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Geschickt eingefädelt

Mein Chef hatte am Mittwoch telefonisch angekündigt, einen Dienstplan auszuschicken, denn die alten Arbeitszeiten sind Dank kurzarbeit vorläufig Geschichte. Am Donnerstag kam nix. Am Freitag kam nix. Samstag Abend checkte ich nochmal alle Mails, ob ich nicht vielleicht etwas übersehen hatte – aber außer der Information, dass nun Schutzmasken zu tragen wären, hatte er nichts geschickt. Ich überlegte, ihm zu schreiben, entschied dann aber, dass ich ihm in den letzten Wochen weiß Gott genug nachgelaufen war. Ich würde am Montag in die Firma kommen, sein Pech, wenn ich eigentlich frei gehabt hätte.

Am Sonntag Nachmittag vibrierte mein Privathandy. “Hallo Fliegermädchen! Habe gerade den Dienstplan ausgeschickt. Du arbeitest von Dienstag bis Freitag. Bitte bleib oben im Büro.” Hääääh? Ich dachte das Thema mit dem Büro hätten wir vor meinem Urlaub ausdiskutiert, da hatte er doch noch behauptet es sei kein Problem, dass ich runter in die Fertigungshalle gehe?! Ich schnappte mir mein Diensthandy und öffnete das Excel-Dokument im Anhang der E-Mail. Nennen wir meine 3 Abteilungskollegen mal X1, X2 und X3. Aktuell haben wir ein Tagessoll von 7,5 Stunden. X1 und X2, die Frühaufsteher sind, arbeiten Montag bis Donnerstag von 06:30 bis 15:30. X3, der es morgens gerne etwas langsamer angeht, und ich, die sonst auch meistens spätestens um 06:30 in der Firma war, sind Dienstag bis Freitag von 07:30 bis 16:00 eingeteilt. Findet den Fehler (Anmerkung: eine Stunde ist Mittagspause).

Mir ist schon klar, dass mein Chef schauen will, dass die Abteilung über einen möglichst langen Zeitraum besetzt ist, und uns daher zu unterschiedlichen Zeiten eingeteilt hat- aber ich finde es einfach ungerecht, dass alle zu den Zeiten arbeiten dürfen, zu denen sie sonst auch gerne arbeiten, nur ich falle mal wieder hinten runter. Dabei habe ich in den letzten 2 Monaten glaube ich genug in den sauren Apfel gebissen. Wer übrigens denkt, dass dann in der zweiten Woche getauscht wird- der freie Tag wird zwar getauscht, das Team das in der ersten Woche Montag frei hatte hat dann Freitag frei und umgekehrt, aber Arbeitsbeginn und -ende bleiben gleich. Und wenn ich es durchbringen würde, dass die Arbeitszeiten in 2-wöchentlichem Rhythmus gewechselt werden, damit ich auch mal früher anfangen kann, würde ich die gesamte restliche Abteilung gegen mich aufbringen, denn es sind außer mir alle mit dem Plan zufrieden. Das nenne ich mal geschickt eingefädelt. X1 und X2 würden protestieren, wenn sie bis 16:00 arbeiten müssten, also umgeht er diese Diskussionen, indem er einfach alle zufrieden stellt bis auf eine, die dann erst mal den Mut aufbringen muss, sich gegen all ihre Abteilungskollegen zu stellen.

Generell habe ich den Eindruck, dass mein Chef von Grund auf überfordert ist (auch schon vor Corona, aber nun wirds immer schlimmer) und manchmal frage ich mich, wie er zu dieser Position gekommen ist. Ich bin echt nicht der Meinung, dass man unbedingt studiert haben muss, ganz im Gegnteil, ich finde es gut wenn auch “normalen” Menschen solche Positionen offen stehen. Aber wenn man vom eigenen Chef aufgefordert wird, in einer Excel-Auswertung das Tortendiagramm in ein Liniendiagramm umzuwandeln… dann wirds meiner Meinung nach peinlich, denn dann fehlt es an Grundlagen, die man in dieser Position haben sollte.

Ich weiß, man soll nicht über seinen Arbeitgeber lästern, aber wenn ich aus diesem Chaotenverein raus bin mache ich 3 kreuze.

 

5 comments on “Geschickt eingefädelt

  1. Ich muss zugeben, dass sich für mich eure Arbeitszeiten kaum unterscheiden und ich deinen Unmut über den neuen Dienstplan gerade nicht nachvollziehen kann. X1 und X2 fangen eine Stunde eher an und können eine halbe Stunde früher gehen, als X3 und du.

    Ist diese eine Stunde morgens und die halbe Stunde nachmittags für dich so schwerwiegend in deiner Tagesgestaltung?

    • es ging darum, dass die andere Gruppe laut dem Plan 9 Stunden hat- abzüglich einer Stunde Mittag macht das 8 und nicht 7,5 😉
      Mir gehts nicht um die eine Stunde, sondern darum, dass alle Wünsche berücksichtigt wurden, nur meine nicht, und das finde ich ungerecht.

      • Ok, den letzten Punkt verstehe ich. Alle drei anderen haben bekommen, was sie wollten, nur du nicht. … So aus der Ferne kann ich da schlecht etwas zu sagen; man könnte evtl. mit dem Chef reden, aber der wird den Plan sicher nicht ändern, zumal X1 – X3 ja zufrieden sind. Da hilft wohl leider nur, sich nicht allzu lange darüber zu ärgern und möglichst das Beste daraus zu machen (du kannst es ja nicht ändern).

        (Dass X1 und X2 eine halbe Stunde länger arbeiten, also eigentlich jeden Arbeitstag 30 min. Überstunden machen, hatte ich gesehen, aber das ist ja eigentlich eher nachteilig für die beiden; da haben X3 und du an sich doch insofern “Glück gehabt” oder ist das irgendwie für dich nachteilig?)

  2. „Die sind gegen mich und zwar absichtlich“ und „Ach übrigens, der ist inkompetent“. Beides Teil der Symptome deiner Erkrankungen – übersteigerte Egozentrik und „wer gegen mich ist oder handelt dem spreche ich Kompetenz ab.

    • Habe beides in den Diagnosekriterien nicht gefunden. Vielleicht sinds auch nur Charakterzüge? Man muss nicht gleich alles pathologisieren…mal abgesehen davon, dass ich solche Aussagen von Leuten, die mich nicht mal persönlich kennen, nicht wirklich ernst nehmen kann.

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