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Tag 2 in ganz-weit-weg

Ich wache auf, weil mein Handy vibriert, in einem Bett, das nicht meines ist. Ich schaue auf die Uhr und stelle fest: Als ich mitten in der Nacht vom Sofa ins Bett gewankt bin, habe ich wohl die Weckzeit falsch eingestellt. Der Oberfluglehrer hat um 8:00 Dienstbeginn, vorher wollten wir zusammen frühstücken- und ich Depp habe den Wecker auf 06:30 statt 07:30 gestellt. Ich stelle den Wecker auf die richtige Zeit und lege mich wieder ins Bett. Um 07:30 stehe ich auf und gehe in die Küche, wo der Arbeitskollege vom Oberfluglehrer schon das frühstück vorbereitet. Wir reden kurz uns gerade in der Früh fällt es mir schwer, zu verstehen, was er sagt. Der Dialekt ist echt wild. Wenig später kommen der Betriebsleiter, Manuela und der Oberfluglehrer dazu und wir frühstücken. Nach dem Frühstück geht Manuela fliegen, ich helfe inzwischen dem Oberfluglehrer sein “Arbeitsgerät” auf Hochglanz zu polieren (zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als sein Chef ihm mitteilt, dass es in einer Woche wieder ausgetauscht wird). Danach kommt der Pilot der Fallschirmspringer rüber und lädt mich zu einem Flug ein. In das Flugzeug passen bis zu 18 Springer, ein turbinengetriebener Propeller sorgt für den nötigen Antrieb. Es geht innerhalb von kürzester Zeit auf 5000m, hinten sehe ich die Springer verschwinden, der Pilot schließt über ein Seil die Luke und es geht abwärts. Und wenn ich sage “abwärts” meine ich “abwärts”. Das Variometer steht am Anschlag bei einer Sinkrate von 1000m pro Minute. Wir sind schon vor den letzten Springern wieder am Boden. Der gesamte Flug, 5000m und retour, hat gerade mal 17 Minuten gedauert.

Am Boden angekommen ist die Baustelle schon wieder in Betrieb und wir fahren, zusammen mit dem Fallschirmspringerpiloten, zum Baumarkt. Diesmal finden wir alles was wir brauchen, packen das Zeug ins Auto und fahren zurück. Am Rückweg geraten wir zwischen die Autos einer türkischen Hochzeitsgesellschaft, die mit eingeschalteter Warnblickanlage und weißen Tüchern bzw. türkischen Flaggen aus den Fenstern durch die Straßen fahren. “Na dann müssen wir ja auch mitmachen” meint der Fallschirmpilot und schaltet die Warnblinkanlage ein. Die Autos sind akustisch nicht aufgefallen, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als der Fallschirmpilot ein Hupkonzert anstimmt, in das die anderen Autos nach und nach einstimmen. Im Handschuhfach finde ich dann auch noch ein weißes, sauberes Putztuch, das er aus dem Fenster hält. Mir kommen die Tränen vor lachen. Nach der Rückkehr betätigen sich Manuela und ich noch sinnvoll auf der Baustelle, doch schließlich wird es für mich Zeit aufzubrechen. Ich bin ein bisschen wehmütig, gerade erst habe ich mich begonnen einzuleben und jetzt muss ich schon wieder fahren. Manuela bringt mich zum Bahnhof und ich mache mich bereit für 6 Stunden Zugfahrt. Die ersten 4 Stunden beschäftige ich mich irgendwie, dann kriecht langsam die Müdigkeit ins Gehirn. Ich dämmere vor mich hin, als eine Stunde vor der Ankunft eine Familie mit zwei überdrehten Kindern einsteigt. Danach ist es mit der Ruhe vorbei. Ich habe mir zwar in weiser Voraussicht meinen MP3-Player mitgenommen, muss aber feststellen, dass die Batterie leer ist. Aussteigen, noch einmal umsteigen und eeeendlich bin ich bei meinem Auto. Da ist es kurz vor Mitternacht.

Gegen 0:30 komme ich in meiner Wohnung an und will nur mehr eines: ins Bett.

Es war einfach ein unglaublich geniales Wochenende. Mal wieder muss ich über viele Dinge den Mantel des Schweigens breiten (Oberfluglehrer: “Wobei, wenn du das erzählst, würde es dir sowieso keiner glauben”), aber schon alleine die Sachen, die ich erzählen darf, sind genial. Und für Manuela und mich steht nach dem Wochenende fest: Das war definitiv nicht unser letzter gemeinsamer Ausflug.

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