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Über den Dächern der Stadt

Ich erwache und schlage die Augen auf. Schweißnass klebt mein Trägertop an meiner Haut. D.C. sitzt am Laptop und schreibt. Vorsichtig richte ich mich auf. Ich fühle mich weitaus besser als vor… ja… wie lange eigentlich? Ich habe das Zeitgefühl verloren. D.C. bemerkt mich und setzt sich zu mir aufs Bett. “Hey, alles gut bei dir?” fragt er und streicht mir zärtlich über den Kopf. Ich nicke. “Wie lange war ich weg?” – “Seit Mitternacht ungefähr. Ich wollte dich eigentlich eh gerade aufwecken, ich  habe gerade versucht im Internet nachzugucken, wann die REM-Schlaf-Phasen sind und wann man jemanden m besten aufwecken sollte. In einer Stunde geht die Sonne auf, wollen wir hoch aufs Dach?” Mit einem Schlag bin ich hellwach. “Klar, ich zieh mich nur schnell an, die Sachen sind ja noch von gestern gepackt. Als ich ihm kurz in die Augen sehe, frage ich noch: “Bist du sicher, dass du das schon schaffst?”  Er grinst. “Ja, du hast ja selbst noch Riesenteller!” sagt er. Ich strecke ihm die Zunge raus. “Aber ich habe zumindest geschlafen. Sorry, dass ich einfach so weggepennt bin, aber ich hab mich total überfahren gefühlt. Und so wie du da draufwarst… das hat mich einfach fertig gemacht. Ich hab mich total leer gefühlt, als wär jemand mit der Dampfwalze über mich drübergefahren” – “Tut mir leid, das war echt nicht meine Absicht” – “Kein Problem, jetzt ist ja alles wieder gut.” Hand in Hand verlassen wir seine Wohnung und gehen zu der leerstehenden Fabrik. “Da sitzen schon welche!” stellt D.C. enttäuscht fest. ” – “Dann gehen wir doch zu der da drüben!” sage ich und deute auf den Turm, der ein paar Straßen weiter zu sehen ist. “Dort war ich noch nie, die ist eingezäunt, ich weiß gar nicht ob man da hochkommt.” Na dann wird es mal Zeit, es zu versuchen!” Am Zaun angekommen schauen wir uns kurz um, doch um die Zeit ist noch kein Mensch auf der Straße unterwegs. Die letzten 48 Stunden haben uns zu einem eingespielten Team gemacht, ohne dass es weiterer Absprache bedarf, nehme ich meinen Rucksack ab, drücke ihn in die Hand, überwinde den Zaun, er klettert hinterher, reicht mir meinen Rucksack und landet Sekunden später neben mir im Gebüsch. Wir machen unsere Taschenlampen an und gehen auf das Gebäude zu. D.C. betritt es vor mir und schreckt gleich wieder zurück. “Ich glaube, da ist wer!” flüstert er. “Wo?” frage ich und spähe hinter ihm durch die Tür. “Guck mal, da vorne, am Boden.” – “Das ist nur ein Müllsack, D.C. , alles gut”. Er lacht erleichtert. “Ein bisschen drauf bin ich glaube ich doch noch…” – “Magst du zurückgehen?” – “Nein, jetzt will ich auch da hoch!”

Stufe für Stufe und über rostige Leitern erklimmen wir das riesige Gebäude. Wir balancieren über durchlöcherte Dächer und schließlich haben wir es geschafft: Wir stehen ganz oben und blicken über die Dächer der Stadt.SONY DSC

Lange sitzen wir schweigend oben auf der Mauer. “Die Nacht soll einfach nie zu Ende gehen. Ich will, dass du bleibst.”. Ich antworte nicht. Er spricht aus, was wir beide fühlen. Ich werde ihn unglaublich vermissen. Hier oben scheint die Zeit still zu stehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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