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Einfach zu viel

Werde morgen in der Visite vermutlich sagen, dass ich nach Hause will. Es ist einfach alles zu viel gerade. Ich stehe vor einem Berg Arbeit und weiß nicht, wo ich anfangen soll. Morgen geht meine Zimmerkollegin nach Hause, gestern wollten wir uns mit ein paar Ex-Mitpatientinnen in der Stadt treffen und ihren Abschied feiern. Das wäre der erste Ausgang gewesen, den ich nicht zum Kotzen genutzt hätte. Und was war? Genau, ich hatte davor Einzel. Und während mein Therapeut in den ganzen letzten Wochen gepredigt hatte: “Es geht doch noch gar nicht um Veränderungen Frau A., wir möchten doch erst mal nur verstehen!” bekam ich gestern eines auf den Deckel, weil man mich beim Treppensteigen gesehen hatte. Ja, das mache ich, entweder vor oder nach dem Essen, Zehnmal rauf und runter. Irgendwo muss man ja ein bisschen Bewegung bekommen, wenn man jeden Tag bis auf 3 Stunden eingesperrt ist. Hat er nicht verstanden. Das sei dysfunktionales Verhalten, unter den Umständen könne man mich nicht in die Vertiefungsphase lassen. Klar, wenn ich dann in der Vertiefung zweimal die Woche Trainingstherapie habe und beim Nordic Walking mitgehen darf, verbrenne ich ja soooo viel weniger Kalorien als mit dreimal Treppensteigen pro Tag. Außerdem nehme ich ja verdammt nochmal zu, obwohl ich Treppen steige. Wo also ist das verdammte Problem?!

Bis morgen soll ich mir übrigens überlegen, wieso die Essstörung gerade im Winter 2016 begonnen hat. Ich habe verdammt nochmal keine Ahnung und ich bin es langsam leid, vor unlösbare Aufgaben gestellt zu werden. Mir irgendwelche Pseudo-Erklärungen aus der Nase ziehen zu müssen, von denen ja sowieso keiner weiß, ob sie tatsächlich stimmen. Mir eine Skillskette überlegen zu müssen, die keine Skills beinhalten dürfen, die mit Bewegung zu tun haben, weil das ja seit neuestem bei mir dysfunktional ist. Mir eine Skillskette überlegen zu müssen für Situationen, in denen Skills schlicht und einfach nicht helfen- wenn ich vor dem Teller sitze und das einfach nicht essen kann, bringt es genau gar nichts, mir ein Coolpack auf den Arm zu klatschen oder in eine Chilischote zu beißen.

Seit einem Monat schlafe ich nicht mehr als 5 Stunden pro Nacht. Letzte Woche in der Visite habe ich das angesprochen, ob das davon kommen kann, dass ich davor so viel Trittico genommen habe- und wenn ja, wann das denn wieder weggeht. “Nein, Trittico macht ja nicht abhängig. Das sind wahrscheinlich Ihre Gefühle, die Sie nicht schlafen lassen, Sie müssen sich mit Ihren Gefühlen beschäftigen!” Klar, Trittico macht nicht abhängig. Macht es vielleicht auch nicht, aber die Warnung vor Absetzerscheinungen im Beipackzettel ist dann ja wohl auch nur zur allgemeinen Belustigung gedacht? Und ja, wenn ich sehr stark in Gefühlen drinstecke, kann ich nicht schlafen, das kenne ich. Um genauer zu sein: Kann ich nicht einschlafen. Einschlafen kann ich ja, ich bin bloß alle 1-2 Stunden wach und spätestens ab 5 geht gar nix mehr.

Hab mich übrigens heute mehr oder weniger aus der Kunsttherapie disqualifiziert. Also ich weiß es eigentlich nicht genau. War eh schon total gestresst, und musste dann auch noch zur Kunsttherapie-Einführung (ääähm… ich war 2015 da? Ich weiß noch wie das geht?). Dementsprechend nicht motiviert war ich, sie fragte irgendwas, ich antwortete “Nichts”, sie fragte nach, ich sagte, dass ich das jetzt nicht diskutieren möchte. Sie meinte, ich solle nachher noch 5 Minuten dableiben. Ich sagte, dass ich das jetzt gerade nicht möchte und kann, dass wir uns gerne später unterhalten könnten. Verstand sie nicht. Als ich nach der Einführung aufstand um den Raum zu verlassen meinte sie, dass ich so lange nicht zur Kunsttherapie könne, bis das geklärt sei. Ich meinte, dass das ja nichts mit ihr oder der Kunsttherapie zu tun hätte, sondern dass es jetzt gerade einfach nicht geht (wie oft muss man sowas eigentlich wiederholen, bis die Leute das verstehen?). “Achsoo, ich dachte, das sei im Bezug auf die Kunsttherapie.” Ich verneinte, verabschiedete mich und ging. Keine Ahnung, ob ich morgen zur Kunsttherapie darf, ich werde halt einfach mal mit rübergehen. Mehr, als dass sie mich wieder wegschickt, kann ja nicht passieren.

 

2 comments on “Einfach zu viel

  1. Böse wie fies die sind und auch nicht erklären was die denn wollen. Gerade skillketten. Naja das mit den Treppen kann ich verstehen. Zu dem Thema Skills ohne Bewegung kann ich was Beitragen.bwenn ich angespannt bin. Renne ich im Kreis. Also hilft mir Bewegung nicht ich steigere mich sogar rein. Also exe ich erst sehr sprudliges Mineralwasser. Dann eine brausetablette zerreißen und den Mist in dem Magen. Damit ist man abgelenkt dann Stelle ich mich auf ein Coolpack und atme Engelwurz oder Lavendel.
    Mhh die verlangen echt viel. Sprich wirklich an wie du dich überfordert fühlst. Bitte kapituliere nicht. Forder mehr Hilfe ein. Und wegen dem Warum denn eine esstorung. Vielleicht musst du nicht sagen Warum. Vielleicht hilft schon zu gucken was denn damals los war. Hast ja auch den Blog. Kannst quasi nachlesen. Das mit dem Schlaf ist Mist. Gibt es was anders als tritt… Dingens. Helfen Atypische neuroleptika?
    ich schicke dir ganz viel Kraft.

  2. Die verlangen echt viel? Lol. Ich sehe nur, dass sie nichts gegen das Kotzen, abnehmen, Untergewicht etc tun. Sie darf krank bleiben, ja wtf wozu dann Klinik? Vom verstehen gesundet man nicht, da muss man was tun. Also – müsste, wenn man etwas ändern wollte. Da das aber offenbar nicht der fall ist: Gute Heimreise!

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