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2. Geburtstag

Heute ist sozusagen mein zweiter Geburtstag. Vor 2 Jahren bin ich aufs Standesamt gepilgert und habe meine neuen Dokumente in Empfang genommen. Ich habe zum ersten Mal meine neue Unterschrift auf ein Blatt Papier gesetzt. Ich habe mich zum ersten Mal jemandem, der mich nicht kannte, mit diesem Namen vorgestellt.

Ich habe es keinen einzigen Tag bereut. Wie oft habe ich schon gehört: “Wooow… das ist aber ein schöner Name!” , teilweise sogar von wildfremden Leuten, zum Beispiel der Sprechstundenhilfe in der Paxis meines Hausarztes. Es macht mich jedes Mal ein bisschen stolz.

Die Sozialarbeiterin von der Suchtberatungsstelle reitet gerne auf dem Thema Namensänderung herum. Ihrer Meinung nach habe ich meinen Namen nur geändert, weil ich unzufrieden mit mir selbst bin. “Aber Sie können nicht vor sich selbst davonlaufen, wissen Sie? Auch wenn Sie Ihren Namen geändert haben, Sie bleiben immer noch die [ mein alter Name ]” und ich würde ihr dafür am liebsten an den Hals springen. Was verdammt nochmal gibt dir das Recht, meinen alten Namen zu benutzen?! Trotz der hochkochenden Emotionen in meinem Inneren versuche ich sachlich zu bleiben. “Das hat doch gar nichts damit zu tun. Mein alter Name hat sich falsch angefühlt seit ich denken kann.” Sie beharrt trotzdem auf ihrer Theorie. Soll sie, ich kenne die Wahrheit.

Die Wahrheit ist, dass ich es gehasst habe, neue Menschen kennenzulernen, weil ich dann diesen Namen nennen musste, der nicht meiner war. Namensschilder waren ein Horror für mich – so konnten noch mehr Menschen diesen Stempel lesen, den ich mit meiner Geburt aufgedrückt bekommen hatte. In solchen Fällen versuchte ich dann, mit einem Schal oder ähnlichem das Schild zu verdecken. Noch heute erinnere ich mich an die Situation, als ich mit meiner Zimmerkollegin im Internat im Studierzimmer beim ersten Treffen der Lerngruppe stand und uns der anwesende Lehrer nach unseren Namen fragte und ich keinen Ton herausbrachte. Meine Zimmerkollegin musste meinen Namen sagen, weil ich nur daneben stand und das Gefühl hatte, ich würde gerade versuchen ein zähes Stück Fleisch hochzuwürgen. So oft haben meine Eltern versucht, mir diesen Namen schmackthaft zu machen, indem sie mir seine Bedeutung erklärten und weshalb sie mich so genannt hatten – schön und gut, das änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich nicht diejenige war.

Seit 2 Jahren ist alles anders. Mittlerweile ist es so selbstverständlich. Die meisten Menschen, mit denen ich heute im Alltag zu tun habe, kennen mich nur so. Und doch fühlt es sich jedes Mal so schön richtig an, dass ich lächeln muss. Es war eine der besten, wenn nicht sogar die beste Entscheidung meines Lebens. Nicht mal das Fliegen gibt mir so viel wie die Tatsache, dass ich mich nun so nennen darf, wie ich eigentlich schon mein ganzes Leben lang geheißen habe.

6 comments on “2. Geburtstag

  1. Ich kann dich, aber auch deine Sozialarbeiterin verstehen.
    Bei mir ist es auch so, dass ich nur noch meinen 2ten Vornamen
    benutze, weil mein erster der meines Vaters ist und mein Vater
    ein verdammtes ARSCHLOCH ist, so das ich seinen Namen
    nicht in meinem Ausweis will und ich den Namen auch nicht hören
    möchte.
    Andererseits, kann man seiner Vergangenheit und allem was
    einem passiert ist, leider nicht entkommen, indem man seinen
    Namen ändert. Leider!
    Somit kann ich deine Sozialarbeiterin auch verstehen, wenn sie
    meint das man die Vergangenheit nicht durch ein ändern des Namens
    ändern kann und auch dich, dass du damit der Vergangenheit
    ein wenig entkommen willst.
    Was mich wundert, ist das du trotzdem noch den Kontakt zu
    deinen Eltern suchst ?

    Gibt‘s auch mal wieder Flugbeiträge/Fotos ?
    Und warum nutzt du die Fluglizenz nicht auch beruflich ?
    Man muss ja nicht unbedingt in einem Airbus sitzen um sein
    Geld mit der Fliegerei zu verdienen.
    Ja deine Vergangenheit war alles andere als perfekt, aber das
    kannst du nicht ewig nutzen um deine Zukunft……………

    • Da hast du mich falsch verstanden, ich wollte mit der Namensänderung nicht meiner Vergangenheit entkommen und mich von meinen Eltern lösen. Meine Eltern hätten die fürsorglichsten, einfühlsamsten und verständnisvollsten Eltern der Welt sein können, und ich hätte meinen Namen trotzdem ändern lassen, weil ich mich noch nie damit identifizieren konnte. Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr einen Themenfreitagsbeitrag dazu geschrieben: https://fliegermaedchen.wordpress.com/2017/11/04/themenfreitag-30-namensanderung/
      Es tut mir leid was dir passiert ist. Meine Eltern haben Fehler gemacht, aber sie sind keine Arschlöcher, im Gegenteil, ich habe in den letzten Jahren unglaublich viel Unterstützung von ihnen erfahren. Ich sehe keinen Grund, warum ich den kontakt zu ihnen abbrechen sollte.
      Tatsächlich war ich vor 2 Wochen fliegen, aber nur eine kleine Runde und so spontan, dass ich mein Fotozeug nicht mithatte, abgesehen davon, dass das Wetter eher bescheiden war.
      Was konkret meinst du denn wenn du daran denkst, anderwertig Geld mit der Fliegerei zu verdienen? Ich kann nur so viel sagen, dass man als Berufspilot ein Flugtauglicheitszeugnis der klasse 1 benötigt, das deutlich höhere medizinische Anforderungen hat. Und bevor dann jemand auf die Idee kommt, dass ich bei meiner Vorgeschichte eigentlich gar keines besitzen sollte, versuche ich mit dem zufrieden zu sein, was ich habe.

      Um meine Zukunft…. was?

  2. Kann man denn nicht z.B. für Google über die Welt fliegen oder
    als Segelflug-Lehrerin begeisterten Kindern das Fliegen näher
    bringen ? Vielleicht musst du ja auch nicht unbedingt in Ö bleiben,
    wenn das Fliegen im Vordergrund steht ? Es gibt viele Länder die
    Piloten suchen und auf den Rest gar nicht so achten.
    Wenn es nur ums fliegen geht und das dein Traum ist, würde man
    da sicher eine Möglichkeit finden.
    Du müsstest halt verdammt nochmal damit aufhören, dein Leben
    gegen die Wand zu fahren. VERDAMMT!

    Na was, was macht die Vergangenheit mit deiner Zukunft… Na, was
    denn. Das musst du beantworten und nicht ich. Dein Vater ist kein
    Arsch? Ok, für mich ist so jemand halt ein Arschloch und jetzt sag
    schon warum du dir die Zukunft von deiner Vergangenheit zerstören lässt.
    Du kleines Drogenmädchen. Du bist nicht das Fliegermädchen und hast
    jetzt primär auch keine Behinderung, du bist aktuell einfach nur Drogensüchtig
    und das muss aufhören. Schiebe nicht alles auf deine Drogensucht und streng
    dich verdammt nochmal an.
    Ich war lange Drogensüchtig, aber das kann man nicht ewig als
    Entschuldigung nutzen. Jetzt fang endlich wieder an dein leben
    zu leben und im Kaff in einer Fabrik wir das wohl nichts.

  3. im Kaff in einer Fabrik *wird* das wohl nichts.

    • @ Vincent Evergarden

      Warscheinlich hast du es nur gut gemeint und hofftest mit deinen Worten das Fliegermädchen so zu provozieren das sie ins Nachdenken gerät … Nehme ich jetzt einfach mal so an. Dennoch möchte ich dir sage das ich deine Worte mehr als unangebracht finde. Mag sein das du auch mal stark Suchtkrank warst aber nur weil du es geschafft hast aus dieser ganzen Scheisse raus zu kommen gibt es nur noch Lange nicht das Recht über andere Süchtige zu urteilen. Deine Wortwahl erinnert mich ganz stark an einen ex Raucher der sich über Raucher beschwärt und da bei selber vergisst das er mal gequalmt hat…

      @ Fliegermädchen
      Ich platze fast vor Neugier, wie viel Anders bestimmt auch.. Wie lautet Din neuer Name eigentlich? (nur went es OK ist)

      • Ich verstehe natürlich die Neugier aber Sorry, mein Vorname ist zu selten als dass ich ihn hier im Zusammenhang mit Substanzmissbrauch veröffentlichen könnte. Da kann ich mich gleich selbst anzeigen. 😉
        Es war aber durchaus schon so, dass Mailverkehr mit einzelnen Lesern auf eine so persönliche, vertrauensvolle Ebene gekommen ist, dass ich meinen Namen genannt habe.

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