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Arbeitswahnsinn

In der Arbeit geht es derzeit ziemlich zur Sache. Mein Arbeitskollege liegt seit Dienstag mit einer eitrigen Nebenhöhlenentzündung flach,  mein Chef ist dauernd unterwegs (ergo schmeiße ich die Abteilung mehr oder weniger alleine) und dazu kommt, dass das Werk am anderen Ende der Welt zugesperrt hat und wir dessen Aufträge übernehmen müssen. Das Problem ist allerdings, dass sich dort nie wer darum gekümmert hat, dass eventuelle Stücklistenfehler ausgebessert werden. Was stattdessen zu verwenden ist, wurde per Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Mitarbeitern weitergegeben, was uns nur leider nicht viel bringt. Es gibt kaum einen Auftrag, bei dem nicht irgendetwas unklar ist. Eigentlich sollte ich Urlaubstage und Überstunden abbauen, allerdings habe ich die 2 Tage Urlaub, den ich letzte Woche gehabt hätte, verschoben, damit zumindest irgendwer aus der Abteilung anwesend ist, und was die Überstunden betrifft, kratze ich an der Maximalgrenze, die wir Ende 2019 haben dürfen. Bisher hieß es allerdings auch, dass die Firma wegen der Auftragslage die 2 Wochen um Weihnachten bzw. Silvester geschlossen wird, weshalb ich mir über meine Überstunden bisher keine Sorgen gemacht habe, den die würde ich da abbauen können. Das wurde nun aber wieder aufgehoben, unser Chef will, dass zumindest ein Mitarbeiter von uns da ist. Das Problem ist allerdings, dass die einzige, die sich freiwillig für diese Dienste melden würde, ich bin, nur ich bin gleichzeitig die, die am Dringendsten Urlaubstage und Überstunden abbauen muss. Unterm Strich: Die, die arbeiten wollen, sollten nicht, und die, die arbeiten sollten, wollen nicht.

Am Dienstag war ich kurz davor, einfach nach Hause zu gehen. Am Vormittag stand ein Termin auf dem Plan, dem ich schon seit 3 Monaten entgegenfiebere und der schon 4 mal verschoben wurde. Es geht um die systemtechnischen Bestände auf dem Lagerplatz uunserer Abteilung, weil dort alle möglichen Leute Material hinbuchen, aber nicht mehr bereinigen, sodass der Bestand innerhalb von 5 Monaten auf über 120 Positionen angewachsen ist. Das macht regelmäßig enorme Probleme, da das Material dann systemtechnisch als lagernd gilt und nicht automatisch nachbestellt wird. Nun stand aber endlich der Termin an, bei dem mein Arbeitskollege und ich, unser Chef, der Chef der Logistik, der Proektmanager und der Lagerleitstandsbetreuer anwesend sein sollten, da 60% der Positionen von der Logistik umgebucht worden waren. Ich hatte davor mehrere Stunden in eine genaue Auswertung und die Erstellung einer Powerpointpräsentation investiert, aber ich wollte genug Daten und Fakten haben, die ich den Verantwortlichen um die Ohren knallen könnte. Denn das Bereinigen des Lagerplatzes kurz vor der Inventur war bisher immer an meinem Arbeitskollegen oder mir hängen geblieben, was ziemlich ungerecht ist, wenn man bedenkt, dass 90% der Buchungen nicht von uns stammen.

Um 11:00 betrat ich den reservierten Besprechungsraum. Eine halbe Minute später kam mein Arbeitskollege herein. “Du siehst aber nicht gut aus!” sagte ich. “Ich fühl mich auch elendig, aber ich wollte unbedingt bei der Besprechung dabei sein, sonst wär ich schon in der Früh zum Arzt gefahren. Aber glaub mir, sobald das hier vorbei ist, bin ich weg.” In dem Moment stolperte der Leitstandsbetreuer hinein. “Tut mir leid, dass ich zu spät bin” – “Ach, kein Problem, du siehst doch wie wichtig dieses Thema ist” meinte ich mit einem sarkastischen Unterton und deutete auf die nicht besetzten Plätze am Besprechungstisch.

Es wurde 11:05. Noch immer keine Spur von den 3 fehlenden. “[unser Chef] hat gerade eine E-Mail geschrieben und den Termin abgesagt, er hängt noch in einem Skype-Termin fest” ließ uns der Lagerleitstandsbetreuer wissen. Na super. Aber die anderen beiden würden doch noch kommen, das konnte doch nicht sein, dass ihnen das so scheißegal war, dass sie einfach, ohne abzusagen, nicht auftauchen. Es wurde 11:10. “Also ich würde sagen, wenn um Viertel keiner da ist, brechen wir die ganze Sache ab und gehen.” meinte ich. Die anderen beiden stimmten zu. Es wurde 11:15. Ungläubig packte ich meinen Laptop und meine Unterlagen zusammen. Einfach nicht aufzutauchen ohne abzusagen, das hatte ich ihnen wirklich nicht zugetraut. Am liebsten hätte ich einfach die Powerpointpräsentation ausgeschickt mit den Worten: “Bitteschön, das sind die Fakten, und nur dass ihr es wisst, im April müsst ihr euch einen anderen Trottel als [meinen Arbeitskollegen] oder mich suchen, der den Bestand bereinigt, denn wir machen das sicher nicht mehr, wir reden uns die ganze Zeit den Mund fusselig dass das so nicht weitergehen kann, aber keinen interessiert es”. Aber ich wollte nicht, dass sie wussten, wie sehr mich dieses Verhalten verletzt hatte.

Doch das Schicksal sorgte nur einen Tag später bereits für ausgleichende Gerechtigkeit. Ich bekam eine als wichtig markierte E-Mail von der Fertigungssteuerung- man sei auf der Suche nach den 70 Zahnrädern, die auf unserem Lagerplatz liegen, das seien die einzigen, die noch im Haus seien. Ich warf einen Blick auf meine Auswertungsliste vom Vortag und sah, dass diese Zahnräder bereits im Mai von unserem Chef dorthin gebucht worden waren. Mit großer Genugtuung schrieb ich genau das, weshalb sie sich an meinen Chef wandten, der daraufhin wieder mir schrieb, dass die im Wareneingang sein müssten, ich solle dort nachschauen. Ich brauchte nicht mal nachschauen um zu wissen, dass sie dort nicht waren, tat es aber natürlich trotzdem und fragte auch die Mitarbeiter, ob wem 70 Zahnräder untergekommen waren- Fehlanzeige. In der Haut von meinem Chef wollte ich in dem Moment echt nicht stecken, aber so sah er wenigstens mal, dass ich nicht zum Spaß so viel Wirbel um diess Thema mache.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht…

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