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#justfliegermaedchenthings

Tetanusimpfung in der Arbeit. Während der Betriebsarzt die Impfung in meinen Impfpass einträgt, ziehe ich schon mal die Weste aus. Als er meinen linken Arm sieht, stutzt er. “Ooooh… schwere Zeiten gehabt?” Natürlich weiß ich, worauf er er hinauswill. “Ja, früher mal…” – “Das ist jetzt vorbei?” – ich nicke. “Das sieht ja wirklich wild aus… ” fängt er an, bewertet seinen Kommentar aber offenbar im gleichen Moment als unpassend. “Entschuldigung” sagt er und lächelt mich unsicher an. “Schon okay” antworte ich.

“Wann ist denn die nächste Impfung?” frage ich ihn noch. Er blättert eine Weile. “Das müsste dann 2021 sein. Du hast erst mal eine Zeit lang Ruhe vor den Nadeln.” Ich beiße mir auf die Zunge, um nicht loszulachen. In diesem Moment weiß ich, dass ich genau 3 Tage, bis zum Freitag, Ruhe haben werde bis sich das nächste Mal eine Nadel durch meine Haut bohren wird und keine 3 Jahre. Doch das weiß er nicht. Die breiten, weißen Streifen auf meiner Haut ziehen mehr Aufmerksamkeit auf sich als die kleinen, roten Punkte.

Als ich über die Messmaschine gebeugt stehe und gerade die nächste Welle einspannen will, höre ich es hinter mir miauen. Ich brauche mich gar nicht umzudrehen, um zu wissen, wer es ist. “Hallo H.” – “Hallo Fliegermädchen. Na, alles klar?” – “Geht so, habe heute irgendwie komisch geschlafen, ich stehe komplett neben mir. Habe versucht die Türe zur Halle mit der Fernbedienung vom Autoschlüssel aufzuschließen und lauter so Zeug.” – “Dann musst du mal 2 Bier vor dem Schlafengehen trinken! Glaub mir, danach schläfst du wie ein Baby!” – “Naja, da gibt es schönere Einschlafrituale als Bier trinken” antworte ich, ohne zu ahnen, wie dieser harmlose Satz noch verstanden werden könnte. “Du kiffst bestimmt.” – “Aha? Wie kommst du denn jetzt darauf?” – “Naja, du siehst einfach so aus.” – “Wie sieht denn jemand aus, der vor dem Einschlafen kifft?” – “So wie du eben. Deine Frisur, wie du dich anziehst…” – “H., du hörst das Gras wachsen.” erkläre ich ihm leicht amüsiert, “aber immer wieder spannend zu erfahren, wie ich auf andere Leute wirke.” – “Siehst du! Du streitest es ja nicht mal ab!” – “Dann wärst du ja noch mehr davon überzeugt, oder?” – “Stimmt. Du siehst irgendwie einfach so aus. Dass du härtere Drogen nimmst, glaube ich nicht, du bist nicht der Typ für sowas.” erklärt er mir überzeugt. Und ich lasse ihn in dem Glauben. Lieber bin ich die Kifferin, als dass die Wahrheit ans Licht käme.

Am Freitag schleiche ich mich kurz vor Ende der Mittagspause mit einem Teller Bärlauchcremesuppe zur Kassa der Kantine. Natürlich sind mir die Blicke der 3 Köchinnen in den letzten Wochen und Monaten nicht entgangen, aber ich habe sie gekonnt ignoriert. Offenbar so gekonnt, dass sich eine davon genötigt fühlt, mir ihre Meinung zu sagen. “Nur Suppe? Du bist doch eh schon so dünn…” – “…”

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