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Einer weniger…

Eigentlich war es absehbar. Nachdem wir die beiden Ende 2011 aus dem Tierheim geholt haben, war absehbar, dass es irgendwann demnächst so weit sein wird. Und als mir Mama Mitte letzter Woche geschrieben hat, dass sie mit ihr zum Tierarzt fährt, weil sie nicht mehr frisst, wusste ich irgendwie, dass sie es nicht überleben wird. Samstag Abend schrieb Mama noch, dass sie ein bisschen Petersilie gefressen hat. In der Nacht habe ich kaum geschlafen, als hätte ich irgendwas geahnt. Erst gegen halb 6 fiel ich in unruhigen Schlaf. Wach wurde ich durch eine SMS von Mama: “Sie hat es nicht geschafft.”

Am schlimmsten ist es wohl für meinen kuschelbären, der alleine zurückgeblieben ist. Sonntag Nachmittag ist er die ganze Zeit herumgelaufen und hat sie gesucht. So gerne wäre ich bei ihm. Aber vielleicht ist er bald bei mir. Ich habe Mama angeboten, ihn zu mir zu nehmen und ihn mit meinen beiden zu vergesellschaften. Das Gehege kann ich problemlos noch vergrößern…und wer weiß, vielleicht lebt er dann noch etwas länger wenn er hier der Hahn im korb wird.

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Ausnahmezustand

Der aktuelle Ausnahmezustand bringt ungeahnte Probleme, aber auch ungeahnte Lösungen mit sich.

Letzten Dienstag rief ich in der Substitutionsambulanz an um zu  klären, wie denn der Termin in der kommenden Woche ablaufen würde. “Derzeit ist es so, dass wir die Gespräche telefonisch abwickeln. Das Rezept wird für 3 Monate ausgestellt und von uns direkt an die Apotheke und die BH gefaxt. Bei Leuten, die so stabil eingestellt sind wie Sie, ist das absolut kein Problem. Blöd ist es nur für die, die gerade erst anfangen, wo es noch viele Änderungen gibt. Ob das für Medan auch gilt, kann ich allerdings nicht sagen…” Ich versprach beim Gesundheitsamt anzurufen und nachzufragen.

Nachdem ich aufgelegt hatte, tanzte ich erst mal freudig eine Runde im Wohnzimmer. 3 Monate nicht wiegen! Ein großer Stressfaktor weniger. Nachdem ich das also kurz gefeiert hatte rief ich beim Gesundheitsamt an. Da ging niemand ran. Auch am Nachmittag nicht. Bis Freitag hatte ich es täglich zu 3 verschiedenen Uhrzeiten versucht, ohne Erfolg. Im Internet stand natürlich auch nichts, aber nachdem dort nicht mal die Vidierungszeiten gelistet sind, hätte mich das auch gewundert. Offenbar war das Amt einfach  dicht gemacht worden, ohne die Patienten zu informieren (wozu auch? Wäre doch nicht so als ob wir auf unser Zeug angewiesen wären…). Ich war echt genervt, und dann wollte auch noch meine Mutter wissen, ob ich mich schon darum gekümmert hätte. “Ich habs versucht, aber am Gesundheitsamt geht seit Tagen keiner ans Telefon.” tippte ich. “Ich habe in der Arbeit etwas bekommen, da steht genau drin wie das derzeit in Medan abläuft. Das schicke ich dir weiter” schrieb Mama. “Häh?! Warum bekommst du solche Infos?” – “Na glaubst du, substituierte Menschen werden nicht alt? In vielen Altersheimen gibt es substituierte Bewohner.” Was sie schrieb, ergab Sinn, dennoch war meine Mutter definitiv eine der Letzten, von der ich gedacht hatte, dass sie mir in dieser Situation weiterhelfen könnte. Denn das Dokument war genau das, das ich gesucht hatte. Ein offizielles Schreiben, in dem genau aufgelistet ist, wie man vorgehen muss.

Ich muss sagen, viele Städte haben sich da echt etwas einfallen lassen in der kurzen Zeit. In Medan bekommen Patienten unter Quarantäne ihre Substitutionsmedikamente nach Hause gebracht. Ich habe auch von unkomplizierten Notfallsubstitutionen gelesen, da es derzeit logischerweise für Abhängige mit finanziellen Problemen nicht mehr so leicht ist Geld für den “täglichen Bedarf” aufzutreiben, denn wenn will man beklauen oder anschnorren, wenn keiner unterwegs ist? Das Einzige, was ich kritisiere, ist der Informationsfluss-  ich wurde nicht informiert, dass die Gesundheitsämter geschlossen sind, und sogar der Apotheker hat mich am Mittwoch gefragt, ob ich Informationen über die derzeit gültige Vorgangsweise hätte. Und wenn nicht mal die Apotheken zuverlässig informiert werden, ist das schon irgendwie peinlich.

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Stoffwechselaktivierung gefällig?

Gerade habe ich auf Facebook eine Einladung von einer Ex-Mitpatientin aus meinem zweiten DBT-Aufenthalt, als ich wegen der Essstörung dort war, erhalten:

stoffwechsel

In Anbetracht meines aktuellen Gewichts… no comment.

Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit, meine Freundeliste auszusortieren. Scheinbar sind knappe 100 schon zu viel.

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Home sweet home

Salz-und Pfefferstreuer sind einem Bilschirm gewichen. Statt dem Stapel mit den einzuordnenden Zettel ist der Laptop aufgebaut. Daneben steht das Headset. Schon am Montag war die Stimmung komisch gwesen. Am Nachmittag schließlich hatte mein Chef eine Besprechung einberufen. “Besonders gefährdet sind zum Beispiel Leute, die selbst oder deren Partner mit vielen Menschen kontakt hatte, deswegen ist [ein Mitarbeiter] auch zuhause. Oder auch Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, wie du zum Beispiel, Fliegermädchen. Du gehörst aufgrund deines körperlichen Zustandes sicher zur Risikogruppe, deswegen arbeitest du ab sofort von zuhause aus.”

Überrascht hat mich das nicht. Schon am Sonntag hatte mich Mama gedrängt, meinen Chef danach zu fragen. “…denn wenn dich das Virus erwischt, sehe ich ehrlich gesagt schwarz”. Auf gut Deutsch: Sie denkt, dass ich eine Infektion nicht überleben würde. Und so ganz ausgeschlossen ist das nicht.

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Steine im Weg

Bereits letzte Woche hatte ich eine erschreckende Entdeckung gemacht. Ich hatte mir die Anmeldebestätigung der Fortbildung, die ich diese Woche besuchen sollte, durchgelesen und festgestellt, dass ich mir den Termin falsch eingetragen hatte. Ich hatte ihn für Dienstag notiert, tatsächlich würde er am Mittwoch stattfinden. Und das wäre ein gewaltiges Problem, denn Mittwoch ist mein “Apotheken-Tag”. Die Fortbildung dauert von 9 bis 17 Uhr und findet in Medan statt, also kommen vorher und nachher noch 2 Stunden Fahrt dazu. Die Apotheke hat aber nur von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Das ist unmöglich zu schaffen. Aber gut, ich hatte zum Glück nun eine knappe Woche Zeit, einen Notfallplan in die Wege zu leiten.

Der begann mit einer sofortigen E-Mail an die Substitutionsstelle mit einer kurzen Erklärung  der Situation und der Vorwarnung, dass ich mich diesbezüglich telefonisch melden würde. Genau das tat ich am nächsten Tag auch. Ich hatte die Möglichkeit, direkt mit der Ärztin zu reden, die Donnerstags immer Dienst hat. “Ich habe das Schreiben mit der Bitte um einmalige Änderung schon vorbereitet, Sie müssen uns nur noch die Faxnummer vom Amt geben.” Ich vesprach, sie sofort rauszusuchen. Mir blieb nichts Anderes übrig, als den Firmenrechner zu bemühen, aber im weitesten Sinne hatte es doch mit der Arbeit zu tun. Doch im Internet fand ich nur eine allgemeine Faxnummer. Also rief ich zur Sicherheit nochmal an. Die Dame am Telefon bestätigte zwar zögernd die Nummer, meinte dann aber: “…und wenn das nicht funktioniert, lassen Sie die 4. und 5. Stelle weg, dann müsste es gehen. ” Häh? War das deren Ernst, dass die ihre eigene Faxnummer nicht kannten? Ich gab die Info genauso an die Sprechstundenhilfe der Substitutionsstelle weiter. Die lachte. “Genau das habe ich mir auch gedacht” sagte ich zu ihr, nichtsahnend, dass mir das Lachen noch vergehen würde. “Ich faxe das gleich rüber” versprach sie. “Das Amt nimmt dann mit der Apotheke kontakt auf, wenn der Amtsarzt das freigegeben hat.” Ich war erleichtert, mehr konnte ich erst mal nicht tun.

Übers Wochenende ließ mir die Sache keine Ruhe und ich entschied am Monttag sicherzugehen, dass das Amt meine Apotheke informiert hatte. Denn das kam mir komisch vor, die konnten doch nicht wissen, zu welcher Apotheke ich meine Rezepte trug. Ich rief beim Amt an und fragte nach dem Antrag. “Der wurde freigegeben.” – “Und können Sie den an die Substitutionsstelle zurückfaxen oder in die Apotheke schicken, wenn ich Ihnen die Nummer sage?” – “Nein, Sie müssen den persönlich abholen.” Mir riss es den Boden unter den Füßen weg. “Das würde ich gerne, aber ich arbeite in [einem anderen Bundesland]. Selbst wenn ich mich sofort ins Auto setze, schaffe ich das bei Ihren Öffnungszeiten heute nicht mehr. Und morgen bräuchte ich das schon. ” – “Dann kann ich Ihnen nicht helfen. Wir dürfen das nicht faxen, ist so.” Von wegen… das Gesetz ist in ganz Österreich gleich. Wenn das wirklich nicht gehen würde, hätte es mir die Substitutionsstelle gesagt und nicht den riesigen Aufwand betrieben. Ihr wollt nur nicht, das ist alles. Weil wir für euch keine Menschen sind, die es wert sind, sich für sie einzusetzen, sondern nur nutzloser Dreck.

Ich habe also die Wahl. Entweder ich bleibe bis zum Schluss in der Fortbildung, dann riskiere ich aus dem Substitutionsprogramm zu fliegen oder mir zumindest eine neue Apotheke suchen zu müssen- oder ich verlasse die Fortbildung so früh, dass ich es noch zur Apotheke schaffe, und riskiere damit, dass mir die Teilnahmebestätigung verweigert wird, mein Arbeitgeber schlimmstenfalls die Fortbildungskosten zurückfordert und ich mir nachträglich Zeitausgleich nehmen muss.

Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte.

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Fail

Ich dachte mir erst nichts dabei, als ich heute früh aufwachte und meine linke Hand zur Hälfte eingeschlafen war. Das passiert mir öfters mal. Normalerweise knete ich sie ein bisschen und innerhalb weniger Minuten geht das kribbeln weg und das Gefühl kehrt zurück. Doch heute war es anders. Zwei Stunden später war die Situation immer noch unverändert. Langsam dämmerte es mir. Gestern Abend, als ich auf dem linken Arm schon relativ weit unten beim Handgelenk auf der Suche nach einer Vene auf eine unfassbar schmerzhafte Stelle gestoßen war. Nachdem ich vorsichtig probiert hatte, ob es in irgendeine Richtung weniger schmerzhaft weiterging, aber nichts gefunden hatte, hatte ich beschlossen an der Stelle bleiben zu lassen. Nadel tauschen, nächster Versuch etwas weiter oben. Nach den ersten 0,2ml hatte ich festgestellt, dass alles danebengegangen war. Also wieder raus, Versuch Nummer 3 rechts…

Daran musste ich unweigerlich denken. Hatte ich beim ersten Versuch einen Nerv getroffen? Oder drückte die Schwellung vom zweiten Vesuch darauf? Oder stand es gar nicht mit gestern Abend in Verbindung und war etwas ganz Anderes?

Erst mal abwarten. Es tut zum Glück nicht weh, es ist nur nervig weil man weniger kraft in der Hand hat.

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Tarnen und täuschen

Ich bin froh, dass sich diese Prozedur inzwischen auf alle 2 Monate ausgeweitet hat, denn es bedeutet jedes Mal Stress. Schon am Abend vorher beginne ich damit, möglichst viel Wasser zu trinken. Am nächsten Tag versuche ich auf den morgendlichen Toilettengang zu verzichten. Danach erst mal anziehen, und zwar alles doppelt. 2 Unterhosen, 2 Paar Socken, die Leggins unter der Jeans ist sowieso schon Standard und dann kommt noch ein  zusätzliches T-Shirt zwischen Top und Langarmshirt. Doch damit ist die Trickkiste noch lange nicht leer. Ich statte mich noch mit einigen Passfedern und Sechskantmuttern aus, die ich mir mit Klebeband an verschiedene Körperstellen klebe. Jedes Gramm zählt. Am Weg zur Substitutionspraxis prügel ich mir noch einen
Liter Wasser rein. Ich fühle mich schwindlig, so viel Wasser bin ich nicht gewohnt.  “Na Frau Fliegermädchen, wollen wir wieder wiegen?” fragt die Ärztin scheinheilig. Als ob das eine freiwillige Entscheidung von mir wäre. “Müssen wir ja wohl, oder?” gebe ich
knapp zurück. Sie kann ruhig wissen, dass sie es sich mit mir verscherzt hat. 40,7 zeigt die Waage, wie fast immer, und ich befürchte schon fast dass sie misstrauisch wird, weil es immer gleich viel ist, aber ich kann ja selbst nichts dafür, ich stelle mich ja direkt vorher nicht auf die Waage. Bestimmt stellt sie sich nachher selbst drauf um zu überprüfen, ob die auch einen anderen Wert als 40,7 anzeigen kann, denke ich und grinse bei dem Gedanken in mich hinein. “Ihr letztes Blutbild ist schon wieder eine Zeit lang her” stellt sie fest. “Wann haben Sie vor, das nächste Mal zu Ihrem Hausarzt zu gehen?
Über meine Leiche lasse ich mir dort jemals wieder Blut abnehmen, so wie die letztes Mal in meinem Arm herumgestochert haben, antworte ich in Gedanken, aber das ist nicht die Antwort, die sie hören will. “Ach, ich muss eh demnächst mal impfen, da erledige
ich das auch gleich”. Einen guten Scan vom letzten Blutbild habe ich noch, und dann… es lebe die Bildbearbeitung. Ein paar Werte ändern, das Datum anpassen, und alle sind glücklich. Mit meinen 2 Rezepten verlasse ich die Praxis. Im Treppenhaus kehrt der Hausmeister gerade. Alufolie liegt am Boden. Ich grinse in mich hinein. Das ist bestimmt nicht vom Pausenbrot vom kleinen Peter aus dem dritten Stock.
Zwei Tage später fahre ich nach Medan. Wie immer um eine unchristliche Zeit, aber jede Nacht im Kaff ist eine stressfreie Nacht. Und um 04:30 aufstehen bin ich unter der Woche sowieso gewohnt.

Ich betrete das Wohnhaus durch die Garage, im Erdgeschoss hält der Aufzug noch einmal. Eine Frau steigt ein. Eine Frau, die mir verdammt bekannt vorkommt. Es ist die Mutter meiner während der Volksschulzeit besten Freundin. In den Ferien war ich oft täglich unten bei ihnen. Die Wohnung war mir fast so vertraut wie meine eigene, ich könnte noch heute ein genaues Bild davon zeichnen, obwohl ich gute 15 Jahre nicht mehr dortgewesen bin. Sie mustert mich von oben bis unten, ich scheine ihr bekannt vorzukommen. Doch was hat der Mensch, der ich heute bin, noch mit dem gemein, den sie damals kennengelernt hat, außer dass das Gewicht ungefähr dasselbe ist?
Sie beschließt, dass sie dieses blasse, ausgemergelte Wesen nicht kennt und grüßt neutral mit “Grüß Gott”, wie es bei uns im Haus üblich ist. Ich grüße ebenso neutral zurück. Am liebsten würde ich mich selbst nicht kennen.