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Medan-Horror

Was ist schlimmer als Medan? Medan in der Weihnachtszeit. Ich weiß ja, warum ich das normalerweise meide, aber diesmal ließ es sich nicht vermeiden. Nachdem ich am Donnerstag noch die letzten Weihnachtskekse gebacken hatte, machte ich mich am Abend auf den Weg nach Medan. Zuhause war kein Mensch und mir viel erst mal die Decke auf den Kopf. Und an die Decke wäre ich auch gleich mal fast gesprungen, als ich den Kühlschrank öffnete, weil ich die Rumkugeln kühl stellen wollte. Da stand ein Topf mit Nudeln unter einem Glasdeckel.

Schimmelentwicklung geht ja nicht von heute auf morgen. zuerst bilden sich kleine grün-graue Punkte, die immer größer werden, irgendwann verschmelzen sie und bilden Pelz. Also genügend Zeit, den Vorgang irgendwann zu bemerken und das befallene Gut zu entsorgen, bevor es richtig ekelig wird.

So wie diese Nudeln aussahen, haben die schon mindestens eine Woche vor sich hingeschimmelt. Alles war komplett grün, dazwischen hatte sich auch schon roter Schimmel breit gemacht, und über und über mit Pelz bewachsen. In dem Haushalt leben drei Menschen, die alle mehrmals am Tag diesen Kühlschrank öffnen und durch den Glasdeckel ohne Probleme sehen konnten, wie die Nudeln mit jedem Tag schimmeliger werden. Und niemand ist auf die Idee gekommen, die zu entsorgen. Ich verstehe es nicht, ich verstehs einfach nicht. So etwas muss doch echt nicht sein. Ich habe es satt, jedes Mal wenn ich nach Hause komme erst mal die Küche ekelfrei zu machen, aber mir vergeht einfach der Appetit, wenn ich mir etwas zu essen holen will und mich erst mal ein Topf verschimmelter Nudeln anspringt.

Nach einer kurzen Nacht machte ich mich am nächsten Tag auf den Weg zum Verkehrsamt, um meinen Führerschein neu zu beantragen. Den Antrag hatte ich schon zuhause ausgefüllt, alle nötigen Unterlagen hatte ich dabei, ich ging also davon aus, dass das in einer halben Stunde erledigt sein würde. Danach wollte ich wieder zurückfahren, um bei meiner Stamm-Bankfiliale die zwei Fehler zu reklamieren (mein Nachname wurde noch nicht geändert und im Online-Banking ist mein Bausparvertrag verschwunden). Andersrum ging nicht, weil die Bank erst um 9:00 öffnet, ich aber schon um 10:30 beim Treffpunkt für den Betriebsausflug sein musste.

Im Endeffekt saß ich eine geschlagene Stunde am Verkehrsamt, ehe ich mit meinem vorläufigen Führerschein wieder vor der Tür stand. Zu der Zeit wollte ich eigentlich schon bei meiner Bank sein, keine Chance, das noch rechtzeitig zu schaffen. Also machte ich mich zwangsläufig direkt auf den Weg zum Betriebsausflug, machte aber zwischendurch noch bei einer anderen Filiale meiner Bank halt, die am Weg lag. Die sollten mir ja auch helfen können. Dachte ich zumindest. Falsch gedacht. Ohne gültigen, amtlichen Lichtbildausweis könne er da nichts ändern, sagte mir der Mitarbeiter. Und Lichtbildausweis habe ich aktuell keinen, da ich meinen alten Führerschein am Verkehrsamt abgeben hatte müssen (mal abgesehen davon, dass der Name ja sowieso nicht gestimmt hätte). Und der Bausparvertrag… ja, der werde schon irgendwann wieder auftauchen. Manchmal bräuchten solche Änderungen beim Online-Banking eben ein bisschen (ähm… ich habe das vor zwei Wochen bekannt gegeben?!).

Danach war ich endgültig auf der Palme und musste in diesem Zustand auch noch auf den Betriebsausflug. Zuerst stand eine Führung an, danach ein gemeinsames Mittagessen. Horror. Durch die viele Herumlauferei und den Stress hatte ich Hunger ohne Ende (ich hatte außer einer Rumkugel nichts gefrühstückt), traute mich aber nicht, etwas “Richtiges” zu bestellen, weil ich nicht wusste, wie groß die Portionen sind. Also gab es nur einen kleinen gemischten Salat. Beim Nachtisch war es genauso, ich stellte dann zwar fest, dass die Topfenknödel ganz klein waren und ich sie essen hätte können, aber im Nachhinein noch einen Nachtisch zu bestellen wenn alle anderen schon fertig sind, war mir dann auch zu peinlich. Und mir war so kalt, Himmel, war mir kalt. Ich hätte alles für ein Kirschkernkissen gegeben. Aber leider war der Ausflug noch nicht vorbei, es ging weiter in die Innenstadt. Eine weitere Führung stand an, doch den Weg vom Busparkplatz dorthin kannte niemand. Komischerweise ging aber jeder davon aus, dass ich das wissen müsse. Ohne Witz, mindestens 10 mal hieß es: “Fliegermädchen, du bist doch aus Medan. Wie müssen wir gehen?”  und als ich sagte, dass ich es nicht wisse, “Wieso weißt du das nicht?”. Die ersten paar Male schluckte ich eine böse Bemerkung hinunter, aber irgendwann riss bei mir der Geduldsfaden und ich sagte ziemlich unfreundlich: “Wieso glauben eigentlich alle, dass ich jede Straße und jedes Eck in Medan kenne, nur weil ich da aufgewachsen bin?!” Ich meine, Medan hat eine Fläche von über 400km². Meine Eltern haben nie irgendwo anders gelebt und ich weiß, dass es Gegenden in Medan gibt, in denen sie sich auch nicht auskennen….

Und dann die vielen Mensch in der Innenstadt. Ich wollte einfach nur mehr weg, ins Kaff, in die heiße Badewanne und dann mit Kirschkernkissen ins Bett. Und etwas Essen, etwas Sicheres, einfach eine Dose Tomaten, aus einem meiner Gefäße, von denen ich weiß, dass genau 250g hineinpassen.

Nachdem die zweite Führung auch absolviert war, war die restliche Zeit zur freien Verfügung. Da ich ja nicht mit den Anderen zurückfuhr, konnte ich mich von der Gruppe abseilen. Ich besuchte dann noch kurz meine Schwester an ihrem Arbeitsplatz in einer Konditorei in der Stadt (das hatte sie sich gewünscht) und fuhr dann komplett durchgefroren nach Hause. Zuerst gab es 250g gewürfelte Tomaten mit ein paar Kartoffelstücken, dann eine heiße Dusche, warme flauschige Kleidung und Kirschkernkissen und dann war ich wieder unter den Lebenden.

Meine Zimmertür stand offen, ich bekam mit, dass meine Schwester nach Hause kam. Natürlich hatte sie wieder ein paar Überbleibsel aus der Arbeit vor dem Müll gerettet. Ich hörte: “…und das habe ich fürs Fliegermädchen mitgenommen!”. Oh nein. Auch das noch.

Heute früh war ich mal wieder die Erste, die auf den Beinen war. Ich wollte Kekse zusammenpacken für meine Oma und konnte nicht widerstehen, ein paar zu essen. Als dann meine Eltern aufstanden, war es natürlich unmöglich, jetzt noch den Kuchen zu essen, den meine Schwester für mich mitgenommen hatte. Aber offiziell wusste ich ja nicht, dass sie den für mich mitgebracht hatte, meine Mutter hatte nur beiläufig erwähnt: “Nadine hat auch Apfelkuchen mitgebracht!”. Meine Schwester war noch nicht wach, die konnte also nichts sagen. Trotzdem weiß ich, dass sie traurig, wütend und enttäuscht war, als sie später festgestellt hatte, dass ich den Kuchen nicht gegessen hatte. Ich hasse mich so sehr dafür, ich will doch nicht, dass sie wütend auf mich ist, ich liebe sie doch so sehr.

Als ich wieder im Kaff ankam, habe ich erst mal gegessen und gekotzt, um die ganze Anspannung loszuwerden, die sich aufgestaut hatte. Ich habe keine Ahnung, wie ich die eine Woche in Medan zu Weihnachten überleben soll, wenn ich nach nicht mal 48 Stunden schon mit den Nerven am Ende bin. Und heuer wird es sowieso noch schlimmer als sonst. Bisher fuhr mein Vater am 25. immer zu seiner Mutter, während meine Mutter, Nadine, und ich zur “anderen” Oma fuhren (die ja meinen Vater nach meinem Suizidversuch mit 15 nicht mehr sehen will). Nun, aber die Mutter meines Vaters ist ja nun tot. Das heißt, er wird heuer ganz alleine sein, mein schlechtes Gewissen wird noch größer sein, und seine Kommentare, bis wir am 25. die Wohnung verlassen, noch bissiger. Ich möchte jetzt schon weglaufen, wenn ich nur daran denke.

 

 

 

 

 

 

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Es weihnachtet sehr

Langsam aber sicher kommt Weihnachtsstimmung auf. Am Freitagnachmittag habe ich meine Weihnachtseinkäufe erledigt. So schnell war ich glaube ich noch nie. In etwas mehr als einer Stunde hatte ich alles beisammen und zum Glück habe ich rein zufällig auch etwas für meinen Vater gefunden (das ist immer am Schwierigsten für mich). Danach bin ich wieder zurück zum Arbeitsflugplatz und habe geholfen, für eine Nikolo-Aktion Nikolosackerl zu befüllen. 2 Stunden lang. Pro Sackerl 10 Erdnüsse, ein Lolli, 1 Kaubonbon, ein Lebkuchen und ein Schokotaler. Das weiß ich jetzt noch. Aber so verging wenigstens die Zeit bis zum späten Nachmittag, wo ich heimfuhr und mir die ganze vorbereitete Auflaufform Tiramisu reinzog und anschließend in der Kanalisation versenkte. Mit dem Ergebnis, dass mir Samstag früh auf der Waage mal wieder ein Kilo im Vergleich zum Wochenbeginn fehlte. Dass ich durch die Kotzerei so viel abnehme, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Meine bisherige Info war: Bulimiker sind Normalgewichtig weil in der Zeit, in der das Essen im Magen ist, trotzdem Nährstoffe aufgenommen werden. Und das ist bei mir ganz schön lange. Ein bis zwei Stunden sind es meistens, bis alles wieder draußen ist. Aber wenn während dieser Zeit tatsächlich Nährstoffe aufgenommen werden, müsste ich ja eigentlich am nächsten Tag mehr wiegen und nicht weniger.

Was möchte man am Sonntag Morgen nicht? Um 5:45 aufwachen und nicht mehr schlafen können, weil man Hunger hat, aber nichts essen kann, weil noch nicht Essenszeit ist. Und was macht man dann? Ablenken. Also setzte ich mich ins Auto und fuhr auf den Flohmarkt. Allerdings hatten vielleicht die Hälfte der Stände schon offen. Scheinbar scheint es gängige Praxis zu sein, sobald der Flohmarkt öffnet einen Platz zu sichern und aufzubauen, dann alles mit Tüchern und Decken abzudecken und sich noch zwei Stunden schlafen zu legen. Fündig wurde ich aber trotzdem, ich hatte schon seit längerem eine alte Uhr als Dekoration für mein Schlafzimmer gesucht und jetzt habe ich eine.

Nachdem ich den Nachmittag mit Kekse backen verbracht hatte, wollte ich noch ein wenig an die frische Luft, denn das Wetter war schön. Also befragte ich das Internet nach Weihnachtsmärkten in der Umgebung und fand einen. Ich bin ja normalerweise kein Weihnachtsmarkt-Fan. Ich brauche keine Menschenaufläufe, und besonders wenn dann abends einige schon leicht angeheitert sind wird es ungemütlich. Auf vielen Weihnachtsmärkten sieht die Verteilung so aus: 50% Punschhütten, 30% Fressbuden (die aber alle das gleiche anbieten) und mit viel Glück bieten die restlichen 20% verschiedene Handwerksprodukte an.

Dieser Weihnachtsmarkt war aber anders. Abgesehen von 4 Ständen, an denen Punsch ausgeschenkt wurde, fand ich keine zwei Hütten, die dasselbe angeboten hätten (und der Weihnachtsmarkt war nicht klein – ich war gute 40 Minuten unterwegs). Es waren wirklich alle Handwerksbereiche vertreten, die ich mir vorstellen kann. Ein Schmied, ein Tischler, es gab ausgestopfte Tiere und Geweihe zum Aufhängen (okay, das ist jetzt nicht so mein Fall), wunderschöne, aus rostigem Blech geformte Gartendekoration (wenn ich einen Garten hätte, ich hätte mir da sofort etwas gekauft), bestickte Tischdecken, handgefertigte Stofftiere und Puppenkleidung, Lederwaren… alles einfach. Die Kulinarik stand dem um nichts nach: verschiedenste Schnäpse und Liköre, vor den eigenen Augen befüllte Schaumrollen und getunkte Schokofrüchte, Speck und Wurst, Brot und Käse, verschiedenste Knödel und Strudel, die man gleich essen oder für Zuhause mitnehmen konnte, auch eine Schokoladenmanufaktur aus der Umgebung mit ausgefallenen Schokoladen war vertreten. Normalerweise bin ich wie gesagt nicht so der Weihnachtsmarkt-Fan, aber dieser war richtig schön. Nach den 40 Minuten war ich zwar komplett durchgefroren, aber hatte weiße Schokolade mit Nougatfüllung, Maroniknödel und Grammelschmalz für meine Eltern im Rucksack. Die Schokolade und Maroniknödel sind für mich, wenn ich irgendwann wieder etwas esse- inzwischen lagern sie mal, wie so viele andere Dinge auch, im Tiefkühler.

Und ich bin froh, dass ich wieder ein Wochenende totgeschlagen habe.

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Mittwochsgeblubber

Und schon wieder die Hälfte der Woche rum. Zum Glück. Der Start hätte übler nicht sein können: Montag am Abend habe ich mal wieder gegessen. Schon viel, aber nicht richtig viel. Doch ich habe das Zeug hinterher nicht mehr rausbekommen. Egal was ich versucht habe, mein Magen weigerte sich standhaft, es wieder herzugeben. Als ich das erste Mal mit 16 oder so eine bulimische Phase hatte, war es genau andersrum: Da brauchte ich nach dem Essen quasi eine Kloschüssel nur anzusehen und mir kam alles wieder hoch. Am Montag war es ein einziger Kampf, überhaupt nur eine Hand voll wieder rauszubringen. Das Ergebnis sah ich gestern auf der Waage: 1,8kg mehr. Panik. Scheiße, was habe ich da nur getan. Als Resultat gab es dann gestern nichts zu essen, bis auf wenige Schlucke Wasser nach dem Zähneputzen nichts zu trinken und 1,5 Stunden joggen. Ich wäre glücklich gewesen, auf diese Art zumindest die Hälfte des „angefressenen“ Gewichts wieder zu verlieren. Doch heute früh musste ich mich zweimal auf die Waage stellen um glauben zu können, was ich da sah: Gerade mal 200g mehr als Montag früh. Wie das geht? Keine Ahnung. Ich war einfach nur froh, dass die Fresserei ohne Konsequenzen geblieben war.

Morgen beginnt also die Adventszeit. Zum ersten Mal seit ich denken kann ohne Schoko-Adventkalender. Meine Mutter ist knuffig. Den Adventkalender bekommen meine Schwester und ich immer von ihr geschenkt, das ist irgendwie Tradition bei uns. Und als sie mich vor 2 Wochen gefragt hatte, ob ich heuer einen haben möchte, hatte ich geantwortet: „Keinen mit Schokolade. Vielleicht findest du einen mit Trockenfrüchten oder so, das wäre okay“. Ich hatte mich davor schon ein wenig umgesehen, ob es so etwas überhaupt gibt, aber nichts gefunden. Es ist ja auch ziemlich unüblich, Adventkalender sind ja tendentiell eher für Kinder, und die machen sich über Kalorien ja noch keine Gedanken.  Deswegen hatte ich auch keine großen Erwartungen, dass meine Mutter einen auftreiben kann- aber sie hat es tatsächlich geschafft. Als Kind hat mich das übrigens immer total irritiert, dass man am ersten Adventsonntag meistens nicht das erste Türchen des Adventkalenders aufmachen darf.

Wobei ich zugeben muss, dass ich die Schoko-Kalender früher immer ganz toll fand. Ich bin kein Mensch, der nicht eine Tafel Schokolade oder eine Packung Kekse öffnen kann, drei Stück isst und wieder zur Seite legen kann. Zumindest in den allermeisten Fällen nicht. Im Normalfall ist dann die ganze Tafel weg bzw. die Kekspackung leer. Aber bei den Adventkalendern hatte ich jeden Tag meine Portion Schokolade, ohne Angst haben zu müssen, zu viel davon zu essen. Klar könnte ich theoretisch auch den ganzen Adventkalender leerfuttern, aber ich weiß auch nicht, das würde ich einfach nie tun. Dazu bekommt man als Kind glaube ich zu sehr eingetrichtert, dass man jeden Tag nur ein Fenster aufmachen darf.

Anyway, heuer gibt es also Trockenfrucht-Nussbällchen aus dem Adventkalender. Ich zerbreche mir seit Tagen den Kopf darüber, ob ich ihn lieber morgens oder lieber abends öffnen soll. Wenn ich ihn morgens öffne, hätte ich den ganzen Tag Zeit, die Kalorien wieder zu verbrennen und ich muss nachher gleich in die Arbeit, hätte also nicht die Möglichkeit, weiterzuessen (nicht den Adventkalender, sondern irgendwas Anderes). Aber spät abends öffnen und dann gleich Zähne putzen und ins Bett wäre insofern eine ansprechende Option, als dass ich dann für die Zeit bis zum Einschlafen etwas im Magen hätte und vielleicht besser schlafen könnte. Andererseits könnte ich die Kalorien dann nicht mehr loswerden und es besteht die Gefahr, dass es mich „überkommt“ und ich einfach weitermache mit anderen Lebensmitteln, die ich sonst noch zuhause habe. Mir wird wohl nichts Anderes übrig bleiben als auszuprobieren, womit ich besser klar komme.

Der Namensänderungskram läuft so weit, aber ich habe noch immer Einiges diesbezüglich zu erledigen. Zwar geht es jetzt plötzlich doch, dass ich die Dokumente meiner Bank per E-Mail übermitteln kann, aber dafür muss ich den Antrag für den neuen Führerschein persönlich einbringen. Das werde ich nächste Woche am Freitag in Angriff nehmen, denn da haben wir passenderweise von der Firma aus Weihnachtsfeier in Medan. Je nachdem, wie schnell ich mit dem Führerscheinzeug fertig bin, werde ich mich dann auch noch um die Änderung meiner Flugdokumente kümmern, aber das ist nicht dringend. Das kann ich schlimmstenfalls auch zwischen Weihnachten und Silvester erledigen. Aber der Führerschein wäre wichtig, denn aktuell besitze ich keinen gültigen amtlichen Lichtbildausweis, weil sowohl am Führerschein als auch im Reisepass natürlich mein alter Name steht.

Abgesehen von dem ganzen Papierkram läuft alles glatter, als ich mir das vorgestellt hatte. Ich hätte gedacht, dass viel mehr Fragen kommen, dass ich viel mehr erklären muss, mich viel mehr rechtfertigen muss, dass viel öfter etwas in die Richtung „Wie kann man nur…?“ kommt. Aber bisher haben alle eigentlich nur um Nachsicht gebeten, wenn sie in der Anfangszeit versehentlich noch hin und wieder meinen alten Namen verwenden. Klar, manche wollten wissen, warum ich das getan habe, aber da sage ich dann immer: „Weil ich mich mit meinem alten Namen nie identifizieren konnte“ und damit war es bisher immer erledigt.

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Reaktionen Teil 2 und Wochenende

Am Wochenende waren meine Eltern hier. Nadine war nicht mit, weil sie arbeiten musste. Wobei ich nicht weiß, ob sie mitgekommen wäre, wenn sie nicht arbeiten hätte müssen. Jedenfalls hatte ich somit die Gelegenheit, meinen Eltern von der Namensänderung zu berichten. Meiner Mutter hatte ich ja damals schon von den Plänen erzählt, die war also nicht ganz überrascht, meinen Vater traf es unvorbereitet und er wirkte auch nicht sonderlich begeistert davon. Ich habe meine Eltern nie danach gefragt, aber ich glaube mein alter Name war seine Idee (denn rein zufällig spricht er die Sprache, aus der der Name stammt).

Sonst war es ganz okay. Wir haben bei mir zuhause Mittag gegessen. Mein Vater hat sich eine Tiefkühlpizza mitgenommen und meiner Mutter habe ich einen Teil der Reste gegeben, die ich vom indischen vegetarischen Kochkurs mitgenommen habe, auf dem ich am Freitag war. Ich habe mir zwei gehäufte Esslöffel Rotkraut aufgewärmt (ja, das mit dem Schweineschmalz. Aber davon, dass ich es wegwerfe, wird das Schwein auch nicht wieder lebendig, da ist es noch besser, ich esse es) und genossen, die zwei essen zu sehen. Im Kopf habe ich überschlagen, was mein Vater da in sich hineingeschaufelt hat. Die Pizza, eine mit Bohnen, Salami und Mais- sicher 1000 Kalorien. Dann hatte er sich noch eine halbe Packung Käse draufgemacht- nochmal 340 Kalorien mehr. Und dann die Flasche Cola, die er alleine fast ganz ausgetrunken hat. Alles in Allem sicher an die 1700 Kalorien. Mein Mittagessen hatte vermutlich nicht mal ein Zehntel davon.

Eigentlich wollte ich ja mit meiner Mutter bereden, wie es mit mir weitergehen soll, aber weil mein Vater ja mit war, fiel das flach.

Heute Mittag habe ich einen Anruf von dem Therapeuten bekommen, zu dem ich gehen soll. Den Anruf hatte ich die ganze letzte Woche vor mir hergeschoben und nun hat er mich angerufen. Am 16.12 habe ich einen Termin bei ihm. Das werden ein paar heftige Tage um das letzte Adventwochenende- Freitag Therapie, Montag Termin in der Ambulanz und Dienstag Termin bei Dr. Hexe. Dafür bin ich bis dahin absolut „unbeaufsichtigt“.

Am Wochenende habe ich eine Menge E-Mails verschickt um alle möglichen Leute und Institutionen über die Namensänderung zu informieren. Und siehe da- nach einer E-Mail an das Betreuerteam meiner Bankfiliale (ich wollte wissen, ob es eine Frist gibt, innerhalb der ich die Bescheide vorbeibringen muss), reicht es nun plötzlich doch, wenn ich denen die Bescheide maile. Keine Ahnung, wieso es jetzt plötzlich so unkompliziert ist, böse bin ich natürlich nicht darüber.

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Diesen Freitag ist es wieder so weit…

Es ist Themenfreitag!

Ideen? Vorschläge? Input? Soll ich einfach mal eine “offene Fragerunde” machen, in der ihr mir mal alle Fragen stellen könnt, die ihr mir schon immer mal stellen wolltet? Dazu brauche ich aber auch eure Hilfe bzw. eure Fragen.

Also, meldet euch!🙂

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Ein Jahr

Heute vor einem Jahr war mein erster Tag in “Freiheit” nach der langen Zeit in der Klinik. Gestern vor einem Jahr wurde ich entlassen. Es kommt mir vor, als wäre das alles viel länger her.

Hätte mir damals jemand gesagt: “In einem Jahr wirst du 18kg weniger wiegen und ziemlich fertig mit der Welt und dem Leben sein”, hätte ich wohl gelacht und geantwortet: “Ja, klar. So aussehen wie die ganzen Essgestörten, die ich seit Wochen beobachte, wie sie am Essbegleitungstisch in ihrem Essen stochern? Nie im Leben. Ich habe so viel gelernt in den letzten Wochen. Ich weiß jetzt, wie das Leben funktioniert.”

Aber wie war das nochmal? Erstens: Es kommt immer anders. Zweitens: Als man denkt.

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Die ersten Reaktionen

Die ersten Reaktionen waren erstaunlich positiv. „Dein neuer Name passt viel besser zu dir!“ stellte die Chefin gestern fest. Mittlerweile bin ich dabei, alles ändern zu lassen, was ich sonst noch ändern lassen möchte. Das ist komplizierter als gedacht. Zumindest bei meiner Bank. Eigentlich hatte ich gedacht, dass es reichen würde, die Änderungsbescheide einzuscannen und per E-Mail zu übermitteln. Reicht aber nicht. Ich muss höchstpersönlich in „meiner“ Bankfiliale in Medan aufschlagen und die Originalbescheide vorlegen, erst dann wird der Name in der Datenbank der Bank geändert und ich bekomme eine neue Karte. Wie gut, dass das nicht kompliziert ist.

Gestern habe ich auch mal wieder einen Fress-Kotz-Tag eingelegt. Hinterher war ich körperlich total fertig. Um 21:00 habe ich mich ins Bett gelegt, es ging einfach gar nichts mehr, und zur Abwechslung mal länger als 5 Stunden geschlafen. Gegen 4:00, 5:00 und 6:00 bin ich jeweils aufgewacht, nachdem ich ziemlichen Schwachsinn geträumt habe. Einmal, dass ich mit dem Flugzeug einen Unfall gebaut habe und zweimal, dass ich etwas gegessen habe.

Als ich mich um 6:15 aus dem Bett quälte, wäre ich fast nicht hochgekommen. Muskelkater kommen bei mir nie am nächsten Tag, sondern erst am übernächsten. Und direkt nach dem Aufstehen ist es besonders schlimm. Das Tanzen am Mittwoch war wohl etwas zu viel für meinen Körper, denn aktuell habe ich das Gefühl, dass es kein Körperteil gibt, das mir nicht wehtut.

 

Die zweite, die ich mit meiner Namensänderung konfrontiert habe, war Nadine.  Per SMS, weil wir gerade am Schreiben waren. Sie hat die Info ignoriert, dafür aber deutliche Worte für mein Essverhalten gefunden. „Isst du brav? Ich will dich nicht so sehen wie letztes Mal! Das ist nicht nur ungesund für dich, sondern für die ganze Familie. Ich mache mir Sorgen und du kannst es mir nicht mal absprechen! Es mag im Moment schwierig sein zu essen, aber du solltest dich fragen, ob du dein Gewicht wirklich zur obersten Priorität in deinem Leben machen möchtest. Konzentriere dich auf andere Sachen anstatt nur auf dich selbst und womit du an dir unzufrieden bist. Wenn du Hilfe brauchst, dann sag doch bitte was. Die Male bisher, wo du mich nicht um Hilfe gebeten hast, waren für mich echt genug.“

Irgendwie ist es erleichternd, dass das Thema nicht mehr wie ein Phantom zwischen uns im Raum schwebt. Ich weiß jetzt, dass sie es weiß. Klingt vielleicht komisch, aber es beruhigt mich, weil ich weiß, woran ich bin. Andererseits: Wie soll sie mir helfen? Wo ich doch 30 Minuten, bevor ich die SMS erhalten hatte, beschlossen hatte, bis Weihnachten die restlichen 2,5kg, die mir noch fehlen um eine 3 an erster Stelle zu sehen, auch noch abzunehmen?

Nach der Arbeit war ich fertig. Zum Glück haben wir Freitag Mittag Schluss, ich hätte nicht gewusst, wie ich den Nachmittag durchhalten sollte. Nach 2 Stunden im Bett gings wieder, keine Ahnung was los war…