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Fliegermädchen on Air

Am Wochenende hat das Fliegermädchen endlich mal wieder das getan, wozu es eigentlich da ist: Fliegen.

Zugegeben, das Wetter war einigermaßen bescheiden, die Wolken hingen tief und immer wieder regnete es leicht. Doch ich hatte keine Wahl, da ich der Überzeugung war, dass mein Schein in wenigen Tagen ablaufen würde. Eigentlich hatte ich mit dem Oberfluglehrer fliegen wollen, aber da der nur jede zweite Woche zur Verfügung steht
und da auch Einiges um die Ohren hat, war es ein nahezu unmögliches Unterfangen, einen Termin zu finden. Als wir uns vorletzte Woche dann endlich mal verabredet hatten war das Wetter schlecht gewesen, 20 Knoten Wind von der Seite. Also hatte ich schließlich in meiner Not den Fluglehrer angerufen, der mir vor 2 Jahren die praktische Prüfung abgenommen hatte. “Morgen um 9 am Flugplatz? Ich komme mit einem Flugschüler aus […]” – “Alles klar, ich kümmer mich darum dass wir sofort los können nachdem ihr gelandet seid”

Um halb 9 rief der Fluglehrer an und kündigte Verspätung an, aufgrund des schlechten Wetters würden sie woanders noch einige Platzrunden drehen. Ich beschloss trotzdem schon mal loszufahren um alles vorzubereiten, doch der Flugplatz war wie ausgestorben und alles war zugesperrt. Als dann endlich eine Betriebsleitung auftauchte, war meine Begleitung schon im Anflug. Ich schaffte es gerade mal Papiere und Flugzeug zu überprüfen. Zumindest das Tanken konnte ich mir sparen, was leider trotzdem nichts daran änderte, dass der Flieger ganz hinten stand. Nachdem wir ihn endlich am Vorfeld hatten, stiegen wir ein. Es war vertraut und fremd zugleich, das letzte Mal in der Luft war ich… ach Gott, ich weiß gar nicht mehr, irgendwann letzten Sommer. “Wir machen das jetzt ganz gemütlich, ja? Wir müssen eine Stunde fliegen, wegen der Uhrzeit würde ich vorschlagen dass wir ein Touch & Go und eine Zielpunktlandung noch vor 12 machen, und dann noch irgendwo hinfliegen wo wir niemanden stören und ein bisschen Airwork machen, Vollkreise, Strömungsabriss und so. Alles klar?” – “Alles klar.” bestätigte ich. Das Warten hatte sich ausgezahlt, das Wetter war mittlerweile nicht mehr ganz so schlecht.
Wir drehten die erste Runde, starteten durch und der Fluglehrer stellte die Frequenz der Kontrollzone über uns ein. “Soll ich funken oder machst du?” Ich schaute ihn unsicher an. Wie immer hatte ich Schiss, auch wenn ich wusste dass ich es grundsätzlich kann
und immerhin war das hier ja eine Prüfung- dennoch wusste ich, dass er es machen würde sollte ich mich nicht trauen, ohne dass es eine negative Auswirkung auf das Prüfungsergebnis haben würde. “Eigentlich sollte ja ich, oder?” – “Stimmt. Du sagst einfach… ” und dann betete er die ganze Litanei herunter, die ich eh auch gesagt hätte. Ich drückte also den Funkknopf, legte los und war mit meinem Anliegen erfolgreich. “cleared for 3000 feet, QNH one zero zero six” kam zurück. “cleared for 3000 feet, QNH one zero…” ich schaute den Fluglehrer hilfesuchend an. “zero six” flüsterte er mir ein und ich wiederholte das ganze am Funk. Wir schwangen uns auf 3000ft und über dem Platz zog ich den Gashebel in die Leerlaufstellung. “Kennst du den 500-500-500-Trick?” fragte er. “Nein, was ist das?” – “damit kommst du bei ruhigem Wetter normalerweise genau zum Platz. Mit der Geschwindigkeit für das beste Gleiten 500 Fuß sinken, dann fliegst du eine 90 grad-Kurve, wieder 500 Fuß sinken, nächste Kurve, nochmal 500 Fuß, wieder eine Kurve, und dann bist du im Endanflug. Wenn es windstill ist, funktioniert das so gut wie immer.” – “Das probier ich aus” antwortete ich. Bisher hatte ich das immer nach Gefühl gemacht, aber gerade im Notfall, auf den diese Übung eigentlich vorbereiten soll, hat man vielleicht nicht so entspannt um in Ruhe in sich hineinspüren zu können, was einem das Gefühl gerade sagt. Und tatsächlich, ich erreichte eine ideale Ausgangsposition für die Landung. Wie besprochen flogen wir dann über unbebautes Gebiet, damit wir Franz und Susi bei ihrem Mittagsschlaf nicht stören, um das restliche Programm zu absolvieren. “15° nach links. Ich weiß, wir haben keinen künstlichen Horizont, aber schätz es halt ungefähr” war die erste Aufgabe. Ich flog mit sanfter Querneigung einen Vollkreis nach links und machte dasselbe nach rechts, nachdem wir unseren Ausgangspunkt erreicht hatten. “Jetzt hab ich gar nicht gefragt ob ich überhaupt nach rechts soll…” – “Passt schon, das wäre meine nächste Anweisung gewesen. Wenn du meine Gedanken lesen kannst, ist das noch besser!” Danach folgte dasselbe Spiel mit 30 und 45° Querneigung. “Das ist aber etwas mehr als 45 Grad!” meinte der Fluglehrer, als ich den Flieger so schräg legte, dass die Flügelspitze an einem Punkt am Boden festgeklebt schien, während sich der Flieger darum herum drehte. “Ich weiß, aber so machts mehr Spaß, oder?” Wir waren uns einig.
‘Es folgte ein simulierter Strömungsabriss. Bei dem Flieger absolut unaufregend, hier haben die Konstrukteure ganze Arbeit geleistet. Die Überziehwarnung meckert, ein bisschen rüttelts, dann senkt sich die Nase von selbst obwohl man den Steuerknüppel voll durchgezogen hat und das wars. 20 Minuten mussten wir noch fliegen. “Was willst du machen?” fragte er. “Fliegen wir beim Oberfluglehrer vorbei, der hat doch morgen sein Gartenfest, da baut er sicher auf, vielleicht sieht er uns” schlug ich vor. Also zogen wir in Mindestflughöhe ein paar Mal über seinen Garten und winkten. Kurzzeitig hatte ich ja überlegt, den Transponder auszuschalten und ein wenig tiefer zu gehen… aber schließlich war es ja ein Prüfungsflug. Bei der letzten Landung merkte ich dann, warum es derzeit keine gute Idee wäre, alleine zu fliegen- ich hatte einfach nicht genug kraft, den Bremsklappenhebel ganz herauszuziehen. Als wir schließlich landeten, waren wir genau eine Minute länger als notwendig geflogen – perfektes Timing.
‘Während ich meine Lizenzen kopierte, machte der Fluglehrer den Verlängerungsantrag fertig. Danach verabschiedete er sich mit seinem Flugschüler und ich erledigte noch die restlichen Aufgaben. Da wir immer wieder in Regenschauer geraten waren, sparte ich mir so wenigstens die Reinigung des Flugzeugs.

Nun habe ich wieder eine Zeit lang Ruhe.

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