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Es gibt Tage, die sind einfach nur schrecklich. Ich weiß nicht, ob ich schon mal so kurz davor war, einfach ein paar Sachen zu packen und abzuhauen. Einfach irgendwo ein ganz neues Leben anfangen. Alles hinter mir lassen. Und gleichzeitig hatte ich Angst davor, so dermaßen die Kontrolle über mich zu verlieren, dass ich das wirklich mache. Das ist einer von diesen Momenten, in denen ich Angst vor mir und meiner Impulsivität habe.

Ich glaube, wenn ich mich gestern Abend nicht schon verletzt hätte, wäre ich heute wirklich durchgedreht. Eigentlich wollte ich mich nur auf der Brust schneiden. Irgendwann waren dann auch am Oberschenkel teilweise klaffende Schnitte. Eigentlich wollte ich mich dort nicht verletzen, weil ich Angst hatte, ich könnte die Bettwäsche und am nächsten Tag meine Hose vollsauen. Aber es kommt ja immer anders als man denkt, nicht?

Obwohl ich erst dachte, dass ich bei den Schmerzen niemals einschlafen könnte, und wenn doch, nachts beim Umdrehen ständig aufwachen würde weil die Wunden wieder aufreißen, war die Nacht erstaunlich erholsam. Heute war ich schon gegen 6 wach, bin aufgestanden und habe den Laptop aufgedreht. Dort fand ich eine Nachricht von Woodie´s Freundin: “Hey Maus! Bist am Sonntag gut heimgekommen? Freu mich wenn wir uns wieder sehen!” Ich scheine in ihr wohl auch irgendwie diesen gewissen Beschützerinstinkt geweckt zu haben…

Die Stimmung kippte dann in der Arbeit so richtig. Ich will nicht ins Detail gehen, aber wenn man draußen einen Arbeitskollegen zum Ferialpraktikanten sagen hört: “Hol mir mal eine Scheibe für die Flex. Ich geh zu DER sicher nicht mehr rein, sonst tu ich ihr was.” ….naja, das sind so Dinge, da hab ich einfach nur mehr Angst. Ich bin misstrauisch, ich bin ein “gebranntes Kind”, und auch wenn ich weiß, dass es Leute gibt, die so etwas auch einfach mal so sagen ohne es ernst zu meinen, habe ich Angst, wenn ich jemanden so etwas sagen höre. Es sind schon Menschen in meinem Leben weiter gegangen, als ich ihnen zugetraut hätte. Woher soll ich das Vertrauen nehmen, dass er das nur einfach so sagt und es nicht umsetzt?

Ich glaube, wie gelaufen der Tag danach war, brauche ich nicht extra betonen. Wie ich in den nächsten Tagen die unzähligen Blutergüsse auf meinen Unterarmen erklären soll, weiß ich auch noch nicht. Es wird ja noch ein paar Tage dauern, bis die ihre strahlendsten Farben angenommen haben und ich hoffe bis dahin eine geeignete Ausrede gefunden zu haben. Narben nehmen übrigens auch interessante Farben an, wenn man sie mit Sechskantschrauben bearbeitet. Die frischeren Narben haben unter der Oberfläche sehr viele kleine Blutgefäße, die aufplatzen und ihren Inhalt gleichmäßig im umliegenden Gewebe verteilen, wenn man draufschlägt. Dementsprechend sind manche Narben jetzt dunkelrot gesprenkelt.

Ich habe mir vorgenommen, morgen nochmal in der Beratungsstelle anzurufen. Vielleicht habe ich diesmal Glück. Ich befürchte, dass die ganze Situation sonst demnächst so eskaliert, dass ich wieder irgendeinen Blödsinn mache und dann bin ich genau dort wo ich vor 5 Jahren war und eigentlich nie wieder hinwollte. Wenn das mit der Beratungsstelle wieder der sprichwörtliche Griff ins Klo ist, kann mir wenigstens keiner vorwerfen ich hätte nicht versucht mir Hilfe zu suchen, wenn ich dann mal irgendeinen Scheiß drehe…

 

 

 

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