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Mal wieder das Thema Vertrauen

Hier sagen sie, dass ich zu misstrauisch bin. Ja, ich weiß, ich bin misstrauisch. Zu misstrauisch? Ich weiß es nicht. Denn ich habe das Gefühl, dass ich jedes Mal, wenn ich über meinen Schatten springe, eins draufkrieg.

Vor 3 Wochen hatte mich ein Fliegerfreund vom Heimatflugplatz angerufen. Er habe 2 Wochen einen Pilotenkurs bei mir in der Gegend, ob ich ihm eine Unterkunft empfehlen könne. Nach kurzem Überlegen bot ich ihm an, bei mir in der Wohnung zu schlafen. Er hatte mich auch schon mehrmals mit zu sich genommen, wenn das Wetter nicht passend für das Zelt war, also hatte ich irgendwie das Bedürfnis, mich zu revanchieren. Eine Bedingung stellte ich aber: von Samstag auf Sonntag sollte er sich eine andere Unterkunft suchen, damit ich ein bisschen Zeit für mich habe. Unter der Woche ständig Menschen um mich und dann auch noch am Wochenende- das ist nicht meins. Für ihn war das okay, letzten Sonntag kam er zu mir, ich gab ihm den Ersatzschlüssel und soweit war alles gut.

Gestern stand die Geburtstagsparty von einer Ex-Mitpatientin an. Ich hatte lange überlegt, ob ich hinfahren sollte, denn außer meiner Mitpatientin würden lauter fremde Leute dort sein. Letztendlich entschied ich mich dann doch dafür, wohlwissend, dass es sonst wieder ein Fress-Kotz-Abend werden würde. Also wurde ein Fress-Kotz-Nachmittag daraus, der mehr Zeit in Anspruch nahm als geplant. Aber egal, ich schnappte die Schüssel mit dem vorbereiteten Nudelsalat. Klo putzen, Müll wegbringen und Geschirr abwaschen würde ich ja am Sonntag auch noch können. So der Plan.

Die Feier nahm seinen Lauf, ich fühlte mich wohl, das Essen war superlecker. Irgendwann spürte ich das Handy in meiner Tasche vibrieren. Besagter Freund war dran. Ob er heute eh bei mir schlafen könne. “Ähhh… wir hatten doch ausgemacht, dass du heute woanders schläfst?!! Bei mir schauts total aus!” – “Das macht nix. Oh, ich sehs eh grad, bin soeben zur Tür rein. Was hast du denn da gemacht?!” Mein Hirn ratterte. Wieso zum Geier fragt er mich, wenn er quasi schon in meiner Wohnung steht, ob er überhaupt hier schlafen darf?! “Kuchen gebacken und Nudelsalat gemacht. Ich bin ja auf einer Geburtstagsfeier!” – “Achso. Ich räum das dann weg.”

Da er ja nun schon in meiner Wohnung war, stimmte ich schließlich der Übernachtung zu. Erst als ich aufgelegt hatte fiel mir siedend heiß ein, dass nicht nur das dreckige Geschirr herumsteht und die Verpackungen im Müll sind, sondern auch das Klo komplett verdreckt ist. Ich wünschte mir das berühmte Loch im Boden um darin zu versinken und der Abend war gelaufen.

Ich habe dann heute Nacht nicht zuhause geschlafen, sondern das Angebot meiner Ex-Mitpatientin angenommen, im Zimmer ihrer Tochter zu schlafen. Einerseits war ich froh darüber, um 1:30 nicht mehr eine Stunde lang nach Hause fahren zu müssen, andererseits musste ich so besagtem Freund nicht unter die Augen treten.

Wut und Scham gleichzeitig zu verspüren ist fies. Denn der Handlungsimpuls ist komplett gegensätzlich. Am liebsten würde ich zu ihm fahren und ihn fragen ob er wo angrennt ist, wenn ausgemacht war dass er von Samstag auf Sonntag woanders schläft braucht er nicht bei mir auftauchen. Und gleichzeitig will ich mich irgendwo verkriechen und ihm nie wieder unter die Augen treten. Wie gut, dass das überhaupt nicht gegensätzlich ist.

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Wiege-GAU

Meine “Ich-esse-einfach-was-ich-will-Laune” hat sich am Mittwoch auf der Waage bemerkbar gemacht. Dass es mehr sein wird, hatte ich ja schon geahnt. Mit eineinhalb Kilo mehr hatte ich fix gerechnet. Naja, mit viel Pech werdens vielleicht 2. Aber was die Waage am Mittwoch anzeigte, sprengte all meine Erwartungen: 3,5kg mehr als letzte Woche. Nun gut, der Tag davor war ein absoluter Fresstag gewesen, am Ausgang war ich noch mit Patrick Eis essen und Cocktails trinken und als das alles wieder verdaut und draußen war, waren es gestern auch schon wieder 1,1kg weniger. Ich bin auch nicht heulend zusammengebrochen und habe mir irgendwas aufgeschlitzt. Also alles okay so weit.

Meine Mitpatientin Maja ist meinem Beispiel gefolgt. Vom Wochenendausgang hatte ich heimlich Müsli und Grießbrei auf die Station geschmuggelt. “Ich hab Müsli und Grießbrei in die Lade getan!” flüsterte ich ihr am Montag zu. “Kannst dir jederzeit was nehmen, wenn du magst!” – “Danke!!!” strahlte sie. Und das dürfte sie auch auskosten (im wahrsten Sinne des Wortes), denn der Grießbrei ist fast alle. Heute kam sie vom Internisten und sah nicht mehr ganz so glücklich aus: “Ich habe drei Kilo mehr als am Mittwoch!”. Ich versuchte sie zu beruhigen und erzählte ihr von meinen Erfahrungen, dass ein Großteil des Gewichts eben einfach nur das Essen ist, das “in einem” ist.

Es tut gut, den Weg nicht alleine gehen zu müssen.

Achja, heute beim Frühstück: Kategorie Vollfail. Ich bin gerade dabei, einen gegrillten Paprika (den ich nicht essen dürfte) aus dem Glas zu fischen (das ich nicht besitzen dürfte), als die Schwester vorbeikommt. Mich anschaut. Und weitergeht. Bin gespannt, ob das nächste Woche mal Thema wird.

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Verguckt

Ich befürchte fast, da hat sich jemand in mich verguckt. Dabei fing alles mal wieder ganz harmlos an. Und zwar damit, dass ich eine Mitpatientin fragte, ob sie denn Lust hätte, mit mir zusammen zu einem nahegelegenen Kunsthandwerksmarkt zu fahren, der letztes Wochenende stattfand. Sie sagte zu, und so machte ich mich am Samstag nach dem Mittagessen auf den Weg. Unterwegs bekam ich einen Anruf von ihr: “Darf ich meinen Bruder mitbringen? Der sitzt sonst nur zuhause herum!” Mittlerweile lerne ich ja gerne neue Menschen kennen, kein Problem also. Allerdings hätte ich mich wohl anders angezogen, wenn ich es im Voraus gewusst hätte. Viel zu große, ausgebeulte Leggins, neon-orange Socken, die oben bei den Schuhen hervorblitzten und ein viel zu großes schwarzes T-Shirt. Naja, was solls.

Ihr Bruder war auf den ersten Blick rein optisch durchaus ansprechend. Und nett war er auch. Und sogar nur 3 Jahre älter als ich, wie sich später im Gespräch herausstellte. Es war ein wirklich lustiger Nachmittag und ich vergaß irgendwie zwischendrin komplett, dass ich ja eigentlich essgestört bin. Nachdem wir 2 Stunden an den verschiedensten Ständen vorbeigebummelt waren (ich besitze nun zum ersten Mal in meinem Leben eine Kulturtasche – mit bunten, grinsenden Katzen drauf) kosteten wir uns noch durch das kulinarische Angebot. Eine vegane Palatschinke mit Bananen-Schokolade-Füllung, eine armenische Teigtasche mit Käse und eine mit Spinat und eine frische Schaumrolle (aus Blätterteig, der noch so richtig nach Butter schmeckt) später gingen wir zurück zu den Autos. Inzwischen waren wir schon beim “sich gegenseitig mit Wasser aus dem Brunnen anspritzen” und “freundschaftlich an die Schulter boxen” angelangt. Irgendwie freute es uns dann doch noch nicht, nach Hause zu fahren und wir saßen noch eine Stunde am Bach herum, ehe meine Mitpatientin dann sagte, dass zumindest sie nun wirklich nach Hause fahren würde. Ich beschloss auch, mich auf den Rückweg zu machen, nur ihr Bruder wirkte nicht ganz begeistert von dem Vorschlag. Als ich vor ihm stand, um mich zu verabschieden, sagte er: “Ich versuchs jetzt einfach mal… wollen wir Nummern tauschen und uns mal treffen?”. Innerlich grinste ich vor mich hin. Ich gab sie ihm. Und als ich zuhause ankam, hatte ich schon eine Freundschaftsanfrage auf Facebook.

Und 2 Stunden später schon die erste Nachricht. Als ich ihm schrieb, dass ich jetzt dumpstern fahren würde, fragte er, ob er mitkommen dürfe. Und so sah ich ihn sogar am selben Tag wieder, aber diesmal ohne meine Mitpatientin. Hinterher waren wir noch spazieren. Mal schauen, was daraus wird.

Nachdem die Dritte am Essbegleitungstisch am Mittwoch gegangen wurde, weil ihr BMI unter 13 gefallen war, haben wir seit Donnerstag eine Neue. Sie ist wegen Bulimie da, also rein optisch normalgewichtig, aber ein typischer Fall von: “Ich esse die Salatgarnitur und lasse das Essen über” (die meisten Leute machen es andersrum). Auch wenn sie es nicht böse meint, es zieht einfach runter. Und das nervt, gerade jetzt, wo ich anfange, Essen richtig zu genießen. Wie am Samstag die Schaumrolle, oder gestern den ersten Eisbecher des Jahres.

Meine neue Zimmerkollegin ist etwas anstrengend. Grundsätzlich zwar nett, aber sie sitzt mehr oder weniger den ganzen Tag am Zimmer herum und ich hätte auch gern mal ein oder zwei Stunden für mich. Da wir in der selben Gruppe sind, kann ich ja nicht mal sagen: “Ok, dafür hab ich dann halt meine Ruhe, wenn sie Therapie hat”, denn außer Einzeltherapie haben wir ja alles zusammen, besonders jetzt, wo ich auch noch in der Vertiefung bin und beim Nordic Walking und der Trainingstherapie mitmachen darf.

Eine Lösung für das Grießbreiproblem habe ich auch: Ein Mitpatient lässt seinen immer über. Den gibt es dann morgens um 6 als “Vorfrühstück”. Ich habe Angst vor Mittwoch vorm Wiegen, aber weniger vor der Zahl auf der Waage als vor der Reaktion meines Therapeuten, denn ich werde sicher mehr als 1kg zugenommen haben. Ich behaupte mal, dass es mindestens 1,5 sein werden. Ich für meinen Teil könnte damit Leben, glaube ich, aber mein Therapeut wird definitiv wieder versuchen, irgendwelche Gefühlsausbrüche zu provozieren. Denn obwohl ich ihm, nachdem er eine Gewichtszunahme mit: “Sie haben aber ganz schön viel zugenommen!” kommentiert hatte, gesagt habe, dass mich solche Kommentare verunsichern und verärgern, hat er es letzte Woche in der Visite wieder getan. Also wird er es diese Woche wahrscheinlich auch wieder tun. Und ob ich das dann packe, weiß ich wirklich nicht.

 

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Wiegeergebnis

800g mehr. Hätte gehofft, dass es mehr ist, denn ich soll ja eigentlich 1kg pro Woche zunehmen. Aber so, wie ich die letzten 2 Tage gegessen habe, ists nächste Woche wohl viel mehr. Ist mir aber egal, denn so ist der “Fressdrang” wenigstens nicht so groß. Genau genommen ist er so gut wie gar nicht vorhanden, weil ich einfach satt bin. Habe den Tag heute mit Grießbrei begonnen, den gestern Abend jemand nicht haben wollte. Und nach der Trainingstherapie gab es dann nochmal 2 Scheiben Vollkornbrot, trotz Frühstück. Also habe ich doch meinen Grießbrei bekommen. Ätsch.

Ich glaube meine neue Zimmerkollegin (habe seit gestern wieder eine Neue) hat Bulimie. Zumindest habe ich Kotzspuren im Klo gefunden. Also zuerst ein Haar, an einer Stelle, an der es unwahrscheinlich ist, dass bei “normaler” Toilettenbenutzung welche hinkommen. Und dann Spritzer an der Unterseite der Klobrille. Montag waren dort definitiv noch keine, denn da habe ich nach dem Kotzen alles geputzt. Sie redet auch dauernd davon, dass sie unbedingt abnehmen muss. Irgendwie tut sie mir ja leid, dass sie dann ausgerechnet mit jemandem wie mir im Zimmer ist.

Gestern am Ausgang war ich in der Musikschule und habe beim Tanzen zugeschaut. Bzw. mitgemacht, ohne dass es geplant war. Da ich erst ab 17:00 wegdarf, kam ich eine halbe Stunde nach Beginn. “Oh, Fliegermädchen, schön dass du da bist! Wir machen grade Partnerdehnübungen und sind eine ungerade Zahl, kannst du vielleicht rübergehen zu J.? Dann geht es sich genau aus!”. Obwohl ich solche Partnerübungen eigentlich nicht so mag, war es erstaunlich ok. Mehr als ok, eigentlich richtig witzig und die Tanzlehrerin meinte am Schluss: “Ich habe dich noch nie so lachen gesehen!”. Ich vermisse es, das Tanzen.

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Logik?!

Aber zuerst mal zum Wochenende: Das war großteils gut. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in meiner Küche etwas gekocht habe um es drinzubehalten, aber ich habe es tatsächlich geschafft. Mehrmals sogar. Jetzt weiß ich auch, dass vegane Eierspeis verdammt echt nach Ei schmecken kann. Und ich habe es am Samstag tatsächlich zum ersten Mal geschafft, mich aus meiner Wohnung auszusperren. Das ist glaube ich etwas, was jedem zumindest einmal im Leben passieren muss und ich hoffe, dass ich es jetzt für einige Zeit hinter mir habe, auch wenn es einigermaßen glimpflich ausgegangen ist. Dabei begann alles mit der guten Absicht, den Bereich unter der Treppe zu putzen. Um nicht jedes Mal die Tür aufsperren zu müssen, wenn ich das Wasser wechseln will, wollte ich sie nur anlehnen und naja… tat das ein wenig zu schwungvoll. Tür zu, Schlüssel in der Wohnung, Handy in der Wohnung. Erstaunlicherweise putzte ich, anstatt durchzudrehen, zuerst mal in Seelenruhe zu Ende. In weiser Voraussicht habe ich für solche Fälle einen Ersatzschlüssel bei meiner Nachbarin hinterlegt- die war aber nicht da. Dumm gelaufen. Den dritten der drei Schlüssel zu meiner Wohnung hat meine Mutter und somit war dieser 180km weit weg, also auch keine reale Option. Blieb also nur noch der Zentralschlüssel meines Vermieters. In seinem Gasthaus war er aber nicht und anrufen konnte ich ihn ja nicht weil Handy in der Wohnung. Glücklicherweise hatte ich zumindest den Autoschlüssel noch in der Hosentasche. Unpraktischerweise war ich allerdings kleidungstechnisch nicht ganz darauf vorbereitet, jemandem unter die Augen zu treten. Ich sage nur: Komplett zerschnittene Oberschenkel + Shorts weil “es ist heiß und beim Putzen sieht mich ja eh keiner”. Suuuuuuper. Trotzdem hatte ich keine andere Wahl, als mich ins Auto zu setzen, zum Arbeitsflugplatz zu fahren, mir dort im Internet die Nummer meines Vermieters rauszusuchen (schaut mir einfach ins Gesicht, Leute, schaut mir einfach ins Gesicht, der Rest ist doch soooo egal, düdelü… ) und ihn vom dortigen Festnetzanschluss aus anzurufen. Glücklicherweise erreichte ich ihn und danach war alles “gmahde Wiesn” , wie man hier so schön sagt. Ich fuhr zurück ins Kaff zu seinem Gasthaus, das er inzwischen aufgesperrt hatte, er drückte mir den Zentralschlüssel in die Hand mit den Worten: “Bring ihn mir dann einfach wieder” und bedankte sich auch noch gefühlte fünfzig Mal dafür, dass ich mir den Bereich unter der Treppe vorgeknöpft hatte (ich glaube, da hatte davor noch nie jemand geputzt, so wie es da aussah… ) und immer die Fenster putze.

Den gestrigen Tag habe ich zum Wandern genutzt. Es war gut, einfach mal draußen zu sein, die frische, klare Luft, die Tiere, die Pflanzen… ich war 3 Stunden unterwegs, allerdings mit einigen Fotostops und somit genausolange, wie eigentlich im Internet als reine Gehzeit angegeben war. Achja, und verlaufen habe ich mich auch einmal kurz, was aber nicht schlimm war, weil ich dabei eine Schlange gefunden habe, die ich sonst vermutlich nicht gesehen hätte.

Und kommen wir nun zur eigentlichen Ursache des Titels. Bei uns im Krankenhaus kann man zum normalen Essen zweimal am Tag einen Zusatz bestellen. Zum Beispiel Müsli in der Früh. Oder ein Stück Obst. Oder ein Joghurt, Pudding, Gemüsecremesuppe, extra Butter, Marmelade oder Vollkornbrot, usw.,  ich weiß gar nicht was es sonst noch alles gibt, weil es eine ziemlich lange Liste ist. Ich weiß nur, dass Grießbrei auch draufsteht, und ich liebe Grießbrei. “Souldfood” trifft es da wohl am besten. Ich erinnere mich noch an Kindertage, nach langen Winterspaziergängen dann am Abend einen Teller Grießkoch mit Kakao-Pulver. Die Oma einer Klassenkameradin, bei der ich manchmal zum Mittagessen war, konnte auch unfassbar guten Grießkoch machen. Und wenn ich mich richtig erinnere, war Grießkoch auch eines der ersten Gerichte, die ich mir in meiner eigenen Wohnung gekocht hatte.

Nun ist es aber so, dass es für Essstörungspatienten eine eigene Liste gibt, die deutlich kürzer ist. Unter anderem steht da der Grießbrei nicht drauf. Mein Fehler war, als ich mir letzte Woche von meiner Bezugsschwester den Zusatz eintragen lassen wollte, sie auf die 2 verschiedenen Listen anzusprechen, denn sie meinte, dass müsse ich dann zuerst mit meinem Therapeuten besprechen. Hätte ich ihr einfach gesagt, sie solle den Grießbrei eintragen, wäre das vermutlich nie jemandem aufgefallen, aber so…

Jedenfalls sprach ich das Thema heute im Einzel an. “Warum wollen Sie denn ausgerechnet den Grießbrei als Zusatz?” wollte er wissen (Super. Muss ich mich jetzt als Essstörungspatientin dafür rechtfertigen, dass ich etwas essen möchte, was ich schon immer gerne gegessen habe?! ). Ich erklärte ihm das ganze “schöne-Erinnerungen-Blabla”, das ich oben schon ausgeführt habe. “Wir hatten doch letztens das Thema “Bedürfnis, ein Kind sein zu wollen”, kann es sein, dass das dahintersteckt?” – “Kann sein… ich weiß nicht, ich habe halt schon immer gerne Grießbrei gegessen. ” – “Die Liste mit den Zusätzen ist von Diätologen erstellt worden, es wird schon seine Gründe haben, dass der Grießbrei nicht dabei ist. Schauen Sie bitte, dass Sie mit den Zusätzen auskommen, die dort obenstehen und überlegen Sie, wie Sie das Bedürfnis, ein Kind sein zu wollen, anders befriedigen können… ”

Aaaaltaaaaa. Das ist genau die Art von Regeln, die ich nicht akzeptieren kann, weil ich den Sinn dahinter nicht verstehe. Da soll ich essen, aber das, was ich am liebsten essen würde, darf ich nicht essen, weil  irgendwelche studierten Leute, die mich nicht mal kennen, zu dem Schluss gekommen sind, dass Menschen mit meinem Krankheitsbild so etwas aus irgendeinem Grund nicht essen dürfen. Und so etwas macht mich wild. So wild, dass ich zukünftig am liebsten jeden Morgen das Müsli, das ich aktuell als Zusatz habe, vor der Tür meines Therapeuten auskippen würde. Nur mit meinem Therapeuten kann man ja über so etwas überhaupt nicht diskutieren. Ich hatte ihn zum Beispiel auch gefragt, ob er weiß, was mit dem zurückgeschickten Essen passiert (Energiegewinnung? Tierfutter? ), und dass es sehr wichtig für mich sei, das zu wissen,  da hieß es dann, es sei essgestörtes Verhalten, sich über solche Sachen Gedanken zu machen, außerdem wüsste er das auch gar nicht. Habe dann einfach selbst in der Küche angerufen und gefragt, aber ihr versteht vielleicht, worauf ich hinaus will… ?

Es regt mich auf. Ich will meinen Grießkoch.

 

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Klick

Ich bin in der Vertiefung. Endlich. Die Tests von Montag waren alle negativ (hätte mich auch stark gewundert wenn nicht) und somit geht es jetzt so “richtig” los. Und irgendwie hat es Klick gemacht bei mir im Kopf. Ich kann nicht genau sagen wie und warum, nur, dass es so ist. Während vor 7 Wochen noch das “normale” Essen eine so große Herausforderung war, dass ich immer irgendetwas übrig gelassen habe, habe ich mir gestern zusätzlich zum normalen Essen morgens einen Schokopudding und Nachmittags ein Joghurt reingezogen und am Abend 2 Cocktails. Natürlich habe ich alkoholfreie gewählt und den hübschen Kellner gebeten ein bisschen Malibu reinzumachen. Aber hey, was solls, der gestrige Tag musste einfach gefeiert werden.

Nach dem Ausgang habe ich meine Bezugsschwester gebeten, dass sie mir fürs Frühstück zusätzlich ein Müsli aufschreibt, das ich sogar heute früh schon bekommen habe. Des Weiteren bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass die Welt nicht untergeht, wenn man Streichkäse aufs Brot schmiert, die Karotten vor den Erbsen isst und Reis und Gemüse gemeinsam in den Mund steckt und dass man nicht aufgeht wie ein Ballon, wenn man vor und nach dem Essen nicht zehnmal die Fluchttreppe rauf- und runterläuft.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie verdammt befreiend das ist. Zu wissen, dass nichts passiert, wenn man das alles nicht tut.

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Uaaaaa….

Diesen Freitag ist wieder Themenfreitag. Hat jemand eine Idee?