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unnötig (und) kompliziert

Es gibt ja Menschen, die grundsätzlich gegen Substitution sind, weil man ja den Junkies ihre Drogen nicht auch noch in den Arsch schieben soll (wenn die wüssten, dass das eine weit verbreitete Methode unter Usern ist, die keine brauchbaren Venen mehr haben oder welchen, die annähernd gleichwertigen Spaß wollen, ohne sich auf dieses Niveau zu begeben… )Manchmal macht sich in mir der Eindruck breit, dass es Ärzte gibt, die meinen, dem bösen Zeigefinger dieser Leute zu entgehen, indem sie versuchen, den Substitutionspatienten das Leben zumindest so unangenehm wie möglich zu machen.

Als ich 3 Minuten vor meinem Termin die Treppe zur Substitutionsstelle hochhetze, stolpere ich fast über einen Typen, der halbbewusstlos auf der Treppe sitzt. So sehe ich also am Wochenende um 2:00 morgens aus. Ach du scheiße. Auch wenn ich weiß, dass es ihm vermutlich gerade ziemlich gut geht, will ich doch nicht riskieren, einen Halbtoten im Treppenhaus liegen zu lassen. “Hallo, alles klar bei dir?!” Er schaut kurz auf, die Augen auf Halbmast. “Hm… jaaaah….” Ok, er reagiert noch, er ist zwar dicht as f*** , aber zumindest lebt er. Ich gehe weiter, betätige die Glocke und die Sekretärin öffnet. “Ich sags gleich, wir sind ungefähr eine Stunde hinten nach!” warnt sie mich vor. Das volle Wartezimmer schreckt mich ab. Es ist nicht so, dass ich nicht mit diesen Leuten in einem Raum sitzen wollen würde oder so, ich bin ja um nichts besser als sie – und doch  bin ich so anders, bin die “Spießerin” unter ihnen, weil ich ihn Jeans dastehe und nicht in Jogginghose, seit 6:00 auf den  Beinen bin und nicht seit 11:00. Ich gehöre dazu und irgendwie doch nicht. Wie immer. Ich bleibe in der Tür stehen. “Oh. Naja, eigentlich müsste ich ja eh noch einkaufen gehen. Wäre das in Ordnung wenn ich dann einfach etwas später wiederkomme?” – “Ja, kein Problem, schau dass du in ungefähr einer halben Stunde wieder da bist.”. Nachdem ich also die Zutaten für die bevorstehende Weihnachtskeksbacksession besorgt habe, stehe ich wieder vor der Tür. Genau pünktlich, 5 Minuten später bin ich dran.

Der Arzt stellt sich zumindest mal namentlich vor, was ihn deutlich sympathischer macht als Dr. Pissnelke. Nachdem ich mein neues Rezept bekommen habe, bringe ich das Urlaubsthema noch auf den Tisch. In weiser Voraussicht hatte ich vor der letzten Rezeptvidierung ein Schreiben aufgesetzt und ausgerechnet, wie viel Zeit und Geld draufgehen würden, wenn ich zwischen 22.12. und 01.01. an allen notwendigen Tagen in die Apotheke fahren würde. Heraus kamen übrigens unglaubliche zurückzulegende 1620km, 36 Stunden verschwendete Zeit in Zug oder Auto sowie rund 150€ für Sprit oder Zugtickets. Dieses Schreiben hatte ich beim Amtsarzt vorgelegt und die Auskunft erhalten, dass in diesem Fall eine Urlaubsregelung kein Problem sei. Das alles trage ich jetzt auch dem Arzt vor. “Aber Sie sind noch kein halbes Jahr im Programm, da kriegen Sie doch noch gar keinen Urlaub.” Nicht schon wieder die Nummer mit dem halben Jahr, erinnert verdächtig an die Diskussion mit Dr. Pissnelke letztes Mal. “Ich hatte schon nach 3 Wochen das erste Mal über ein langes Wochenende eine Mitgabe, da hat auch einer was gesagt, die haben das einfach abgestempelt und fertig. Außerdem habe ich denen genau deswegen ja letztes Mal extra diesen Zettel vorgelegt und die Amtsärztin dort hat gesagt, dass sie da kein Problem sieht” – “Das mag ja sein, aber was ist wenn der Amtsarzt das dann nicht abzeichnet?” Hörst du mir eigentlich zu?! Ich hab doch gerade gesagt, dass das für die in Ordnung ist?! “Dann muss ich das akzeptieren, aber dann habe ich es zumindest versucht!”

Ich rede gegen Wände. Mehr als eine Mitgabe für 24.12 und 31.12 kann ich nicht herausschlagen.

Ich werde den Betriebsarzt mal fragen, ob es eine bestimmte Zeitdauer gibt, die ich im Programm bleiben muss.

Traurig aber wahr, die Substitution schränkt mein Leben mehr ein als der freie, ungeregelte konsum davor.

 

 

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