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Neues aus der Anstalt #43

Wie nicht anders zu erwarten, wenn man eine Nacht gar nicht geschlafen hat, schlief ich heute sehr gut.
Der Tag startete mit Musiktherapie um 8. Normalerweise suche ich mir immer ein Instrument aus, das ich nicht kenne, oder irgendetwas “banales”, wie ein Xylophon oder so. Ich will ja nicht damit angeben, dass ich Klavierspielen kann.
Trotzdem war mir heute irgendwie danach, mich ans Klavier zu setzen. Wenn ich gewusst hätte, dass es heute anders wird wie sonst, hätte ich das wohl auch gelassen. Denn anstatt alle gleichzeitig zu spielen sollten wir ein “wanderndes Duett” machen. Also zwei fangen gleichzeitig an, irgendwann steigt dann der Dritte ein und der Erste hört auf, usw.,das führt natürlich dazu, dass man die einzelnen Instrumente viel besser hört.
Ich fing mit der Musiktherapeutin an zu spielen. Wir spielten und spielten, doch meine Mitpatientin Lisa, die eigentlich einsteigen sollte, fing einfach nicht an. Irgendwann hörten wir auf und ich drehte mich um um zu sehen, was los war. Lisa saß da mit feuchten Augen und meinte: “Ich kann nicht…”. Neue Runde. Lisa und eine andere Mitpatientin fingen an, die Therapeutin und ich waren nach ein paar anderen dann das letzte Duett. Als ich mich danach wieder umdrehte, weinte die Hälfte der Gruppe. Besonders Lisa. Ich hatte einen Teil aus dem Musikstück gespielt, das ich selbst geschrieben habe, und irgendwie war es süß zu sehen, dass das andere Menschen emotional so berührt.

Die Basisgruppe verlief relativ ereignislos, und am frühen Nachmittag humpelte ich zum Stützpunkt zwecks Verbandswechsel. Gestern war der Arzt dann ja nicht mehr dagewesen, um einen Blick drauf zu werfen. “Gut dass Sie da sind, ich hol gleich mal Dr. M.!” meinte die Schwester und verschwand. Ich ging inzwischen schon in den Erstaufnahmeraum und legte die Sauerei frei. Dann kam Dr. M. herein und schaute sich das Ganze an. “Hm… ich weiß nicht, wie wir das am Besten und Schnellsten wieder hinbekommen. Ich schicke Sie ins Krankenhaus, da soll ein Chirurg drüberschauen.” Ich hielt das für etwas übertrieben, aber wenn er meint… bitte. “Ich habe aber um 15:15 Skillsgruppe!” warf ich in den Raum, in der Hoffnung, ihn von seinem Plan abzubringen. “Sie sind heute von der Skillsgruppe befreit. Ich möchte, dass Sie heute noch fahren.” Die Überweisung und der Transportschein wurden fertiggemacht, ich packte viel Beschäftigungskram ein, da ich nicht wusste wie lang es dauern wird. Ein paar Minuten später kam das Taxi und brachte mich zum Krankenhaus. Ich war dort noch nie gewesen, hatte keine Ahnung wo ich hinmusste und fragte mich durch. Schließlich war ich dann doch bei der Anmeldung und stand in der Schlange und wartete. Und stehen ist echt übel mit der Verletzung. Sitzen geht, gehen geht auch, aber ruhig stehen…die Schmerzen sind brutal. Ich stand also auf einem Bein in der Schlange und als ich dran war, reichte ich der Dame die Überweisung und den Anmeldeschein, den ich ausgefüllt hatte. Den “Unfallhergang” hatte ich relativ genau beschrieben, was ich dazu verwendet hatte, etc. Ich dachte eigentlich, dass das klar sei. Die Dame starrte mich aber etwas entgeistert an “Stimmt das so, wie es da steht? Damit haben Sie sich diese Verletzung zugefügt?!” Ich hatte nun wirklich keine Lust, ihr mit 5 anderen Wartenden im Rücken, die sicher lauschten, das physikalische Prinzip einer Kältemischung zu erläutern- deswegen beließ ich es bei der Bestätigung, dass es sich so zugetragen hatte wie auf dem Zettel beschrieben. Danach durfte ich erst mal warten. Erstaunlicherweise nicht allzu lange, es vergingen vielleicht 15 Minuten, bis ich meinen Namen auf dem Bildschirm sah. Ich humpelte also in das Behandlungszimmer und war erst mal etwas überfordert damit, dass mich 5 Menschen in weißen Kitteln erwarteten. Ich merkte auch schnell warum: Die Dame bei der Anmeldung hatte mir offenbar nicht ganz geglaubt und somit einen wenig schlüssigen Unfallhergang in den Computer getippt, sodass alle jetzt gespannt waren, was genau eigentlich passiert war. Ich löste das Missverständnis auf und setzte mich auf die Liege. Die Ärzte sahen sich die Verletzung an. “Da ist ein fibrinöser Wundbelag drauf. Den müssen wir entfernen!” sagte einer und holte eine Pinzette. Ich war einigermaßen entsetzt. Die wollen doch jetzt nicht wirklich…? Doch, wollten sie. Mit der Pinzette schabte der Arzt den Wundbelag von der Wunde. Ich würde mich nicht als besonders schmerzempfindlich bezeichnen, aber ich war kurz davor, von der Liege zu hopsen und ich war froh, dass in der Mitte der Wunde die Nervenenden beschädigt sind, sodass ich wenigstens dort keine Schmerzen hatte. Die “Randbezirke” waren definitiv schlimm genug. Danach wurde das ganze desinfiziert und wieder eingewickelt. Am Montag muss ich nochmal hin zur Kontrolle. Die wird hoffentlich etwas weniger schmerzhaft…

2 comments on “Neues aus der Anstalt #43

  1. 🙀 Mir tut es schon beim Lesen weh 😮

  2. Ich fürchte auch, die Schmerzen schon beim Lesen nachspüren zu können. Brrr.

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