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Verkohlt

Klinik angerufen. Nein, an der Warteliste habe sich nichts geändert, aber für nächste Woche seien 2 Entlassungen geplant.

4 Wochen lang keine Entlassung?! Leute, wollt ihr mich verkohlen?!

Was für ein geiler Start in den Tag. Ich verkrieche mich dann einfach wieder heulend im Bett.

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Mehr und weniger Chaos

Dieses Wochenende war wieder Substanzkonsumwochenende. Manchmal nervt die Nebenwirkung der Schlaflosigkeit danach unglaublich, aber dieses Wochenende beschloss ich, sie mal zu nutzen um alles zu tun, was bisher so liegen geblieben ist: putzen, aufräumen, Unterlagen einsortieren (alles, was die letzten 2 Monate so an Post etc. kam landete einfach auf einem Stapel am Tisch). Ob es sinnvoll ist, bis halb 7 morgens die kompletten Fliesen am Klo mit Glasreiniger zu polieren (Wände, Boden, Kloschüssel, alles), sei mal dahingestellt. Es tat jedenfalls gut, mal irgendetwas weiterzubringen. Und sei es nur, dass ich heute ein blitzsauberes Klo hatte, das ich vollkotzen konnte.

Als es draußen hell wurde, ging ich ins Bett. Da meine Vorhänge nicht wirklich lichtdicht sind, hatte ich Angst, gar nicht mehr schlafen zu können, wenn ich warte bis es ganz hell wird. Knapp 4 Stunden später war ich wieder auf den Beinen, setzte mich ins Auto, fuhr zum Sportwettkampf einer Freundin und verbrachte den kompletten Abend zwischen Kühlschrank und Klo. Dabei verlor ich die Zeit aus den Augen, denn ich wollte der Psychologin ja eigentlich noch eine Entschuldigungsmail für das Fernbleiben schreiben. Allerdings ist es nicht sehr authentisch, um ein Uhr morgens noch etwas von körperlichen Problemen vorzujammern, das scheint dann ja erst recht so, als wäre es mir in letzter Sekunde noch eingefallen.

Das Problem ist, dass ich nicht weiß, welche Ausrede ich nehmen soll. Es muss etwas sein, das mich so außer Gefecht gesetzt hat, dass ich sowohl am Donnerstag selbst, als auch am Freitag nicht anrufen konnte, das aber so schnell wieder verschwunden ist, dass ich theoretisch morgen in die Klinik könnte, wenn ein Platz frei wäre. So Dinge wie Grippe oder Magen-Darm-Virus sind also unpraktisch, sonst heißt es: “Nein, dann bleiben Sie mal lieber Zuhause, bevor Sie irgendetwas einschleppen, das sich dann auf der Station verbreitet”. Wenn ich einen Fahrradunfall nehme, habe ich Angst, dass sie die Lüge bei der Aufnahme aufdecken. Da werde ich vermutlich in Unterwäsche gewogen und wenn da keinerlei blaue Flecken oder Schürfwunden zu sehen sind, ist das etwas unrealistisch, wenn es mich am Donnerstag noch so übel mit dem Fahrrad geschmissen haben soll, dass ich nicht zur Gruppe kommen konnte. Aktuell tendiere ich noch am ehesten zu “Beim Putzen von der Leiter gefallen und den Kopf angehaut”. Aber ich werde wohl lieber morgen anrufen, und ihr das sagen, denn wenn ich um die Zeit noch eine E-Mail schreibe, kommt das sonst wieder so rüber, als hätte ich mein Leben nicht unter Kontrolle. Denn die Funktion, mit der man E-Mails zu einer bestimmten Zeit automatisch versenden kann, funktioniert bei meinem kostenlosen GMX-Konto nicht. Heute zu einer “normalen” Zeit aufstehen, nur um die E-Mail zu schreiben, will ich auch nicht, ich bin froh wenn ich möglichst lange schlafe und möglichst viel des Tages schon um ist, wenn ich aufstehe.

Ich werde heute auch wieder in der Klinik anrufen und fragen, auf welcher Position ich auf der Warteliste bin. Und wenn es dann wieder heißt, dass noch 2 vor mir sind, frage ich, ob sie mich verarschen wollen. Ich hoffe einfach so sehr, dass es diese Woche endlich so weit ist.

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Träume

Vor ein paar Tagen habe ich von Julius geträumt und seitdem geht er mir nicht mehr aus dem Kopf.

Vielleicht liegt es daran, dass es die am kürzesten zurückliegenste Beziehung ist, aber ich glaube nicht, dass ich eine meiner wenigen sonstigen Beziehungen so lange nachgetrauert habe wie der mit Julius. Es war einfach alles so perfekt. Er ist der einzige Mensch den ich bisher kennengelernt habe, mit dem ich mir so ein ganz kitschiges Familienleben vorstellen könnte: Ein kleines Häuschen im Grünen, zwei Kinder, vielleicht Haustiere.

Ich habe schon länger nichts mehr von ihm gehört. Soviel ich weiß, ist er seit der Sache mit uns Single. Vielleicht geht es ihm ähnlich wie mir.

Heute Früh, als ich nicht schlafen konnte, ist mir die bescheuerte Idee gekommen, nach der Therapie einen neuen Job bei ihm in der Nähe zu suchen. Es wäre nicht schwer, er wohnt ziemlich nahe an einem großen Flughafen. Und dann darauf hoffen, dass er uns nochmal eine Chance gibt und ich die Nähe diesmal zulassen kann und dass wir dann in 10 Jahren so richtig kitschig mit unseren Kindern im Garten sitzen und grillen oder so.

Ziemlich bekloppt, einer Beziehung nachzutrauern, die man selbst beendet hat.

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I´m going in front of the dogs

Denglisch ist schon etwas Tolles.

Umso weniger ich zu tun habe, umso desorganisierter werde ich. Ich weiß noch, als ich nach meiner Entlassung Ende 2015, während ich noch krank geschrieben war, einen Krankenkassentermin verpennt habe.Gebt mir eine vollgeplante Woche, in der ich von A nach B rennen muss – klappt super. Gebt mir eine Rumgammelwoche zuhause, in der ich nur einen Termin habe- und ihr könnt sicher sein, dass ich den vermassel. Der einzige Fixtermin diese Woche: Motivationsgruppe in der Klinik am Donnerstag um 16:00. Da muss ich hin, weil das Voraussetzung für die Aufnahme in der Klinik ist.

Ich bin schon mal genervt, dass ich “nur” bis 9:00 schlafen kann und noch viel Zeit bis zur Gruppe totschlagen muss. Eine halbe Stunde habe ich Anfahrtszeit, also beschließe ich 40 Minuten vorher wegzufahren. Um 20 nach setze ich mich ins Auto und werfe ganz automatisch einen Blick auf die Uhr. 4:21. Moment… vier Uhr einundzwanzig???!!!!

Verkaaaaackt. Und ich muss mir noch eine logische Erklärung einfallen lassen, warum ich nicht dort war. Ich habe Angst, dass die mir einen Strick drauß drehen, wenn ich die Wahrheit sage- nämlich, dass ich schlicht und einfach die Zeit übersehen habe. Von wegen, dann sei ich noch nicht reif und organisiert genug für eine stationäre Therapie oder es sei mir nicht wichtig genug, denn dann hätte ich ja besser auf die Zeit geachtet. Also wird irgendetwas anderes herhalten müssen. Verstauchter Fuß. Oder Kreislaufprobleme, das wäre sogar ziemlich plausibel.

Kann es sein, dass man an den Fersen auch Fett hat, das man als Essgestörte dann nicht mehr hat? Mir tun nämlich in letzter Zeit beim Gehen ständig die Fersen weh und ich habe das Gefühl, tatsächlich auf bloßen Knochen zu laufen. Was weiß ich. Es fühlt sich jedenfalls strange an.

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Das Warten geht weiter

Wochenende war okay. Meine Mutter hatte kein Fresubin besorgt, aber ich habe sie nicht darauf angesprochen.

Heute habe ich mal wieder in der Klinik angerufen. Angeblich sind noch immer 2 Leute vor mir und ich weiß langsam nicht mehr, was ich glauben soll. Das würde heißen, dass in den letzten mehr als 2 Wochen niemand entlassen bzw. aufgenommen worden ist. Ja, klar, theoretisch ist das möglich- aber ziemlich unwahrscheinlich. Langsam fühle ich mich hingehalten und verarscht. Ich bin einfach sowas von am Ende, habe ein neues Tiefstgewicht und ich weiß auch nicht. Alles Scheiße.

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Nicht schlauer

Es kam so, wie ich es befürchtet habe: Ich bin nach dem Anruf auf der Psychosomatik nicht schlauer als vorher. Im Grunde genommen weiß ich sogar noch weniger als davor.

Beim 4. Versuch hebt endlich jemand ab. “Guten Morgen, hier ist das Fliegermädchen. Ich stehe auf der Warteliste für einen stationären Aufenthalt. Könnten Sie mir vielleicht sagen, auf welcher Position ich aktuell bin, also wie viele Leute noch vor mir sind? Nur, damit ich die nächste Zeit ein bisschen planen kann…” – “Also genau kann ich Ihnen das nicht sagen…” – “Ja, weiß ich. Ich möchte ja auch gar kein Aufnahmedatum oder so, ich möchte einfach nur wissen wie viele Leute noch vor mir sind.” – “Moment, ich schaue mal nach was in nächster Zeit an Entlassungen geplant ist.” Altaaaa. Die Frage war, wie viele Leute noch vor mir sind, an welcher Stelle mein verdammter Name auf dieser fucking Liste steht. “Ahja…zweiundzwanzigster….neunundzwanzigster… also Sie können davon ausgehen, dass es sehr schnell gehen kann, wenn es so weit ist. Mehr kann ich Ihnen leider nicht sagen. ” Danke. Welch hilfreiche Auskunft: Wenn ich dran bin, kann es sehr schnell gehen. Ich bin beeindruckt.

Ich bin am Überlegen, der Psychologin zu schreiben, die konnte mir ja vor knapp 2 Wochen erstaunlicherweise meine Position auf der Warteliste ganz exakt nennen. Ich muss sie sowieso fragen, ob ich am Donnerstag wieder zur Motivationsgruppe kommen darf/soll. Aber wenn ich zu oft nachfrage, denkt sie am Ende noch ich sei nicht stabil genug und der ganze Aufenthalt verschiebt sich noch weiter nach hinten. Beim Gespräch vor 2 Wochen hat sie ja betont: “Wir nehmen Sie NICHT auf weil es Ihnen so schlecht geht!” (Äh. Weswegen sonst?! Weil ich letztes Mal so viel gute Laune auf der Station verbreitet habe? ).

Irgendwo ist es ja leicht pervers: Da wartet man eine halbe Ewigkeit auf einen Therapieplatz, aber in der Zwischenzeit soll man bitteschön schön stabil bleiben, sonst wird man nicht aufgenommen. Wenn ich ach so stabil und gesund wäre, dass ich draußen ein ganz normales geregeltes Leben führen kann, hätte ich mich doch gar nicht für einen Therapieplatz angemeldet. Sie wollen mich nicht direkt aus der Psychiatrie übernehmen, ich soll erst mal zeigen, dass ich ein paar Wochen draußen selbst klar kommen kann, denn dann bin ich schön unkompliziert oder was weiß denn ich. Irgendwo wird es schon seinen Sinn haben, aber bei mir bleibt ein Nachgeschmack von “Die machen es sich auch sehr einfach.”.

 

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Zermürbend

Das Warten ist zermürbend. Ich bin kurz davor in der Klinik anzurufen und zu fragen, auf welcher Stelle ich auf der Warteliste mittlerweile stehe, einfach nur um irgendetwas Positives zu hören (in den letzten 2 Wochen wird ja wohl eine von den beiden, die vor mir sind, aufgenommen worden sein). Igendwie hatte ich heute aber zu große Angst davor, dass sich die Psychologin geirrt hat, dass doch noch mehr Leute vor mir sind, und das würde mir bei meinem aktuellen Zustand echt den Rest geben.

Gestern Abend war es besonders schlimm. Habe mir die doppelte Dosis Trittico eingeworfen, mich im Bett herumgewälzt und gehofft, dass das Zeug doch endlich wirken möge. Suizidgedanken ohne Ende. Blöderweise würde mich so eine Aktion um Häuser zurückwerfen, falls ich sie überlebe, denn man wird in der Klinik nur aufgenommen, wenn man in den letzten 3 Monaten keinen Suizidversuch unternommen hat. Denn sonst sei man nicht stabil genug für die Therapie, sagen sie. Wenn ich also jetzt scheiße bauen würde, müsste ich 3 Monate warten. Keine schöne Aussicht, so knapp vorm Ziel. Also Zähne zusammenbeißen. Heute ist es zum Glück wieder besser.

Morgen fahre ich wieder nach Medan. Mama hat gesagt, sie organisiert mir Fresubin, sie hat das ja in der Arbeit massenhaft. Irgendwie bin ich froh drüber. Denn mit der Kotzerei wurde es eigentlich erst so richtig heftig, als mir der Oberarzt nach einer Woche das Fresubin gestrichen hat, weil ich seiner Meinung nach selbst essen sollte und mich nicht auf das Zeug verlassen sollte. Ganz unrecht hat er damit ja nicht, ich habe mich wirklich irgendwie darauf verlassen (a la “ist schon okay, wenn ich mir immer nur die halbe Portion Essen bestelle, ich habe ja eh das Fresubin”), aber es einfach wegzulassen, war, wie man sieht, auch keine Lösung des Grundproblems. Ich weiß, dass viele Essgestörte das Fresubin fürchten wie der Teufel das Weihwasser und mich wahrscheinlich für verrückt erklären, dass ich das freiwillig zu mir nehmen will, aber für mich ist es einfach eine Entlassung, weil ich zumindest eine Mahlzeit lang nicht zerrissen bin zwischen dem “Ich kann nicht mehr essen, sonst nehme ich zu” und dem “Aber ich habe Hunger, ich will noch etwas essen”. Ja, das Fläschchen hat gottverdammte 400 Kalorien, aber ich weiß zumindest, dass es genau 400 Kalorien sind und fühle mich nicht so voll, als wenn ich zum Beispiel ein “ausgewachsenes” Frühstück mit Brot und Belag und weiß Gott was zu mir nehmen würde. In der Psychiatrie habe ich das immer am Vormittag getrunken, dann war es weg und ich hatte es 4 Stunden später schon verdrängt, während mir das Mittagessen teilweise am Abend noch so im Magen lag, dass es mir unmöglich schien, noch irgendetwas zu essen. Dauerlösung ist es natürlich keine, das ist mir schon klar, aber eine Übergangsstrategie, weil es (hoffentlich) die Kotzerei wieder minimiert.

Vielleicht rufe ich morgen doch an. Wenn ich einen guten Tag habe und mich traue.