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Was einmal war, ist nicht mehr

Der letzte Termin für dieses Jahr bei Dr. Hexe. Und ich bin tierisch gernervt,  als ich auf die Uhr schaue und feststelle, dass ich mal schon wieder mal eine knappe Stunde hier sitze. Seit 3 Jahren latsche ich nun zu dieser Frau und noch nie musste ich kürzer als 45 Minuten warten. Warum vergibt sie die Termine überhaupt so eng, wenn sie doch sowieso weiß, dass sie sie nicht halten kann? Dann höre ich sie auch noch mit der Ärztin, mit der sie sich die Praxis teilt, lachen. Am liebsten würde ich gehen.

Aber dann bin ich dran. “So, was war los in der Arbeit, Sie haben vor ein paar Wochen angerufen?” – “Ja, der Betriebsarzt hat ein wenig genervt und ich wollte, dass Sie den beruhigen. Aber ich hab das dann alleine klären können.” Ich habe überhaupt keine Lust, ihr das alles zu erklären, das  merke ich in diesem Moment, doch sie bohrt weiter nach. Auch bezüglich Gewicht. Ich versuche mich daran zu erinnern, wie viel ich beim letzten Termin gewogen habe, doch ich kann es beim besten Willen nicht mehr rekonstruieren. Ich schummel ein paar hundert Gramm dazu und nenne ihr die Zahl. “Letztes Mal haben Sie zwischen 45 und 48kg gewogen!” sagt sie. Oh scheiße, tatsächlich so viel? Ich beschließe, mir das zukünftig aufzuschreiben. “Wie viel war es, als Sie damals auf die Psychosomatik gekommen sind?” Die Befunde hat sie, das weiß ich, wenn ich ihr es nicht sage schaut sie nach. “Ungefähr so viel wie jetzt”. Sie knallt ihren kugelschreiber auf den Tisch. “Sie spielen mit Ihrem Leben, das ist Ihnen klar, ja? Wenn Sie so weitermachen, gibt es keinen nächsten Termin mehr für uns.” – “Ich mache ja nicht so weiter.”, sage ich, ohne es wirklich ernst zu meinen. “Ich kann das nicht mehr verantworten. Sie haben in der Öffentlichkeit gesagt, dass Sie bei mir in Behandlung sind, ich habe Verantwortung für Sie!” Erst jetzt wird mir klar in was für eine Lage ich mich manövriert habe, indem ich zumindest alles in die Wege geleitet habe, um Dr. Hexe mit ins Spiel bringen zu können. Die roten “Achtung, drohende Einweisung!”- Alarmlichter in meinem Gehirn gehen an. “Okay, ichh reiß mich zusammen, ich fahr jetzt nach Hause und esse etwas.” – “Was denn?” – “Gemüse mit kartoffelpürree.” – “Und das soll ich Ihnen glauben?!” – “Ja.” sage ich und lächel siegessicher. Wir beide wissen, dass sie mich unter den Umständen gehen lassen muss. “Schade, bis jetzt hatte ich immer den Eindruck, dass wir ein so gutes Verhältnis haben, dass Sie ehrlich zu mir sein können.” sagt sie zum Abschied.

Tja, bis jetzt.

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