Leave a comment

Ein Tag rinnt in den anderen. Die Nächte sind verwirrend und komisch. Ich nehme Trittico, werde körperlich müde und bin psychisch hellwach. Dann liege ich im Bett, mache Sit-Ups und andere Übungen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass mir davon warm wird. Denn das kam in den letzten Tagen selten mal vor.

Es herbstelt in Österreich. Das Thermometer zeigt nur knapp über 10°C. Irgendwie ging das ganz schön schnell. Als ich gestern nach der Arbeit das Paket für Nadine zur Poststelle bringen wollte kam schon fast Weihnachtsstimmung auf. Es war dunkel, kalt, ich hielt abwechselnd die Hände vor die Heizungsschlitze im Auto um meine Fingernägel dazu zu bringen, ihre blaue Farbe zu verlieren.

Ja, Nadine ist seit Sonntag wieder da. Ich habe ihr ein „Welcome-Home“-Paket geschickt, mit veganen Cookies, gerösteten Kichererbsen und Ajvar. Alles selbst gemacht. Was ich allerdings nicht bedacht habe ist, dass unsere Eltern ja nicht da sind. Meine Schwester war nicht da, als der Postbote an der Tür war, also hat er das Paket in die neu installierte Paketbox vor dem Haus eingeschlossen und den Zettel mit dem Zugangscode in den Postkasten geworden. Zu dem hat meine Schwester allerdings keinen Schlüssel. Den Ersatzpostkastenschlüssel hat nämlich die Freundin von meinen Eltern, die letzte Woche, als meine Schwester auch nicht da war, unsere Hasen versorgt und die Post ausgeräumt hat. Irgendwie unpraktisch. Dabei bin ich den ganzen Tag wie auf Nadeln gesessen und habe auf eine Nachricht von meiner Schwester gewartet, ob sie sich über das Paket freut. Ich weiß nicht, wann sie den Schlüssel holt, aber drängen möchte ich sie auch nicht. Also heißt es weiterhin warten.

Wesentlich früher als gedacht habe ich gestern einen Anruf bezüglich der Therapie bekommen. Allerdings stand da gerade der Chef neben mir, also konnte ich nicht rangehen. Die Therapeutin hat mir eine Sprachnachricht hinterlassen, deswegen weiß ich, dass es eine Frau ist. Ich weiß, man sollte nicht von so Dingen wie Name, Stimme, etc. auf irgendetwas schließen, bevor man die Person nicht kennengelernt hat, aber nachdem ich die Nachricht fertig abgehört hatte, dachte ich mir nur: „Auweia. Mit der klappt das nie.“. Heute Nachmittag habe ich dann versucht zurückzurufen, habe sie aber nicht erreicht. Erst Abends hat sie dann angerufen. Das Gespräch war ganz okay, sie klang nicht mehr so komisch wie in der Sprachnachricht. Nächste Woche habe ich einen Termin für ein Erstgespräch. Arztbefunde soll ich mitbringen und ich grinse jetzt schon bei der Vorstellung, wie ich vor ihren Augen meinen 8cm breiten Ordner mit den ganzen Befunden aus dem Rucksack ziehe.

Morgen gehe ich wieder tanzen. Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder. Okay, eigentlich ist es eine Ewigkeit. Mehr als ein Jahr. Ich habe Angst davor. Vor den Reaktionen der anderen, wenn sie feststellen, dass ich über ein Viertel meines Ausgangsgewichts verloren habe. Angst davor, dass ich es körperlich nicht schaffe. Dass mich die Tanzlehrerin danach zur Seite nimmt und sagt, dass ich erst wiederkommen soll, wenn ich zugenommen habe. Ich habe mir zwar vorgenommen, zu Mittag statt 200g Tomaten ein bisschen Couscous zu essen und direkt vor dem Tanzen einen Schokoriegel, aber ich habe trotzdem Angst, dass es nicht reicht.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: