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Unerwarteter Flug

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Eigentlich war ja geplant gewesen, dass ich bis Sonntag mit Emanuel unterwegs sein würde. Da das aber alles nicht so war, wie wir uns vorgestellt hatten, war ich schon Samstag Mittag wieder zurück. Was also tun mit dem angebrochenen Wochenende?

Am späten Vormittag hatte ich einen Anruf von einer mir unbekannten Nummer erhalten. Den Anrufer hatte ich erst mal weggedrückt. Das Abhören der Sprachnachricht eine Stunde später ergab: Es war der Fluglehrer, den ich im Mai beim Flugtrainingslager kennengelernt hatte. Unsere gemeinsame Leidenschaft für verlassene Orte hatte uns eine Menge Gesprächsstoff beschert. Er hatte mir versprochen, dass er mich mal mit seinem Flugzeug mitnehmen würde, aber so wirklich ernst hatte ich das nicht genommen. “Hallo, Fliegermädchen, ich bins, […]. Wir sind im Mai ja gemeinsam geflogen. Ich mache mich dann auf den Weg nach [Arbeitsflugplatz]. Vielleicht bist du ja dort, dann nehm ich dich eine Runde mit. Bis später vielleicht!”. Ohne ihn zurückzurufen fuhr ich einfach mal auf gut Glück zum Arbeitsflugplatz und tatsächlich: 5 Minuten, nachdem ich dort aufgetaucht war, hörte ich ihn schon am Funk. “Schön, dass es geklappt hat!” sagte er, nachdem wir uns begrüßt hatten. “Ich möchte nach […] fliegen, einen Freund besuchen. Kommst du mit?” – “Ja, gern. Ich habe heut nichts mehr vor.”

Als ich in den Flieger stieg, war ich mehr als überrascht. Anstatt einem Haufen Instrumente war vor mir bloß ein Bildschirm, und nachdem er den Motor gestartet hatte, ging es schon los: “So, ich erklär dir mal wie du den Autopiloten programmierst.” – “Autopilot? Das Ding hat einen Autopiloten?!” – “Ja. Also, wenn du da an dem Knopf links drehst…”. Erstaunlicherweise war es nicht so kompliziert wie befürchtet. Nun ja, und man merkte deutlich, dass dieser Pilot Fluglehrer ist, denn er dachte nicht im Traum daran, mich bloß hinten sitzen und rausschauen zu lassen. “So, am Stick hast du links einen Knopf, das ich der Funk. Links ist der Gashebel. Klappen und Fahrwerk gibt es leider nur bei mir vorne, das mache ich. Die Klappen sind schon auf Startstellung. You have control.” Ich funkte den Betriebsleiter an und rollte zur Startbahn. Einmal durchatmen und Vollgas. Der Flieger flog sich echt gut, nach dem Start stellte ich unter fachmännischer Anleitung den Autopiloten ein und war überrascht von der Geschwindigkeit, die das Flugzeug im Reiseflug erreichte- gute 260km/h. So dauerte es gerade mal 20 Minuten, bis wir landeten. Die Landung machte er selbst, aber nicht ohne zu sagen: “Lass die Hände auf der Steuerung, damit du spürst was ich mache!”. Nach Kaffee und Kuchen für ihn und Wasser für mich flogen wir noch zu einem anderen Flugplatz, ehe wir uns auf den Rückweg machten. Als wir in die Platzrunde des Heimatflugplatzes einflogen, sagte er: “Die Landung machst jetzt du. Ich sage dir nur, was du machen musst.” Na wunderbar. Eine Landung mit einem Flugzeug, auf dem ich keine Stunde Flugerfahrung habe. Aber wenn er meint… ist ja sein Flieger. “Was hat denn der Flieger für eine Anfluggeschwindigkeit?” – “Hundert.” – “Okay…” Im Endanflug nahm er dann die Hände hoch und verschränkte sie hinter dem Kopf. “Das sieht sehr gut aus. Ich habe die Hände hinter dem Kopf, das machst alles du.” (wie beruhigend…). Und dann rumpelte es sanft und wir waren unten. Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich da tatsächlich selbst gelandet war.

“So, ich sag noch kurz Tschüss zum Betriebsleiter, dann muss ich auch schon wieder weiter.”- “Was kriegst du denn?” – “Nichts, das passt schon.” – “Wir sind quer durch Österreich geflogen!” – “So weit war das gar nicht. Wirklich, das ist schon okay!” – “Okay…dann vielen Dank!”

Da ich schon am Arbeitsflugplatz war, nutzte ich noch die Gelegenheit und flog eine Runde mit unserem neu hergerichteten Motorflugzeug. Das war etwas irritierend, da es einen neuen Propeller bekommen hat, der ein anderes Geräusch macht als der alte.

Wer hätte gedacht, dass ich dieses Wochenende 4 Flüge in mein Flugbuch eintragen kann.

 

 

 

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