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Grenzerfahrung

Ich würde sagen, ich bin an meine körperlichen Grenzen gestoßen. Vielleicht wäre es doch kein Fehler, ein bisschen zuzunehmen, denn ich weiß nicht, wie ich sonst den Winter überleben soll…

Es war gerade mal 5:30, als ich Freitag morgen aus dem Bett kugelte und jede Menge warme Kleidung zusammenpackte. Am Vorabend hatte es mich nicht mehr gefreut, aber ich hatte mich mit Emanuel bereits für 12:45 verabredet, um nach der Arbeit zu packen blieb also keine Zeit mehr. Kurzzeitig überlegte ich, ob es nicht doch etwas übertrieben war, Skihose und Winterjacke mitzunehmen. Andererseits liegt die Fotolocation, die ich aus der Luft ausfindig gemacht hatte, doch etwas höher und es hatte diese Woche schon bei uns morgens nur 6°C gehabt. In den Alpen würde es vermutlich noch kälter sein. Besser zu viel zum Anziehen mit, als zu wenig.

Schon als wir in dem kleinen Hotel eincheckten, war mir unglaublich kalt. Es war später Nachmittag, wir wollten uns noch ein wenig ausruhen, denn es würde ein langer Abend und eine kurze Nacht werden. Ich lag im Bett, unter 2 Decken, in voller Montur. Hose, T-Shirt, langärmliges T-Shirt, Pulli, Übergangsjacke, 2 Paar Socken und fror wie bekloppt. Das war der erste Moment, an dem ich mir dachte: “Wie soll das erst in der Nacht werden?!”. Aber ich hatte ja noch 2 Asse im Ärmel: Skihose und Skijacke. Ab 19:00 waren wir draußen. Glücklicherweise passte die Skijacke noch über alles, was ich sonst schon anhatte, die Skihose auch, aber trotzdem war mir unglaublich kalt. Draußen hatte es 13°C, ich fühlte mich, als wäre da noch ein Minus davor. Wenn Emanuel nicht gerade fotografierte, ließ ich mir von ihm die Hände wärmen, was zwar temporär ein bisschen half, aber langfristig nicht. Irgendwann, ich weiß nicht mal mehr wie spät es war, es muss so 21:00 gewesen sein, setzte ich mich ins Auto und zog mir die Decke über den Kopf, weil mir auch im Gesicht unfassbar kalt war. Und dann lernte ich, was Kälte wirklich ist. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das Zittern und die Kälterschauer hörten auf, was ja eigentlich ganz angenehm war. Dann breitete sich eine Art Kribbeln im ganzen Körper aus und nachdem das vorbei war, fühlte ich mich, als würde ich mich auflösen. Ich weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll… also normalerweise spürt man seine Gliedmaßen ja auch, wenn man sie nicht bewegt. Man weiß, dass sie einfach da sind, man spürt sie. Und das Gefühl fehlte plötzlich. Wenn ich mich nicht bewegte, hatte ich das Gefühl, dass mein Körper einfach weg ist. Ich verlor jegliches Zeitgefühl und dämmerte vor mich hin. Mein Herzschlag kam mir unglaublich langsam vor, ich weiß nicht ob das tatsächlich so war, oder ob sich nur die Zeit so verzerrt anfühlte. Die Kälte tat auch gar nicht mehr weh oder war unangenehm, wie gesagt, ich spürte den Körper nicht mehr. Als ich dann hörte, wie Emanuel den Kofferraum öffnete und begann, seine Ausrüstung einzuräumen, hätte ich nicht sagen können ob 20 Minuten oder 2 Stunden vergangen waren, seitdem ich ins Auto gestiegen war.

Als wir kurz nach 23:00 wieder im Hotel waren, stand ich erst mal eine gefühlte Ewigkeit unter der heißen Dusche. Normalerweise wird einem dann ja warm. Da erlebte ich das nächste Paradoxon, das ich kaum beschreiben kann: Hinterher war mir äußerlich tatsächlich warm, meine Körperoberfläche war warm, die Fingernägel nicht mehr blau, rein äußerlich war alles gut. Aber von innen her war mir noch unglaublich kalt. Auch, als ich irgendwann in der Nacht aufwachte und aufs Klo ging, war mir äußerlich warm, aber innerlich fror ich noch immer. Erst, als um 4:45 der Wecker wieder läutete und ich unter den 2 Decken hervorkroch, war mir wieder “vollständig” warm. Diesmal tauschte ich die Jeans unter der Skihose gegen eine Leggings und 2 Jogginghosen und nachdem ich gefrühstückt hatte (und mich das schlechte Gewissen hinterher fast auffraß), war mir auch weit nicht mehr so kalt wie am Abend zuvor.

Mein Körper zeigt mir langsam wirklich den Stinkefinger.

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