2 Comments

50%

“Wenn ich mich am Montag noch an 50% vom Wochenende erinnern kann, bin ich gut” habe ich am Freitag irgendwem geschrieben, nachdem ich endlich den zweiten Umschlag aus meinem Postkasten gefischt hatte, und ich weiß noch nicht mal mehr wem. Damit, dass es so heftig werden würde, hatte ich dann allerdings doch nicht gerechnet. Dafür ist es immer ein Erlebnis für sich, sich am Sonntag Abend die Chatverläufe der letzten 48 Stunden durchzulesen und damit das Wochenende aufzuarbeiten.

Wenn ich gewusst hätte, was passieren wird, hätte ich Melanie auch nicht versprochen, sie Samstag Mittag in der Psychiatrie zu besuchen. Eigentlich hatte ich ja geplant, Samstag Vormittag wegen meiner Rippen zum Arzt zu fahren. Dieses Vorhaben ließ ich dann aber bleiben, nachdem ich nicht in der Lage war, vom Sofa zum Klo zu gehen, ohne mich irgendwo festzuhalten. Außerdem tat das Zeug in meinem Blut sowieso sein Übriges und ich war so schmerzfrei wie schon lange nicht mehr. Anstatt zum Arzt zu fahren, legte ich mich also erst mal eine Stunde schlafen, danach hatte ich halbwegs das Gefühl, mich unter Menschen begeben zu können, was ich allerdings sofort wieder bereute, als ich versuchte, die Treppen hinunterzugehen. Seitlich, mich am Geländer festhaltend, ging es dann irgendwie. Am Weg zu Melanie hatte ich nicht nur einmal das Gefühl, mich auf der Stelle anzureihern mal abgesehen davon, dass ich den Eindruck hatte, auf einem schwankenden Schiff zu gehen. Ich vermied es tunlichst, dem Pfleger in die Augen zu sehen, als ich die Station betrat und nach Melanie fragte. Kaum war die Stationstür hinter uns zugefallen, fragte ich sie: “Gehe ich irgendwie komisch? Oder rede ich anders als sonst?” – “Nein, alles ganz normal.” Ich war so froh. Am Anfang war ja alles noch ganz lustig und angenehm gewesen, aber mittlerweile wünschte ich mir doch wieder meinen Normalzustand zurück.

Der Besuch bei Melanie war irgendwie anders als sonst. Wir haben sehr viel über das Thema geredet, das auch mich aktuell beschäftigt: Tod, sterben. Dazwischen immer wieder betretenes Schweigen. Weil man so viel davon auch gar nicht in Worte fassen kann. Und trotzdem ist es bei mir irgendwie anders als bei ihr. Sie hat das Gefühl, nie richtig gelebt zu haben, dass ihr die Krankheit ihr ganzes Leben genommen hat. Das ist bei mir eben nicht der Fall. Ich habe und hatte immer dieses 0815- Leben neben der Krankheit, Schule, Hobbies, Job, all das. Und doch ist das Ergebnis das gleiche.

Und trotzdem haben wir auch herumgealbert und es war einfach schön. Ich hatte ein gutes Gefühl, als ich wieder gegangen bin.

Von gestern auf heute habe ich mich- natürlich nicht ohne irgendetwas- einfach mal ausgeschlafen. Unter der Woche nicht mehr als vier oder fünf Stunden pro Nacht geschlafen, dann Freitag auf Samstag quasi durchgemacht (dicht auf dem Sofa liegen und schlafen bringt nicht denselben Erholunsgeffekt)… ich war fertig. 10 Stunden später fühlte ich mich  wieder halbwegs lebendig. Ich kann mich dunkel daran erinnern, irgendwann am Vormittag mal mit meinem ehemaligen Physiklehrer telefoniert zu haben, im Zuge dessen bin ich wohl auch mal aufgestanden, mir ist mein Handy runtergefallen und der Akku ist rausgegangen. Kann mich noch dunkel erinnern, dass ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht habe, bis ich den wieder drinnen hatte und als ich heute Mittag wieder ganz da war, stellte ich fest, dass laut meinem Handy der 01.03.2010 war.

Morgen ist Montag. Auf in die Realität. Und das auch noch nüchtern. Bäh. Ich mag, dass wieder Freitag ist.

 

Advertisements

2 comments on “50%

  1. *lach* und im selben Moment dickes Sorry für ‘s Lachen aber mich erinnert das irgendwie gerade an den Song von Machone “Selbstzerstörung” , von wegen Chatverlauf danach angucken usw. 😉 (weiß nich ob’s deine Musik ist aber in ‘ner Musestunde kannst du ja mal auf YouTube nach dem Titel suchen, ist eigentlich ganz gut gemacht 😉 ) Außerdem kennen ich’s selber, hab’s am WE selber “schneien” lassen und nun ist alles eher PfUiiii! >.< (außerdem niiiie wieder Pfeffi, bäh! Wenn man beim Zähneputzen würgen muss weil's einen an den Schnaps erinnert läuft irgendwie was falsch…)

    Was das Postfach betrifft.
    Klar stimmt schon, ob die einen nun da oder zu Hause abpassen ist im Endeffekt Latte… Keine Ahnung aber vielleicht macht das ja so gar auch paar Prozent vom Kick aus das man was Verbotenes tut, ist bei mir jedenfalls manchmal so. Ich finde es manchmal so gar ganz reizvoll mit der "Obrigkeit" bissel Katz und Maus zu spielen, Adrenalinpusch halt der auch richtig anzecken kann… (wenn's denn glatt geht, ansonsten Abtörn hoch 10 is' klar 😉 )

    Na ja aber was quarke ich dir hier eigentlich voll??? *lach* Seh 's halt einfach so das nächste WE kommt bestimmt und bis dahin bietet die Realität auch reichlich Aktion, man muss es nur erkennen bzw bissel kreativ sein. Z.Bsp.: statt stumpfes Gemüse schnippeln, mutiere ich zum "Gurkenninja" und mache mir lieber 'nen Spaß drauß. 🙂 Alltag muß nicht zwangsläufig alltäglich sein! (Schön gesagt ne!? ^^)

    Passe auf dich auf und alles Gute. 🙂

    • Oh Gott, dieses Lied, ich brech ab 😀 😀 😀 Das ist so ein Ohrwurm, es spielt die ganze Zeit in meinem Kopf. “Da war ich wohl im Selbstzerstörungsmodus, aber alles wird gut, alles wird gut…” Boah ich kann nicht mehr 😀 Made my day!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: