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Musik

Die einzigen Momente, in denen ich ein bisschen zur Ruhe komme, sind die, die ich vor dem Klavier verbringe. Wenn mir vor 8 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal eigene Musik schreiben werde, hätte ich gelacht. Ich habe den Musikunterricht in der Schule gehasst und regelrecht boykottiert- Vorladung meiner Eltern zum Elternsprechtag und “Frühwarnung” wegen drohender negativer Note inklusive.

Und jetzt? Es kommt aus meinem Kopf, ich weiß nicht woher, es ist einfach da, und dann spiele ich, stelle fest, dass es sich gut anhört, und schreibe es auf, in meiner eigenen Schreibweise, die ganz und gar nicht so aussieht wie das, was auf Notenblättern abgedruckt ist, weil ich bis heute nicht vernünftig Notenlesen kann- und selbst schreiben natürlich noch weniger. Als ich angefangen habe, auf dem verstaubten Keyboard zu spielen, das ich durch Zufall beim Aufräumen des Kellers gefunden hatte, war Musik etwas Undurchsichtiges für mich. Dass es Leute gibt, die sich ans Klavier setzen, ein bisschen herumprobieren und plötzlich kommt etwas raus, das sich gut anhört, war mir ein Rätsel. Ich habe Tutorials angeschaut, das, was dort vorgezeigt wurde, nachgespielt, aber nicht verstanden, warum so und nicht anders. Aber irgendwann fängt man an, Zusammenhänge zu erkennen. Die Stücke, die man spielt werden schwieriger. Dann beginnt man, Lieder zu spielen, von denen man nur die Akkorde hat. Plötzlich braucht man nicht mal mehr Akkorde, wenn man einen Bezug zu diesem Lied hat, denkt der Kopf die Melodie und die Finger finden die richtigen Tasten fast wie von selbst. Und irgendwann hat man Musik im Kopf, die man noch nie zuvor gehört hat, und spielt sie. Einfach so.

Wenn ich am Klavier sitze und die Kopfhörer aufsetze, wird alles andere unwichtig. Das mache ich in den letzten Tagen oft. Bevor ich in die Arbeit fahre. Wenn ich zurückkomme, lasse ich alles fallen und gehe ans Klavier, noch bevor ich mir etwas zu essen mache. Und dann den ganzen Abend über immer wieder. Bevor ich ins Bett gehe, setze ich mich nochmal ans Klavier, in der Hoffnung, dass mich das besser schlafen lässt. Es ist ein Tor zu einer anderen Welt. Es gibt nur mehr die Musik und mich. Die Töne bilden ein Schutzschild um mich herum. Der Notizblock vor mir füllt sich mit Buchstaben, Strichen und Punkten, die für niemand anderen einen Sinn ergeben. Ich würde am liebsten nie mehr damit aufhören. Denn wenn ich die Kopfhörer abnehme, ist alles wie vorher.

One comment on “Musik

  1. Bewundernswert! Ich wünschte, das würde bei mir auch funktionieren.

    Hast du irgendwann schon mal Musiktherapie gemacht? Ich habe da ein paar Erfahrungen sammeln können, die eigentlich überwiegend positiv waren, weil genau die Effekte einsetzten, die du hier auch beschreibst. Aber die Umsetzung in mein häusliches Umfeld hat leider nicht geklappt 😦 .

    Setz dich nicht unter Druck, was das betrifft, nachdem du die Kopfhörer abgenommen hast. Das wünsche ich mir für dich!

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