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Ziel verfehlt

Bald bin ich ein ahr im Programm. Inwiefern hat das meine Lage verbessert? Ich habe nie Straftaten begangen, um mir Drogen zu besorgen, wenn man davon absieht, dass das Besorgen von Drogen ansich eine Straftat dastellt. Ich war immer in der Lage, meinen konsum durch meine Arbeit zu finanzieren. Es ging nicht darum, mich von der Straße wegzubringen oder so, denn ich habe immer in meinen vier Wänden gelebt. Es ging auch nie darum, mich vor Erkrankungen wie Hepatitis oder AIDS zu schützen, ich kannte nie wen persönlich, der intravenös Drogen konsumiert, mit wem hätte ich Spritzbesteck teilen sollen? Beschützen hatte man mich also eigentlich nur vor den gesundheitlichen Folgen von den diversen Streckmitteln müssen, auch wenn ich immer auf Qualität geachtet habe und lieber einen höheren Preis für einen höheren Reinheitsgrad gezahlt habe.

Substitution ist eine Gratwanderung. Man muss es den Leuten so angenehm machen, dass sie die Ruhe der Apotheke der Hektik auf der Straße und der Angst vor dem Erwischtwerden vorziehen und gleichzeitig so unbequem, dass sie sich irgendwann denken: “Scheiß drauf, es ist eh nicht dasselbe wie früher, ich lass mich runterdosieren, dann hab ich wenigstens meine Freiheit wieder”. Natürlich wäre es (m)ein Traum, sich, wie es schon in manchen Versuchsreihen gemacht wurde, unter Aufsicht reines Diamorphin spritzen zu dürfen. Allerdings dürfte wohl auch klar sein, dass die Motivation und der Antrieb, irgendwann wieder damit aufzuhören und aus der Substitution rauszukommen, in dem Fall gegen 0 geht.

Bei mir ist das ganze irgendwie klar am Ziel vorbeigegangen. Anstatt mit Streckmitteln ruiniere ich meine Gefäße nun mit Tablettenfüllstoffen, kann aber nicht mal sagen “Hey, Leute, das funktioniert so bei mir nicht, ich schade mir mehr als vorher!”, weil es zum Einen keine bessere Alternative gibt und ich zum Anderen damit riskieren würde, ganz aus dem Programm zu fliegen.  Natürlich habe ich auch schon mit dem Gedanken gespielt es mal mit Methadon zu versuchen, weil das doch deutlich dichter machen soll und dem wattigen Gefühl, das ich so vermisse, deutlich näher kommt,  aber das intravenös zu konsumieren, wenn es oral nicht den gewünschten Effekt bringt, ist glaube ich fast noch schädlicher. Und dazu gesellt sich dann noch die Gewichtszunahme als mögliche Nebenwirkung und wie ich mich kenne, würde ich zu den “Auserwählten” gehöre, die sich darüber “freuen” dürfen.

Nein, da lasse ich lieber alles wie es ist. Auch wenn das wieder Lügen und Heimlichtuerei bedeutet und ich vermutlich, wenn ich nicht vorher an etwas anderem Verreckt bin, mit 40 an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben werde, weil meine Gefäße aussehen wie komplett verkalkte Wasserrohre.

Irgendwie am Ziel vorbei…

 

One comment on “Ziel verfehlt

  1. Ok, 40 klingt gut. Dann lade ich Dich also an Deinem 39. Geburtstag zu einem Gläschen „Anti-Kalk Venen-Rohrfrei“ ein. Ziel erreicht …

    Apropos österreichischer Weinkeller … wo ist denn nun der Schlüssel versteckt? 😉

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