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Geschafft

Ich war gestern beim Tanzen. Wie geplant im Top und in enger Hose. Keiner hat blöd geschaut oder irgendetwas Blödes gesagt. Wir haben an der Choreo weitergemacht, bzw. zu Ende gemacht. Und ich war am Ende total frustriert, dass ich jetzt 3 Monate lang nicht mehr mitmachen kann. Weil die Choreo einfach so unfassbar genial ist und mit einer Doppelpirouette endet und die kann ich sogar. Nur bringt mir das nichts. Wenn ich dann irgendwann Mitte März wieder Zeit hätte, kann ich auch nicht mehr mitmachen, weil dann eine Aufführung bevorsteht, für die ich besagte Choreo schon in und auswendig können sollte, was nicht möglich ist. Aber so muss ich wenigstens nicht bei der Aufführung mitmachen. Aufführungen sind nicht so mein Ding.

Die Nacht war wieder unschön. Ich will doch nur endlich wieder mal schlafen. Einfach ins Bett legen, innerhalb einer halben Stunde einschlafen und am nächsten Tag erholt aufwachen. Ist aber nicht drin. Wie genial wäre es, beim Aufräumen irgendwo noch Tavor zu finden. Zumindest eine Nacht wieder gut schlafen.

Ich habe von der Krankenkasse eine Vorladung bekommen, man möchte überprüfen, wie lange mein Krankenstand noch dauern wird. Darauf hatte mich mein Hausarzt schon seelisch vorbereitet, ich hatte aber gehofft, dass ich nochmal drum herum komme. Nun muss ich am 22. doch hin und vor irgendeinem Arzt, den ich noch nie gesehen habe, meine Krankengeschichte ausbreiten. Da steh ich ja mal voll drauf. NICHT.

Ich war gerade bei Dr. Hexe. Es war besser als erwartet. Vor allem ging es unglaublich schnell. Bis jetzt habe ich so gut wie immer mindestens eine Stunde lang gewartet, diesmal waren es gerade mal 20 Minuten.  Als ich in der Praxis ankam, wollte ich nochmal schnell aufs Klo gehen. Dort war ich vor fast 4 Monaten schon mal gewesen, als ich auf das Taxi zur Psychiatrie gewartet hatte. Ich hatte mir dort noch 2 Tavor eingeworfen. Und jetzt stand ich dort in dem Raum und konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, hier schon mal gewesen zu sein. Obwohl ich weiß, dass ich dortgewesen bin. Es ist immer wieder interessant zu sehen, was für Auswirkungen Benzos auf das Gedächtnis haben.

Das Gespräch mit Dr. Hexe war gut. “Sie sind ja kaum wiederzuerkennen!” meinte sie, nachdem sie mich hereingebeten hatte. Da sie nur den Kurzarztbrief erhalten hatte, verbrachte ich die ersten paar Minuten damit zu erzählen, wie die letzten Monate so waren. Ich erzählte ihr, dass ich oft daran gedacht hatte, die Therapie abzubrechen. “Das hätte mich gewundert, wenn Sie das getan hätten. Sie haben so viel erreicht in ihrem Leben, schon alleine wenn ich mir ihre berufliche Laufbahn anschaue. So etwas schafft man nur mit Durchhaltevermögen.” Ich lächelte still in mich hinein. Ich bin nicht oft bei ihr gewesen, mit heute vielleicht 5 oder 6 Mal, und trotz dieser wenigen Gespräche scheint sie sehr viele und sehr wichtige Sachen über mich zu wissen. Dieser Wille, etwas, das ich angefangen habe, zu Ende zu bringen ist glaube ich ein wichtiges Merkmal von mir. Ich fand es schön, dass sie aus meinen Erzählungen diesen Schluss gezogen hat, ohne dass ich das ihr gegenüber jemals so formuliert hätte. Das zeigt, dass sie die Leute nicht nur einfach reden lässt, sondern dass sie zuhört und sich Gedanken macht.

Ich habe ihr meine aktuellen Probleme mit dem Schlafen und mit Weihnachten geschildert. Sie hat mir Trittico mitgegeben. Das habe ich zwar mit 14 schon mal bekommen und ich habe davon überhaupt nichts gemerkt, aber Dr. Hexe meinte, ich könnte es nochmal versuchen. Es hätte auch eine beruhigende Wirkung und das wäre vielleicht ganz gut, um Weihnachten zu überstehen sagte sie. Ich bin zwar noch ein wenig skeptisch, aber ich kann es ja mal versuchen.

“Danke, dass Sie so kooperativ waren, als ich Sie eingewiesen habe” sagte Dr. Hexe, bevor wir uns verabschiedeten. Ich musste grinsen. Was ist denn jetzt los? Bedankt sich meine Psychiaterin gerade ernsthaft bei mir, dass ich mich so brav und unkompliziert einweisen habe lassen? Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Sie in den vielen Jahren schon Patiente hatte, die vielleicht ein wenig (oder auch ein wenig mehr) ausgerastet sind bei der Vorstellung, in einer Stunde in der Psychiatrie zu sitzen. Die Gefahr bestand bei mir glaube ich nicht, da ich mich ja selbst schon so weit sediert hatte, dass es mir ziemlich egal war. Trotzdem fand ich es in diesem Moment irgendwie süß von ihr. “Danke, dass Sie das getan haben. Ich hätte es sonst nur immer weiter rausgezögert.”. Wenn ich mich bei einer Psychiaterin für die Einweisung in die Psychiatrie bedanke, könnte man das vermutlich schon als Idealisierung bezeichnen.

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