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Falsch verstanden

Es gibt Tage, die sind einfach nur zum Kotzen. Einer dieser Tage war heute. Genaugenommen begann es eigentlich schon gestern, als ich um 5 Uhr morgens aus dem Bett rollte und mich kurze Zeit später mit 2 Betäubungsmittelrezepten auf den Weg zum Bahnhof machte. Aus dem Zug schrieb ich Nadine noch eine SMS: “Für den unwahrscheinlichen Fall, dass du Zeit hast, ich wäre um 08:30 beim Gesundheitsamt, wenn du magst könntest du mir Gesellschaft leisten” . Gut möglich, dass sie vielleicht in die FH musste und sich eine halbe Stunde früher auf den Weg machen könnte, um noch einen Moment im McDoof zu quatschen, andererseits weiß ich dass sie viel um die Ohren hat und es eher unrealistisch ist, dass sie spontan Zeit hat, aber ich mag es zumindest mal versucht haben. Sagt man nicht “Zeit und Lust”? Hört sich doch besser an , fiel mir dann noch ein und ich tippte noch ein “und Lust” hinter das “Zeit”, unwissend, was das für Auswirkungen haben würde…

Diesmal schienen die ganzen doofen Tussen, die mir letztes Mal im Gesundheitsamt das Leben schwer gemacht hatten, ausgeflogen zu sein. Wenigstens was. Und so hielt ich 10 Minuten später meine gestempelten Rezepte schon wieder in den Händen. Einer der wenigen Erfolgsmomente der Woche. Trotz meines körperlichen Verfalls war es mir gelungen, die Substi-Ärztin davon zu überzeugen, dass ein Ausflug in die Apotheke einmal pro Woche genug ist. Auch der Amtsarzt hatte seinen Segen dazu gegeben. Volltreffer! Endlich wieder ein halbwegs normales Leben. Endlich wieder am Samstag nicht rausmüssen, wenn ich nicht möchte, endlich wieder spontan am Wochenende nach Medan fahren können, ohne mir extra dafür Urlaub nehmen zu müssen. Nun hatte ich aber noch verdächtig viel Zeit. Ich hatte ein Sparticket gekauft, diese Tickets sind aber nur für einen bestimmten Zug gültig und der fuhr erst in über einer Stunde. Ein anderer von einem anderen Bahnhof würde schon in 20 Minuten fahren. Nadine hatte sich auch noch nicht gemeldet, wahrscheinlich war sie arbeiten oder schon in der FH.
‘Ob ich es riskieren sollte? Egal, schlimmstenfalls würde ich eben den Aufpreis auf ein reguläres Ticket zahlen. Trotzdem versuchte ich davor, es am Schalter zurückzugeben. “Tut mir leid, das geht nur online.” – “Okay, das dachte ich mir schon. Aber wenn man es auf ein reguläres Ticket für alle Züge upgraden kann, kann ich es dann auch auf ein normales Ticket für Vorteilskarteninhaber upgraden? Weil die Vorteilstickets sind auch hier in den Shops erhältlich, steht auf dem Fahrplan.” – “Das stimmt schon, aber nicht als Upgrade von einem Sparticket. Ich kann es Ihnen zusätzlich verkaufen, Sie haben noch bis 10:00 Zeit das Sparticket online zu stornieren…” – “Das bringt mir nichts, ich habe keinen Laptop oder sowas mit. Dann zahl ich eben im Zug die 11€ mehr” sagte ich und verabschiedete mich.
Gerade als ich in den Zug stieg, vibrierte mein Handy. Nadine rief an. Doch bevor ich noch rangehen konnte, verabschiedete sich der Akku mit einem letzten, empörten “Piiiiiiiiiiiiiiiiep” ins Nirvana. Einen Moment lang überlegte ich, es auf die Gleise fallen zu lassen, entschied mich dann aber dagegen. 2 Handys in nicht mal 3 Monaten zu zerstören zeugt schließlich nicht von einem sonderlich stabilen Nervenkostüm.

Ich war heilfroh, als ich endlich wieder bei meinem Auto war. Zugegeben, der Weg von meinem Auto zum Bahnhof war schon nicht leicht gewesen, da ich ihn aufgrund des starken morgendlichen Verkehrs rennend zurücklegen hatte müssen, aber da war es wenigstens bergab gegangen – bergauf hängte sich die Strecke noch mehr an und mir tat alles weh. Erst spätabends stöpselte ich mein Handy ins Ladegerät, um gegen halb 12 damit ins Bett zu verschwinden. Als ich es einschaltete, wurde ich mit SMS und unbeantworteten Anrufen überflutet. Alle von Nadine. Sie hatte mir eine lange Sprachnachricht hinterlassen. Hätte ich sie mir bloß nicht an diesem Abend noch angehört… doch ich tat es. Was folgte war eine 10-minütige Flut von Vorwürfen. Dass ich ja so täte als hätte sie nie Zeit für mich, und ich stelle mir das ja auch so einfach vor mit den 2 Jobs, die sie aktuell mache, und vielleicht bald noch einen 3., und dass ich ihr das ja auch früher hätte sagen, können dass ich nach Medan komme und nicht erwarten könne, dass sie sich dauernd Zeit nehmen könne, sie hätte schließlich auch noch ein Leben… so ging es noch eine ganze Zeit lang weiter, und als die Nachricht zu Ende war, war ich durch und an Schlaf war nicht mehr zu denken. Offenbar hatte sie die SMS so verstanden, dass ich ihr unterstellen wollte dass sie keine Lust hätte mich zu sehen, dabei hatte ich das “Für den unwahrscheinlichen Fall” nur auf den zeitlichen Aspekt bezogen. Ich schrieb ihr dann noch eine SMS, dass sie da etwas vollkommen falsch verstanden hätte und ich ihr mit der Redewendung in keinster weise unterstellen hatte wollen, dass sie mich nicht sehen möchte oder nie Zeit für mich hat und dass mein Akku leer geworden war. Die Retourkutsche bekam ich dann am Donnerstag am späten Vormittag. Das mit dem Handy hatte sie sich ja gedacht, aber sie habe sich dann extra, obwohl sie krank war und eigentlich lernen hätte müssen, um halb 11 in die U-Bahn gesetzt und war zum Amt gefahren (über 2 Stunden nachdem ich gesagt habe, dass ich dort sein werde? Und wie zum Geier hätte sie mich dort finden wollen, ohne die Möglichkeit mich anzurufen zu können? Keine Ahnung, das sind eben so typische Nadine-Aktionen) und dass sie es einmal erleben möchte, dass ICH mich so bemühe…
Und mir schoss unwillkürlich die Situation in den Kopf, als sie mich mit 12 panisch in der Schule angerufen hatte und mir gesagt hatte, dass sie sich nicht nach Hause traut und ich Schule geschwänzt hatte und mich 2 Stunden in den Bus gesetzt hatte und zu ihr gefahren war. Reiß dich zusammen, solche Stories aufzuwärmen bringt nichts, versuchte ich mir zu sagen und packte das Handy erst mal wieder weg, aber der Tag war natürlich damit gelaufen. Und als ich es dann am Nachmittag nicht mehr aushielt und antworten wollte, verabschiedete sich der Akku schon wieder. Als dann auch noch in der Arbeit ein Problem nach dem anderen auftauchte, hielt ich es um 16:00 nicht mehr aus, verzog mich ins letzte Eck der Dusche in der Damengaderobe und heulte wie ein kleines Mädchen, ich war einfach durch mit der Welt.

Nun muss ich das heute wohl mal mit Nadine klären und sie fragen, wie ich solche Fragen zukünftig formulieren soll, dass sie sie nicht missversteht. Aber davon wird sie sich wahrscheinlich auch wieder angegriffen fühlen (weil das müsse ich doch selbst wissen). Und was sie mir erzählt, wenn ich ihr sage, dass ich mich definitiv nicht dafür verantwortlich fühle dass sie Stunden später auf Gut Glück durch die Weltgeschichte fährt obwohl sie weiß, dass sie mich am Handy nicht erreichen kann, will ich gar nicht wissen. Und genau deswegen würde ich es am liebsten gleich bleiben lassen.

One comment on “Falsch verstanden

  1. Ohke… typische Probleme der Handykommunikation. Der andere versteht die Sachen ganz anders, als sie gemeint sind.
    Aus meiner Sicht fand ich deine Nachricht mit dem Zeit und Lust gar nicht schlimm, wie man so eine Nachricht interpretiert hängt aber natürlich auch von der Beziehung und Gesamtsituation ab. Ich hoffe ihr könnt das klären ohne dabei groß zu streiten oder zu diskutieren. Ich drücke die Daumen

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