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Themenfreitag #22: Mein Umgang mit meinen psychischen Problemen

Dieser Themenfreitagswunsch ist an mich herangetragen worden. Ich habe eine Zeit lang überlegt, ob ich dieses Thema aufgreifen soll, weil ich über Teile davon auch schon in anderen Themenfreitagsbeiträgen geschrieben habe.

Allerdings habe ich noch nicht alle Aspekte aufgegriffen und vielleicht nicht so deutlich gemacht, wie unterschiedlich das bei mir bei den jeweiligen Symptomen meiner Erkrankung(en) ist.

Das Thema, mit dem ich wohl am Offensten umgehe, sind meine (ehemaligen?) Selbstverletzungen. Wenn mir heiß ist, ziehe ich mir genauso die Jacke aus wie jeder andere Mensch auch. Dass ich frische Verletzungen bedecke ist denke ich klar, ich beziehe mich hier auf Narben. Letzten Sommer habe ich meine Narben im beruflichen Alltag auch bedeckt, das lag einfach daran, dass sie noch ziemlich frisch waren und mir das unangenehm war, weil ich ja in meinem Beruf auch Kundenkontakt habe. Allgemein kann ich sagen, dass es mir leichter fällt, zu weniger aktuellen Problemen bzw. den Folgen davon zu stehen. Sonst gibt es eher wenige Situationen, in denen langärmlige Kleidung für mich persönlich ein Muss ist. Behördengänge im Bezug auf die Fliegerei erledige ich beispielsweise ausschließlich langärmlig, Vorstellungsgespräche ebenso.

Die Reaktionen darauf sind vielfältig. Allgemein werde ich seltener darauf angesprochen, als man vielleicht denken würde. Ich denke, dass das zum Teil damit zu tun hat, dass ich sehr selbstverständlich mit den Narben umgehe- und das hat auch eine Wirkung auf andere. Wenn man zwanghaft bemüht ist, die Arme hinter dem Rücken zu verstecken, ist man unentspannt und das nehmen andere vermutlich unbewusst war und werden selbst unsicher. Über diverse Reaktionen auf meine Narben habe ich im Narben-Themenfreitagsbeitrag ausführlich geschrieben, und verweise daher mal darauf (reinschauen lohnt sich! Es ist immer wieder faszinierend, mit was für Meldungen manche Leute ums Eck kommen…).

Gehen wir mal eine Ebene tiefer: Persönlichkeitsstörung. Das ist für mich schon ein schwierigeres Thema, weil ich damit einfach sehr viel seelisches Chaos verbinde. Ich bin ein Mensch, dem es sehr wichtig ist, nach außen hin stark und souverän zu wirken. Es fällt mir schwer zuzugeben, dass ich Momente voller Verzweiflung und Schmerz und Leid habe, weil das dem Bild, das andere von mir haben sollen, widerspricht. Außerdem ist es ja immer noch so, dass es einige Vorurteile über Borderline gibt und deswegen behalte ich es lieber einmal zu viel für mich als einmal zu wenig. Meine Eltern wissen es, weil sie es in einem Befund gesehen haben, enge Freunde wissen es, weil ich es ihnen erzählt habe. Außerdem muss ich gestehen, dass mein Freundeskreis hauptsächlich aus Menschen besteht, die selbst psychische Probleme haben oder hatten- da fällt es einem natürlich auch leichter, darüber zu reden.

Zu den Reaktionen kann ich nicht viel sagen- bei meinen Armen liegt ja die Vermutung “Borderline” nahe.

Noch schwieriger wird es beim Thema PTBS. Bis auf meine Mutter weiß das in meiner Familie niemand und in meinem Freundeskreis auch nur wenige Personen. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich an der Akzeptanz davon selbst mal mehr, mal weniger zu knabbern habe. Und während man mit einer Persöhnlichkeitsstörung manchen Vorurteilen zufolge zumindest teilweise auch in der Täterrolle ist (agressiv, manipulativ…) ist man mit einer posttraumatischen Belastungsstörung ganz eindeutig in der Opferrolle- also widerspricht auch das dem Bild, das andere von mir haben sollen.

Die Reaktionen darauf waren teilweise verletzend.  Zwei Freunde reagierten mit “Waas? Du und traumatisiert?” (nicht wortwörtlich, aber so ähnlich). Ein Trauma ist einfach etwas, was man niemandem ansieht und daher vielleicht für Außenstehende auch schwerer greifbar.

Das ist mein Senf zum Thema und meine Erfahrungen- Vorschläge für den nächsten Themenfreitag nehme ich jederzeit entgegen. Falls ihr noch irgendwelche Fragen habt, schreibt sie einfach in die Kommentare.

 

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