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aufgestanden, eingerückt – einkassiert Teil III

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In der Nacht schlafe ich wie ein Stein, ich werde lediglich kurz wach, als um 2:15 die Schwester die Anti-Übelkeit-Infusion abmacht und die anderen beiden wieder anhängt und gegen 5:00 schließlich den Infusionsständer komplett zur Seite rollt. Gegen 07:00 kommt ein Pfleger rein, um Blut abzunehmen. Bei mir kommt er deutlich besser voran als bei meiner Zimmerkollegin, die er sicher  4 oder 5 mal stechen muss, bis er die benötigte Menge Blut zusammen hat. Danach bekomme ich Frühstück, meine Zimmerkollegin muss zuschauen weil sie eine Untersuchung  hat, für die sie nüchtern sein muss. Da sie den Mund nicht voll hat, nützt sie die Zeit, um mich vollzulabern und die Informationen bezüglich Häufigkeit und Aussehen des Stuhlgangs, die ich gestern schon erhalten habe, um einige weitere wichtige Eckdaten zu ergänzen. So erfahre ich, dass sie 83 ist (wofür sie eigentlich noch ziemlich fit wirkt), sich durch eine verunreinigte Blutkonserve mit Hepatitis C angesteckt hat, aus welchen Körperöffnungen sie schon geblutet hat und wo es gerade wieder rauskommt, und dass ihr etwas dementer Ehemann gestern zeitgleich mit ihr eingeliefert wurde, da er unter schwerem Durchfall litt, was sich dann aber als akute Verstopfung entpuppte. Die etwas einseitige Unterhaltung findet erst ein Ende, als sie zu einer Untersuchung gebracht wird und ich döse im Bett noch ein wenig vor mich hin. Dann ist Visite, dort wird mir mitgeteilt, dass das Kalium gerade mal auf 2,9 gestiegen ist. Und ich äußere den Wunsch entlassen zu werden. “Bleiben Sie doch noch zumindest bis morgen! Sie bekommen heute noch eine Kaliuminfusion und wenn die Werte morgen halbwegs in Ordnung sind… ich meine, wir wissen, dass es keinen Sinn hat, Sie gegen ihren Willen in die Psychiatrie zu verlegen. Auch wenn ich es ehrlich  gesagt für keine gute Idee halte, dass Sie in diesem Zustand nach Hause gehen.” Zähneknirschend willige ich also ein, noch eine Nacht hier zu verbringen. Die Aussicht auf eine neuerliche Infusion, die mir gefühlt sämtliche Venen wegätzt, lässt meine Stimmung nicht gerade steigen.

Gegen 10:30 kommt die Ärztin nochmal rein und ich beschließe zu fragen, wann ich denn eigentlich mein Buprenorphin bekäme. Immerhin hat mir die Substitutionsärztin versichert, sollte ich jemals ins Krankenhaus kommen, würde ich es dort weiterbekommen und auch als man mich gefühlte 5 Mal gefragt hat, ob ich irgendwelche Medikamente nehme, habe ich das zu Protokoll gegeben. Doch sowohl sie, als auch die Schwester scheinen weitgehend ratlos, wie mit dieser Situation nun umzugehen ist. Von meiner geheimen Notreserve verrate ich natürlich nichts. “Und wenn wir Ihnen für heute Nachmittag Ausgang geben und Sie holen sich das aus der Apotheke?” schlägt sie vor. “Das wäre eine Möglichkeit, ich müsste allerdings erst schauen, ob da überhaupt irgendein Bus hinfährt, ich wohne am Land…” antworte ich. “Achso, ich dachte Sie wohnen hier in der Stadt! Also wir könnten Ihnen einen Taxischein ausstellen, aber das ist auch nicht die optimale Lösung…” ich sehe meine Gelegenheit gekommen. “Und was ist, wenn Sie mich nach der Kaliuminfusion entlassen und ich morgen in die Ambulanz zur Blutabnahme komme?” – “Die Ärztin überlegt kurz. “Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht. Aber Sie kommen morgen wirklich verlässlich wieder? Zuerst zur Blutabnahme, und dann wenn Sie die Ergebnisse haben nochmal hierher auf die Station, damit wir das besprechen können.” – “Ich komme wieder, versprochen.” – “Nagut, dann vermerke ich das mal so…”

Ich kann mein Glück kaum fassen. Rufe sofort meine Mutter an um ihr zu sagen, dass sie meine Fellmonster nicht holen kommen braucht. Wie nicht anders zu erwarten ist sie wenig begeistert, doch das kann meine Freude nicht trüben. Eine Schwester kommt rein und hängt mir wieder eine Infusion an. “Die darf nur in diesem Tempo tropfen! Behalten Sie das unbedingt im Auge und melden Sie sich, falls es schneller wird!” schärft sie mir ein. Darf nur in diesem Tempo tropfen? Die gestern Abend war mindestens doppelt so schnell! Ob mir deswegen so schlecht geworden ist? Es brennt zwar trotzdem wieder ziemlich, aber wenn man die Zähne zusammenbeißt lässt es sich aushalten. Und als mir eine Stunde später die Ärztin den Entlassungsbrief in die Hand drückt, sind sowieso alle Schmerzen vergessen. Offenbar kommt meine Entlassung nun doch gar nicht so unpassend, denn 2  Stunden später steht schon eine Dame vom Reinigungspersonal im Zimmer und möchte wissen, wann sie mein Bett frisch beziehen könne. “Sobald das hier fertig ist” antworte ich und deute auf den Infusionsständer. Obwohl meine Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, beginne ich meine Sachen zu packen um später keine Zeit zu verlieren. Immerhin muss ich es im Taxi durch den Berufsverkehr bis 18:00 zur Apotheke schaffen, wenn ich meine Notreserve unangetastet lassen will.  Es dauert noch bis 16:00, bis der letzte Tropfen endlich in meinem Arm verschwunden ist. Mit dem Infusionsständer gehe ich zum Schwesternzimmer. “Fertig” strahle ich. Eine Schwester folgt mir ins Zimmer, macht die Infusion ab und vergisst leider nicht darauf, den Zugang zu entfernen- das wäre der Traum eines jeden IV-Konsumenten. Obwohl ich das normalerweise gar nicht von mir kenne, will die Stelle einfach nicht aufhören zu bluten. Ich bin genervt, meine Sachen sind schon gepackt, Schuhe sind angezogen, ich muss nur mehr den Mantel anziehen und bin ein freier Mensch. Ich pilgere ein letztes Mal zum Schwesternzimmer. “könnte ich bitte noch ein paar Tupfer haben?” frage ich und halte mit 2 spitzen Fingern die Tupfer in die Luft, die vollgesogen sind wie ein Tampon am Morgen. Ich bekomme noch ein paar und krame im Zimmer das Peha-Haft aus meiner Reisetasche. Damit fixiere ich die Tupfer auf meinem Arm. Ärmel runter, Tasche wieder einräumen, Mantel anziehen, und ich bin eine Staubwolke. Die Schiebetüren des Haupteingangs öffnen sich. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne scheint. Ich halte einen Moment inne und atme tief ein. So riecht Freiheit.

7 comments on “aufgestanden, eingerückt – einkassiert Teil III

  1. Ich besuchte das Krankenhaus dazu noch nicht. Infusionen bekam ich dort gewöhnlich nie. Statt ekelhaft mit Omas reden, nutten wollen sperma wenn und unter der Brücke kann jemand ihr koks für da weg dealen wenn. Schnupftabak gut wenn ohne Drogen mitgezogen immer brauchte. Geburtstag unter der Brücke brauchte aber Hebammen Freundin.

    • @ansichschade

      Was versucht du dem Fliegermädchen und uns mitzuteilen? Irgendwie wird man aus deinen Kommentaren nicht wirklich schlau, sorry! 🤔😅

      • Das frag ich mich auch immer wieder. 😀 Einerseits bin ich irgendwie versucht die kommentare zu löschen, andererseits beschimpft er mich nicht oder so, also habe ich eigentlich keinen Grund für Zensur irgendeiner Art. Bin aber auch immer hin- und hergerissen zwischen: “WTF??!!! o.O” und Tränen lachen.

      • Ich kann mich noch erinnern, sogar wie ich da stand am Skaterpark. Dies kids gaben mir auch noch amphetamine. so lief meine psychose voll über irgendwann. bekan den strom abgestellt und das sogar zweimal, obwohl mein vater mir half. als dann auch noch meine wohnung geräumt werden sollte, hab ich mich eingewiesen. Bin an paranoider schiz

  2. Versuch mal deinen biologischen Abfall durch die Babyklappe für ins Krematorium zu geben, ohne Grab wenn dann denn.

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