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Sozialkompetenzakkustand: 0,5%

Kaum bin ich wieder im Berufsalltag drin, bleibt mein Sozialleben komplett auf der Strecke. Man hat einfach nur eine bestimmte Menge an Sozialkompetenz pro Tag. Bei mir reicht die gerade so für einen Arbeitstag und dann ist Ende. Ich bewundere Menschen, die sich nach der Arbeit noch mit Freunden treffen können, oder etwas mit ihrem Partner unternehmen. Oder Kinder haben, um die sie sich kümmern müssen. Das könnte ich einfach nicht. Nach der Arbeit will ich einfach nur mehr nach Hause und alleine sein, weil jedes Gespräch, jede banale zwischenmenschliche Situation unglaublich anstrengend ist und alles nur mehr ein Gewirr aus Eindrücken ist. Und am Wochenende bin ich meistens froh, wenn ich mal alleine sein kann, einen ganzen Tag niemanden sehen muss, mit niemandem reden muss.

Es macht einsam. Meistens stört mich das nicht mal- zumindest rede ich mir das ein. Ich merke es nur hin und wieder an komischen Reaktionen meiner Mitmenschen. Wenn ich mich bei jemandem von Arbeitsflugplatz unüberlegterweise mit den Worten: “Ich bin es nicht gewohnt, dass mich jemand anruft” für einen verpassten Anruf entschuldige. Es ist die Wahrheit, denn mit meiner Mutter telefoniere ich nur einmal am Wochenende, und nachdem ich sie angerufen habe, bleibt das Handy im Bett liegen, weil ich weiß, dass im Normalfall sowieso niemand anruft. Der Blick der Katzenmama, die fragte, ob ich nicht jemanden zum Snowboarden mitnehmen will, und ich antwortete, dass ich niemanden kenne, den ich mitnehmen könnte. Oder der von Nadine, als sie fragte, ob ich jemanden mit zu ihrem Schulball nehmen möchte, und ich nur “Nein, wen sollte ich denn mitnehmen?” antwortete.

Und dann gibt es Momente, in denen bin ich neidisch. Neidisch auf die Leute, die nach der Arbeit mit ihren Freunden etwas unternehmen oder einfach nur zusammensitzen und quatschen. Neidisch auf die Menschen, die nach der Arbeit noch irgendetwas anderes auf die Reihe bekommen, als vor ihrem Laptop zu versauern. Neidisch auf alle, bei denen der Sozialkompetenzakku eine nahezu unendliche Laufzeit hat. Neidisch, wenn ich Telefongespräche auf der Straße belausche “Was? Heute Abend? Nein, tut mir leid, da bin ich schon mit …. verabredet!”. Neidisch auf die Leute, die Fotos von gemeinsamen Unternehmungen auf Facebook stellen.

Neidisch, weil ich das alles auch gerne machen würde, aber es geht einfach nicht.

2 comments on “Sozialkompetenzakkustand: 0,5%

  1. Ich fühle mit dir. Bin nach der Schule auch einfach froh nach Hause gehen zu können. Und mich mit niemanden unterhalten zu müssen. Viele verstehen das nicht.. Bekomme oft zu hören “Du musst mal mehr unter Leute” Das ich aber nicht will wird nur schwer akzeptiert.

  2. Kenn ich leider auch 😦
    Und dann heißt es von den Freunden irgendwann, “ich geh auch den ganzen Tag arbeiten und mach trotzdem dies und jenes noch” oder ähnliches. Verstehen können es die meisten nicht, dass ich nicht nur keine Lust hab oder mich einfach mal aufraffen müsste.

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