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Grenzverletzung

Sie passieren meist dann, wenn man nicht damit rechnet. Und genau deswegen hat wurde meinem absoluten Hochgefühl gestern ein ziemlicher Dämpfer verpasst und ich war kurzzeitig nah dran loszuheulen, als ich gestern nach Hause kam.

Ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich große Probleme damit habe, andere Menschen in meine Wohnung zu lassen- selbst wenn ich dabei bin. Jemandem einen Schlüssel zu geben, damit er nach meinen Hasen schaut, ist eine große Überwindung. Ich bin nicht dabei, kann nicht kontrollieren was passiert, ob dieser jemand sich nicht in meiner Wohnung umsieht, hier in einen Schrank schaut, da eine Schublade öffnet und dabei vielleicht Dinge findet, von denen ich nicht möchte, dass andere Menschen sie sehen.

Soweit, sogut. Ich hatte die Katzenmama gebeten, am Samstag einmal kurz meine Fellmonster zu füttern. Sie wollte sowieso zum Flugplatz um fliegen zu gehen, da lag das ja eigentlich ziemlich auf dem Weg. Sie hatte den Schlüssel und klare Anweisungen was zu tun war: Heu nachfüllen, Wasser nachfüllen, ihnen das Futter, dass ich am Küchentisch vorbereitet habe, geben. Punkt.

Ich kam gestern nach Hause und mir fiel auf, dass der Pulli, den ich am Freitag in der Eile achtlos auf die Vorzimmerkommode gepfeffert hatte, zusammengefaltet dalag. Da dachte ich mir noch nichts dabei, doch dann fielen mir immer mehr Dinge auf, die noch nicht so waren, als ich die Wohnung am Freitag verlassen hatte.

Das wenige Geschirr, dass in der Abwasch gestanden hatte, war abgewaschen und weggeräumt. Die Armaturen im Badezimmer waren geputzt. Im Wohnzimmer war offenbar zusammengekehrt worden. Die Geschirrtücher hingen feinsäuberlich am Griff vom Backrohr.

Ich weiß, dass es lieb gemeint war, aber: Ich empfinde das als Grenzverletzung. Ich habe klar und deutlich gesagt, was sie in meiner Wohnung machen darf: Die Tiere versorgen. Ich habe eine Grenze gesetzt und diese Grenze wurde missachtet. Ich will nicht undankbar sein, ich weiß, dass es nett gemeint war, aber ich kann mich nicht darüber freuen. Ich weiß nicht, was sie sonst noch gemacht hat, was ich vielleicht gar nicht gesehen habe. War sie in meinem Schlafzimmer? Hat sie die Rasierklingen gesehen? Hat sie mein Tagebuch da liegen sehen und sich gedacht: “Ach, da schau ich doch mal rein”? Hat sie im Wohnzimmer die Visitenkarte von der Traumatherapeutin gesehen, die halb unter meinem Laptop hervorschaut? Hat sie, auf der Suche nach Putzmittel, in meinen Badezimmerschrank geschaut und das Verbandsmaterial und die Tabletten gesehen? Und selbst wenn man das alles außer Acht lässt, schäme ich mich dafür, dass sie es bei mir als so dreckig und unordentlich empfunden hat, dass sie sauber machen wollte.

Am liebsten würde ich nächste Woche nicht wegfahren. Ich will niemanden mehr in meine Wohnung lassen. Ich habe Angst vor weiteren Grenzverletzungen.

2 comments on “Grenzverletzung

  1. Ich stimme dir zu, dass das so überhaupt nicht geht. Und leider ist es ja bei den meisten Grenzverletzungen so, dass der Verletzende es nur “gut gemeint” hat. Wahrscheinlich ist die Frage, ob du das mit dieser Person klären kannst, überflüssig, oder? 😦

    • Ich bin schon die ganze Zeit am überlegen, wie ich das klären kann ohne der Katzenmama wehzutun. Weil wenn ich ihr sage, dass ich das nicht gut finde, ist sie wahrscheinlich auch sauer/traurig/enttäuscht.

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