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Ekelig

Ich ekel mich vor meinem Körper. Insbesondere vor meinem Bauch. Ich ziehe mich im Dunkeln um. Ich gehe im Halbdunkeln duschen und auch das nur, wenn es unbedingt sein muss, also wenn ich Haarewaschen muss. Ich mache kein Licht an im Bad, nur das im Vorzimmer und dann lasse ich die Türe offen. Ich ziehe nur mehr weite Sachen an. Ich gehe jedem Spiegel aus dem Weg. Ich fühle mich so ekelig, ich kann das gar nicht beschreiben.

Ich hatte in den letzten Tagen häufig das Bedürfnis, nach dem Essen kotzen zu gehen. Ich habe es immer bleiben gelassen. Ich weiß nicht wie lange ich noch dagegen ankämpfen kann, ankämpfen will. Keine 3 Wochen nachdem ich mein Tiefstgewicht erreicht habe, habe ich mein Höchstgewicht erreicht. Ich war schon lange nicht mehr so schwer und es fühlt sich so ekelig an. Ich möchte raus aus diesem Körper, nur mehr raus.

Und ich bin müde, so müde. Ich schlafe viel zu wenig. Aber ich kann nicht.  Ich liege im Bett, aber kann nicht einschlafen. Ich habe eine fiese Stimme im Kopf, die mich runtermacht. “Du bist so ekelig! So fett, so hässlich! Schau dich doch mal an! So will dich doch keiner mehr anfassen! Kein Wunder, dass am Wochenende keiner für dich Zeit hat! So jemanden will doch niemand sehen! Jetzt geh doch wenigstens kotzen, du fettes Miststück! Alles ist sicher noch nicht verdaut. Was? Du willst nicht kotzen gehen? Fett UND feige, das ist ja noch schöner! Dann schneide dich wenigstens. Nein, du gehst jetzt nicht einfach schlafen! Du musst dich dafür bestrafen, dass du so fett und hässlich bist! Dafür dass du schon auf so einem guten Weg warst, und du wieder angefangen hast du fressen!…” Und deswegen bleibe ich so lange wie möglich auf. Mache irgendetwas, nur um nicht im Bett liegen zu müssen und der Stimme ausgeliefert zu sein. Ich gehe erst ins Bett, wenn die körperliche Müdigkeit so brutal wird, dass nichts mehr geht. “Na, ausgeschlafen?” fragt Andreas heute Früh. “Nein” antworte ich wahrheitsgemäß. “Sieht man!” sagt er und grinst. Ich sehe wahrscheinlich schon aus wie ein Zombie.

Einen Vorteil hat das relativ leere Wochenende zumindest: Ich kann mir Medikamente mitnehmen und mal richtig schön schlafen. Auch wenn ich das eigentlich lieber in meinen eigenen vier Wänden tun würde. Weil ich mich einfach sicherer fühle, weil ich keine Angst haben muss dass es jemand bemerken könnte. Aber ich will schlafen, schlafen schlafen. Jede Minute Ruhe vor dem Wahnsinn in meinem Kopf ist Gold wert.

 

 

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