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Schokolade im Socken

Nein, wir haben kein verspätetes Nikolofest veanstaltet und unsere Schuhe und Strümpfe mit Süßigkeiten füllen lassen.Wir waren am zweiten Weihnachtstag auf Oma-Besuch. Normalerweise kommen wir immer schon zum Mittagessen, doch wegen einer Augen-OP, die meine Oma vor Weihnachten gehabt hatte, kamen wir dieses Mal erst am Nachmittag. Mir kam das sehr gelegen, da ich so dem ausgiebigen Mittagessen entging. Ich freute mich noch mehr, als ich sah, dass meine Oma einen Apfelstrudel gebacken hatte und keine fettige Torte oder sowas. Da sie den Strudelteig selbst macht und so dünn auszieht, dass man durch den Teig Zeitung lesen kann, ist der Teiganteil in einem Stück Strudel minimal. Besser hätte es gar nicht kommen können und ich fühlte mich ziemlich safe. Ich zog mir also das kleinste Stück Apelstrudel rein, und dachte, damit hätte ich es hinter mir. Doch da hatte ich meine Oma unterschätzt. “Ach, ich hab doch noch gebrannte Mandeln!” rief sie und holte ein Glas aus dem Regal. “Hier, greif zu!” Höflich fischte ich eine Mandel aus dem Glas und knabberte die Zuckerkruste herunter. Doch damit nicht genug, es vergingen keine 10 Minuten, da hatte sie noch einen Einfall. “Ich hab noch was, das kennst du noch gar nicht, Fliegemädchen! Du wirst schauen!” Am liebsten hätte ich ihr gesagt, dass ich es gar nicht kennen lernen möchte, aber dann wäre sie mir vermutlich monatelang böse gewesen. Zurück kam sie mit kleinen Häufchen aus gehobelten Mandeln , die durch Schokolade zusammengehalten wurden. “Aber Oma…” – “Ach, komm schon, das ist ganz gesund, das sind nur Mandeln mit Zartbitterschokolade, das hat fast keine Kalorien!” Fast keine Kalorien??!! Das ist Fett mit Zucker und Fett, sonst nichts. Ich gab mich meinem Schicksal hin, fischte den kleinstmöglichen Haufen aus der Dose, der aber immer noch so groß war, dass ich ihn unmöglich essen konnte. Ich war kurz davor, in Tränen auszubrechen. Zögernd begann ich, die Mandelplättchen voneinander zu lösen. Durch die Wärme meine Hände schmolz die Schokolade und ich leckte meine Finger ab. Alles in mir wehrte sich dagegen, das zu essen. Ich zog mein rechtes Bein heran und stellte es mit auf den Sessel. Dabei fiel mein Blick auf meine flauschigen Socken- und mir kam die rettende Idee. Zugegeben, es würde eine irrsinnige Sauerei werden- aber drauf geschissen, wozu gibt es eine Waschmaschine? Meine Oma regte sich gerade über das letzte Outfit irgendeiner prominenten Schauspielerin auf, als ich meine Gelegenheit gekommen sah. Ich griff ein paar Mandeln, führte meine Hand zum Mund und begann mit langsamen, kauenden Bewegungen, während ich so tat, als würde ich meine Arme um mein herangezogenes Bein schlingen. In Wirklichkeit zog ich unterm Tisch meinen Socken vom Bein weg und ließ die Mandeln hineinrieseln. Sogleich merkte ich, wie die Schokolade schmolz und die ganze Suppe schmierig meinen Fuß entlanglief. Es wa ein ekeliges Gefühl, aber es war mir immer noch lieber, als das Zeug essen zu müssen. Niemand schien etwas von meinem Tun bemerkt zu haben. Also wiederholte ich das Spiel noch einige Male, bis alle Mandelsplitter verschwunden waren. Nach ein paar Minuten bemerkte das auch meine Oma. “Na siehst du, Fliegermädchen, war doch gar nicht so schlimm!” -” Stimmt Oma, war sehr lecker!” antwortete ich scheinheilig. Am liebsten wäre ich sofort aufgesprungen, um mich zu reinigen, aber ich befürchtete, dass das auffallen würde, also wartete ich noch 15 Minuten, ehe ich auf die Toilette verschwand. Ich zog meinen Socken aus, drehte ihn auf links, doch es passierte nicht viel, die Schokolade-Mandel-Masse war geschmolzen und mit dem warmen Innenfutter meines Socken verklebt. Notdürftig machte ich den Socken und meinen Fuß mit Toilettenpapier sauber- mit dem Rest würde ich leider noch ein paar Stunden leben müssen, bis ich endlich im Kaff war. Dankenswerterweise verschonte mich meine Oma daraufhin mit sonstigen Kalorienbomben, sie schien erkannt zu haben, dass sie mich an meine Grenzen gebracht hatte. Ich hatte Mama zwar gesagt, dass ich gerne zwischen 17 und 18 Uhr zurück ins Kaff fahren würde, dennoch war es fast 17:45, als wir uns von Oma verabschiedeten. Im Kaff angekommen, entledigte ich mich als erstes meiner Socken und wusch mir die Schokolade vom Fuß.

Und ich kann gar nicht sagen wie heilfroh ich bin, dass ich mir zumindest zu Silvester den ganzen Essenskampf spare. Meine Eltern sind mit den Eltern einer Freundin in der Therme, Nadine mit Freunden unterwegs und ich werde zu besagter Freundin fahren, die vor kurzem zu ihrem Freund hier in die Nähe gezogen ist. Auch wenn ich eigentlich nicht wirklich viel Lust habe.

One comment on “Schokolade im Socken

  1. Von der Familie zum Essen von Sachen gedrängt zu werden, die man nicht essen möchte, ist immer blöd und in meinen Augen übergriffig, egal wie gut es gemeint sein mag. Gut gemeint kommt gleich nach schlecht gemacht.

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