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Verkriechen

Ich sitze in meinem Zimmer, als meine Mutter reinkommt, und mich fragt, ob ich etwas essen will. Ich lehne ab. “Du würdest es ja sowieso wieder rauskotzen!” sagt sie. Ich erstarre. “Woher weißt du das?” frage ich sie. “Na das sieht man doch an deinen Hamsterbacken!”und mir wird schlagartig bewusst, dass sie jetzt alles weiß. Wohin die ganzen Lebensmitteln verschwinden, die nach meinen Medanbesuchen fehlen. Warum ich nach jedem Essen unter einem Vorwand die Wohnung verlasse. Was mit dem Essen passiert, das sie mir immer mitgibt. Ich sehe ihren enttäuschten Blick und möchte am liebsten im Boden versinken.

Dann wache ich auf. Mein T-Shirt ist nassgeschwitzt und ich möchte einfach nur eine Klinge nehmen und die ganzen Gefühle wegschneiden. Mit etwas Abstand gesehen ist es faszinierend, dass nicht reale Träume absolut reale Gefühle erzeugen können. Es kostet mich selbst Stunden später unglaubliche Überwindung, vor die Tür zu gehen, weil ich das Gefühl habe, dass mir jeder die Essstörung ansehen kann.

Es wird kühler. Und auch wenn ich beinahe 10kg mehr wiege als vor einem Jahr, krieche ich noch immer mit Flauschweste und gefütterter Trainingshose ins Bett und ziehe mir die Kapuze über den Kopf, weil mir sonst zu kalt ist. Die Wollsocken habe ich auch schon wieder ausgepackt.

 

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