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Untergegangen

Dass ich Nadine letzte Woche abgeholt habe, ist irgendwie untergegangen in der Hitze des Gefechts.

Das Warten war schrecklich. Auf diese Anzeige zu starren und zu warten. Angst zu haben, dass irgendetwas schief gegangen ist, dass sie doch nicht wiederkommt. Immerhin hat sie die Nacht mutterseelenalleine auf irgendeinem tunesischen Flughafen verbracht.

Dann sah ich sie, als sie bepackt bis obenhin durch die offenen Schiebetüren trat. Obwohl ich nur 2 Meter vor ihr stand, übersah sie mich erst mal. Ich ging ihr hinterher. Ich rief ihren Namen, sie drehte sich um, sah mich… und was dann kam, war einfach so typisch Nadine.

Sie ließ einfach alles fallen, warf sich in meine Arme, quietschte wie am Spieß und wirbelte mich im Kreis herum. Die Leute in der Umgebung schauten teilweise leicht irritiert, aber das war ihr egal. Ich feiere sie dafür, dass ihr so etwas egal ist.

Gefühlte 5 Minuten standen wir so da, uns umarmend, und das war ganz gut so. So konnte sie meine Tränen nicht sehen. Weil ich daran denken musste, wie sie sich vor ihrer Abreise von mir verabschiedet hatte, und gefragt hatte, ob wir uns wiedersehen. Ich glaube, sie hatte irgendwo damit gerechnet, dass ich sterbe, während sie weg ist.

Wie könnte ich dich je alleine lassen, Nadine.

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