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in die Ecke getrieben

Genau so fühle ich mich. Wie ein wildes Tier, das man in die Ecke getrieben hat. Sie haben mich gejagt, so lange, und so oft bin ich ihnen entkommen. Aber nun haben sie mich.

Nein, der Besuch bei der krankenkasse hat es nicht besser gemacht, sondern schlimmer. Dabei war ich so sicher, so überzeugt. Ich meine, es ist die krankenkasse, die zahlen doch nie freiwillig. Ist es nicht pervers? Wenn ich eine Psychotherapie bei einem spezialisierten Therapeuten machen würde, müsste ich alles bis auf etwas mehr als 20€ selbst zahlen. Aber mich weiter krank schreiben obwohl ich ausdrücklich sage dass ich arbeiten will und somit hunderte Euro krankengeld zahlen- das machen sie. Wieso nicht andersrum? Lasst ich doch einfach arbeiten gehen und nebenher zur ambulanten Therapie, wenn ihr mir schon was aufzwingen müsst. Nun habe ich also einen Haufen Auflagen: Ich muss mich in der Essstörungsambulanz melden, wo ich schon mal rausgeflogen bin (habe ich der Ärztin auch gesagt, war ihr aber herzlich egal) und die Symptomatik eigentlich nur schlimmer geworden ist, mich auf die Warteliste von so einer kostenfreie Psychotherapievergabe setzen lassen (meine Erfahrungen dort bisher: Therapeut 1 hält Essgestörte für blöd, Therapeutin 2 gestand mit der Behandlung solch schwerer Fälle überfordert zu sein und übergab mich an Therapeuten 3, wo ich nicht mehr hinging, nachdem ich 7 oder 8 Termine damit verbracht hatte 35 Minuten lang hinter ihm auf allen Vieren durch einen Raum zu krabbeln um anschließend darüber zu reflektieren, wie ich mich dabei gefühlt hatte), und ein Gutachten von Dr. Hexe besorgen. Wunderbar, das alles ist so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was ich ursprünglich bezwecken wollte.

Mittlerweile habe ich eine Theorie für den Großteil der Suizide von Magersüchtigen: aufgezwungene Hilfe. Wenn ein Mensch nicht bereit dafür ist, ist so etwas eine Hilfe, sondern eine Bedrohung. Nach und nach nimmt man ihm alle Möglichkeiten zu entkommen. Und so hat dieser Mensch irgendwann keine anderen Ausweg mehr. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viele Anorexiepatienten vielleicht noch drei, fünf, acht, zwölf, vielleicht sogar zwanzig Jahre mit der Essstörung gelebt hätten, wenn man sie einfach nur gelassen hätte. Eventuell wären einige wenige sogar wieder ganz gesund geworden, wenn man einfach nur abgewartet hätte, bis sie selbst an den Punkt gelangen, an dem sie etwas ändern wollen. Aber nein, stattdessen treibt man sie so lange in die Enge, bis sie sich entscheiden müssen: Suizid oder etwas aufgezwungen bekommen, das man nicht möchte, und das sich anfühlt wie psychische Folter. Ich kann alle verstehen, de sich für Ersteres entschieden haben.

Ein Hoch auf unser Gesundheitssystem.

3 comments on “in die Ecke getrieben

  1. Hallo!

    Bin bisher nur stille Mitleserin. Aber ich frage mich, ob du dich schon bei der Arbeiterkammer über deine Rechte informiert hast. Du kannst sicher nicht von deinem Arbeitgeber zu der stationären Therapie gezwungen werden!! Außer du hättest ev. ganz viele Krankenstände oder bist total unverlässlich oder fällst wegen Schwäche ständig um oder (auch das gibts) das Hirn funktioniert nimmer so gut, aufgrund der Mangelzustände und du vergisst alles und machst viele Fehler. Ansonsten ist Magersucht kein Kündigungsgrund.
    Es kann dich bestimm niemand zur Behandlung zwingen.

    Liebe Grüße
    mo

    • Mit der Rechtsberatung der Arbeiterkammer habe ich schon telefoniert, die fanden auch dass das gar nicht geht wie sehr sich die da einmischen und hat mir geraten, mich direkt an die Gebietskrankenkasse zu wenden, der dachte wohl auch nicht, dass mir die dort so in den Rücken fallen. Abgesehen von den paar Tagen zur Einstellung auf das Substitutionsmittel letzten Herbst war ich keinen einzigen Tag in krankenstand seit ich dort angefangen habe, ich bin weder umgefallen noch sonst was, im Gegenteil, ich habe bis zum Schluss die 20kg-Motoren noch alleine herumgehoben. Habe meinen Chef mehrmals gefragt ob meine Arbeitsleistung nachgelassen hat und er hat nein gesagt, aber egal wem und wie oft ich das sage, andere Leute glauben trotzdem immer wieder zu wissen was das Beste für mich ist. Da ist es schön zu lesen, dass es auch mal wen gibt, der mich nicht für unzurechnungsfähig hält, sondern auf meiner Seite steht…

  2. Ganz verstehe ich die Arbeiterkammer nicht, wieso sie dich da zur GKK schicken.
    Dein Chef würde dich tatsächlich kündigen, wenn du keine Therapie machst?? Das kann doch nicht sein Ernst sein.
    Klar, er wird sich Sorgen machen, bist ihm vermutlich auch nicht egal, sonst würde er da ev. nicht so einen Druck machen.
    Aber es gibt ja das Sprichwort: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

    Kannst du da nicht nochmal mit deinem Chef sprechen, so unter vier Augen, wie es dir damit geht? Und das das Arbeiten gehen für dich zur Stabilisierung (so hätt ich das zumindest immer herausgelesen) wichtig ist, und das er im Grunde genommen, durch diesen Druck, deine Probleme schlimmer macht. Ev. ihm auch für seine Sorge danken, damit es nicht falsch rüberkommt.

    Hört sich für mich so an, als wenn er wirklich glaubt, dass du nach einer stationären Therapie geheilt wärst und tralala und alles ist supi, dupi.
    Das Problem ist, wer noch nie ein psychisches Leiden hatte, kann das einfach auch nicht nachvollziehen, dass das alles ein bisserl komplexer ist.

    Ich war dieses Jahr auch mal kurz stationär (3 Wochen zwecks von mir gewollter Diagnose) wegen ptbs, bin sehr offen in der Arbeit damit umgegangen, aber die Chefin glaubt auch, ich wär jetzt für immer geheilt.
    Für mich ist das Arbeiten gehen, als es mir sehr schlecht ging, erst recht wichtig gewesen, um eben mich zu stabilisieren und nicht völlig abzudriften.

    Echt doof bei dir….ev. nochmal zur AK….

    Liebe Grüße
    Mo

    P.S. 20 kg Motoren rumschleppen, jöh, das schaffen einige mit Normalgewicht net…

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