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Grenzüberschreitung Klappe die 2.

Nach dem gestrigen Abend wundert es bestimmt niemanden, dass die ganze Nacht über an Schlaf nicht zu denken war. Ich habe sogar noch mitbekommen, als um 5 die Straßenbeleuchtung wieder anging. Bis dahin habe ich mich nur hin und hergewälzt, bei jedem kleinsten Geräusch habe ich die Ohren gespitzt ob das möglicherweise ein Schlüssel ist, der von außen in mein Schloss gesteckt wird. Ich hatte zwar von innen abgesperrt, wusste aber nicht ob man nicht doch trotzdem noch von außen aufsperren kann. Kleiner Spoiler: Jetzt weiß ich es.

Ich werde unsanft aus meinen Träumen gerissen, als jemand meinen Namen ruft. “Fliegermädchen!! Fliegermädchen!! Gehts dir gut?” Ich richte mich auf. Meine Wohnungstür steht einen Spalt offen. In dem Spalt erkenne ich Andrea´s dunkeln Wuschelkopf. Ich bin absolut sprachlos. “Ich wollte nur fragen, wann wir putzen, und ich habe mir Sorgen gemacht, weil du nicht ans Handy gegangen bist” säuselt sie. Ich will sie anschreien. Anschreien, ob das ihr verf*ckter Ernst ist. Ich bin verflucht nochmal erwachsen, ich kann schlafen so lange ich will, und ja, verf*ckt nochmal wenn ich schlafe habe ich mein Handy auf lautlos. “Bitte geh raus. Ich mach mich kurz fertig, ich komm dann runter”. – “Okay, bis gleich.”

Dass sie gestern mit dem Installateur in meiner Wohnung waren ist EINE Sache. Auch wenn ich trotzdem der Meinung bin, dass sie dass sicher nicht erst eine Stunde davor wussten dass der lp,,z, und dann zumindest am Vortag oder an dem Tag am Vormittag kurz anrufen hätten können und sagen hätten können “Hey, wir haben ein Problem mit der Heizung, morgen/heute Nachmittag kommt der Installateur und es kann sein dass wir auch in deine Wohnung müssen”. Dann hätte ich die Wohnung natürlich niemals so hinterlassen. Aber ich vertrete meinen Arbeitskollegen seit 3 Wochen weil er krank ist, bin jeden Tag 10-11 Stunden in der Arbeit, und da habe ich ehrlich gesagt Bock mehr auf Hausarbeit wenn ich nach Hause komme sondern verschiebe das in der Regel aufs Wochenende. Okay, ein Leck in einem Rohr lass ich mir meinetwegen als Notfall einreden und dann haben sie halt als Vermieter nun mal das recht meine Wohnung zu betreten. Sie haben das Chaos gesehen, und haben mich als Vermieter aufgefordert es zu beseitigen. Auch okay für mich. Aber das heute früh, da Bestand absolut kein Anlass, der ihr das Recht gegeben hätte, einfach mit ihrem Zweitschlüssel meine Wohnung zu öffnen. Wir hatten uns weder verabredet, dass ich zu einer bestimmten Zeit hinunterkomme, noch hatte ich gestern irgendwelche Andeutungen gemacht, dass ich jetzt vorhätte mir deswegen etwas anzutun oder so eine Scheiße. Ich empfinde das als übergriffig und es ist für mich ein Absolutes No-Go. Wie soll denn das weitergehen? Kommt sie ab jetzt jedes Wochenende hoch und weckt mich, wenn ich bis 11 nicht aufgestanden bin? Und wenn ich scheißen bin und die Lüftung längere Zeit läuft (die Lüftung geht Richtung Innenhof, wo sie ihr Getränkelager haben), kommt sie dann hoch um nachzugucken ob ich eh nicht am kotzen bin? Muss ich ab jetzt in meiner eigenen Wohnung, in der ich alleine lebe, die Badezimmer Türe schließen und absperren, damit sie mich nicht nackt sieht, wenn sie mich zufällig genau zu der Zeit wegen irgendetwas anruft und sich dann wieder “Sorgen macht” und hochkommt?? Ich meine, was ist denn das für eine kranke Scheiße?!

Ich war dann unten und habe mit ihnen geredet. Habe gesagt, dass ich das alleine mache, bis am Montag, wo der Lecksucher nochmal kommt, zumindest oberflächlich alles in Ordnung ist und in 2-3 Wochen können sie gerne nochmal hochkommen und sich davon überzeugen dass alles pipifein ist. Sie beteuerten, dass sie es ja nur gut meinen würden und alles nur zu meinem Besten wäre. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich es hasse, wenn Leute “zu meinem Besten” meine Grenzen niedertrampeln? I

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was ein Alptraum

bitte, bitte, ich möchte aus diesem Alptraum aufwachen. Vorhin, ich komme von einem Treffen nach Hause. Keine 5 Minuten später klingelt es an der Tür. Jemand klingelt wieder, hämmert dagegen. Ich tue, als wäre ich nicht da. Ein lautes Dauerklingeln, ich höre eine gedämpfte Stimme, gehe näher ran. “Hallo, Fliegermädchen, ich bin es, Andrea. Komm, ich weiß du bist da!” Andrea? Wer zur Hölle ist Andrea? Ichh kenne keine Andrea. Bis es mir langsam dämmert. Die Frau meines Vermieters heißt Andrea. Nachdem sie schon 5 Minuten Terror gemacht hat und offenbar nicht ans Aufgeben denkt, öffne ich vorsichtig die Türe. “Na endlich. Darf ich dir helfen?” Ich starre sie mit weit aufgerissenen Augen an. Wie kommt sie auf die Idee mir helfen zu müssen? Sie hat doch nicht etwa…???!!! Bitte lieber Gott, lass es nicht das sein was ich denke! “Weißt du, wir haben Probleme mit der Heizung, der Installateur war da und hat ein Leck gesucht. Wir haben versucht dich anzurufen, aber du warst nicht da. Da sind wir in deine Wohnung gegangen. Da müssen wir was machen, wirklich!” Ich klammere mich am Türrahmen fest. Ich wünsche mir ein Loch im Erdboden das mich verschlingt, und meine ganze Wohnung mit. Ich habe mich noch nie in meinem ganzen Leben so geschämt. Sie- und ich weiß nicht mal, wer “sie” alles waren- in meiner Wohnung und haben alles gesehen. Alle meine so gut gehüteten dunklen Geheimnisse lagen ausgebreitet vor ihnen, in Form der vollgekotzte Klobrille, in Form der gebunkerten Lebensmittel, in Form der Spritze und dem Stauband auf meinem Bett. Ich versuche, den Drang zu unterdrücken in Tränen auszubrechen. “Ich muss das erst mal sacken lassen. Bitte geh jetzt!” antworte ich. “Okay. Aber du meldest dich?” – “Ja” – “Na dann… Tschüss.” – “Ciao”. Ich drücke die Tür zu. Drehe den Schlüssel zweimal rum, auch wenn ich nicht weiß ob sie das daran hindern würde, reinzukommen, wenn sie mit ihrem Schlüssel wiederkommt. Ich rutsche mit dem Rücken der Tür entlang hinunter auf dem Boden und vergrabe mein mittlerweile tränenüberströmtes Gesicht in meinen Armen.

Ich habe nur einen Gedanken: Ich brauche eine neue Wohnung. So schnell wie möglich. Ich kann diesen Menschen nie wieder in die Augen sehen und würde mich ständig von ihnen beobachtet fühlen und hätte ständig Angst, dass sie mal in meiner Wohnung nach dem rechten sehen, wenn ich nicht da bin. Wer weiß, wem sie das alles erzählt haben, was sie da gesehen haben. Oder die Leute von der Installateur-Firma, die da waren. Musste ich damals beim Unterschreiben des Mietvertrages die Nummer meiner Eltern angeben? Haben sie am Ende die auch noch angerufen? Aber selbst wenn nicht, mein Nachname ist selten, so selten, dass ich niemandem mit diesem Nachnamen kenne, der nicht mit mir verwandt wäre. Es ist ein leichtes, mit Hilfe von Google innerhalb ein paar Minuten die Nummer meiner Mutter herauszufinden. Wenn sie das jetzt auch noch gemacht haben, und die steht morgen bei mir auf der Matte… dann weiß ich echt nicht mehr.

Learnings für die nächste Wohnung: never ever wieder Privatvermietung. Lieber irgendeine anonyme GmbH, der alles wurscht ist. Oder noch besser: Eigentum. Bis jetzt hatte cih davon ja immer Abstand genommen, weil ich keine Schulden haben wollte, vor Allem weil ich alleine bin und im Falle von Krankheit, Unfall, sonstiger Jobverlust kein zweites Gehalt als Backup da ist, weil ich nicht örtlich gebunden sein wollte, etc. Aber nun sehe ich plötzlich ganz viele Vorteile an einer Eigentumswohnung….

Ich möchte bitte morgen aufwachen und feststellen, dass das alles nur ein böser Traum war.

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Lebenszeichen

Ich wollte mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben. Mittlerweile bin ich 30 Jahre alt. Unglaublich irgendwie. Solange noch ein 2er davor steht, ist man irgendwie doch noch jung, aber mit 30? Da ist man dann “erwachsen” , da geht man dann schon “auf die 40 zu”… oh Gott, ich mit 40, ich kanns mir nicht vorstellen. Aber andererseits konnte ich es mir auch nie vorstellen, 30 zu sein.

Mein Geburtstag war eine gefühlte Katastrophe. Ich war gefühlt noch nie so nervös. Denn es gibt gewisse Tabuzonen in meiner Wohnung, die ich nicht berühre, nicht anfasse, und wo ich schon bei dem Gedanken Schnappatmung bekomme, dass jemand anders das tut. Es geht hier um Orte, auf denen sich jemals Drogen befunden haben und das Stück Boden darunter, insbesondere um meinen Couchtisch, denn abgesehen davon betrifft es nur zwei Schubladen. Ich möchte gar nicht wissen, wie es unter diesem Couchtisch mittlerweile aussieht, da ich den bestimmt seit Jahren nicht mehr zur Seite gerollt habe. Anyway, diesem Tisch darf also niemand zu nahe kommen und da ist eigentlich schon jede fremde Person in meiner Wohnung eine zuviel und macht mich absolut kirre. Soviel mal zu Vorgeschichte.

Meine Familie tanzte also an, und das erste was mein Vater tut, er zieht sich den Pulli aus und sieht sich suchend um, wo er den hintun könnte. Da ich gerade damit beschäftigt bin, meiner Mutter den Berg an Schüsseln und Tupperdosen abzunehmen, den sie mitgebracht hat, erkenne ich die Situation zu spät, und bevor ich noch irgendetwas tun oder sagen kann, legt er seinen Pulli auf ebendiesen verbotenen Couchtisch. Noch dazu, genau auf die Seite, auf der der noch verbotenere Kulturbeutel steht, auf dem sich passenderweise grinsende, bunte Katzen befinden. Was da früher mal drin war, braucht nach dieser Beschreibung wahrscheinlich nicht viel Phantasie. Ich konnte ihn nur bisher nicht wegwerfen, weil ich den Stoff mit den Katzen so mega schön finde, auch wenn ich ihn aufgrund des Inhalts der sich darin befunden hat wahrscheinlich auch nach zehnmal waschen nicht verwenden könnte. Anyway, die Zeit vergeht gefühlt überhaupt nicht, und als ich nachdem essen Geschenke auspacken soll, sucht sich meine Mutter einen geeigneten Platz zum Fotografieren. Sie geht Richtung Couchtisch und ich ahne böses. “Mama, das ist ein Tisch. Da kann man sich nicht draufsetzen, das hält der nicht aus. ” Sie ignoriert meine Worte und ich muss wie zu Salzsäure erstarrt dabei zusehen, wie sie versucht sich auf den verbotenen Couchtisch zu setzen. Ich sehe sie schon vor meinen Augen in dem Zusammengebrochenen Tisch liegen. Zum Glück rafft sie rechtzeitig, dass es doch keine gute Idee ist, und lässt es bleiben, nachdem der Tisch ein Stück zu Seite gerollt ist.

Memo an mich für den nächsten Geburtstag: Wenn es ein entspannter Geburtstag werden soll- nicht mehr bei mir zuhause feiern. Lieber nach Medan fahren.

Jobtechnisch bin ich glücklich, vielleicht sogar glücklicher als je zuvor. Komischerweise immer noch in jener Firma, von der ich vor ein paar Jahren noch dachte sie verlassen zu wollen. Aber mein Chef hat sich verändert, ich hab mich vielleicht auch verändert, jedenfalls habe ich das Gefühl, dass er mich nicht mehr versucht zu ändern sondern akzeptiert, dass ich halt so bin wie ich eben bin. Er ist auch nicht mehr so ein Kontrollfreak wie anfangs, auch wenn ich lange gebraucht habe das zu begreifen, bis er mir letztes Jahr beim Mitarbeitergespräch gesagt hat: “Frag doch nicht immer mich, entscheide es einfach selbst. Du wirst es schon richtig machen, und selbst wenn nicht- ich entscheide auch nicht immer alles richtig.” Habe ich getan. Und dadurch bekommt man natürlich auch ein anderes Ansehen bei den Mitarbeitern. Mein Chef hat sich aus dem operativen Bereich ziemlich zurückgezogen, arbeitet viel an internationalen Projekten, und hat die Montage mehr oder weniger mir überlassen.

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New year, same shit.

“Fliegst du eigentlich noch?”

Keine Ahnung, wie oft ich diese Frage in letzter Zeit gehört habe. Und auf die wahrheitsgemäße Antwort (“selten”) kommt dann immer: “Warum? Machts dir keinen Spaß mehr?”

Um nicht die Wahrheit sagen zu müssen, antworte ich immer dass ich es eben nicht mehr so durch die rosarote Brille sehe wie vor 8 Jahren noch und mir durchaus bewusst bin, dass Fliegen CO² produziert und dass es sich nicht gut anfühlt, nur zur persönlichen Belustigung ohne wirklichen Sinn dahinter den Klimawandel voranzutreiben. Dass dieses Argument nicht mal 10% des Gesamtanteils ausmacht, verrate ich nicht.

Die Wahrheit ist: Nein, ich habe keine Lust mehr. Ich habe auf nichts mehr Lust, was mich mal ausgemacht hat. Die Schublade mit meinen Flugsachen öffne ich einmal im Jahr, um den Schein zu erhalten. Alle 2 Jahre mache ich einen Prüfungsflug, damit die Lizenz trotz der wenigen Stunden verlängert wird, in der Hoffnung, dass irgendwann mal der Tag kommt, an dem alles so ist wie früher. Meine Cubes verstauben am Regal, mein Keyboard dient nur mehr als Ablagefläche für Unterlagen. Das so vertraute “Klick” meiner Spiegelreflex habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gehört. Was bleibt noch von mir, wenn all das, was mich mal ausgemacht hat, nicht mehr ist? Wer bin ich noch? Bin ich noch?

Es macht mich traurig, sehr traurig. Nein, mein Leben war nie perfekt und immer schön, es gab immer Tiefen, auch sehr tiefe Tiefen, aber trotzdem waren da immer all diese Leidenschaften, die es dennoch lebenswert gemacht haben. Aber was ist jetzt noch lebenswert?

Jedes Mal, wenn ich diesen Vollpfosten von Betriebsarzt durch unsere Firma schlendern sehe, steigt die Wut in mir hoch. Ich möchte ihn anschreien, dass er mein verdammtes Leben zerstört hat, dass für mich seitdem nichts mehr ist wie es mal war. Wenigstens lässt er mittlerweile die Versuche bleiben ein Gespräch mit mir anzufangen.

Mein Wunsch für 2023: Ich will mein altes Leben wieder.

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Was ich noch sagen wollte

Ich habe gerade die ganzen Kommentare gesehen, die ihr hinterlassen habt, während der Blog tot war. Irgendwie total berührend, ich hätte nicht gedacht dass so viele Menschen hier mitlesen und sich Gedanken machen. Klar, man sieht die Aufrufer- und Followerzahlen, aber viel zu oft vergisst man doch, dass hinter diesen Zahlen auch Menschen stecken. Ich dachte, wenn kein Post mehr kommt, ist nach 2, 3 Monaten einfach tote Hose hier, aber das es Leute gibt, die sich selbst nach einem Jahr noch an mich erinnern und hierher zurückkehren….

Gleich fahre ich los, mein Auto von der Reparatur holen. Ich freue mich schon, dass ich ab jetzt nicht mehr alle paar Wochen von irgendeinem Fremden gefragt werde, ob es denn sein könne, dass meine Motorhaube offen sei, und ich darauf antworten muss: “Ach nein, das gehört so!”. Und dabei jedes Mal an jenen unschönen späten Nachmittag letztes Jahr im November erinnert werde.

Es ist Freitag später Nachmittag. Ich habe mal wieder Überstunden geschoben und es ist schon dunkel, als ich mich auf den Heimweg mache. Der anfangs leichte Schneefall wird stärker, umso länger ich unterwegs bin. Es ist der erste Schnee in diesem Winter, entsprechend langsam und vorsichtig fahre ich. Im dichten Schneegestöber nehme ich irgendwo vor mir ein Blaulicht wahr. Fast gleichzeitig bleibt mein Blick an einem Fahrzeug hängen, das auf der gegenüberliegenden Seite im Straßengraben liegt. Während ich mich noch frage, ob es wohl zusätzlich eisig ist, ob ich eventuell stehen bleiben soll um zu schauen ob jemand Hilfe braucht und wo ich dies gefahrlos tun könnte, taucht vor mir etwas auf. Etwas, das in Relation zu mir selbst viel zu langsam ist. Ich donnere meinen Fuß so fest ich kann ins Bremspedal, aber gleichzeitig weiß ich dass der Aufprall unvermeidlich ist. Mit einem dumpfen Geräusch krache ich in das Fahrzeug vor mir. Ich muss wohl aus Reflex die Augen zugekniffen haben, denn als ich sie wieder öffne, ist da wieder dieses Blaulicht. Ich hab doch nicht etwa…? Och neee, Leute…. Die Türen des vorderen Fahrzeugs gehen auf und 3 Polizisten steigen aus, es ist ein Mann und zwei Frauen. “Haben Sie uns nicht gesehen…?!” fährt er mich an. Doch, aber es ist eines von meinen Hobbies, im Schneegestöber Zivilstreifen abzuschießen! “Gesehen schon, aber zu spät” antworte ich, obwohl ich ihn am liebsten gefragt hätte, ob er sich nicht einen besseren Ort zum Anhalten hätte suchen können, noch dazu wo sich 30m vorher eine Bushaltestelle befindet. Natürlich hatte ich das Blaulicht gesehen, aber bei Schnee und Dunkelheit ist kaum zu erkennen, ob es sich fortbewegt oder nicht. Und wenn sich ein Auto auf einer Bundesstraße befindet, geht man nun mal in der Regel davon aus, dass sich dieses mit einer Geschwindigkeit x fortbewegt.

Es stellt sich heraus, dass die Zivilstreife zu ebenjenem Fahrzeug im Straßengraben geschickt worden war, das mir auch aufgefallen war. Anstatt ihr Fahrzeug aber irgendwo an den Rand zu stellen, waren sie mitten auf der Straße stehen geblieben. Bis heute bin ich der Meinung, dass sie dadurch zumindest mitschuldig an der Sache sind, denn wenn sie sich einfach in die Busbucht gestellt hätten wäre ja nichts passiert. Aber nachdem es ja generell so ist, dass der, der auffährt die Arschkarte hat, und gegen 3 Polizisten hat man sowieso keine Chance.

Das Einzige, worüber ich mich bis heute unglaublich amüsiere ist, dass auch der Polizist einen Alkoholtest machen musste, da das für alle unfallbeteiligten Lenker vorgeschrieben ist 😀

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hallo, ich lebe noch

Hallo, ich lebe noch.

Es ist still hier geworden. Still, weil ich meine eigene Jammerei nicht mehr hören wollte. Still, weil für so vieles die Worte fehlten. Still, weil es doch immer dasselbe war, irgendwie. Ich wünschte, ich könnte sagen, es ist weil ich die Kurve gekriegt habe, weil meine Prioritäten sich verschoben haben, dass ich ein Kind, ein Mann, ein Haus und einen Hund habe, aber so ist es nicht.

Manches hat sich geändert, vieles ist gleich geblieben. C. ist tot, die Einzige mit der ich gefühlt über alles reden konnte, und ich kann mir bis heute nicht verzeihen dass ich am Ende nicht für sie da war, obwohl sie mich so sehr gebraucht hätte.

Mir ist bewusst geworden, wie viel dieser eine Tag zerstört hat. Obwohl ich eigentlich erst gedacht hatte, ich kann das ab. Wie ein Hund, der in einen kalten Fluss geworfen wird, wieder hinausklettert, sich einmal schüttelt und weitergeht. Ich dachte auch, ich könnte das einfach abschütteln und weitermachen, denn schließlich habe ich solche Situationen ja schon zu genüge durch, und zwar in einem Alter, in dem ich aufgrund meiner Minderjährigkeit noch wesentlich wehrloser war. Aber genau der Umstand hat es auch einfacher gemacht, weil man es da einfach noch gewohnt ist, dass man eben nicht alle Entscheidungen im Leben selbst treffen kann und das gewisse Dinge für einen entschieden werden. Hingegen mit Mitte 20 ist man schon mehrere Jahre lang selbst für sich verantwortlich und trifft sämtliche Entscheidungen alleine, und dann sind die Spuren, die so ein Eingriff in die eigene Entscheidungsfreiheit hinterlässt, wesentlich gravierender.

Es verfolgt mich bis heute. Nächtelang bin ich bis früh morgens wach und denke nach. Besonders schlimm ist es, wenn ich wieder einen Termin in der Substitutionsambulanz habe, weil ich dann jedes mal eine total irrationale Angst schiebe, könnte den Termin vergessen, und dann passiert das alles nochmal. Ich lasse mir von denen jedes Mal einen Zettel schreiben, wo der Termin oben steht, und die Sekretärin hält mich wahrscheinlich für komplett bekloppt, weil ich trotzdem regelmäßig anrufe und mir den Termin nochmal telefonisch bestätigen lasse. Obwohl die Substitutionsärztin eigentlich die Einzige war, wo ich in irgendeiner Art und Weise den Eindruck hatte, dass es ihr Leid tat, was sie da losgetreten hatte, und sie hat ja im Grunde auch nichts Falsches gemacht. Das ist es auch, was mich am meisten wurmt, dass die anderen daran Beteiligten offensichtlich bis heute der Meinung sind, das Richtige getan zu haben.

Wie kann es richtig sein, einem erwachsenen Menschen seinen freien Willen zu nehmen? Wenn ich mich geweigert hätte die Kaliumtabletten zu nehmen oder so, hätte ich es ja noch verstanden, aber das habe ich nicht.

Der Tag hat viel verändert. Die größte Veränderung ist wohl, dass ich seitdem einfach keine Menschen mehr um mich haben will. Klingt assi-mäßig, aber ist so. In der Folge habe ich den Kontakt zu fast allen meinen damaligen Freunden abreißen oder einschlafen lassen, die Pandemie hat die perfekten Argumente dafür geliefert. Ich hätte nie gedacht, dass diese 3 Menschen es wagen würden, sich so sehr in mein Leben einzumischen, und demzufolge kann ich mir bei niemandem mehr sicher sein. Ich verbringe meine Geburtstage alleine, Neujahr alleine. Wochenende und Feiertage sowieso. So richtig wohl fühle ich mich auch in meiner Wohnung seitdem nicht mehr, es fühlt sich nicht mehr sicher an. Ich habe, seit ich vom Krankenhaus nach Hause gekommen bin, nie wieder in meinem Bett geschlafen. Ich schlafe seitdem auf dem Sofa. Ich kann eigentlich gar nicht wirklich erklären, wieso.

Ich habe letztens ein Foto wiedergefunden, einen Schnappschuss, den der Vereinsvorstand damals auf einem Flugplatzfest von mir gemacht hat. Da war ich 16, 17 oder so, und wenn ich ein Foto heraussuchen müsste, das 100% ich bin, dann wäre es dieses. Ja, auch in dem Alter hatte ich schon Einiges durch, aber es war noch da, dieses Funkeln in den Augen, diese Lebendigkeit. Von den letzten 2 Jahren gibt es kaum Fotos von mir, weil ich es schrecklich finde, wie ich darauf aussehe. Das Funkeln ist Leere und Ausdruckslosigkeit gewichen. Und es macht mich traurig, sehr sehr traurig.

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Time to say goodbye…

Die Entscheidung war mir absolut nicht leicht gefallen. Man legt nicht alle Tage das Todesdatum für ein Lebewesen fest. Doch es hatte sich abgezeichnet, dass es keinen Sinn mehr machte, ich konnte fast nicht mehr hinschauen wenn er sich abmühte auf die Beine zu kommen und eins ums andere Mal wieder umfiel und hilflos im Kreis robbte. Mama hatte sofort angeboten, dabei zu sein. Ich hatte lange überlegt, weil ich es hasse, vor anderen Menschen zu weinen. Und dass Tränen fließen würden, war klar. Schließlich entschied ich mich doch dafür, denn da ich wollte, dass er bei meinen Eltern im Garten begraben wird hätte ich sie sowieso sehen müssen, und sei es nur kurz auf einer Autobahnraststätte um ihr die sterblichen Überreste zu übergeben. Ich hatte ihn die letzten Tage so richtig verwöhnt, hatte die Nacht durchgemacht um ihn im Arm zu halten, und pünktlich um 8:30 klingelte meine Mutter mit einem Schuhkarton unterm Arm. Nach der Begrüßung öffnete sie ihn und breitete einige verschieden gemusterte Stofftücher aus. “Ich habe ein paar Tücher mitgebracht, magst du dir eines aussuchen wo wir ihn dann einwickeln wollen?” Das reichte, um in Tränen auszubrechen. “Bist du sicher, dass du mitkommen willst? Ich kann auch alleine mit ihm fahren.” bot sie mir an. Natürlich wäre das der einfachere Weg gewesen, aber das wollte ich nicht. Er sollte in meinen Armen einschlafen dürfen. Nichtsahnend lag der da, die beiden Mädels schleckten ihm die Ohren ab, genauso ahnungslos, dass das das letzte Mal sein würde. Ich setzte ihn in die Transportbox und wir machten uns auf den Weg. An der Tür zur Tierklinik blitzte uns erst mal ein Schild entgegen: “Nur eine Person pro Tier”. “Das gilt nur für den Behandlungsraum, aber wir haben hinten noch einen extra Raum, da können Sie dann zu zweit zu ihm” klärte uns die Ärztin auf. Also schickte ich meine Mutter hinein. Es folgte ein kurzes Gespräch, viel zu klären schien es nicht mehr zu geben, nur 3 Minuten später öffnete sich hinten eine Türe und ich huschte hinein. Es war eine Art Durchgangsraum zum Kellerabgang mit gefliestem Boden, in dem ein paar wenige Sessel standen. Ich setzte mich zu meiner
‘Mutter und sie stellte mir die Transportbox auf den Schoß. “Er hat jetzt eine Spritze bekommen und in 10-15 Minuten schläft er ein. Und dann, wenn er nix mehr mitkriegt, bekommt er nochmal eine und dann bleibt das Herz stehen.” erklärte sie mir. Ich hatte mir ausgemalt, dass spätestens das der Moment sein würde, in dem ich mich heulend auf dem Boden kringeln würde- doch ich war erstaunlich ruhig und gefasst. Ich kraulte ihn zwischen den Ohren und beobachtete wie sich der Brustkorb hob und senkte. Nach ein paar Minuten begann er komische, grunzende Laute von sich zu geben, auf die ich mir nicht so richtig einen Reim machen konnte. Die Zeit verging unglaublich zäh, gefühlt war eine halbe Stunde vergangen, bis der Tierarzt wieder zur Tür hereinkam und ihn mitnahm in den Nebenraum. Wenige Minuten später holte er uns mit in den Raum. Am Behandlungstisch stand die Transportbox, mit einem Hasen, der sich gar nicht mehr bewegte und die Augen weit geöffnet hatte. “Es kann sein, dass er in der nächsten Stunde noch ein paar Mal zuckt, das sind dann aber nur die Nerven. Das Herz schlägt ganz sicher nicht mehr” ließ er uns wissen. Als wir hinaustraten in den Warteraum, hatte sich da bereits eine große Ansammlung an Tierbesitzern gebildet. So gut es ging versuchte ich mein verheultes Gesicht zu verbergen.”Eigentlich bräuchte man für solche Fälle einen geheimen Hinterausgang, denn für die Wartenden ist es auch nicht gerade erbauend, wenn jemand sein totes Tier durchs Wartezimmer trägt” dachte ich mir. Zuhause angekommen wollte ich auch den beiden anderen die Möglichkeit geben, sich zu verabschieden. “Uahh… pass auf, schnell, wir brauchen irgendwas zum Drunterhalten!” rief meine Mutter und fummelte hektisch das alte Handtuch aus der Transportbox. Ich sah an mir herunter und entdeckte den Pipisee, der sich zu meinen Füßen gebildet hatte. “Oh… er läuft aus.” stellte ich kichernd fest. Während meine Mutter das Missgeschick beseitigte, legte ich den schlaffen Kaninchenkörper ins Gehege. Neugierig kamen die beiden angehoppelt. Es zeriss mir fast das Herz, als sie ihn anstupsten, aber keine Reaktion bekamen. Minutenlang schleckten sie ihn von oben bis unten ab- dann war das Thema für sie erledigt und sie widmeten sich anderen Sachen.
‘Ich holte ihn wieder heraus und trug ihn ins Badezimmer, wo ich ihn untenrum sauber machte – das hatte er in letzter Zeit nicht mehr selbst geschafft- und ihn nochmal ausgiebig bürstete. Es war ein überaus friedlicher Moment und ich war mehr erleichtert, dass er es nun hinter sich hatte und ich ihm nicht mehr jeden Tag zusehen musste wie er sich quälte, als dass ich traurig war. Ich versuchte, seine Augen zu schließen, so wie man es immer in den Filmen sieht, aber das funktionierte nicht, sie gingen immer wieder auf und starrten mit leerem Blick an die Badezimmerdecke. Nachdem er meiner Meinung nach schön genug für seine letzte Reise war, wickelte ich ihn in das Tuch, das ich zuvor ausgesucht hatte, vergrub noch ein letztes Mal mein Gesicht in seinem weichen Fell und legte ihn in den Schuhkarton.
‘Und weil Mama schon mal da war, kümmerten wir uns auch noch um die Krallen der beiden Anderen und wir entfernten den komplett vollgepinkelten Teppich und tauschten ihn gegen einen neuen.
‘Am frühen Nachmittag machte sich meine Mutter dann auf den Heimweg. “Kann ich dich wirklich alleine lassen?” fragte sie prüfend. “Ja klar. Alles in Allem war es eigentlich nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte.”

Das alles ist fast 2 Wochen her.Er fehlt mir, natürlich fehlt er mir. Aber es ist okay. Das Leben muss weitergehen.

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Ab wann ein Leben nicht mehr lebenswert ist

“Ich kann ihnen anbieten, ihm eine Spritze mit einem Schmerzmittel zu geben, vielleicht wird es dadurch besser. Falls nicht, würde ich Ihnen raten, ihn einschläfern zu lassen. Er kann seine natürlichen Bedürfnisse gar nicht mehr ausleben, und auf Dauer ist das einfach nur Quälerei für ein Tier.” Auch wenn ich es irgendwie schon befürchtet hatte, ziehen mir die Worte der Tierärztin den Boden unter den Füßen weg. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt so viel geweint habe wie die letzten 2 Wochen. Und ich habe es noch nicht über mich gebracht, diese letzte Entscheidung für ihn zu treffen. Denn er wirkt absolut nicht so, als ob er schon gehen wollen würde. Er ist alles andere als ein altersschwacher Hase, der nur mehr lethargisch im Eck liegt. Er frisst wie ein Scheunendrescher, er kuschelt mit seinen Mädels, er zerlegt mit Begeisterung den Weidentunnel. Ich habe einfach das Gefühl, ich würde ihn umbringen, wenn ich ihn einschläfern lassen würde. Das einzige Problem ist, dass er seine Hinterläufe nicht mehr richtig bewegen kann und nur mehr vorwärts robbt. Das führt dazu, dass er nicht mehr in den käfig springen kann um sein Geschäft dort zu erledigen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Pfützen ich im letzten Monat vom Teppich gewischt habe. Die letzten Tage bin ich dazu übergegangen, ihn alle 4 Stunden in den käfig zu setzen, damit er sein Schwänzchen heben kann. Auch nachts. Mit Schlaf ist sowieso nicht mehr viel los aktuell. Die Nacht von Montag auf Dienstag habe ich durchgemacht, weil ich das ganz ungute Gefühl hatte, dass es bald zu Ende geht mit ihm. Bin die halbe Nacht am Boden gesessen mit ihm auf dem Schoß und hab ihn gestreichelt.

Ich weiß nicht, wie lange ich das noch kann, ich gehe am Zahnfleisch.

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Reißleine oder nicht?

Ich bin haarscharf davor, die berufliche Reißleine zu ziehen. Ein Grund, warum ich in den letzten Wochen nicht geschrieben habe, war, dass ich nach der Areit erledigt war. Aufgrund massiver Qualitätsprobleme müssen wir nun alle fertigen Aufträge überprüfen. Wir tun also den lieben langen Tag nichts, als in gebückter Haltung über Montagewagen zu stehen und Antriebe zu prüfen und die gefunden Fehler zu protokollieren. Wie wir dabei unsere eigentliche Arbeit erledigen sollen, interessiert natürlich keinen. Die Zusammenarbeit mit unserem Chef ist, sagen wir mal anstrengend. Als er mir noch ein paar dringende Tätigkeiten auftrug und ich von ihm wissen wollte, was davon ich zuerst erledigen sollte, durfte ich mich anmaulen lassen, dass ich lernen müsse mich selst zu organisieren (Woher soll ich denn wissen wann er die Dinge braucht?) . Den Vogel schoss er aber am Mittwoch ab. Mein Arbeitskollege war vertretungshalber in die Führungskräftebesprechung geschickt worden und kam stinksauer wieder: “Ich glaubs nicht!! Da machen wir eh schon unter der Woche Überstunden ohne Ende und nun sollen wir auch noch am Samstag kommen!” Insofern waren wir also schon vorbereitet auf das was kommen würde. Auf die Art und Weise allerdings nicht. Wir saßen am Schreibtisch , als wir hörten: “Hey, wie schauts bei euch aus mit Samstag?”. kein “Bitte”, kein “Danke” für die Überstunden, die wir in den letzten Wochen schon gemacht haben, keine Erklärung wieso.

Um es Abzukürzen: wir haben alle 4 Nein gesagt. “Das merk ich mir” hatte unser Chef gesagt und war beleidigt abgezogen.

Ich weiß nicht wie lang ich mir den Irrsinn noch geben will.

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Verschlafene Weihnachten

Die Erleichterung ist groß, dass ich die schwierigste Zeit im Jahr hinter mir habe. Vielleicht hätte es auch schon zur Stimmung beigetragen, wenn ich die Nacht von 23. auf 24. nicht durchgemacht hätte. Im Wochenendhaus angekommen bereitete Mama gerade das Abendessen vor und nachdem ich ihr ein wenig unter die Arme gegriffen hatte, rollte ich mich am Sofa unter der Decke zusammen und schlief erst mal, bis es Essen gab. Nach dem Handy-lastigen Weihnachten letztes Jahr hatte ich eigentlich vorschlagen wollen, dass alle ihre Handys ausschalten, oder zumindest in den Flugmodus stellen, wenn man sie zum Fotografieren benutzen will- doch meine Mutter war mir erstaunlicherweise damit bereits zuvorgekommen. Die Feierlichkeiten gingen gemütlich über die Bühne. Das Highlight war wie immer das Auspacken der Geschenke meiner Mutter, die sie von ihren Mitarbeitern in der Arbeit bekommen hatte. Offenbar dürfte sie eine sehr beliebte Chefin sein- der Geschenkeberg war ungefähr so groß wie der von mir und meiner Schwester zusammen. Gegen 23:00 verkündete ich, Zähneputzen zu gehen. Natürlich ging es nicht nur ums Zähneputzen. Doch ausgerechnet an diesem Abend war einfach der Wurm drin. Obwohl mir nicht kalt war, war einfach nichts zu treffen. Umso öfter ich es versuchte, umso nervöser wurde ich natürlich auch, denn mittlerweile waren schon über 20 Minuten vergangen und langsam würde es meiner Familie komisch vorkommen, dass ich so lange weg war. Nach einer gefühlten Ewigkeit gelang es endlich. Netterweise fragte niemand nach, warum ich so lange weg gewesen war. In den letzten Jahren hatten Nadine und ich noch
ein wenig um Dunkeln geredet, doch diesmal waren wir beide so erledigt, dass wir sofort einschliefen.

Als ich aufwachte, lag Nadine nicht mehr neben mir. Mein unterer Rücken schmerzte höllisch und ich fühlte mich generell unwohl. Kurze Zeit später kam meine Mutter herein um das Frühstück vorzubereiten. Nachdem sich alle um den Tisch versammelt hatten, wollte ich mich dazusetzen- ganz schlechte Idee. Als ich mich aufsetzte, begann sich die Welt um mich zu drehen wie ein Karussel und mir war übel wie schon lange nicht mehr. Erst nach einer halben Stunde fühlte ich mich in der Lage, zum Tisch zu wanken und eine halbe Scheibe Knäckebrot und ein paar Tomaten runterzuwürgen in der Hoffnung, das würde meinen Kreislauf in Ordnung bringen. Diese Hoffnung wurde bitter enttäuscht.
‘Ich konnte nur tatenlos zusehen, wie meine Familie meine Sachen für mich zusammenpackte, das Bett wieder in ein Sofa zurückverwandelte, während es mich schon alle Kraft kostete, mich umzuziehen. “Bist du sicher dass du fahren kannst?” fragte Mama besorgt. Auch wenn ich nicht sicher war, nickte ich. “Das geht schon, ich brauche euch ja nur nachfahren…” Nadine begleitete mich und erzählte mir unterwegs von ihrem Kampf mit einer Airline, das Geld für ein storniertes Ticket zurückzubekommen. Zuhause angekommen war es Mittag, und ich beschloss mich kurz hinzulegen- vielleicht würde mein Kreislauf dann mit mir aufstehen. Als ich aufwachte, dämmerte es draußen bereits. Verdammt, wie lange hatte ich geschlafen? Ich tappte ins Wohnzimmer und traf dort auf Papa, der ein Buch las. “Mama ist Blumen kaufen gefahren für Oma morgen. Wir haben schon gegessen, Mama war eh dreimal hinten bei dir, aber du hast so tief und fest geschlafen, da wollten wir dich nicht wecken. Aber wir haben dir was mitbestellt, den Reis den du immer isst und so ein Gemüse, steht drüben am Tisch” informierte er mich. Drüben am Esstisch wartete tatsächlich eine Portion chinesischer gebratener Reis mit Gemüse ohne Ei und gebratenes Gemüse. Den Reis kannte ich schon, aber das Gemüse war neu für mich- und zum Eingraben. Ich war echt haarscharf davor, mir eine zweite Portion- wenn man bei meinen Mengen überhaupt von Portion sprechen kann- zu nehmen, aber dann kam Mama schon zurück und wir verbrachten den restlichen Abend mit verschiedenen Spielen. Vor dem Schlafen wollte ich noch für etwas Entspannung sorgen- doch wenn am Vortag der Wurm dringewesen war, waren an diesem Abend mindestens 5 Würmer drin. 2 Fünferstreifen Nadeln hatte ich mir in die Reisetasche geworfen und drei einzelne waren noch drin gewesen- nachdem ich einen ganzen Streifen am wahrsten Sinne des Wortes “verballert” hatte machte ich erst Mal eine halbe Stunde Pause, denn umso mehr Versuche man schon hinter sich hat, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit dass der nächste erfolgreich ist, weil das Gewebe rund um die Fehlversuche anschwillt. Danach ging ich dazu über, auch wenn ich so etwas normalerweise nicht mache, eine Nadel für zwei Versuche zu benutzen aus Angst, dass sie mir sonst ausgehen würden. Der 9. Versuch war ich endlich erfolgreich- ich hatte schon fast nicht mehr daran geglaubt…

Am nächsten Tag fuhren wir wieder zu Oma. “Richtet ihr unfreundliche Grüße von mir aus!” sagte Papa zum Abschied, wie immer. Mama verdreht die Augen, wie immer.” Papa!” sagt Nadine vorwurfsvoll, wie immer. “Na was kann ich denn dafür, wenn sie mich nicht sehen will!” entgegnet er, wie immer. Ich weiß nicht, warum er das Thema immer und immer wieder aufs Tablett bringen muss. Es ist, als würde er indirekt sagen: “Wenn ihr schon unbedingt fahren müsst- dann habt gefälligst zumindest ein schlechtes Gewissen mir gegenüber!” Ich frage mich, ob er nur einmal darüber nachgedacht hat, wie ich mich dabei fühle, wo ich doch quasi der Auslöser dafür war. Unter den Umständen war ich froh, nach dem Oma-Besuch zurück ins kaff zu meinen 3 Fellmonstern fahren zu können…

Im Nachhinein schäme ich mich. Ich weiß genau, dass sich meine Eltern sicher Sorgen gemacht haben, als ichh am 25. so fertig war. Dabei will ich doch eigentlich, dass sie sich möglichst wenige Sorgen machen. Aber das ist wohl gründlich in die Hose gegangen.

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