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Ich sehe rot

Freitag war eine Vollkatastrophe. Seit ich weiß, dass in der Arbeit über mich geredet wird, fühle ich mich zunehmend unsicher. C. machte das ganze nicht besser, als er sagte: “Du bist so ruhig, von dir kommt so wenig. Wenn ich mich mit unserem Chef unterhalte, stehst du einfach nur daneben und sagst nichts.” – “Was sollte ich denn sagen? Ihr kennt euch doch viel besser aus als ich, da kann ich nicht mitreden!” – “Aber du könntest Fragen stellen, wenn dir etwas unklar ist. Ich weiß schon gar nicht mehr was ich dir zeigen soll, von dir kommt einfach nichts.” Seitdem bin ich wieder voll in der “Ich bin nicht richtig wie ich bin”- Schiene drin.

Dass am Abend die Firmenweihnachtsfeier bevorstand, machte die Sache nicht unbedingt besser. Noch dazu hatte sich herumgesprochen, dass der Chef beschlossen hatte, die Sitzordnung auszulosen- essen und dabei zwanghaft Smalltalk mit Fremden führen, schlimmer geht es schon fast nicht mehr. Gleich nach der Ankunft erkundete ich die WC-Anlagen, nur um festzustellen, dass man zwar in einen extra Schminkraum investiert, dafür aber auf vollständig abgetrennte Kabinen verzichtet hatte. Also keine Chance, das Gegessene unauffällig wieder loszuwerden. Was soll ich sagen… laut, viele Menschen, ich stand da wie angewurzelt und war unfähig, zu kommunizieren. “Heillose Überforderung” beschreibt meinen Zustand wohl am besten. Aber der traurige Höhepunkt des Abends war damit noch nicht erreicht. Der kam, als ich gegen 22:00, kurz vor Ende des “Pflichtprogramms”, einem körperlichen Bedürfnis folgend die Toilette aufsuchte. Ich zog mir Hose und Unterhose hinunter, setzte mich hin… und mein Blick blieb an dem roten Fleck auf der Innenseite meiner Unterhose haften. Bitte lass das nicht wahr sein. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht heute. Bitte, bitte, lass das nicht wahr sein. Ich fühlte mich um 12 Jahre zurückversetzt, als ich mit ebenso großem Entsetzen auf einen solchen Fleck gestarrt hatte. Ich schämte mich genauso wie damals in Grund und Boden. Im Anbetratcht der Tatsache, dass die Sessel im Saal weiß bezogen waren, hätte es zwar durchaus schlimmer kommen können, wenn ich das ganze später bemerkt hätte, aber dennoch war die Feier damit endgültig gelaufen. Ich wollte nur mehr nachhause und mich abschießen, um die schrecklichen Spielchen zu vergessen, die mein Körper mit mir treibt.

Den Plan setzte ich mal wieder äußerst erfolgreich in die Tat um…

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