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Und doch noch hier

Der Tag heute hatte es wirklich in sich. Ok, der gestrige auch schon. Manuela hatte mich gefragt, ob ich ihr nach der Arbeit was helfen könne. Gegen 17:30 war ich dann bei ihr, das war aber innerhalb einer Stunde erledigt. Doch dann sah ich da ein Puzzle rumliegen. 1000 Teile, halb fertig. Richtig fieses Motiv. Im Endeffekt war ich um 23:30 zuhause, weil wir das Puzzle fertiggebaut haben. Musste dann aber noch meinen “Notfallrucksack” für heute packen. Dementsprechend unausgeschlafen und desorientiert war ich in der Früh.

Kurz bevor ich zu Dr. Hexe fahren wollte, bekam ich eine SMS von meiner Mutter: “Hallo Große, mache mir Sorgen. Könnte um 17:00 bei dir sein.” Ich war verwirrt. Wieso macht sie sich Sorgen um mich? Sie weiß doch von gar nichts? Es kann ihr nur irgendjemand gesagt haben. Und ich brauchte nicht lange nachzudenken, um zu wissen, wer das gewesen sein könnte. Wenige Minuten später hatte ich die Bestätigung: Emanuel hatte es meiner Mutter gesagt. Aus irgendeinem Grund war ich mehr sauer auf meine Mutter, dass sie es jetzt weiß (nein, die Logik verstehe ich selbst nicht), als auf Emanuel, der es ihr gesagt hatte. Mit absolutem Kopfchaos fuhr ich also zu Dr Hexe- und das Chaos sollte noch schlimmer werden. Das Warten war richtig fies. Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, wie sie reagieren würde. Würde sie mich einweisen? Ohne Benzos wegschicken? Ich hatte keine Ahnung. Nach einer Stunde war ich endlich dran. Und dann musste ich erst mal erklären, warum ich hier war. Ich erzählte das mit den Benzos, und dem zeitweisen Beikonsum einer anderen Substanz. “Wie viel Temesta nehmen Sie?” – “3mg am Tag”. Sie besprach mit mir den Reduzierungsplan. Alle 4 Tage 0,5mg weniger. “Ist das nicht ein bisschen sehr schnell?” fragte ich zweifelnd. Sie meinte, das sei o.k. so. Aha, na dann. Und dann beichtete ich auch noch, warum ich eigentlich da bin:”…mir gehen langsam die Tabletten aus.” – “Wie viel haben Sie denn noch?” – “6mg” log ich. In Wirklichkeit habe ich noch doppelt so viel.” – “Okay, dann kriegen Sie von mir genau so viel, dass Sie den Plan einhalten können” und begann zu rechnen.
“Ich glaube, wir müssen jetzt mal Nägel mit Köpfen machen” meinte sie dann. “Ich schreibe Ihnen jetzt eine Überweisung für die Abhängigkeitsambulanz und eine für die psychosomatische Ambulanz. In der psychosomatischen Ambulanz können Sie dann den stationären Aufenthalt besprechen, denn da führt meiner Ansicht nach kein Weg dran vorbei. Ich glaube nicht, dass wir das ambulant hinbekommen.” Was ich in der Abhängigkeitsambulanz soll, weiß ich zwar nicht, aber ok. Reichlich verwirrt verließ ich die Praxis mit 2 Überweisungen und einem Rezept und fuhr zurück in die Arbeit. Am späten Nachmittag hatte ich ja noch Therapie und kurz bevor ich fahren wollte, kam der Chef noch drauf, dass ich etwas erledigen sollte (wozu sage ich ihm eigentlich im Voraus, dass ich pünktlich fahren will, weil ich einen Termin habe?). Natürlich ging dann noch alles schief was schiefgehen kann. Baustelle, geschlossene Bahnschranken, etc., sodass ich im Endeffekt 8 Minuten zu spät kam. Als ich mich um 17:15 dann vorsichtig an der Tür des Therapeuten klopfen traute, lag er am Sofa und las ein Buch. Therapie war weniger lustig als letztes Mal. “Erzählen Sie mal, wie war das Siebenjährige Fliegermädchen so? Wie war denn die Beziehung zu Ihren Eltern?”
Und mal wieder ist es nur Rumgestammel. Für so viel fehlen einfach die Worte. Viele Erinnerungen fehlen, und dort, wo Erinnerungen da sind, fehlen die Worte. Ich frage mich, ob es jemals leichter wird, darüber zu reden. In dem Moment ist es okay. Die Gefühle und der Schmerz kamen erst , als ich alleine im Auto saß. Aber jetzt, nach 2mg Tavor – entgegen dem Reduktionsplan von Dr. Hexe- geht es wieder.

Für mich klingt es gerade nach absolutem Super-Gau, das Tavor auszuschleichen und gleichzeitig zu versuchen, die letzten 2 Jahrzehnte aufzuarbeiten.

2 comments on “Und doch noch hier

  1. Mann, da hattest du ja wirklich einen hammerharten Tag! Wie fühlt sich denn der Gedanke an, über die Ambulanz langsam einen stationären Aufenthalt vorzubereiten?

    Und wenn Dr. Hexe lesen würde, dass du dem Reduktionsplan zuwider handelst, dann würde sie dir bestimmt genauer erklären, warum du in die Abhängigkeitsambulanz sollst – womit ich nicht gesagt haben will, dass ich auch glaube, dass du da hin gehörst. Kann ich von meiner Seite des Internets aus ja gar nicht beurteilen.

    Aber wenn ich eins ehrlich sagen darf, dann finde ich, dass sich “Nägel mit Köpfen machen” nach einem guten Weg anhört!

  2. Ich wünsche dir viel Kraft, Hoffnung und Mut. Fühl dich umarmt, wenn du magst. ❤

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