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Zu Besuch im Hexenhaus

Heute war ich bei Dr. Hexe. Optimistischerweise habe ich keine Notfallausrüstung für den Fall einer Einweisung mitgenommen- okay, ich gebe zu, ich hatte einfach keine Motivation zum Rucksack-packen. In der Früh habe ich zur Sicherheit noch Geschirr abgewaschen (damit nichts gammlig wird, im Fall des Falles) und dann ab zu Dr. Hexe.

Dazu muss ich sagen, ich habe schon die ganze Zeit so ein komisches Gefühl gehabt. Ich hatte den Zettel mit dem Termin verlegt und vor einem Monat angerufen und gefragt, wann ich denn Termin habe. Den hatte ich mir dann in meinen Kalender eingetragen und auch gleich meiner Chefin mitgeteilt, damit sie weiß, dass ich da später komme. Trotzdem war ich mir irgendwie nicht mehr sicher gewesen, ob ich mir auch alles richtig aufgeschrieben hatte.

Ich betrat also die Praxis, klopfte ans Anmeldungszimmer, trat nach dem “Ja” ein. “Guten Morgen, ich bin das Fliegermädchen und ich habe um 8:30 einen Termin bei Dr. Hexe.”. Die Frau schaute den Computer. “Nein, haben Sie nicht. Sie hätten letzte Woche gehabt, am 3. März”. Da war ich erst mal sprachlos. Und jetzt? “Ich kann Dr. Hexe fragen, ob Sie sie dazwischen drannnehmen kann.”

Im Wartezimmer hätte ich am liebsten losgeheult. Keine Ahnung, wie lange ich da jetzt noch warten muss. Und wie sollte ich das der Chefin erklären, es war doch nur von einem kurzen Arztbesuch die Rede. Doch ich hatte Glück: Krankheitsbedingt sagte ein Patient ab und so saß ich nur 15 Minuten später wieder vor Dr. Hexe. Ich beichtete ihr den Substanzkonsum. “Wie oft?” wollte sie wissen. Ich sagte es ihr. Zum Glück sah sie sich offenbar nicht veranlasst, mich deswegen einzuweisen. Etwas Anderes schien ihr mehr Sorgen zu machen: ” Sie haben abgenommen. Essen Sie genug?” – “Ich glaube nicht” antwortete ich ausweichend. Sie fragt nach Schlaf. Ich sage, dass ich immer schon spätestens um 6 wach bin, obwohl ich erst gegen Mitternacht ins Bett gehe. “Brauchen Sie irgendetwas zum Schlafen?” – “Nein.” – “Sie nehmen Drogen, aber wollen keine Medikamente nehmen. Wieso wehren Sie sich so dagegen?” – “Drogen machen wenigstens glücklich. Wenn ich Medikamente nehme, fühle ich mich nur abgestumpft und tot.” – “Wenn das mit den Drogen eskaliert, sind sie vielleicht bald tot.” – “Es klingt vielleicht blöd… aber das wäre nicht schlimm für mich.”

Sie fragte nach der Therapie. Ich erzähle ihr von der Skillsgruppe, die doof ist, und von der ambulanten Therapie, die ganz okay ist und: “Ich habe derzeit irgendwie keine Motivation für den Therapiekram.” – “Kein Wunder. Sie brauchen Ihre ganze Kraft für den Alltag”. Wieder so eine Äußerung, bei der ich nur stumm nicken kann und irgendwie fasziniert bin, wie gut sie mich zu kennen scheint. “Welchen Schwerpunkt haben Sie bei Ihrem Aufenthalt auf der Psychosomatik gemacht?” – “Borderline” – “Sie wissen, dass es auch andere Schwerpunkte gibt?” – “Ja, aber ich will da nicht wieder hin.” – “Es muss ja nicht jetzt sein. Aber vielleicht im Winter, wenn es in der Arbeit wieder ruhiger ist.” Sollte wohl eine Anspielung in Richtung Traumatherapie sein…

Obwohl ich gesagt hatte, dass ich keine Medikamente will, öffnete Dr. Hexe ihre “Pillen-Schublade” und holte Mirtazapin hervor. “Sie sind stur- ich aber auch. Nehmen Sie die mal mit und probieren Sie sie aus. Fangen Sie zur Sicherheit mit einer halben Tablette an, Sie sind ja so zart. Die Tabletten haben zwar keine Bruchrille, aber sie schaffen das schon irgendwie.” (Genauso, wie ich es geschafft habe, die Trittico vernünftig zu sechsteln…GAR NICHT.) Ich schaue skeptisch.  “Vielleicht nehmen Sie dann auch wieder ein bisschen zu, das ist appetitsteigernd. Mirtazapin können Sie wirklich ohne Probleme nehmen, das macht nicht abhängig.” (Als ob potentielle Abhängigkeit für mich schon jemals das Argument gewesen wäre, etwas NICHT zu nehmen… ).

Ich werde es natürlich nächstes Wochenende einmal testen. Schon alleine deswegen, damit ich wieder ein Medikament mehr auf meiner Erfahrungsliste habe. Wird wahrscheinlich wieder so eine Sache: “Als Bedarf am Wochenende mal ganz nett, aber für langfristigen Gebrauch ungeeignet”.

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2 comments on “Zu Besuch im Hexenhaus

  1. Ich nehme nun seit knapp 6 Jahren Mirta, und hab davon schon mal nicht zugenommen. 30mg vertrage ich gut bei 45 mg bin ich tagsüber in der Schule eingeschlafen…… Gewicht beträgt 50kg.
    Viel Spaß beim ausprobieren. Bin gespannt 🙂
    P.S schlafen kann ich allerdings sehr gut 🙂

  2. Wuuuah ich meine *3 Jahre nicht 6

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