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Matsch

Der heutige Tag war nicht viel besser als der gestrige. Aber zumindest kürzer, weil ich dann ja tanzen war. Was aber nicht so schön war, weil die Tanzlehrerin auf die Idee kam, das ganze mal aufzunehmen, damit wir es uns anschauen können. Bis jetzt war es außerdem immer so, dass ich soweit außen stand, dass ich mich im Spiegel nicht sehen konnte. Zum Glück. Ich kann das absolut nicht ausstehen, mich selbst in dieser riesigen verspiegelten Wand anzusehen. Das ist echt der Horror für mich.
Da aber gut die Hälfte nicht da war, sollte ich mich auf einen anderen Platz stellen, damit es am Video nicht so komisch aussieht- und von diesem Platz aus konnte ich mich im Spiegel sehen. Nur wegschauen ist auch nicht drin, denn wir sollen ja beim Tanzen nach vorne schauen. So habe ich mich die ganze Zeit bemüht irgendwo ins Leere zu schauen und als wir hinterher das Video angesehen haben, habe ich auch weggeschaut. Ich will sowas echt nicht sehen. Ich will mich nicht sehen.

Heute hat mich mein Arbeitskollege Peter angesprochen. Dass er das bedenklich findet, dass ich so viel arbeite und mehr oder weniger die Arbeit von 2 Leuten mache. Zugegebenerweise hat mich das ein bisschen beruhigt. Ich dachte schon ich sei einfach dumm, langsam und nicht belastbar. Aber vielleicht ist es wirklich “nur” zu viel und liegt nicht ausschließlich an mir.
Viel bringt die Erkenntnis aber auch nicht. Ja, ich muss zugeben, mir macht die Arbeit keinen Spaß mehr. Mir hat es noch Spaß gemacht, als ich genug Zeit hatte, das, was ich mache, gut zu machen. Mein Traumjob war es nie, aber ich bin trotzdem regelmäßig mit dem Gefühl nach Hause gekommen, etwas geschafft zu haben. Das ist nun nicht mehr der Fall, weil es einfach zu viel ist. Mir unterlaufen Fehler, was rational gesehen kein Wunder ist, wenn man an zwei Baustellen gleichzeitig arbeitet. Aber diese Fehler kosten noch mehr Zeit und frustrieren mich, weil ich keine gute Arbeit mehr mache- oder nicht mehr so gut, wie ich es machen könnte.
Das nächste Problem ist, dass einfach so wenig Positives zurückkommt. Ich würde mir manchmal einfach wünschen, dass jemand zu mir sagt: “Mensch, danke, dass du gestern länger geblieben bist, und das noch fertig gemacht hast. Das hat uns echt geholfen.” Aber es wird einfach kommentarlos als selbstverständlich hingenommen, dass ich meine Mittagspause opfere und dann auch noch bis in den Abend hinein durcharbeite oder den eigentlich freien Freitag Nachmittag in der Arbeit verbringe. Anstatt einem “Danke” bekomme dann eines auf den Deckel, wenn trotz dem Arbeitseinsatz, der weit über das hinausgeht, was ich tun müsste, etwas schiefgeht.

Aber natürlich bin ich viel zu feige, um das zu kommunizieren. Vielleicht habe ich ja auch einfach keine Ahnung vom Berufsleben und das ist so üblich. Vielleicht habe ich es ja auch gar nicht verdient, dass ich Anerkennung für das bekomme, was ich tue. Vielleicht könnte das ja jeder Langzeitarbeitslose hundertmal besser und schneller als ich und wenn ich etwas sage, mache ich mich nur lächerlich.
Also werde ich das Spiel weiterspielen. Irgendwann – so wie es sich anfühlt, demnächst- wird der Tag kommen, an dem ich zusammenbreche, irgendeinen Mist mache, den vielleicht überlebe oder eben auch nicht. Was solls. Entweder sie freuen sich dann alle das ich weg bin, oder sie beißen sich in den Hintern, aber das ist mir auch egal.

Hin und wieder höre ich auch mal auf die Blogkommentare, die ich bekomme, und so wollte ich heute einfach mal bei meiner Psychiaterin anrufen und sie ersuchen, mir die Zuweisung für die Skillsgruppe vorzubereiten, damit ich morgen nur schnell reinschneien brauche und 5 Minuten später samt Zuweisung wieder draußen bin. Da war in der Praxis aber schon keiner mehr. Ich hätte Psychiaterin werden sollen, die Arbeitszeiten sind ein Traum. Also muss ich morgen Vormittag anrufen und hoffen, dass das irgendwie klappt, dass ich mir die Zuweisung holen kann. Wobei ich sowieso keinen Sinn darin sehe, bei meinen derzeitigen Arbeitszeiten dürfte diese Gruppe frühestens um 19:00 sein und das wird es nicht spielen.

Manchmal hasse ich mich dafür, dass ich so viel aushalte. Wenn doch nur endlich der große Zusammenbruch käme. Von irgendeinem Hausdach geholt, mit der Polizei in die Geschlossene, dort mal eine Zeit bleiben, dann stationäre Therapie, gesund werden, und dann ganz von vorne anfangen.

One comment on “Matsch

  1. Wäre es da nicht beinahe “einfacher” mit jemandem darüber zu reden wie viel du zu tun hast? Vielleicht mal bei Peter fragen, ob er dir etwas abnehmen könnte. Mir ist bewusst das klingt schwer, doch wie ich erst heute wieder feststellen durfte, hilft es meist doch, zu sagen wenn was nicht mehr geht. (Bei der Arbeit von 2 Personen, gemacht durch eine, wirst du bestimmt nicht verurteilt, das wäre wohl jedem zu viel)
    Ich wünsche dir viel Mut und hoffe, du wartest nicht bis zum Zusammenbruch, es wäre sehr schade.
    Was ich so bei dir lese, muss ich sagen, ich bewundere dich, du kämpfst oft so hart und doch bleibst du stark, vielleicht manchmal etwas zu sehr.
    Ich wünsche mir für dich, dass du um Hilfe bitten kannst, oder sie dir vielleicht auch so angeboten wird, wenn du jemamdem von dem ganzen Stress erzählst.
    Meiner Meinung nach hättest du ein wenig Entlastung allemal verdient. 🙂
    Liebe Grüsse und viel Kraft 🙂

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