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Die beste Entscheidung

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Der Urlaub war die beste Entscheidung seit langem. Einfach raus, alles zurücklassen. Obwohl es “nur” 5 Tage waren, kam es mir gestern vor, als wäre ich schon ewig da. Die Bedenken wegen dem alleine Reisen waren unbegründet, mir ist die Decke nicht auf den Kopf gefallen, im Gegenteil. An 2 Tagen bin ich insgesamt 25km gewandert, in einem Gebiet, in dem kaum jemand unterwegs ist. Insgesamt sind mir vielleicht 15 Menschen begegnet. Das waren die schönsten Stunden seit langem. Einfach nur ich und die Natur. Wenn ich einmal losgehe und diesen inneren Rhythmus gefunden habe, könnte ich stundenlang weitergehen. Und dann auf diesem Berg zu stehen und so tief unter mir das Meer zu sehen, war einfach nur ein Wahnsinnsgefühl.

Es war toll, jeden Tag genau das tun zu können was man möchte, ohne Rücksicht auf irgendjemanden nehmen zu müssen oder Absprachen zu treffen. Einfach aufwachen und überlegen: “Wonach ist mir heute?” und dann genau das zu machen. Ich war oft auch nachts oder frühmorgens draußen, wie oben auf diesem Bild, und musste keine Angst haben, irgendjemanden zu wecken, der mit mir im Zimmer schläft.

Wenn man alleine unterwegs ist, kommt man auch viel mehr mit anderen Leuten ins Gespräch und mir ist zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, dass Kommunikation ein menschliches Grundbedürfnis ist. Ich bin normalerweise eher schüchtern und zurückhaltend. Dass ich von mir aus fremde Menschen anspreche, kommt selten vor, ich vermeide das, wo es nur geht. Aber in den letzten Tagen, wo ich jeden Tag so viel erlebt habe, habe ich von mir aus Kontakt zu anderen Menschen gesucht, einfach um das irgendjemandem erzählen zu können. Es hat nicht ausgereicht, das alles in schriftlicher Form im Tagebuch festzuhalten, das ist einfach nicht das gleiche, wie wenn man diesen Austausch mit einem anderen Menschen hat. Wenn ich durch den Ort gegangen bin, habe ich alle Einheimischen auf griechisch gegrüßt, und mit einigen hatte ich dann ganz angenehme Gespräche. Gestern hat mich einer, bei dem ich jeden Tag vorbeigegangen bin und der schon jedes mal gegrinst hat, wenn er mich kommen sehen hat, auf einen Kaffee eingeladen (leider musste ich diese Einladung ausschlagen, weil ich zum Flughafen musste). Mit der Rezeptionistin hatte ich einige ausführliche Gespräche über Gott und die Welt und 15 Minuten vor meiner Abreise habe ich erfahren, dass sie Finnin ist, weshalb die letzten Minuten unseres Gespräches ein 80%-Englisch-10%-Finnisch-10%-Griechisch-Kauderwelsch war.

Das Essen…oh, was soll ich sagen. Ich liebe griechisches Essen einfach. Wie geplant habe ich die Essstörung zuhause gelassen. Sonst hätte ich die Energie für die Wanderungen vermutlich auch gar nicht gehabt. Dass ich Vegetarierin bin, war überhaupt kein Problem. Vorspeise und Desert waren sowieso immer vegetarisch und als Hauptgericht habe ich halt etwas Anderes bekommen als die anderen Gäste. Ich war ja früher auch eher jemand, der Buffets bevorzugt hat, weil man sich da halt genau das nimmt, was man will. Mittlerweile habe ich diese Meinung revidiert. Das Menü wurde immer morgens im Hotel ausgehängt, aber da nur das “normale” Menü angeschrieben war, wusste ich im Endeffekt trotzdem nie, was ich bekomme und das war schön. Ich habe mich jeden Abend darauf gefreut zu erfahren, was es gibt und viele leckere Dinge gegessen, die ich nie probiert hätte, wenn ich auch etwas Anderes, “Vertrauteres” zur Auswahl gehabt hätte. Es war total entspannend, sich keine Gedanken darüber machen, was man isst, nichts planen zu müssen, einfach zu wissen: “Okay, heute Abend bekomme ich Vorspeise-Hauptspeise-Nachspeise, das sind normale Portionen, die die anderen Gäste auch essen also wird es okay sein, ich esse das einfach und gut ists.”. Die Portionen waren ungewohnt, aber ich habe es so sehr genossen. Ich habe zwar jedes Mal mindestens 45 Minuten für alles gebraucht, aber diese ganzen neuen Geschmäcker waren jedes Mal eine Glückshormonexplosion im Kopf. Es war so leicht, einfach hinsetzen, essen bekommen, es ansehen, daran riechen, die erste Gabel in den Mund nehmen und feststellen wie toll es schmeckt und dann ganz langsam, Stück für Stück, essen. So unkopliziert. Selbst wenn ich mir zuhause selbst irgendetwas koche weil ich eine “ich sollte doch wieder vernünftig essen”-Phase habe, nimmt das so viel Kapazität im Kopf in Anspruch. Zuerst mal überlegen zu müssen, was man eigentlich kochen will, dann wie viel, dann fängt man an, Spaghetti durch Gemüsenudeln zu ersetzen, im Rezept das Öl wegzulassen oder zumindest zu reduzieren und selbst wenn man das dann alles durchexerziert, gekocht und gegessen hat sitzt man hinterher trotzdem noch da, hat ein schlechtes Gewissen und denkt sich: “Ein Esslöffel weniger von diesem oder jenem hätte doch auch gereicht.”

Ich habe 3,5kg zugenommen, aber das ist okay. Wider erwarten habe ich keinen Heulflash bekommen, als ich heute auf die Waage gestiegen bin. Ich vermute mal, dass über 1kg von gestern stammt. Da habe ich vor der Abreise noch eine Art: “Ich muss noch alles probieren, was ich in die Finger kriechen kann, mir läuft die Zeit davon”-Flash bekommen und viel zu viel gegessen. Es war so anders als dieses “achtsame” Essen, dass ich die Tage davor praktiziert habe, es war einfach nur essen um zu essen. Und obwohl die Sachen gut waren, hat es nicht dieses schöne Gefühl und diese innere Zufriedenheit gebracht und ich habe mich hinterher über mich selbst geärgert, dass ich die Kekse und die gefüllten Teigtaschen nicht mit heim genommen habe und nach und nach, Stück für Stück, gegessen habe.

Jetzt, wo ich wieder zurück in meiner alten Umgebung bin, ist alles wie vorher. Heute habe ich noch gar nichts gegessen, die 3,5kg sind also wahrscheinlich bald wieder dahin.

Ich habe mich auch zum ersten Mal in meinem Leben massieren lassen. Das war ja auch so eine Challenge, die ich mir vorgenommen hatte. Halb nackt vor einem fremden Menschen liegen und sich dann auch noch anfassen lassen- Horrorvorstellung. Es war aber gar nicht so schlimm wie befürchtet. Zeitweise war es sogar ganz angenehm und die ganzen Gerüche waren toll. Hin und wieder kam zwischendurch zwar der Gedanke auf, dass die Masseurin meinen Körper vielleicht ekelig finden könnte, aber ich hab versucht mich daran zu erinnern, dass ich ja direkt vorher duschen war und sie auch bestimmt schon ganz andere Leute anfassen musste und mir im Kopf einen 65-jährigen, glatzköpfigen, bierbäuchigen Touristen zusammengebastelt mit 2cm langen Haaren am Rücken und Altersflecken… und wenn sie es sich da aussuchen könnte, würde sie bestimmt lieber mich massieren. Es war eine Ganzkörpermassage, bei den Armen wollte sie dann wissen, ob das wehtut, und als ich meinte dass das nur alte Narben sind war die Sache auch erledigt. Und da es ja ziemlich dunkel in dem Raum war, konnte ich mir auch einreden, dass sie mich ja gar nicht so genau sieht. Es war also viel Kopfarbeit dahinter, die Sache durchzustehen und wahrscheinlich deutlich weniger entspannend als für einen 0815-Menschen, aber trotzdem zeitweise ein bisschen entspannend.

Ich glaube, bis zu meinem nächsten Urlaub wird nicht mehr so viel Zeit vergehen und er wird länger ausfallen. Und ich werde wieder alleine fahren, definitiv.

2 comments on “Die beste Entscheidung

  1. Das hört sich super an. Freut mich, das du einen schönen Urlaub hattest 🙂

  2. Das klingt super entspannend. Freut mich! 🙂

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