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Go West

Pünktlich kurz nach 12 taucht am Freitag Manuela, die Freundin des Oberfluglehrers am Arbeitsflugplatz auf. Die Flugvorbereitung haben wir ja schon am Vorabend erledigt, doch während Manuela noch etwas isst mache ich mich auf die Suche nach einem zweiten Ausweichflugplatz. Einen haben wir schon, der liegt aber eine Stunde von einer anderen Landemöglichkeit (einem internationalen Flughafen, also nicht unbedingt dort, wo man gerne spontan landet), entfernt. Dazwischen gibt es nicht viel. Einen Flugplatz, der nur für Flugzeuge des dortigen Vereines geöffnet ist, und einen Flugplatz, auf dem keine Ultraleichtflugzeuge landen dürfen. Wir fliegen mit einem Ultraleichtflugzeug, und ich kann es drehen und wenden wie ich will: Wir haben dazwischen keinen weiteren Ausweichflugplatz. Aber einen haben wir zumindest eine halbe Stunde vor unserem Zielflugplatz, zur Sicherheit drucke ich noch das Anflugblatt und schreibe die Frequenz auf meine Frequenzliste dazu. Dabei fällt mir auf, dass ich dort sogar schon mal gewesen bin.
Schließlich ist Manuela mit dem Mittagessen fertig. Wir räumen den Flieger aus dem Hangar und tanken. Das ist ein bisschen unpraktisch, weil man den Tank nicht zu voll machen darf und zwischendurch immer wieder auf die andere Seite durch den Deckel vom Gepäckraum schauen muss, wie voll der Tank ist. Als ich mal wieder nachsehe, sage ich: “Wir haben jetzt genau 40 Liter , beim obesten Strich. Aber 5 Liter würden noch reingehen.” Wir überlegen. “Ach egal, die 5 Liter füllen wir auch noch rein” meint Manuela dann. “Geht sich das aus bis zum Zielflugplatz?” frage ich Manuela. “Also der Oberfluglehrer hat gesagt, das müsste sich ausgehen, wir sind ja nur 2,5 Stunden unterwegs und ein voller Tank reicht normalerweise für 3.” antwortet Manuela. Da ich das Flugzeug kaum kenne, habe ich keine Informationen über den Treibstoffverbrauch, aber nach dem, was mir Manuela gesagt hat, bin ich beruhigt.

Wir fahren dann noch schnell zu mir meine Hasen füttern, anschließend machen wir uns startbereit. Schließlich ist alles im Flugzeug verstaut, Manuela setzt sich neben mich und will den Motor starten. Zu den Startvorbereitungen gehört auch, die Benzinpumpe zu testen. Manuela schaltet sie ein, man hört das Brummen- doch die Benzindruckanzeige bleibt bei 0. Na das fängt ja mal wieder gut an. Manuela ruft den Oberfluglehrer an. “Versuch mal den Motor zu starten!” rät er. Doch das klappt nicht. Dann hat der Oberfluglehrer den rettenden Einfall: Auch wenn es normalerweise nicht gemacht wird, irgendwer hat den Treibstoffhahn unter den Sitz zugedreht. Danach läuft alles bestens, der Motor läuft und wir rollen auf der Piste zurück. “Wie machen wir das mit der Arbeitsteilung? Du fliegst, ich navigiere, und wer funkt? Soll das auch ich machen?” frage ich. “Also wenn du den Funk machen könntest, wäre das super!” sagt Manuela. Ich finde es schön, weil ich mich dann endlich mal aufs Funken konzentrieren kann und nicht gleichzeitig fliegen muss. Zwei Minuten vor der geplanten Abflugzeit im Flugplan starten wir, ich melde mich gleich beim Flugplatz ab und gehe auf die Fluginformationsfrequenz, um uns dort anzumelden. Das Kennzeichen des Flugzeuges ist ungewohnt für mich, da es nicht in Österreich zugelassen ist und ich die österreichischen Kennzeichen gewohnt bin. Deswegen ist es auch Manuela, die reagiert, als wir eine Verkehrsmeldung erhalten. Das Navigieren läuft nach den ersten 10 Minuten total gut, wir finden alles auf Anhieb und als backup haben wir auch ein GPS. Wir müssen eine Kontrollzone durchfliegen, doch das verläuft auch unspektukalärer als gedacht. Ich melde mich, erbitte über einen bestimmten Punkt den Durchflug durch die Kontrollzone, bekomme ein “cleared to cross control zone” und schon sind wir drin. Kurze Zeit später sind wir wieder draußen und melden uns bei einem anderen Fluginformationsdienst. Irgendwann macht mich Manuela auf die Tankanzeige aufmerksam. “Wir haben nur mehr 24 Liter. Wie weit haben wir noch?” Ich schaue aufs GPS: “Angeblich 1,5 Stunden, wir sind irgendwo bei der Hälfte. Die Geschwindigkeit über Grund ist nur 110km/h, wir haben wohl ziemlichen Gegenwind.”

Allmählich wird das zum Problem. Wir fliegen erst mal weiter, doch entspannt ist anders. Immer wieder schaue ich auf die Tankanzeige und auf die verbleibende Strecke, und langsam wird uns klar: Entweder wir landen auf dem Ausweichflugplatz und tanken, oder wir riskieren, dass wir es nicht bis zum Zielflugplatz schaffen und wegen Spritmangel auf einer Wiese runtermüssen. Wir entscheiden uns schließlich für den Tankstopp und ich überlege, wie ich das dem Fluginformationsdienst erkläre. Auch, wenn ich mit dem Fluginformationsdienst normalerweise auf Englisch funke, bin ich froh, dass ich die Wahl zwischen Deutsch und Englisch habe. “Wir haben einen Flugplan und würden gerne unseren Zielflugplatz ändern. Wir würden gerne in […] landen für einen Tankstopp.” sage ich. “Alles klar, ich gebe dem AIS Bescheid” bekomme ich als Antwort. Das wäre also schon mal geklärt. Ich gehe auf die Frequenz des Ausweichflugplatzes und kündige unsere Landung an. Im Platzbereich ist unglaublich viel los, aber endlich sind wir unten, denn inzwischen leuchtet schon die Tankwarnung. Wir rollen zur Tankstelle, tanken, zahlen, und wollen wieder zurück zu unserem Flugzeug. Irgendwie fühlen wir uns dort nicht wohl. Der Betriebsleiter ist nicht gerade freundlich und wir werden etwas komisch angeschaut. Später wird Manuela es so beschreiben: “Als wir ausgestiegen sind, haben uns alle angestarrt als würden sie denken: Und wo ist jetzt der Pilot?”. Genauso fühlt es sich an. Doch Manuela ruft noch schnell den Oberfluglehrer an, um ihn über unsere Landung zu informieren. “Ich glaube, er wusste, dass sich das nicht ausgeht. Er klang nicht überrascht und meinte nur: Wo seid ihr denn gelandet?” erzählt mir Manuela hinterher. Einerseits traue ich ihm das nicht so wirklich zu, weil es ja immerhin sein privates Flugzeug ist, andererseits: Wenn er wirklich wusste, dass es eng wird, dürfte er viel von uns halten und uns vertrauen, denn wir hätten ja theoretisch auch die falsche Entscheidung treffen können.

Schnellstmöglich verziehen wir uns in unseren Flieger und melden uns wieder am Funk beim Betriebsleiter. Der ist ein bisschen unfreundlich. “Ihr hättet mir sagen müssen, dass ihr einen Flugplan habt! Ich hätte eine Landemeldung machen müssen!” sagt er grimmig. Wir entschuldigen uns gefühlte fünf Mal dafür (wir hatten gedacht dass das mit unserer Meldung beim Fluginformationsdienst erledigt sei), doch das scheint ihn nicht zu interessieren. Wir sind froh, als wir endlich wieder in der Luft sind.

Eine halbe Stunde später kommt endlich der Zielflugplatz in Sicht. Da Manuela schon ein paar Mal hier geflogen ist, kennt sie die Umgebung und braucht meine Hilfe nicht mehr. Nachdem wir mehr als 3,5 Stunden unterwegs gewesen sind, landen wir endlich und der Oberfluglehrer wartet schon auf uns. In Arbeitskleidung selbstverständlich. Er stellt mir den Betriebsleiter vor, dann zeigt er mir seinen Arbeitsplatz. Ich bin echt geflasht. Es ist einfach nur genial. Viel Zeit zum Staunen bleibt nicht, denn es wird in einem Raum fleißig gewerkt und so müssen Manuela und ich zum nächsten Baumarkt um fehlendes Material zu besorgen. Unsere Konzentration ist beim Teufel und am Baumarkt angekommen wissen wir nicht mehr, was wir eigentlich kaufen sollten. Wir fragen nach und kommen mit einem Sack Gipsputz wieder zurück. “Wir haben noch etwas vergessen! Wir brauchen noch fünfpoliges Elektrokabel und Grundputz auf Zementbasis!” Na toll. Wir fahren wieder zurück und stürzen 10 Minuten vor Ladenschluss in den Baumarkt. Doch von den Mitarbeitern will uns niemand mehr richtig weiterhelfen und so fahren wir halbverrichteter Dinge wieder zurück. Ist mir auch noch nie passiert, dass ich als Letzte einen Baumarkt verlassen habe.

Langsam kommt der Hunger. Da auch die fleißigen Arbeiter eine Stärkung brauchen, bestellen wir Pizzas und fahren wenig später los um sie abzuholen. Dort erleben wir die nächste Überraschung des Tages: “Wir haben versehentlich eine Pizza falsch gemacht! Die bekommt ihr gratis dazu!” So etwas ist mir auch noch nie passiert. Nach dem Essen stürzen sich die Männer sofort wieder in die Baustelle, da es um das Zimmer geht, in dem Der Oberfluglehrer und Manuela heute Nacht schlafen wollen. Da Manuela und ich nicht im Weg herumstehen wollen, machen wir es uns auf dem Sofa bequem. Gegen Mitternacht geht Manuela rüber, um sich den Fortschritt anzusehen, denn wir wollen eigentlich nur mehr ins Bett. Manuela kommt nicht wieder, irgendwann döse ich am Sofa ein. Gegen 1 kommt Manuela wieder: “Geh doch ins Bett!” Das lasse ich mir nicht zweimal sagen.

flug..

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