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Krims-Krams-Post

Morgen fahre ich meine Oma besuchen. Sie hat mich gefragt, ob sie Nockerl machen soll. Das war immer mein Lieblingsessen. Nockerl mit Schnittlauch und Salz und Pfeffer, mehr habe ich nicht gebraucht. Ich habe mal ja gesagt und bin schon die ganzen letzten Tage am überlegen, wie ich ihr das wieder ausreden kann. Heute anrufen und sagen, dass ich mir den Magen verdorben habe und morgen lieber nichts esse? Aber mir die Nockerl natürlich gerne mitnehme und bei der nächsten Gelegenheit esse? Hinfahren, etwas essen und nachher kotzen gehen? Das ist bei ihr aber unpraktisch, weil das Klo direkt neben der Küche ist und ich Angst habe, dass sie mich dann hören könnte. Die Zeiten, in denen ich so viel Übung hatte, dass ich meinen Mageninhalt ohne ungewöhnliche Zusatzgeräusche innerhalb von Sekunden fast mit purer Willenskraft und die Kloschüssel befördern konnte, sind vorbei. Also doch drinbehalten? Das werde ich vermutlich nicht schaffen, ohne durchzudrehen. Wenn ich schon bei 5 Scheiben Knäckebrot halb am Rad drehe, weil ich das Gefühl habe, dass es zu viel ist, wie ist es dann nach einer Portion Nockerl?

Mittlerweile habe ich laut BMI Untergewicht und es kommt mir komisch vor. Ich glaube schon, dass ich eine ziemlich realistische Wahrnehmung meines Körpers habe, lediglich eine ziemlich verkehrte Vorstellung davon, wie ich gerne aussehen würde. Ja, ich bin dünn. Aber ich sehe nicht untergewichtig aus, finde ich zumindest.

Gestern am Ball von Nadine habe ich die ganze Zeit an Luca denken müssen. Er war bei einer Sicherheitsfirma und hat regelmäßig solche Veranstaltungen überwacht. Und Personal von Sicherheitsfirmen sieht irgendwie ziemlich gleich aus. So oft habe ich gedacht, dass es Luca ist, der da vor mir steht. Ich vermisse ihn sehr. Ich habe so wenige Erinnerungen an ihn. Wir, die zwei Küken der Station. Wir, die Rebellen. Ich weiß noch, wie wir im Entzug über das “Danach” gesprochen haben. Er hat gesagt, dass er nicht ganz die Finger von den Drogen lassen will, nur vom Alkohol. In der Therapie haben sie ihn offenbar ziemlich umgekrempelt. Ich finde das nicht schlecht, überhaupt nicht. Er hat ziemlich viel richtig gemacht, ist aus seinem alten Umfeld weggezogen, hat sich jetzt wahrscheinlich “cleane” Leute gesucht, mit denen er seine Zeit verbringt. Ich habe sehr viel Respekt vor dieser Entscheidung und trotzdem tut es weh, ihn nicht mehr um mich zu haben.

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