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Nicht leicht

Mein Leben macht es mir aktuell nicht gerade leicht, irgendwo ein Fünkchen Motivation aufzutreiben, mich aus dem ganzen kram zu befreien. Der Gedanke ist derzeit eher: Wieso konnte es nicht schon gestern vorbei gewesen sein?

Genau genommen ging alles damit los, dass meine Schwester zu Weihnachten ankündigte, sie würde nicht zu meinem Geburtstag kommen, weil sie so viele Prüfungen hätte. Natürlich bin ich kein kleines Mädchen mehr und muss meinen Geburtstag an diesem Tag feiern, mal abgesehen davon, dass ich ihn sowieso nicht gerne feiere (außer mit meinen Eltern und meiner Schwester gar nicht, Party mit Freunden gibt es nicht), aber es ist dennoch schön zu wissen: Da sind Menschen, die haben sich extra Zeit genommen, um an diesem Tag bei mir sein zu können. Und da Nadine dieses Monat keine Zeit hat, wurde dann der 9.2. dazu bestimmt, das Weihnachtsgeschenk im Escaperoom einzulösen und gleichzeitig meinen Geburtstag und den von Nadine zu feiern, die genau ein Monat nach mir an der Reihe ist.

Als wir uns am 1.1. verabschiedeten, sagte meine Mutter mir noch, sie würde mir Bescheid sagen an welchem Wochenende sie und mein Vater kämen. “Aber ihr braucht wirklich nicht rauskommen, ich möchte doch mit euch allen zusammen feiern! Das ist doch unnötig wenn ihr da zu mir fahrt und dann 2 oder 3 Wochen danach schon wieder. Ich bin immerhin kein kleines Mädchen mehr, das seinen Geburtstag auf den Tag genau feier muss!” entgegnete ich. Damit hielt ich das Thema für geklärt. Eigentlich.

Anfang dieser Woche kam eine SMS, dass sie am Samstag kommen würde und ob ich mit ihr essen gehen wolle oder sie sich etwas mitnehmen solle. Das machte mich wütend. Wie oft wollte sie meinen Willen noch ignorieren?! Ich hatte doch gesagt, dass ich nicht feiern wolle, wenn Nadine nicht dabei ist! Ich tippte zurück: “Was, Papa kommt auch nicht mit? Bei aller Liebe und nichts gegen dich, aber alleine mit dir am Tisch sitzen und Geschenke auspacken ist deprimierend, wenn man weiß, dass die Familie doppelt so groß ist”. Als Antwort kam erst mal nichts. Am Mittwoch war das schlechte Gewissen so groß, dass ich hinterherschickte: “Das war nicht böse gemeint. Aber ich stelle es mir einfach deprimierend vor, mit dir alleine an einem Tisch zu sitzen und Geschenke auszupacken wenn ich weiß, dass da eigentlich noch 2 Personen fehlen. Da ist es mir viel lieber ich warte noch 3 Wochen, aber dafür sind wir dann zu Viert. Das ist mittlerweile schon so selten geworden, dass es das größte Geschenk für mich ist.” Ein paar Stunden später kündigte mein Handy endlich eine eintreffende SMS an. “Tut mir leid, hatte mein Handy vergessen. Papa wäre eh mitgekommen, aber ich möchte mit dir reden und er wollte mir die Möglichkeit geben, das alleine mit dir zu tun.”

Tausend Gedanken schossen mir durch den Schädel. Reden? Worüber? Ich ahnte Böses. Was, wenn sie kommen wollte, um mir zu sagen, dass ich ihnen ihr Silvester versaut habe, sie vor ihren Freunden blamiert habe und sie nicht mehr wollen, dass ich zu Anlässen nach Hause komme?  Oder, dass ich gar nicht mehr nach Hause kommen darf? Diese Gedanken quälten mich so sehr, dass ich es heute nicht mehr aushielt. “Ok, aber wenn du kommen willst um mir zu sagen, dass ihr mich bei solchen Feiern nicht mehr dabei haben wollt weil ich euch die Stimmung versaue, habe ich vollstes Verständnis dafür, aber dann lass uns bitte auf einem Autobahnrastplatz oder so treffen und nicht bei mir in der Wohnung. Meine Wohnung ist mein sicherer Ort und wenn der mit Erinnerungen an solche Gespräche “verseucht” ist, kann ich mich dort nicht mehr wohlfühlen” schrieb ich meiner Mutter. Diesmal kam die Antwort prompt: “Es geht nicht darum, dass wir dich nicht dabei haben wollen. Aber lass uns morgen weiterreden. Vielleicht ist ein neutraler Ort wirklich besser. Wo schlägst du vor?”

Um es kurz zu machen: wir treffen uns morgen am frühen Nachmittag an einer Autobahnraststätte eine halbe Stunde von mir entfernt. Ich fühle mich, als würde ich zu meiner eigenen, seelischen Hinrichtung gehen. So viel Zeit hat es gebraucht, die Gefühle zu meiner Familie zuzulassen, die ich mein halbes Leben lang vergraben hatte, um mich vor Verletzungen zu schützen. Und nun könnte genau das wieder passieren.

Und diesmal könnte es der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das Ereignis, das mich endgültig in den Abgrund stürzt.

Verdammt, ich will da morgen nicht hin. Bitte nicht.

 

 

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One comment on “Nicht leicht

  1. Ich finde es leider erschreckend wie sehr du andere – hier deine Schwester und Mutter – für dein Wohlergehen verantwortlich machst.
    Entweder du nimmst deinen Geburtstag nicht wichtig – und die Abwesenheit deiner Schwester und deines Vaters ist nicht wichtig. Oder du nimmst ihn wichtig – und heißt die Menschen willkommen die mit dir den Tag deiner Geburt feiern möchten – z.B. Deine Eltern die dich an diesem Tag als erste willkommen hießen.

    Du hingegen stellst ausgesprochene oder unausgesprochene Regeln auf und wenn deine Familie da nicht mit spielt dann sind sie schuld dass es dir schlecht geht.

    Puh.

    Deine Schwester hat scheinbar entschieden nicht länger dieses (Macht)Spiel mitzuspielen bzw aus dem von dir gesteuerten (Psycho)Karussell auszusteigen.
    Logisch dass dich das verletzt. Mich erleichtert dass sie den Ausstieg noch vor dem Abgrund schafft.

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