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Fremd

Ich fühle mich fremd. Fremd in dieser Welt, fremd in diesem Körper. Ich glaube, dass ich nicht mehr in meinem Körper bin, nicht mehr wirklich. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich ein körperliches Wrack bin und trotzdem geistige Höchstleistungen vollbringe. Habe eine nette, kleine Benutzeroberfläche programmiert, die sich aus sämtlichen am Server verstreuten Dokumenten kennzahlen rauszieht und darstellt. Das ist das neue Lieblingsspielzeug von meinem Chef, er kann aktuell gar nicht genug davon kriegen, es anderen Leuten zu zeigen. Nächste Woche ist bei uns im Werk globales Meeting aller Qualitätsmanager und ich nehme mal stark an, dass er es auch da vorzeigen wird. Ich habe die Vermutung, dass das die zweite Sache von mir wird, die zum konzerninternen Standard in allen Werken weltweit wird. Das Lustige ist, dass in der Firma, die den ganzen IT-Kram für uns macht (wieso sie dafür eine eigene Firma gegründet haben weiß ich nicht, denn die betreuen nur uns, niemanden sonst), ein Projektteam damit beschäftigt ist, genau das auf die Beine zu stellen, was ich da nebenbei gemacht habe (klassischer Fall von zu viele Köche verderben den Brei. Ich mach kein Projekt darauß, ich mache es einfach.

Dabei dürfte ich dazu gar nicht mehr in der Lage sein. Eigentlich müsste mein körper mittlerweile in seiner Not mein Gehirn verdaut haben. Ich wiege 38,3kg mit Klamotten. Mein Hüftumfang beträgt 75cm. Da ist nichts Menschliches mehr an mir. Meine Armbeugen sind voller Beulen und kaputtgestochen, die halbe Woche war ich unfähig die Arme ganz auszustrecken oder abzuwinkeln. Schmerzen in der Intensität hatte ich zuletzt bei den Kälteverbrennungen. Der Unterschied ist nur der, dass man damals an derHaberfläche gesehen hat  mund nun ist da nichts außer ein paar Beulen und rote Punkte. Aber die Schmerzen, diese verfluchten Schmerzen… aber naja, solange ich Schmerzen empfinde, lebe ich zumindest noch, oder?

Vom Tanzen werde ich mich für das zweite Semester abmelden, es geht einfach nicht mehr. Die letzten zwei Male davor waren nur mehr eine Qual. Es bleibt mir nichts anderes übrig als wieder einen Anker in die Normalität über Bord zu werfen.

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11 comments on “Fremd

  1. Auch wenn es blöd klingt, es würde rein theoretisch schon etwas übrig bleiben….wenn Du ehrlich mit Dir bist, weißt Du das auch.
    Der Weg „nach oben“ wäre schwer, das schon, ich weiß, wovon ich rede.
    Ich kann Dich verstehen und bedauere es gleichermaßen, daß Du Dich, wie es scheint, den Weg nach unten zu Ende zu gehen entschieden hast.

  2. Diese vorgebliche ‘Normalität’ ist nicht wirklich Normalität!
    Diese vorgeblichen ‘geistigen Höchstleistungen’ sind nicht wirklich Leistungen!
    Liebe Grüße und – wichtig! –
    paradise your life!

    • So blöde es klingt aber natürlich gibt es so eine Art “Normalität” und Alltag mit Krankheit. Es gibt halt nur mehrer Versionen… Version 1. Ist der Alltag den man schon gar nicht mehr mitbekommt und so nebenbei passiert. Version 2. ist der Alltag den man für Arbeit/Freunde/Familie aufrecht erhalten will und Version 3. Ist dieser Alltag – der auf gesunde Menschen meist sehr verstörend wirkt- die, die einzelnen Krankheiten und Störungen mit sich bringen. Denn so absurd es sich auch anhört irgendwann ist man als Betroffener in der Lage das man sich an das Gekotzt, die Schmerzen und den von BTM regelmäßig vernebelten Kopf zu gewöhnen. Leiden und Scheisse fühlen wird also zum Alltag und somit auch zur Normalität oder anders ausgedrückt: der Mensch und sein Körper gewöhnt sich an die merkwürdigsten Dinge, selbst wenn sie noch so zerstörerisch sind. Außerdem ist es wohl eine große Leistung mit diesem körperlichen Zustand solch eine Art von Aufgabe zu meistern. Wenn ich da mal so zurückdenke war es in meiner schlimmsten Zeit schon schwierig für mich überhaupt etwas zusehen da meine Augen bzw. meine Sehkraft durch den Mangel an Nahrung sehr stark abgebaut hatte und mit lange konzentriert arbeiten brauchte man mir erst recht nicht kommen. Selbst der Gang in’s Badezimmer war am Ende nur noch ein Kraftakt und führte regelmäßig zum Heulen. Darum bewunder ich persönlich das Fliegermädchen sehr das sie es noch irgendwie schafft auf Arbeit zu gehen und, mal so eben wie fast nebenbei, i ihren Chef mit diesem Programm anscheinend sehr glücklich macht. Dennoch verstehe ich natürlich das es viele Leute gibt die diese Ansichten nicht teilen und ich gebe zu “normal”, im herkömmlichen Sinne, ist das alles natürlich nicht. Es ist (aus)gelbte Krankheit.Krankheit die für viele von uns, nicht nur für das Fliegermädchen, Normalität ist.

      Ich wünsche dir, liebes Fliegermädchen, ein paar ruhige Stunden ohne Schmerz und Kopfkino, wo du einfach nur Du sein kannst und vielleicht auch etwas entspannen kannst, auch ohne Hilfsmittelchen aus dem Giftschrank aber dafür mit deiner Lieblings Musik und einer kuscheligen Decke+Wärmflasche oder. Ä. Vielleicht schaffst du es ja, ich wünsche es dir sehr! ⭐

      Liebe Grüße. 🌻

      • Das hört sich sehr so an, als hättest Du das Ruder für Dich nochmal rumgerissen. 👍
        Das war bestimmt nicht einfach. Toll. 👍😊
        Danke für Deine Erklärung… das leuchtet ein.
        Ich wünsche dem Fliegermädchen auch so sehr, dass sie ebenfalls ihr Ruder findet und hinausrudert… ✊🍀

  3. 38,3 Kilo? 😱 Und keiner hilft Dir????? 😔

    • Auch ich frage mich schon sehr lange, wie das die Kollegen und die Familie mit ansehen können, ohne vor Angst keinen Krankenwagen zu rufen. Fliegermadchen du willst nicht mehr oder? Leben. Du hast einen langsamen und qualvollen Tod gewählt. Ich wünsche die Lebenswillen.

  4. Ich habe mir große Sorgen um Dich gemacht, Du lebst, und das ist das Wichtigste! Tanzen ist ein Gespräch zwischen Körper und Seele, es ist in Ordnung zu pausieren, erst recht, wenn es beiden schlecht geht. Es wird die Zeit kommen, da wünscht Du Dir, wieder Tanzen zu gehen. Und dann wirst Du wissen, dass Körper und Seele auf dem Weg der Besserung sind.

  5. Ich finde es sehr traurig, dass du dich so aufgibst. …

  6. Bist du in Therapie mit deiner Essstörung? (ich nehme mal an, dass du eine hast)

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