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Fassungslos

Ich wusste ja schon länger, dass man es in meiner Firma mit Vorschriften nicht so genau nimmt.Aber was in den letzten 48 Stunden passiert ist, hat echt den Vogel abgeschossen.

Bisher hatten wir uns ja mit unseren Arbeitszeiten laut Anweisung von unserem Chef an die Schichtzeiten der Montage gehalten- diese gehen aktuell von 05:30 bis 13:40 bzw. 14:40-22:50. Etwas misstrauisch war ich schon letzte Woche geworden, als ich meinen Chef gefragt hatte ob ich denn früher gehen dürfe, wenn ich während der 2 10-minütigen Rauchpausen durcharbeite. “Ja, klar darfst du… eure Arbeitszeiten sind ja nur an das Schichtsystem angelehnt, Hauptsache du kommst am Ende des Tages auf deine 7,5 Stunden!” Mit so einer großzügigen Antwort hatte ich nicht gerechnet,doch irgendetwas machte mich skeptisch. Angelehnt? Würden wir dann überhaupt Schichtzulage bzw. Nachtzuschlag bekommen?

Vorgestern Abend, als ich vor dem Schlafengehen nochmal meine Mails checkte, entdeckte ich eine Mail aus der Personalabteilung. Es hätte da ein Missverständnis zwischen ihnen und meinem Chef gegeben. Man habe zwar den Rahmen auf 22:00 erweitert, aber wir sollten dennoch nicht vor 6:00 oder nach 22:00 arbeiten. Das hätten sie unserem Chef zwar gesagt, aber der hätte das wohl falsch verstanden.  “Und da kommen sie nach 2 Wochen drauf?” dachte ich noch amüsiert. Immerhin hatte ich ihnen letzte Woche mehrmals meine Arbeitszeiten geschickt um sie manuell eintragen zu lassen, da ich im Zeiterfassungsprogramm ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr stempeln hatte können.
Gestern Vormittag erhielt ich eine E-Mail aus der Personalabteilung, man hätte nun all meine Arbeitszeiten korrigiert. Sehr gut, dann kann ich endlich mal nachschauen wie nahe ich dem Wochensoll von 30 Stunden bin, dachte ich, denn wir waren angehalten worden, diesen Wert nicht zu sehr zu über- oder unterschreiten.
Doch als ich mich einloggte, traf mich fast der Schlag. Fassungslos starrte ich abwechselnd auf die zwei Bildschirme vor mir, am linken der Rückblick der Zeiterfassungssoftware, am rechten das Excel-Dokument, in dem ich meine tatsächlichen Zeiten eingetragen hatte. Man hatte nicht meine wahren Arbeitszeiten eingetragen, die ich ihnen übermittelt hatte, sondern diese so nach vorne oder nach hinten verschoben, dass ich laut Software keinen Tag vor 06:00 oder nach 22:00 gearbeitet habe, die Summe der an dem Tag geleisteten Zeit aber gleich blieb. Hatte ich laut meinen Aufzeichnungen von 05:30 bis 13:31 gearbeitet, stand in der Zeiterfassungssoftware 06:00- 14:01. Hatte ich von 13:59 bis 22:15 gearbeitet, stand da nun 13:44 bis 22:00.
‘Und das alles ohne mich vorher zu fragen oder zu informieren. Wenn man vorher das Gespräch mit mir gesucht hätte und gesagt hätte: “Hör mal, wir haben da Scheiße gebaut, und wir kommen beim Abrechnen in Teufels Küche wenn das so stehen bleibt…wäre es okay wenn wir die Arbeitszeiten verschieben?” wäre ich die Letzte gewesen, die sich quer gestellt hätte. Aber sich diese Dreistigkeit herauszunehmen und einfach die Zeiten zu verfälschen, damit ich bloß keinen Anspruch auf irgendetwas habe, was sich daraus ergibt, wo ich doch mit E-Mails und Internetverläufen belegen kann, dass ich außerhalb dieser Zeiten hier war… ich weiß echt nicht mehr was ich dazu sagen soll. Ich bin fassungslos. Und ich bin enttäuscht. Ich hätte denen wirklich viel zugetraut, aber dass sie so weit gehen…damit hatte ich nicht gerechnet.

Heute Früh hatte ich die Sache schon wieder halbwegs verdaut, da kam der nächste Hammer. Mit Ende Mai läuft die vollständige Trennung der beiden Schichten in der Montage aus. Die Montagemitarbeiter, die zuvor in der Tagschicht gearbeitet haben, dürfen das endlich wieder. Gut, dann sollte man meinen, dass für uns auch keine Veranlassung mehr besteht, im Schichtsystem zu ans Schichtsystem angelehnten Zeiten zu arbeiten, oder? Falsch gedacht, im Dienstplan, den der Chef gestern Abend ausgeschickt hat, sind wir trotzdem wieder in Frühschicht und Spätschicht eingeteilt. Ich weiß nicht, ob er das ernst meint, oder dann wieder behauptet, das sei nur ein Vorschlag von ihm gewesen und wir hätten doch Gleitzeit und könnten arbeiten wann wir wollen, wenn ich ihn darauf anspreche. Ich weiß nur, dass es mir mit dieser Bude langsam echt bis hier steht.

Also wird es morgen mal wieder ein nettes Gespräch mit der Arbeiterkammer geben. Ich bin dort in letzter Zeit Stammkundin, kommt mir vor…

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