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Themenfreitag #32 – Reisen

Ein Vorschlag, der letztens auch kam, war, dass ich doch mal etwas über meine Reisen erzählen soll. Seltsamerweise bilde ich mir irgendwie ein, schon mal etwas darüber gemacht zu haben, ich konnte aber nirgendwo einen Themenfreitagsbeitrag dazu entdecken.

Als ich noch mit meiner Familie auf Urlaub gefahren bin, waren die typischen Rieseziele: Österreich, Türkei, Tunesien, Griechenland. Unsere Österreich-Urlaube waren immer sehr aufregend und abwechslungsreich, während der Rest eher so typischer “Massentourismuskram” war, von dem ich damals schon wusste, dass er nicht mein Ding ist. Deswegen möchte ich mir nur ein paar eher außergewöhnliche Reisen hinauspicken und darüber mehr erzählen, aber vorher zumindest mal eine Auflistung an Ländern geben, deren Boden ich schon mal betreten habe, auch wenn es oft nur ein paar Stunden waren:

Deutschland, Frankreich, Tschechien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, England, Estland, Schweiz, Slowenien, Ungarn, Tunesien, Griechenland, Türkei, Südafrika.

Starten wir mit der weitesten Reise meines Lebens. Sie führte mich mit meiner Oma nach Südafrika. Wir haben dort lebende Verwandte, die meine Oma schon immer mal besuchen wollte, doch aufgrund mangelnder Englischkenntnisse traute sie sich nicht alleine. Ich war damals 14 Jahre alt, so eine weite Reise war wirklich ein Abendteuer für mich, noch dazu ohne meine Eltern und meine Schwester. Trotzdem war es irgendwie eine Ernüchterung.

Landschaftlich ist es dort wunderschön, keine Frage. Besonders, wenn man nur Europa kennt, dort ist einfach alles ganz anders. Besonders fasziniert haben mich diese kilometerlangen, schnürlgeraden Straßen. Da gibt es Straßen, die gehen in einer geraden Linie bis zum Horizont. So etwas habe ich davor noch nie gesehen. Ich habe auch zum ersten Mal in meinem Leben einen Skorpion gesehen- passenderweise bei uns im Garten.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite, die mir massiv zu schaffen machte, war dieses ständige eingesperrt-sein. Das ist der Grund, weshalb ich dort dauerhaft nicht leben könnte. Entweder du hast dort dein eigenes Grundstück mit meterhoher Mauer, Stacheldraht und Alarmsicherung oder du lebst in einer Art “kleinem Dorf”, das auch durch eine große Mauer abgeschirmt ist und nur durch einen Kontrollzugang mit Wachpersonal betreten werden kann. Aber so mit: “Ich brauch mal Ruhe von den ganzen Menschen, ich geh mal eine Stunde in der Pampa spazieren” , wie ich es sonst gerne mache, ist da nicht. Selbst kürzeste Strecken, die ich sonst einfach zu Fuß gehen würde, fährt man dort. Mit eingeschaltener Zentralverriegelung, versteht sich, grundsätzlich. Nachts ist es übrigens gängige Praxis, an ampelgeregelten Kreuzungen bei rot nicht stehen zu bleiben, wenn kein Auto kommt. Dass man erst mal die Alarmanlage deaktivieren muss, wenn man aufsteht, weil man sonst am Weg in die Küche den Alarm auslöst… das war etwas, daran konnte ich mich bis zum Schluss nicht gewöhnen. Ich weiß auch noch, dass das Internet entsetzlich langsam war. Ich fühlte mich dort sehr fehl am Platz und hatte oft ein bisschen Heimweh. Außerdem waren Weihnachten und Silvester bei Sommerwetter unfassbar unromantisch. Heute könnte ich damit vielleicht schon anders umgehen, aber damals habe ich mich sehr einsam und abgeschnitten von der Außenwelt gefühlt.

Meine erste Reise alleine ist mir auch in besonderer Erinnerung geblieben. Damals war ich 17 und es ging 3 Wochen lang auf Schülerautausch nach Finnland. Wir waren aus unerer Klasse zu 5., aber da ich bis wenige Wochen vor Anreise nicht wusste, dass ich überhaupt mitkann, hatten die anderen die Flüge schon gebucht und ich musste einen anderen Flug nehmen. Die anderen verbrachten das gesamte Wochenende in Helsinki, ich kam am Samstag Abend dazu und wir fuhren mit dem Bus nach Tampere. Dort quartierten wir uns in der reservierten Jugendherberge ein. Es war unglaublich aufregend, das erste Mal quasi auf sich alleine gestellt so weit weg von zuhause. Natürlich hatten wir auch eine Ansprechpartnerin vor Ort, aber trotzdem war sehr viel Selbstorganisation notwendig. Auf dieser Reise lernte ich das Land und die Leute kennen und lieben. Die Jungs aus unserer Austauschklasse waren echt genial, wir unternahmen auch einige Male außerhalb der Schule etwas zusammen. Eines unserer Lieblingsspiele war, uns gegenseitig Texte in der jeweiligen Fremdsprache vorzulesen und uns dann darüber halb umzukommen vor lachen. Auch die Lieblingswörter waren schnell gefunden: Einer unserer Klassenkollegen hatte irgendwo mal das Wort “Panzerwagen” aufgeschnappt, das er unentwegt zum besten gab, während ich mich auf der Stelle in das Wort “pöytäkirja” verliebte. Allgemein taugt mir die Sprache ungemein, Finnisch hört sich selbst beim Fluchen noch niedlich an (nach der Reise habe ich mir sogar Lernunterlagen besorgt, aber es ist schwierig, eine Sprache zu lernen, wenn man sie eigentlich nicht verwendet). Schnell kamen wir dahinter, dass es doch in einem relativ hohen Prozentsatz der Fälle richtig ist, an das deutsche Wort einfach ein i dranzuhängen, wa dann zu interessanten Satzkreationen wie: “Oszilloskopi totalli kaputti!” führte.

Landschaftlich war es einfach nur Wahnsinn. Von den 21 Tagen hatten wir zwar nur an 2 schönes Wetter (es war Oktober/November), aber diese 2 Tage waren unglaublich. An einem davon war zufälligerweise Samstag und wir borgten uns Kanus aus und fuhren auf einem großen See herum. Das war einfach der Wahnsinn, der strahlend blaue Himmel, der See, der so groß ist, dass man ihn nicht überblicken kann, diese Inseln, an denen wir dann an Land gingen um sie zu erkunden, und überall Wald, Wald, Moos, Natur… wenn ich jemals auswandere, dann nach Finnland, soviel ist klar.

Die Menschen sind alle unglaublich freundlich und sprechen sehr gut Englisch, was aber auch einleuchtet wenn man bedenkt, dass sich niemand die Arbeit macht, für 5 Millionen Menschen einen Film zu synchronisieren und es daher Spielfilme normalerweise nur auf Englisch gibt. In Finnland ist auch die Metalszene zuhause. Wenn hier ein erwachsener Mann mit langen Haaren, komplett schwarz gekleidet mit Ledermantel herumläuft, schauen ihm die Leute hinterher. Dort gehört das zum alltäglichen Straßenbild, da schaut auch niemand doof wenn dieser Mann schon 40 oder 50 ist. Ganz im Gegensatz zur ersten geschilderten Reise habe ich mich dort sehr wohl und aufgehoben gefühlt.

Die nächste Reise, über die ich erzählen will, ist die Maturareise. Anstatt in ein einwöchiges Saufgelage zu investieren, entschied ich mich mit einer Freundin für den Klassiker: Interrail. Wir hatten einen groben Plan, wohin es gehen sollte: Skandinavien. Die genaue Reiseroute ergab sich dann erst im Verlauf der Reise. Es ging quer durch Deutschland über Dänemark nach Schweden, von dort rauf nach Norwegen, da wir dort dann nicht mehr weiterkamen, zurück nach Schweden und von dort aus weiter nach Finnland. Danach mit der Fähre zurück nach Dänemark und letztendlich über Prag nach Hause. Wir haben unglaublich viel erlebt und viele Schwierigkeiten gemeistert und wenn ich da anfangen würde zu erzählen, wäre ich morgen noch nicht fertig. Züge konnte ich danach allerdings eine Zeit lang keine mehr sehen, ich bin aber der Meinung, dass das etwas ist, was jeder mal gemacht haben sollte. Man lernt unglaublich gut, mit wenig auszukommen, zu improvisieren, zu kommunizieren und mit seinem Reisepartner zusammenzuarbeiten. Allerdings ist es kein Urlaub in der Form, dass man total erholt wiederkommt, denn ich habe es auch als sehr nervenaufreibend in Erinnerung. Hinterher war ich totmüde und musste mich erst mal von der Reise erholen und ich denke auch nicht, dass ich es nochmal machen würde- aber ich bereue es definitiv nicht und kann es wie gesagt nur jedem empfehlen, so etwas einmal im Leben zu machen.

Die vierte und letzte Reise, die ich erwähnen möchte, ist eine, die auch hier im Blog vertreten ist, weswegen ich nicht viel dazu sage (mehr wer wissen möchte, kann ja nachlesen): Nämlich mein Urlaub  im Oktober 2016 in Griechenland. Das war meine erste Reise, auf der ich durchgehend ganz alleine unterwegs war und ich habe auf dieser Reise einiges über mich selbst gelernt. So etwas würde ich sofort wiedermachen. Als ich da stundenlang alleine durch die Pampa gewandert bin, war ich ganz bei mir. In dem Moment war einfach alles vollständig. Und auch wenn ich immer dachte, ich brauche andere Menschen nicht, hat mir diese Reise eine Lektion erteilt. Nur ins Tagebuch schreiben, reicht noch lange nicht, um Dinge zu verarbeiten. Was war ich froh, wenn ich der Rezeptionistin am Abend erzählen konnte, was ich den Tag über so gemacht hatte und die ganzen Erlebnisse sortiert und verarbeitet waren. Also auch wenn ich es nicht gerne zugebe und wünschte, es wäre anders: Auch ich bin auf Menschen angewiesen, die mir zuhören, um Eindrücke verarbeiten zu können.

Auf dass noch viele weitere Reiseerlebnisse folgen! 🙂

 

2 comments on “Themenfreitag #32 – Reisen

  1. Viele, viele, viele 😊

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