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Käseweckerl-Fiasko

Gestern nach dem Tanzen fahre ich einkaufen. Mittwoch war bisher der einzige Tag der Woche, an dem ich etwas halbwegs Vernünftiges zu Mittag gegessen habe, um Energie fürs Tanzen zu haben. Gestern habe ich es mal nicht getan und festgestellt, dass ich davon auch nicht weniger Energie habe, also kann ich es weiterhin bleiben lassen. Da ich nach dem Einkaufen aber noch zum „Dealer meines Vertrauens“ muss, ist mir klar, dass es weit nach 20:00 sein wird, bis ich zuhause bin und dann noch etwas essen? Auf keinen Fall.

Da sehe ich im Supermarkt dieses gefüllte Sonnenblumenkernweckerl liegen. Ich nehme es, studierte die Zutatenliste. 110g, gefüllt mit Salat und Rahmbrie. Ich lege es wieder zurück und gehe weiter. Der Hunger zieht mich wieder an die Kühltheke. Gefühlte 5 Minuten starre ich einfach nur dieses Käseweckerl an und lasse die zwei Stimmen in meinem Kopf streiten.

Komm, es sind doch nur 110 Gramm. Selbst wenn es ausschließlich aus Käse bestehen würde, wären es nicht mal 500 Kalorien. Nicht mal?! 500 Kalorien, das isst du sonst an einem ganzen Tag! Ja, aber da ist Brot auch dabei, und Salat. Es sind sicher nicht 500 Kalorien, und tanzen warst du auch gerade. Trotzdem, überleg mal, wie viele Kalorien du sparst, wenn du das jetzt NICHT isst. Wolltest du nicht den Dreier an erster Stelle, hm? So wirst du das nie schaffen. Vielleicht will ich das ja gar nicht mehr? Willst du wohl. Und überleg mal, was sich die Leute denken, wenn sie dich sehen, wie du im Auto sitzt und das Weckerl isst. Die sehen jemanden, der sich nicht mal beherrschen kann, bis er zuhause ist und in Ruhe bei Tisch essen kann. Willst du dich wirklich so schwach und unbeherrscht in der Öffentlichkeit zeigen? Das ist doch normal, dass man unterwegs isst, wenn man keine Zeit hat. Das macht doch jeder mal! Und wenn alle von der Klippe springen, springst du auch, oder was? Willst du wirklich das wegwerfen, was dich besonders macht, nur weil es andere nicht tun?…

Eine gefühlte Ewigkeit später hole ich meinen Entscheidungseuro aus der Jackentasche. Auch wenn es verrückt klingt, oft lasse ich die Münze entscheiden, ob ich etwas esse oder nicht. Wenn das Ergebnis „essen“ lautet, kann ich mein schlechtes Gewissen ein wenig beruhigen (ich habe ja nur getan, was die Münze gesagt hat), wenn das Ergebnis „nicht essen“ lautet, habe ich eine Ausrede, warum ich nichts esse (und wenn ich es wirklich so nötig hätte zu essen, hätte das Schicksal ja wohl dafür gesorgt, dass die Münze auf der anderen Seite zum Liegen kommt). Ich lege Zahl für „essen“ fest. Die Münze landet… auf Zahl. Verdammt. Oder Juchu? Egal, die Münze hat entschieden. Das Weckerl wandert in den Einkaufswagen.

10 Minuten später sitze ich im Auto und hole das Weckerl aus der Verpackung. Vorher kippe ich sicherheitshalber einen dreiviertel Liter Wasser in mich hinein, damit ich mich schon voll fühle, bevor ich überhaupt etwas gegessen habe. Vorsichtig beiße ich hinein. Es ist ein ungewohntes Gefühl, die Konsistenz fühlt sich fremd an. Wann habe ich zuletzt ein belegtes Weckerl gegessen? Oder überhaupt Brot? Himmel, ich habe keine Ahnung mehr. Und Käse, besonders so fettigen wie Rahmbrie? Irgendwann, vor einem Monat mal, habe ich eine Pizza gegessen, da war Käse drauf. Aber hinterher habe ich gekotzt, zählt das dann überhaupt als „ich habe etwas mit Käse gegessen“?

Fakt ist: Es ist unfassbar gut. Und ich schäme mich, dass ich dieses ganze Fett im Käse und die ganzen Kohlenhydrate im Weckerl auch noch lecker finde. Ich bin wütend auf mein Gehirn, dass es noch immer nicht kapiert, dass Fett und Kohlenhydrate böse sind, dass man die nicht lecker finden darf. Ich sollte mich doch zieren, wie es die ganzen Magersüchtigen in den Dokus tun, das Weckerl in jeden einzelnen Krümmel zerlegen, den Käse überlassen und am Ende nur das Salatblatt essen. Aber nein, ich habe null Selbstbeherrschung, esse das Weckerl und den Käse auch mit und in meinem tiefsten Inneren gefällt es mir auch noch. Ich fühle mich dreckig, als hätte ich irgendwelche perversen Phantasien, die ich nicht haben darf.

Zumindest verläuft so die Fahrt zum „Dealer meines Vertrauens“ etwas konzentrierter ab als sonst, denn mein Körper ist erst mal zufrieden und hört vorrübergehend auf, meine innerliche Leinwand mit Bildern von und Gedanken an Essen zuzuspamen.

Als ich mit meiner Beute wieder zuhause bin, stelle ich mich sofort auf die Waage. 900g mehr als in der Früh. Aber okay, das ganze Wasser ist ja noch in mir drin.

Trotzdem frisst mich das schlechte Gewissen in der Nacht halb auf. Wieder nicht mal 5 Stunden Schlaf, ehe ich heute viel zu früh aus dem Bett krieche und noch aufräume und Geschirr abwasche.

Ich hoffe, die Münze entscheidet nächstes Mal anders.

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