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Es bleibt schwierig

Vielleicht bin ich auch einfach nur urlaubsreif, ich weiß es nicht. Heute hat sich ein Verdacht, der mir seit Montag durch den Kopf schwirrt, bestätigt: Essanfälle sind bei mir mit Stress verbunden. Rückblickend betrachtet war es also keine gute Idee, dass ich am Montag nach dem Termin in der Ambulanz einkaufen gefahren bin- ich war zu diesem Zeitpunkt noch total angespannt, weil ich beim Wiegen ausziehen hatte müssen und die Sachen aus der Firma nicht geholt hatte. Bis heute Nachmittag war das allerdings nur so ein vager Gedanke im Hinterkopf.

Heute Nachmittag bekam ich plötzlich totalen Heißhunger auf Süßigkeiten. Dann versuchte ich das erste Mal seit ungefähr einem halben Jahr wieder achtsam zu sein und herauszufinden wie es mir eigentlich gerade geht. Es war, als hätte ich die Tür zu einem Dampfbad geöffnet. Die Anspannung kam mit einer Intensität, die mich schlicht umhaute. Ich wusste nicht wohin mit mir, ich hätte auf der Stelle anfangen können zu heulen ohne überhaupt zu wissen, warum. Ich konnte es nicht ertragen, vor dem Computer zu sitzen (zum Glück war heute in der Arbeit wenig los), tigerte wie eine Irre durch die Gegend, nachdem “harmlose” Selbstverletzungen nicht den gewünschten Erfolg brachten, versuchte  ich es mit Skills. Erleichterung brachte auch das nicht. Sobald ich mit dem Skillen aufhörte und wieder zurück an die Arbeit gehen wollte, schoss die Anspannung wieder nach oben. Ich habe nie glauben wollen, dass man mit Stresstoleranzskills die Anspannung nicht aktiv senkt, sondern einfach nur die Zeit überbrückt bis es von selbst wieder besser wird, aber mittlerweile muss ich zugeben, dass es in manchen Situationen tatsächlich so ist. Über eine Stunde verbrachte ich in einem absolut grausamen Zustand, ehe ich das Gefühl hatte, dass es besser wird. Danach war ich körperlich und psychisch fertig, ich hätte mich auf der Stelle ins Bett legen und einschlafen können. Ich hatte allerdings noch viel vor, und da der Tag essensmäßig bis dahin eher destruktiv gewesen war, beschloss ich, dass ich mir ein Stück Kuchen verdient hatte (die Katzenmama dachte erst, sie hätte sich verhört, als ich sie um ein Stück Kuchen fragte). Ich bemühte mich extra, es schön langsam (und achtsam?) zu essen. Ich würde mal sagen, ich konnte ein ähnliches Fiasko wie am Montag erfolgreich abwenden.

Einerseits ist es gut zu wissen, wie ich verhindern kann, dass ich wahllos Zeug in mich hineinstopfe. Andererseits ist es frustrierend in einen Zustand geraten zu sein, von dem ich die letzten Monate lang dachte, ich müsste ihn nie wieder erleben. Es ist frustrierend zu wissen, dass es nicht aufhört. Man kann versuchen, damit klarzukommen und möglichst konstruktiv umzugehen, aber es hört eben nicht auf.

One comment on “Es bleibt schwierig

  1. Doch tut es. Irgendwann. Erst werden die Zeitabstände grösser. Die Abstürze weniger tief.
    Irgendwann wirst du nur noch stolpern. Fast so wie andere auch.

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