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Traumland

Die Nächte entwickeln sich langsam zum Horror.

Ich sitze bei einem Therapeuten, zum wiederholten Male. Diesmal ist eine Frau dabei. “Ich muss dich einweisen” sagt sie. Ich versuche sie mit allen möglichen Argumenten zu überzeugen, es nicht zu tun. “Das können Sie doch nicht machen! Sie machen alles kaputt!” – “Entweder du gehst morgen freiwillig, oder ich rufe jetzt gleich die Polizei, die dich mitnimmt.” Okay, man ist ja vernünftig. Ich willige ein, am nächsten Tag freiwillig zu gehen. “Sehr gut, ich rufe dich morgen gleich in der Früh an, wann genau du da sein sollst.” Ich finde mich damit ab, dass ich also morgen wieder in der Psychiatrie sein werde. Packe meine Sachen. Doch am nächsten Tag kommt kein Anruf. Beim Mittagessen sage ich zu meiner Mutter: “Toll. Zuerst labert sie mich voll wie krank ich nicht bin, dann willige ich schon ein freiwillig hinzugehen und dann kommt kein Anruf.” Bis am Abend ist noch immer kein Anruf gekommen. Ich gehe ins Bett…

…und wache auf. Verwirrung. Desorientierung. Bin ich in der Psychiatrie? Hat sie mich tatsächlich eingewiesen? Nein, alles gut. Keine Fixiergurte an meinem Bett, keine Überwachungskameras an der Decke. Ich bin in meiner Wohnung, nicht in der Psychiatrie. Alles ist okay.

Ich stehe vor einer Tür, klopfe, jemand, den ich nicht kenne, öffnet. Flausch kommt mir entgegengewankt. “Oh Gott Flausch, was hast du gemacht?” rufe ich entsetzt. “Sie hat eine Überdosis genommen” sagt die unbekannte Person. “Sie wird bald tot sein.” Ich bin entsetzt. “Und Raziel? Wo ist Raziel?” frage ich. “Er auch.” sagt die unbekannte Person. “Wie er auch?” will ich wissen. “Na, er hat auch Tabletten genommen.” Die Person führt mich in einen Raum, Raziel liegt auf einem Bett, er bewegt sich nicht mehr, die dunkelblonden langen Haare liegen wirr um ihn herum. Flausch wankt auf mich zu und umarmt mich. “Tschüss” sagt sie liebevoll. Ich weiß, dass das das letzte Mal ist, dass ich sie lebend sehen werde. “Jemand muss doch was tun!” schreie ich. “Ruft die Rettung!!”

Und dann vibriert mein Handy. Ich wache auf. Tränen laufen mir übers Gesicht. Ich bin total durcheinander. Was ist mit Flausch? Langsam dämmert mir, dass alles nur ein Traum war. Flausch geht es gut, bestimmt. Und Raziel auch. Trotzdem schreibe ich ihr zur Sicherheit eine SMS, ob alles gut ist bei ihr. Ich weiß aber auch, dass ich vor Mittag definitiv keine Antwort bekommen werde. Meine Anspannung ist dort, wo sie normalerweise ist, wenn an einem Tag alles schief gelaufen ist. Und das direkt nach dem Aufstehen. Anstatt zu frühstücken schneide ich mich.

Ich mag nicht mehr schlafen.

 

2 comments on “Traumland

  1. Klingt heftig… Ich wünsche dir Kraft und Energie und hoffe du kannst in den nächsten Nächten besser schlafen.

  2. So was kenne ich zu hauf. 😞

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