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Sinn und Unsinn in der Luftfahrt

Manchmal frage ich mich, wie sich gewisse Dinge mit der ärztlichen Schweigepflicht vereinbaren lassen.

So auch heute morgen, nachdem sich ein Pilot vom Heimatflugplatz zu seinem unmittelbar zurückliegenden Besuch beim Fliegerarzt, äh, flugmedizinischen Sachverständigen, geäußert hat.

Alles in der Luftfahrt soll vereinheitlicht werden. Angefangen von Lizenzen, Lufträumen- und neuerdings auch Verfahren für flugmedizinische Tauglichkeitsuntersuchungen. 2013 hat die oberste österreichische Luftfahrtbehörde entschieden, dass alle Fliegerärzte die Untersuchung mit Hilfe eines Computerprogramms durchführen. Das alleine ist ja noch nicht so schlimm.

Das erste Problem, das vielen Piloten und auch Ärzten deutlich sichtbare Fragezeichen über dem Kopf aufsteigen lässt, sind die körperlichen Merkmale, die in das Porgramm einzugeben sind. Besagter Pilot hatte von einer Operation, die Jahrzehnte zurückliegt, eine Narbe davongetragen. Diese Narbe musste der Fliegerarzt in dem Programm vermerken- genauso wie möglicherweise vorhandene Tattoos. Nun frage ich – und nicht nur ich- mich, in welcher Weise das für meine Flugtauglichkeit relevant sein soll?
Und dann natürlich etwas, was wohl nur ich mich frage: Soll ich dem Fliegerarzt vielleicht vorab Fotos von meinen Narben schicken, damit er die alle auflisten kann? Dafür braucht er wahrscheinlich einen ganzen Tag…

Der zweite Punkt, mit dem ich persönlich ein noch größeres Problem habe als mit dem ersten, ist die Tatsache, dass dieses mit Hilfe des Programms ausgefüllte Formular an die Behörde übermittelt werden muss. Tut der Arzt das nicht, riskiert er seine Zulassung. Nun will ich aber eigentlich auch nicht, dass ein paar Zetteln mit sehr privaten, gesundheitlichen Informationen von mir bei irgendeinem Bürotier am Schreibtisch liegen. Jeder kann lesen, wie ich heiße, wo ich wohne, wie groß und wie schwer ich bin, ob ich eine Sehschwäche habe, ob ich Operationen hinter mir habe… und ich gehe natürlich davon aus, dass der Fliegerarzt vor bald 5 Jahren auch bei sich im Computer vermerkt hat, dass ich psychische Probleme habe. Damals “durfte” er das ja noch für sich behalten. Aber wenn ich mir vorstelle, dass diese Informationen bei einer Behörde auf dem Schreibtisch landen, habe ich ganz ehrlich gesagt ein Problem damit.

2 comments on “Sinn und Unsinn in der Luftfahrt

  1. Kann ich gut nachvollziehen. Ich bin bei LH wegen eines Armreiftattos abgelehnt worden (hatte es angegeben). Bei einer anderen Airline habe ich es verschwiegen und bin zur Ausbildung eingeladen. Das Tattoo befindet sich unter der Armbanduhr und wird durch diese voll verdeckt. Muss ich die Uhr beim Medical ablegen?

    • Oha, das ist krass. Wenn die schon wegen einem Tattoo so einen Zirkus machen…
      Hast du schon ein Class 2 Medical oder fängst du “ganz von vorne” an? In letzterem Fall kann ich dir sagen: Uhr muss definitiv runter, weil bei der Erstuntersuchung ein EKG gemacht wird, und da müssen die Handgelenke frei sein, weil diese Klemmen draufgemacht werden. Ob nochmal eins gemacht wird, wenn du schon ein Class 2 Medical hast, weiß ich nicht.
      Du könntest fragen ob es ok ist, wenn du beim Hausarzt ein EKG machen lässt und das mitbringst. Allerdings weiß ich nicht, ob du dann nicht während der Ausbildung rausfliegst, wenn das rauskommt (sofern es eine von der Airline finanzierte Ausbildung ist).

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