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Unbeliebt gemacht

Diese Woche habe ich mich in der Arbeit zum ersten Mal richtig unbeliebt bei einem Arbeitskollegen gemacht. Da dieser aber generell nicht sehr beliebt ist, kann ich damit leben, auch wenn ich leider trotzdem ein schlechtes Gewissen hatte. Das, was mir an Selbstbewusstsein fehlt, hat besagter kollege definitiv zu viel. Einer von der Sorte “ohne mich läuft hier gar nichts”. Die Tatsache, dass er in seiner Zeit im Betrieb schon in so gut wie allen Abteilungen war, weil auf Dauer niemand mit ihm zurechtkommt, interpretiert er aber fälschlicherweise so, dass er so gut ist, dass man ihn in alle möglichen Abteilungen steckt, damit er die “auf Vordermann” bringt.  Was man ihm allerdings lassen muss ist, dass er unglaublich gut Aufgaben delegieren kann, er lässt andere für sich arbeiten und kontrolliert dann bloß ob es erledigt wurde. Da habe ich schon das eine oder andere Mal in der Vergangenheit innerlich die Augen verdreht, wenn er wegen irgendeiner kleinigkeit zu mir kam, die er locker selbst erledigen hätte können. Aber da ich zum Einen ein hilfsbereiter Mensch bin, und zum Anderen konflikten aus dem Weg gehe, habe ich es dann einfach gemacht damit er Ruhe gibt und fertig. Umgekehrt, wenn ich aber mal etwas von ihm brauchte, ließ er mich in 99% der Fälle anrennen. “kannst du nicht morgen Früh damit kommen? Ich habe so wenig Leute in der Nachmittagsschicht, ich wüsste echt nicht wem ich das geben sollte…”

Irgendwann ist dann auch bei mir der Punkt erreicht, wo ich mich wehre. Am Donnerstag ging ich mehr oder weniger unter in Arbeit, noch dazu war mein Chef auf einem Seminar und nicht erreichbar. Ich begann um 8 Uhr in der Früh damit, ein Typenschild neu zu schreiben, das versehentlich nicht abgeklebt und somit überlackiert worden war, und um 10 war ich noch immer nicht damit fertig, weil ständig irgendwer daherkam und irgendetwas von mir brauchte. Dann bekam ich auch noch eine E-Mail von besagtem kollegen, im Anhang ein Excel-Dokument, das ich letzte Woche für ihn erstellt hatte. “Du hast da bei [ Name einer Firma ] ein R vergessen, bitte ausbessern.”. Das war doch nicht sein Ernst?! In der Zeit, in der er die E-Mail tippt und das Dokument anhängt, hätte er das 5 Mal selbst machen können und mir einfach bei Gelegenheit mal sagen können: “Du, Fliegermädchen, nur dass du es weißt für´s nächste Mal, [Name der Firma] schreibt man mit R”. Aber nein, bevor sich der Herr selbst die Finger schmutzig macht, schickt er es mir. Bloß weil ich so nett war und das Dokument für ihn erstellt habe (schon da hätte ich mich weigern können), heißt das nicht, dass ich lebenslang für den Inhalt verantwortlich bin, wenn das immer so wäre, würde ich ab 2025 den ganzen Tag nichts anderes mehr tun als Dokumente auszubessern. Ich helfe echt gerne, wenn es um Formeln, Formatierungen, VBA-Programmierung geht… aber Schreibfehler ausbessern sollen die Leute dann bitte selbst. Besonders an solchen Tagen wie am Donnerstag, wo ich selbst zu nichts komme, weil ich im übertragenen Sinne den ganzen Tag damit beschäftigt bin, Feuer zu löschen. Deswegen schrieb ich ihm dann am Nachmittag: “Lieber H., nicht böse gemeint, aber bitte erledige solche kleineren Ausbesserungsarbeiten selbst. Ich helfe gerne, wenn es um die Neuerstellung von Dokumenten geht oder Probleme bei der Formatierung oder in Formeln auftauchen, weil ich weiß, dass das schwierig sein kann wenn man Excel nicht oft verwendet, aber einen einzelnen Buchstaben ausbessern kannst du glaube ich auch. Das wäre wahrscheinlich sogar schneller gegangen als mir die E-Mail zu schreiben und das Dokument anzuhängen. Danke für dein Verständnis” Da ich ahnte, dass er sich vermutlich bei meinem Chef darüber aufregen würde, schickte ich ihm das gleich mal weiter, außerdem ist das genau so ein Punkt, wo er dann wieder dasteht und meint: “Über so etwas will ich informiert werden!” wenn ich es ihm nicht sage und er es durch Zufall rausfindet. Trotzdem hatte ich den ganzen Abend ein schlechtes Gewissen und obwohl ich abends am Diensthandy sah, dass mein Chef auf meine Mail geantwortet hatte, traute ich mich nicht, sie zu öffnen. Erst, als ich am Freitag um 6 in die Firma kam, las ich seine Antwort. “Hallo H., du hast einen Laptop und somit spricht nichts dagegen, dass du solche Dinge selbst änderst. Solange du in meiner Abteilung bist, hast du gewisse Aufgaben selbst zu erledigen und nicht alles zu delegieren. Solltest du noch Fragen dazu haben, können wir morgen gerne persönlich darüber sprechen.” Da fiel mir schon mal ein Stein vom Herzen; ich hatte nichts falsch gemacht, mein Chef war auf meiner Seite, aber mir war auch klar, dass besagter kollege diesen “Einlauf” nicht so einfach auf sich sitzen lassen würde. und so war es dann auch, gegen 9 stand er plötzlich an meinem Platz. “Fliegermädchen, die Aktion hättest du dir echt sparen können, wegen dir bin ich gerade voll mit [unserem Chef] aneinandergekracht, du weißt doch wie er ist!” Genau, das weiß ich, und deswegen weiß ich, dass er nächste Woche schon nicht mehr daran gedacht hätte, wenn du es einfach akzeptiert hättest und nicht versucht hättest, mit ihm darüber zu diskutieren. “Da ich angenommen habe, dass du ihn auf das Thema ansprechen wirst, habe ich ihm die Mail schon mal weitergeleitet, damit er Bescheid weiß. Sonst kann ich mir nämlich hinterher wieder anhören, warum ich ihn darüber nicht informiert habe.” – “Der hat aber so nicht mit mir umzugehen, ich habe keine Angst vor ihm! Ich meine, bis vor kurzem habe ich noch 28 Mitarbeiter unter mir gehabt, und man sieht es eh, nun wo ich nicht mehr dort bin, funktioniert gar nichts mehr! Ich meine, ich arbeite da die ganze Zeit Vollgas und bringe richtig was weiter, was ich hier schon alles auf die Beine gestellt habe, da braucht mir der gar nicht so kommen!…” Ich war hin und hergerissen zwischen meinem schlechten Gewissen, dem Impuls wegzulaufen, weil das genau diese Art von Situation ist, die ich immer zu vermeiden versuche, aber andererseits steigerte er sich so in sein “Ich bin der Beste und ohne mich läuft hier gar nichts”- Gehabe hinein, dass es schon wieder einfach nur mehr lächerlich war und ich mir auf die Lippe beißen musste um nicht loszulachen. Als er noch ein paar Mal betont hatte, dass er arbeitet wie ein Viech und schon 28 Mitarbeiter geführt hat, trat er den Rückzug an.Trotzdem war mein erster Impuls, loszuheulen, als er gegangen war, aber ich verkniff es mir und lenkte mich mit Arbeit ab, davon war schließlich genug da.

Nachmittags, bei der Besprechung mit meinem kollegen C., sprach mein Chef das Thema nochmal an. “Der Typ lebt in seiner eigenen Welt. Wie er da bei mir oben war hat er die ganze Zeit wiederholt: Ich habe keine Angst vor dir, ich habe keine Angst vor dir… soll er eh nicht haben, er soll sich einfach nur an die Spielregeln halten solange er in meiner Abteilung arbeitet, und fertig.”

Er war schon mal bei uns in der Abteilung, das ging genau 1 Monat gut. Ich bin gespannt, wie lange es diesmal ist.

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