weiß, dass ich Stabilität nicht mit Löffeln gefressen habe und dann predigt er was von Gesundheit…
Nach diesem Gespräch war jedenfalls an konzentriertes Arbeiten nicht mehr zu denken, zu viele Fragen schwirrten mir durch den Kopf. Sollte ich direkt nach der Arbeit ins Bett gehen oder lieber noch ein paar Stunden wach bleiben? Würde ich direkt nach der Arbeit überhaupt schlafen können oder würde ich zu aufgewühlt sein? Aber wenn ich die Nacht zum Tag und den Tag zur Nacht machte, wann sollte ich dann einkaufen gehen bzw. Mittwochs in die Apotheke fahren? Punkto Apotheke, wann sollte ich das Buprenorphin nehmen? Um die Zeit, um die ich das normalerweise mache, würde ich noch in der Spätschicht sitzen. Und darauf, die letzten 2 Stunden wie auf Nadeln sitzend (welch Wortwitz, in dem Zusammenhang) zu verbringen, hatte ich beim besten Willen keine Lust. Aber wäre ich in der Lage konzentriert zu arbeiten, wenn ich mir vorher meine gesamte Tagesdosis in die Blutbahn jage? Aber wie sollte ich dann nach der Schicht einschlafen, ganz ohne Buprenorphin? Und könnte ich das vor der Arbeit überhaupt genießen, wenn ich die ganze Zeit die Zeit im Nacken hatte? Wenn ich abends mal etwas länger brauche, weil ich nicht gleich treffe… sei es drum. Aber vor der Arbeit, wenn man die ganze Zeit den Stress im Nacken hat, dass man pünktlich sein muss? Wann soll ich meine ES-Orgie einbauen? Hinterher bin ich doch’viel zu erschöpft, um einen ganzen Arbeitstag durchzustehen. Doch wenn ich das hintendran hänge, so wie jetzt, komme ich vor den frühen Morgenstunden nicht ins Bett und ich habe das, was ich eigentlich nicht wollte – ich verschlafe den ganzen Tag. Wann sollte ich die einzige Mahlzeit des Tages, die meinen Magen nicht sofort wieder verlässt, zu mir nehmen? Das Rad in meinem Hirn drehte und drehte und drehte sich…

Die Nacht war fast nicht als solche zu bezeichnen. Schon lange habe ich mich nicht mehr so nach diesem Brennen auf der Haut gesehnt, das ich verspüre, wenn das scharfe Metall die einzelnen Schichten durchtrennt und nach dieser Wärme und dieser Beruhigung, die sich ausbreitet. Immer wieder laufen mir in dieser Nacht die Tränen übers Gesicht weil ich solche Panik habe, ob ich das alles hinbekomme.

Und mein Gehaltsverhandlungsgespräch rückt in weite Ferne. Denn mein Chef ist in der Gegenschicht, weshalb wir uns bis Ende des Monats nicht mehr sehen werden.

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nicht so heiß gegessen wie gekocht

Pünktlich um 07:30 laut Dienstplan tauchte ich am Dienstag in der Firma auf. Im Laufe des Vormittags rief ich einen meiner Kollegen an, um zu fragen ob er mir den Schlüssel zu meinem Schrank wiedergeben könne. Ganz nebenbei fragte ich dann: “Ist das nicht saublöd, 1,5 Stunden Mittagspause machen zu müssen?” Wie kommst du denn darauf?” fragte er. “Na wenn du doch von 06:30 bis 15:30 arbeitest, heißt das ja, dass du 1,5 Stunden Mittag machen musst, oder?” – “Achso, den Plan meinst du. Das sind nur Ungefährzeiten, so wie er es sich wünschen würde, aber wir können uns das aufteilen wie wir wollen.” Aufteilen wie wir wollen heißt in unserer Abteilung: Keiner redet mit keinem und wer als letzter da ist hat die Arschkarte und muss entweder bis zum Schluss bleiben oder mit dem schlechten Gewissen Leben, gegangen zu sein obwohl der Chef gerne hätte, dass während der Tagschicht zumindest ein Mitarbeiter aus der Abteilung da ist. In der Regel bin das ich. Rechtlich gesehen kann mir mein Chef zwar nichts, da die Kernzeit der Gleitzeit nur bis 15:00 geht und jetzt während der Kurzarbeit überhaupt nur bis 12:00, aber leicht fällt es mir trotzdem nicht, dann einfach zu gehen so wie es die anderen auch machen. Warum er den Zeitplan überhaupt ausgeschickt hat, wenn er ohnehin nicht bindend ist? Das weiß wohl nur er selbst.

Am Dienstag kam mal wieder der Prozessmanager auf mich zu. Ob ich mir vorstellen könne, die betriebsinterne Sharepointseite zu administrieren. Die Berechtigungen seien viel zu locker vergeben, es gehöre da einmal dringend aufgeräumt und langfristig auch ein System geschaffen, damit das gar nicht alles wieder so ins Chaos abgleitet. Er habe schon mit meinem Chef gesprochen, der sei einverstanden.
Eine neue Herausforderung- ich stimmte zu. Aber nun steht mir nächste Woche ein Gespräch bevor, das ich zu gerne umgehen würde. Websiteadministration hat nun nicht mal mehr im geringsten mit den Aufgaben meiner Abteilung zu tun. Und wenn ich Aufgaben übernehme, die über das hinausgehen, wofür ich eingestellt wurde… sollte eigentlich auch mein Gehalt steigen. Zumindest bin ich dieser Meinung. Und nachdem mich mein Chef nun schon 1,5 Jahre damit hinhält, er würde mal in einem geeigneten Moment mit der Geschäftsführung reden, muss ich mich wohl wirklich mal selbst auf die Füße stellen und Forderungen stellen. Ich habe lang genug die Füße still gehalten und gewartet. Und meine Argumentationslage ist gut, denn wenn ich diese Aufgabe jetzt einfach übernehme, ist es in 3 Monaten schon wieder so normal, dass es als selbstverständlich betrachtet wird. Wäre da nicht Corona… aktuell schaut jede Firma, dass sie ihr Geld irgendwie zusammenhält. Und ausgerechnet jetzt komm ich ums Eck und sage “Ich will mehr Kohle.” Irgendwie komme ich mir bei dem Gedanken frech und unverschämt vor. So viele Leute haben in den letzten Wochen ihren Arbeitsplatz verloren, und anstatt mich still zu freuen, dass ich meinen noch habe, stelle ich Forderungen. Aber andererseits… was kann denn ich dafür, dass sie ausgerechnet JETZT mit dieser Aufgabe an mich herantreten? Und ich habe ja auch nicht vor zu sagen, dass ich die Aufgabe nicht übernehme wenn ich keine Gehaltserhöhung bekomme.

Ich habe keinen Plan wie ich mich entscheiden soll…

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Geschickt eingefädelt

Mein Chef hatte am Mittwoch telefonisch angekündigt, einen Dienstplan auszuschicken, denn die alten Arbeitszeiten sind Dank kurzarbeit vorläufig Geschichte. Am Donnerstag kam nix. Am Freitag kam nix. Samstag Abend checkte ich nochmal alle Mails, ob ich nicht vielleicht etwas übersehen hatte – aber außer der Information, dass nun Schutzmasken zu tragen wären, hatte er nichts geschickt. Ich überlegte, ihm zu schreiben, entschied dann aber, dass ich ihm in den letzten Wochen weiß Gott genug nachgelaufen war. Ich würde am Montag in die Firma kommen, sein Pech, wenn ich eigentlich frei gehabt hätte.

Am Sonntag Nachmittag vibrierte mein Privathandy. “Hallo Fliegermädchen! Habe gerade den Dienstplan ausgeschickt. Du arbeitest von Dienstag bis Freitag. Bitte bleib oben im Büro.” Hääääh? Ich dachte das Thema mit dem Büro hätten wir vor meinem Urlaub ausdiskutiert, da hatte er doch noch behauptet es sei kein Problem, dass ich runter in die Fertigungshalle gehe?! Ich schnappte mir mein Diensthandy und öffnete das Excel-Dokument im Anhang der E-Mail. Nennen wir meine 3 Abteilungskollegen mal X1, X2 und X3. Aktuell haben wir ein Tagessoll von 7,5 Stunden. X1 und X2, die Frühaufsteher sind, arbeiten Montag bis Donnerstag von 06:30 bis 15:30. X3, der es morgens gerne etwas langsamer angeht, und ich, die sonst auch meistens spätestens um 06:30 in der Firma war, sind Dienstag bis Freitag von 07:30 bis 16:00 eingeteilt. Findet den Fehler (Anmerkung: eine Stunde ist Mittagspause).

Mir ist schon klar, dass mein Chef schauen will, dass die Abteilung über einen möglichst langen Zeitraum besetzt ist, und uns daher zu unterschiedlichen Zeiten eingeteilt hat- aber ich finde es einfach ungerecht, dass alle zu den Zeiten arbeiten dürfen, zu denen sie sonst auch gerne arbeiten, nur ich falle mal wieder hinten runter. Dabei habe ich in den letzten 2 Monaten glaube ich genug in den sauren Apfel gebissen. Wer übrigens denkt, dass dann in der zweiten Woche getauscht wird- der freie Tag wird zwar getauscht, das Team das in der ersten Woche Montag frei hatte hat dann Freitag frei und umgekehrt, aber Arbeitsbeginn und -ende bleiben gleich. Und wenn ich es durchbringen würde, dass die Arbeitszeiten in 2-wöchentlichem Rhythmus gewechselt werden, damit ich auch mal früher anfangen kann, würde ich die gesamte restliche Abteilung gegen mich aufbringen, denn es sind außer mir alle mit dem Plan zufrieden. Das nenne ich mal geschickt eingefädelt. X1 und X2 würden protestieren, wenn sie bis 16:00 arbeiten müssten, also umgeht er diese Diskussionen, indem er einfach alle zufrieden stellt bis auf eine, die dann erst mal den Mut aufbringen muss, sich gegen all ihre Abteilungskollegen zu stellen.

Generell habe ich den Eindruck, dass mein Chef von Grund auf überfordert ist (auch schon vor Corona, aber nun wirds immer schlimmer) und manchmal frage ich mich, wie er zu dieser Position gekommen ist. Ich bin echt nicht der Meinung, dass man unbedingt studiert haben muss, ganz im Gegnteil, ich finde es gut wenn auch “normalen” Menschen solche Positionen offen stehen. Aber wenn man vom eigenen Chef aufgefordert wird, in einer Excel-Auswertung das Tortendiagramm in ein Liniendiagramm umzuwandeln… dann wirds meiner Meinung nach peinlich, denn dann fehlt es an Grundlagen, die man in dieser Position haben sollte.

Ich weiß, man soll nicht über seinen Arbeitgeber lästern, aber wenn ich aus diesem Chaotenverein raus bin mache ich 3 kreuze.

 

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So einfach

So einfach hätte ich mir das Gespräch mit meinem Chef nicht vorgestellt. Ich musste ihm zwar auch dafür wieder mehrmals nachlaufen aber nachdem er zweimal gesagt hatte, er würde noch bei mir vorbeischauen, und es dann doch nicht tat, war es so weit. Zuerst besprach ich Arbeitsthemen und hob mir die Sache für den Schluss auf, doch irgendwann musste es raus. “Und was ich noch sagen wollte… wir müssen uns überlegen, wie es bei mir arbeitstechnisch weitergeht. Mit Ende dieser Woche bin ich 40 Stunden im Minus. Ich habe diesbezüglich mit der Arbeiterkammer telefoniert, dort habe ich die Information erhalten, dass ich keine Risikopatientin bin, wenn ich darüber nicht schriftlich benachrichtigt wurde, und somit freigestellt werden müsste, wenn du trotzdem der Meinung bist, dass die Arbeit für mich zu gefährlich sei.” – “Du kannst natürlich anrufen wen du willst, aber warum redest du denn vorher nicht mit mir? Ich habe das doch nur gemacht um dich zu schützen, aber wenn du arbeiten kommen möchtest, habe ich kein Problem damit, du hättest dich nur melden müssen.”

Natürlich. Nun wieder alles so hinstellen, als wäre alles meine freie Entscheidung gewesen und als ob ich nur etwas sagen hätte müssen. Und letztes Jahr, als ich in ähnlichen Situationen etwas gesagt habe und diskutieren wollte, wurde ich hingestellt als hätte ich jeden Bezug zur Realität verloren, könne die Gefahr nicht richtig einschätzen und müsse vor mir selbst geschützt werden.

“Und runter in die Montage darf ich auch?” fragte ich misstrauisch. “Natürlich, schau halt dass du nicht öfter unten bist als unbedingt notwendig und die Leute daran erinnerst den Sicherheitsabstand einzuhalten, es gibt da ein paar, die das gerne mal vergessen.”

Sehr lange hatte ich von meiner neu gewonnenen Freiheit allerdings nichts: Diese Woche habe ich Urlaub und ab nächster Woche haben wir wahrscheinlich Kurzarbeit.

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Arbeitsverbot

Ich habe Stress mit meinem Arbeitgeber. Mal wieder. Immerhin bin ich schon so weit, dass ich zumindest in die Firma darf, aber ich muss oben im Büro bleiben und darf nicht runter in die Werkshalle. Weil ich immungeschwächt bin und mich anstecken könnte, meint mein Chef. Dazu möchte ich anmerken, dass ich seit meinem Diensteintritt im Oktober 2017 nicht einen einzigen Tag wegen einer körperlichen Erkrankung krank geschrieben war. Ich war letzten Winter nicht mal erkältet. Ganz im Gegensatz zu meinem Chef, der im Winter zumindest einmal von einem Virus flach gelegt wird, aber die ganze Zeit über in der Firma war. Also wer hat da das schwache Immunsystem?!

Mein Gleitzeitkonto ist mittlerweile 30 Stunden im Minus, weil ich für die Hälfte der Aufgaben vor Ort sein müsste. Checks, Bestandskontrollen, Reklamationen, Auftragsabklärungen…das alles kann ich vom Büro aus nicht machen.

Das Ungerechte ist: Meine beiden Abteilungskollegen, die genau dieselbe Arbeit machen wie ich, arbeiten ganz normal weiter. Ich bin die Einzige, die dazu verdonnert wurde.

Also wollte ich heute guten Willen zeigen und bin mit Maske in die Arbeit gekommen, um meinem Chef zu zeigen dass ich die Gefahr ernst nehme und in der Hoffnung, ihn damit überzeugen zu können, dass ich so unten in der Halle arbeiten darf. Fehlanzeige. Als er ins Büro kam, fing er erst mal an zu lachen. Auch wenn ich genau wusste, weshalb er lachte, fragte ich: “Ist irgendwas?” – “Hier oben trägt niemand eine Maske, unten in der Halle auch nur einer, der unbedingt drauf besteht. Wir haben eh so viel Abstand zueinander, da bringen die Masken überhaupt nichts, die braucht man nur wenn man sich nahe kommt.”. Ach, wenn das so ist, wo ist dann das gottverdammte Problem dabei, dass ich endlich zurück an meinen Arbeitsplatz darf?!

Ich bin mit meinem Latein am Ende. Ich habe die Arbeiterkammer kontaktiert und bekomme spätestens morgen einen Rückruf von einem Arbeitsrechtexperten. Aber die Dame, die den Fall aufgenommen hat, hat mir schon mal gesagt, dass sie das nicht nachvollziehen kann und dass es am Besten gewesen wäre, ich hätte den neuen Vertrag gar nicht unterschrieben. Leider ist man oft erst im Nachhinein klüger…

Und wenn der ganze Mist vorbei ist, bin ich ernsthaft am Überlegen, ob ich mich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehe. So sehr mir die Arbeit auch gefällt, aber ich bin nicht von Zuhause ausgezogen, um mich von meinem Arbeitgeber bevormunden zu lassen.

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Eine Bereicherung

Schließlich hat sich meine Mutter doch dazu durchgerungen, mein Angebot anzunehmen und das in Medan vebliebene Fellmonster mir anzuvertrauen. So trafen wir uns letzte Woche am Donnerstag Nachmittag auf einem Pendlerparkplatz, ich hatte darauf bestanden ihr entgegenzufahren, da sie derzeit 12 Stunden am Tag arbeitet und da sollte sie ihren einzigen freien Nachmittag seit langem nicht mit einer 4-stündigen Autofahrt vebringen. Wir  beide hatten uns ein Tuch um den Mund gebunden, trotzdem konnte ich nicht anders als sie zu umarmen. Doch den Rest der Zeit verbrachten wir mit großem Abstand. “Vermutlich hast du recht und es ist wirklich besser so. Dazu kommt noch, dass ich so viel arbeite, dass ich ihm derzeit gar nicht gerecht werden kann, ich komme von der Arbeit nach Hause und falle oft ins Bett ohne vorher überhaupt noch etwas gegessen zu haben.” sagte sie. “Vertrau mir, du bekommst noch diese Woche ein Foto von mir wo sie alle 3 zusammen friedlich daliegen und kuscheln.” sagte ich und versuchte dabei überzeugend zu wirken. Immerhin waren meine 2 seit ihrem Einzug 2015 zu zweit- ob sie einen Neuling einfach so aufnehmen würden? “Wenn es nicht klappt, ruf mich bitte wirklich an, dann hole ich ihn am Wochenende ab” sagte Mama, nachdem wir uns verabschiedet hatten und ich dabei war ins Auto zu steigen. “Mach ich. Aber ich bin mir zu 99% sicher, dass der Auszug bei euch für immer war.” Und ich sollte recht behalten.

Am nächsten Tag startete ich im Schlafzimmer die Vergesellschaftung. Ich hatte die Vergesellschaft nach dem kastrieren noch bildlich vor Augen und das war nicht schön gewesen- ich rechnete also damit, dass die Fetzen fliegen. Ich setze die 3 zusammen. Neugieriges Beschnuppern, erkunden der ungewohnten Umgebung, dann machten sie sich über die Gemüsestücke her, die ich im ganzen Raum verteilt hatte. Nachdem 10 Minuten nichts passiert war, verließ ich den Raum und ließ der Sache ihren Lauf. Alle 1-2 Stunden sah ich nach dem Rechten, doch nie erwischte ich sie dabei wie sie einander Fell ausrupften oder sonst was. Im Gegenteil, nachdem ich sie abends gefüttert hatte, saßen sie friedlichh nebeneinander- zwar ohne sich zu  berühren, aber da sie sich erst vor wenigen Stunden kennengelernt hatten war das schon mehr, als ich erwartet hatte.  Nachdem es so gut gelaufen war, übersiedelte ich sie schon am nächsten Tag in ihr eigentliches Revier. Auch da- keine Probleme, kein Streit. Am Abend sah ich sie zum ersten Mal zu dritt kuscheln und machte sofort ein Foto für meine Mutter.

Die letzten Tage ist der alte Herr immer mehr aufgeblüht. Er ist viel aktiver, frisst viel mehr, er genießt die Nähe zu den beiden sichtlich und bringt Ruhe hinein, wenn sich meine zwei Mädels mal wieder anzicken. Mama hatte erzählt, dass er zuhause nur mehr an dem Lieblingsplatz seiner verstorbenen Partnerin gesessen war und auf sie zu warten schien- hier sprüht er mittlerweile vor Lebensfreude. Natürlich macht das seine körperlichen Probleme nicht weg, er ist einfach alt und das merkt man ihm auch an, aber er ist wieder glücklich und das ist das Wichtigste. Ich hoffe dass er hier noch ein paar schöne letzte Monate hat.

Er ist einfach eine Bereicherung.