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Glorifizierung

Ich habe mal wieder einen Kommentar erhalten, den ich nicht unkommentiert stehen lassen möchte…

Es scheint, als würde es bei manchen Menschen so ankommen, als würde ich meine destruktiven Verhaltensweisen verherrlichen und glorifizieren und damit junge, unschuldige Kinder/Jugendliche in den Abgrund ziehen.

Auch ich war mal jung und ja, auch ich habe mir aus dem Internet viel Mist „abgeschaut“, ich habe das Extreme gesucht. Sei es, dass ich nach Bildern von extremen Selbstverletzungen gesucht habe, nach Diättipps, den berühmten „Thinspo-Videos“, oder nach Informationen über die Beschaffung und den Konsum von Substanzen. Letztendlich habe ich alles gefunden. Aber der Punkt ist, ich habe danach gesucht. Ich habe mich schon selbstverletzt, bevor ich diese Bilder angesehen habe, ich war schon essgestört, bevor ich nach Tipps gesucht habe um noch weiter abzunehmen, ich habe schon konsumiert, bevor ich mich online damit auseinandergesetzt habe. Ich bezweifle, dass eine 12-jährige, die mit sich und ihrem Leben rundum glücklich und zufrieden ist, auf meinen Blog stößt und innerhalb eines Jahres zu einem psychischen Wrack wird, bloß weil sie meinen Blog gelesen hat. Wer das Extreme sucht, wird es hier finden, das streite ich nicht ab. Und wenn nicht auf meinem Blog, dann irgendwo anders. Deswegen habe ich kein schlechtes Gewissen, deswegen ist der Schutz Anderer für mich kein Grund, hier nicht mehr zu schreiben.

Kommen wir zum nächsten Kritikpunkt: Glorifizierung. Das erstaunt mich ehrlich gesagt, denn ich persönlich habe den Eindruck, dass gerade in den Beiträgen der letzten Wochen und Monate sehr deutlich geworden ist, wie viel mir durch das alles genommen wurde, wie viel Schaden ich nicht nur an mir selbst, sondern auch in meiner Umgebung angerichtet habe. Ich wollte immer einen ehrlichen und authentischen Blog schreiben, aber wenn ich alles unter den Tisch fallen lassen würde, was die destruktiven Verhaltensweisen mir in schwierigen Situationen geben, wäre ich genau das nicht mehr: ehrlich und authentisch. Jeder normale Mensch ahnt, dass es irgendetwas geben muss, das die Leute dazu verleitet, sich zu schneiden, halb zu Tode zu hungern, zu kotzen oder Drogen zu konsumieren, denn sonst würden es schließlich nicht so viele tun. Das ist ein offenes Geheimnis. Und deswegen denke ich nicht, dass ich irgendjemandem etwas Neues erzähle, wenn ich schreibe, dass ich mich gut fühle, wenn ich komplett dicht auf dem Sofa liege oder wenn ich wieder abgenommen habe, geschweige denn, dass sich irgendein junger Mensch daraufhin denkt: „Oh, die schreibt, dass sie sich leichter fühlt, wenn sie ihr Mittagessen auskotzt- ich glaube das muss ich auch mal probieren!“ . Auch hier wieder der Punkt: Ich bezweifle, dass jemand, der im Reinen mit sich selbst ist, auf diesen Blog stößt und sich irgendetwas Destruktives abschaut. Die, die hier landen, stecken sowieso schon drin und wenn sie die Informationen nicht hier finden, finden sie sie woanders oder kommen selbst darauf.

Immerhin bin ich ja auch da gelandet, wo ich jetzt bin, ohne vorher meinen eigenen Blog zu lesen…

3 comments on “Glorifizierung

  1. Nunja.
    Fast alle haben Wir Kinder vom Bahnhof Zoo gelesen.
    Als Jugendliche.
    Und die allermeisten haben danach nicht angefangen zu drücken.
    Es hat Vor- und Nachteile, Drogen zu konsumieren.
    Das sollte jedem klar sein.
    Daß ein einziges Mal ausreichen kann, eine Abhängigkeit zu entwickeln,sollte ebenso jeder wissen.
    Wäre all das, was Du schreibst, so schlimm, frage ich mich, was mit den Erwachsenen ist, die als Vorbilder rauchen und/oder trinken.Einfach so.
    Alkohol tötet zusammen mit Zigaretten in Deutschland noch immer die meisten Menschen vor ihrer Zeit. Gerade Alkohol wird oft zu unkritisch gesehen.
    Ich finde, Du kannst in Deinem Blog schreiben, was Dir wichtig ist.
    Du schreibst ja nur über Deine Erfahrungen und greifst niemanden an.
    Vielleicht eine FSK 18 – Warnung voranstellen 😉 🙂 !!!
    Das wäre es doch.
    Och echt, da habe ich schon ganz andere Sachen gelesen….!

  2. Oh doch, da ist in letzter Zeit eine gute Portion Glorifizierung dabei. Weniger in der Form wie im Kommentar und von dir angesprochen. Aber: du kokettierst mit deinem Mut. „Seht her. Ich Trau mich. Nix zu verlieren“

    Am ehesten durch das englische „I dare“ zu beschreiben.

    • Ah okay, danke für die Erklärung, diesen Aspekt kann ich natürlich nicht von der Hand weisen. Für mich persönlich ist es eher mehr ein Grenzen austesten. Und es übt auch einen gewissen Reiz auf mich aus, gesellschaftliche Grenzen zu überschreiten. Woran das liegt weiß ich nicht, aber ich glaube, dass mich das in nächster Zeit beschäftigen wird.

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