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Horrortrip

Bevor ich anfange zu erzählen, sei gesagt, dass das was jetzt kommt, in die Kategorie “grob fahrlässige Dummheit” fällt. Was ich aber dennoch nicht brauche, sind Kommentare in die Richtung: “Das war aber ganz schön blöd was du da gemacht hast!”. Das weiß ich, aber dennoch halte ich es für wichtig, das zu erzählen, denn wenn immer all ihre Fehler totschweigen und für sich behalten, müssten wir alle dieselben schmerzvollen Erfahrungen machen und wer weiß, vielleicht dient mein Bericht ja als abschreckendes Beispiel für den Einen oder Anderen.

Im Alltag muss man sich erschreckend oft auf die Angaben anderer Menschen verlassen. Wenn ich im Supermarkt eine Packung Zucker kaufe, muss ich mich darauf verlassen, dass auch Zucker drin ist, aber wirklich wissen kann ich es erst, wenn ich ihn zuhause koste (es sei denn, ich habe ein chemisches Versuchslabor im Keller, aber gehen wir mal von einem 0815-Standardhaushalt aus). Genauso ist es beim Erwerb von mehr oder weniger legalen Substanzen, du weißt nie ob das, was du bekommst, auch das ist, was du haben wolltest, bis du es ausprobierst. Deswegen wechselt man die Quelle normalerweise auch nicht, wenn es nicht zwingend notwendig ist. Denn im besten Fall ist das Zeug, das du bekommst, wirkungslos, es kann aber auch sein dass die Wirkung ganz anders ist als die, die du erwartest…

Letzten Dienstag hatte ich mir frei genommen. Ich wollte ein paar längst fällige Dinge erledigen, meine Wohnung auf Vordermann bringen und das Zeug für den Urlaub zusammenpacken, denn für 04:30 war ich mit Emanuel und einem gemeinsamen Freund von uns am Flughafen veraberedet. 3 Stunden Anreise, ein bisschen Pufferzeit- das bedeutete für mich Abfahrt 01:00 morgens. Ich war unbekümmert, ich hatte genug in meiner chemischen Trickkiste, um mich bis dahin noch wach zu halten. Und zudem fand noch am selben Tag die Lieferung von einem anderen Lieferanten zu mir. Ich war total euphorisch, endlich war das Beschaffungsproblem für die nächsten Monate gelöst und ich könnte ganz unbekümmert vor mich hinkonsumieren.

Diese Euphorie war es wohl, die mich dazu verleitete, die neue Lieferung noch am selben Abend testen zu wollen. Dass ich bis zur Abfahrt durchmachen würde, war ja klar, ich hatte ja noch eine Menge zu tun, Koffer auspacken, Wohnung aufräumen, etc.  Ich wunderte mich ein wenig darüber, das sich das Zeug in Wasser nicht löste, schon da hätten bei mir die Alarmglocken schrillen sollen, aber naja, so gut wie möglich klein gemacht, und mir auf dem üblichen Weg zugeführt. Nach wenigen Minuten begann sich meine Wahrnehmung zu verändern. Ich hatte das Gefühl komplett neben mir zu stehen, mal links, mal rechts, mal oben, mal unten… schwer zu erklären. Als ich ein komisches Ziehen in meinen Augen spürte und mich eine Hitzewelle durchfuhr, ahnte ich Böses, ich stürzte ins Bad vor den Spiegel, und spätestens als ich mir selbst in die Augen sah, war mir klar, dass ich definitiv etwas Anderes konsumiert hatte. Wenn ich wenigstens gewusst hätte was es war, hätte ich mir noch schnell ein paar Berichte darüber durchlesen können, um zu wissen was auf mich zukommt und wie lang dieser Zustand anhalten wird, doch ich hatte ja keine Ahnung. Ich wusste ja nicht mal ob ich das, was auch immer ich da genommen hatte, überdosiert hatte, denn die Menge, die von einer Substanz für ein angenehmes High ausreicht, ist bei einer Anderen tödlich. Ich war so froh, dass sich DC bereiterklärte, mich auf Skype zu begleiten. Ich versuchte, nicht in Panik zu verfallen. Es war ja jetzt zu spät, ich musste mich auf die Erfahrung einlassen und das Beste daraus machen. Wie in einer Endlosschleife versuchte ich, im Kopf herunterzubeten: Was auch immer ich erlebe und wahrnehme, es ist nicht die Realität, es ist nur die Wirkung der Substanz. Es wird vergehen, ich brauche mich nicht zu fürchten.

Ruhelos ging ich mit dem Laptop auf dem Arm durch die Wohnung, denn sobald ich mich hinsetzte und zum Beispiel am Laptop etwas schrieb, begann sich alles rundherum aufzulösen, es gab nur noch mich vor diesem Laptop. Alles rundherum begann dann zu wabbern und zu flimmern und sich immer weiter von mir zu entfernen, ich brauchte ständig neue Reize und Eindrücke um im Hier und Jetzt bleiben zu können. Außerdem war ich komplett verwirrt. Ich ging von Raum zu Raum um Sachen zu packen und aufzuräumen und wusste dann dort schon nicht mehr, was ich eigentlich tun hatte wollen. Ich warf einfach alles was ich meinte zu brauchen in den Koffer, zu mehr war ich nicht in der Lage, und es grenzt an einem Wunder, um mal etwas vorzugreifen, dass ich nichts vergessen hatte.

Mit anderen Substanzen versuchte ich mich dann in einen Zustand zu bekommen, in dem ich in der Lage war die Reise anzutreten, aber der Weg vom Kaff nach Medan war der Horror und ich war mir zwischendurch nicht sicher, ob ich es schaffe. Ich konnte es kaum glauben, als ich dann endlich im Flieger saß.

Der Urlaub ansich war schön und anstrengend zugleich. Ich bin es einfach nicht gewohnt, über einen so langen Zeitraum meine destruktiven Verhaltensweisen verstecken zu müssen. Wie, wo und wann konsumiere ich, dass es niemand merkt? Man muss alles im Voraus planen und Planänderungen bringen alles durcheinander. Ich hatte mir zum Beispiel die Abenddosis für den Tag des Heimflugs vorbereitet und wollte es noch vor der Sicherheitskontrolle konsumieren. Allerdings waren wir schon Mittags am Flughafen, und da sämtliche Beschäftigungsmöglichkeiten (Shops, Restaurants, etc.) erst im Sicherheitsbereich waren, wurde kurzfristig beschlossen, einfach jetzt schon hineinzugehen. Erst am Weg dorthin fiel mir siedend heiß ein, dass ich ja damit unmöglich durch die Sicherheitskontrolle kann. Also nochmal schnell aufs Klo und rein damit. Allerdings wurde es dann später und später und dann hatte auch noch der Flug Verspätung. Und man macht sich dann auch selbst so verrückt. Sobald es irgendwo ziept oder in irgendeiner Hinsicht unangenehm ist, fragt man sich: Ist das jetzt normal oder werde ich entzügig? Was ja eigentlich nicht sein kann nach der kurzen Zeit, aber trotzdem, es ist einfach nur ungut. Dazu kam, dass ich von zwei hustenden Leuten umgeben war. Verflucht, ich dachte, ich hätte es hinter mir, dass mich solche Sachen triggern. Und irgendwie habe ich es ja auch hinter mir, denn die Panik kommt nicht mehr, bzw. nicht mehr in dem Ausmaß, aber ich erschrecke mich trotzdem jedes Mal und das stocknüchtern… ich verbrachte den Rückflug unter Kopfhörern und hoffte einfach nur, die Zeit würde vergehen.

Das nächste Hindernis war das Essen. Fressen und Kotzen wie zuhause ging natürlich nicht. Dann auch noch fremde Supermärkte. Ergo: Heillose Überforderung. Auch wenn man beim Kotzen natürlich hofft, alles wieder rauszubekommen, wissen wir doch im Innersten alle, dass es nicht so ist. Genau das, was da drin bleibt, scheint aber das zu sein, was aktuell verhindert, dass ich verhungere.

Ich hatte keine Waage mit und somit keine Information darüber, wie viel ich wiege. Meine Hosen waren zu groß wie eh und je, aber als ich dann am Flughafen zu meinem Entsetzen Blutflecken in meiner Unterhose entdeckte und dann auch noch feststellte, dass die Weintrauben, von denen ich jeden Tag ein halbes Kilo gegessen hatte, 66 Kalorien auf 100g haben, war ich überzeugt davon, zugenommen zu haben. Die Weintrauben landeten im Klo und ich war verzweifelt. Umso erstaunter war ich, als ich mich heute Früh auf die Waage stellte und die 3,7kg weniger als am Tag des Abflugs anzeigte.

Fazit: Ich sollte erst mal gesund werden, bevor ich das nächste Mal auf Urlaub fahre, denn wenn ich länger als 2 Wochen wegfahre, bin ich tot. Und nie, nie wieder konsumiere ich irgendetwas aus einer neuen Quelle, wenn ich in den darauffolgenden 12 Stunden irgendetwas vorhabe.

 

 

 

 

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