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Ein nachdenkliches Jahresende…

Ich war heute wie jedes Jahr am Heimatflugplatz. Es gehört fast schon zum Silvesterritual, den Nachmittag dort zu verbringen, unabhängig davon ob das Wetter zum Fliegen taugt oder nicht.

Ich betrete das Flugplatzgebäude und blicke in großteils bekannte Gesichter. Meinen ehemaligen Fluglehrer finde ich auf einer Bank sitzend.

Wenn er nicht gewesen wäre, wäre ich heute definitiv fliegerisch nicht auf meinem heutigen Stand. Er hat so viel für mich getan, mich jedes Mal vom Bahnhof abgeholt, weil ich damals noch keinen Führerschein hatte, mir geholfen, Sonderregelungen zur Finanzierung auszuhandeln, kein einziges Mal Fluglehrergebühr verlangt, mich mal hier zum Essen eingeladen, mal da. Wir haben so viel zusammen erlebt, so viele unglaublich emotionale Momente. Er hat mich so oft im Flieger mitgenommen und nie etwas dafür verlangt. Definitiv mein fliegerisches Vorbild, im Sommer lebte er mehr am Flugplatz als sonst wo, einfach so ein Mensch, für den die Fliegerei alles ist. Und dass er am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich, schweißt noch mehr zusammen.

Und nun sitzt er da wie ein Häufchen Elend, ich setze mich zu ihm und frage ihm wie es ihm geht. “Nicht gut… ich hab vor Weihnachten die Diagnose Parkinson bekommen. Das war es dann wohl mit der Fliegerei.”

Ich sitze da und weiß nicht was ich sagen soll. Diesen Menschen gibt es für mich nicht ohne der Fliegerei und die Vorstellung, dass er nicht mehr fliegen soll, bricht mir das Herz. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es sich für ihn anfühlen muss. Auch wenn ich ihn nachher zu jemand anderem sagen höre: “Aaach, ich bin doch eh schon so viel geflogen in meinem Leben!” traue ich mich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass es ihn innerlich auffrisst.

Es ist hart zu sehen, dass der Mensch, der mich im fliegerischen Sinne “großgezogen” hat, nun so am Boden zerstört ist.

 

2 comments on “Ein nachdenkliches Jahresende…

  1. Oh nein, das ist wirklich schwer zu verdauen. :-/
    Der Arme, dass sowas aber auch immer die nettesten Menschen treffen muss :-/

  2. Ist das kein Schubs für dich, zu sagen “Dann schmeiß ich die Medis und die Kaputtmacherei weg und flieg ihn?” “Dann übernehm ich die Verantwortung und flieg wieder mit ihm an Bord”

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