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Verlieren

Es gibt Ereignisse, von denen man eigentlich schon von Vornherein weiß, dass man hinterher als Verlierer dastehen wird.

Das kommende Wochenende ist so ein Ereignis. Ich würde morgen am liebsten einfach nicht nach Medan fahren. Sollen die doch am Wochenende machen was sie wollen. Aber ohne mich.

Ja, zumindest der Oberfluglehrer hat gesagt, dass er morgen da sein wird und wir am Nachmittag ein bisschen bürokratischen Kram erledigen müssen. Aber ich weiß genau, dass ich mich danach trotzdem ins Auto setzen werde und nach Medan fahren werde obwohl ich weiß, dass mir das nicht gut tut. In mir kämpfen zwei Stimmen gegeneinander. Eine, die sagt: “Komm, sei vernünftig, tu dir das nicht an. Bleib hier im Kaff, dir kann egal sein ob dann alle sauer auf dich sind, wichtig ist doch, dass es dir gut geht. Du weißt doch, dass es dir dreckig gehen wird wenn du nach dem Wochenende wieder zurückfährst. Du weißt doch, dass das zu viel Vergangenes hochholen wird und dass du dich wieder verletzen wirst. Das muss doch nicht sein, bleib doch einfach hier. Lass dich nicht in den Kleinkrieg von denen reinziehen.” Die andere Stimme sagt: “Du MUSST dahin fahren. Immerhin ist es deine Familie. Die würden das nicht akzeptieren, wenn du einfach hierbleibst. Sie würden dich dafür hassen. Sie würden dich nicht mehr lieb haben und du würdest ganz alleine sein. Willst du das wirklich? Nicht mal mehr eine Familie haben? Und immerhin bist du ja Schuld daran, dass die Situation so ist, wie sie ist. Also, sei nicht so feig und stell dich dem, was du angerichtet hast! Dein Pech, wenn es dir nachher nicht gut geht. Hättest du dir vorher überlegen müssen. Du hast es doch bis jetzt auch immer überlebt. Du kennst das doch alles. Fang jetzt nicht an rumzuzicken und zu versuchen, irgendwelche Grenzen zu setzen. Du weißt doch, dass die nur niedergetrampelt werden, und es dir hinterher noch schlechter geht, als wenn du einfach tust was sie sagen und es geschehen lässt.”

Schuldgefühle sind stärker als Vernunft. Angst stärker als Mut. Der Wunsch geliebt zu werden stärker als Selbstachtung. Die Hoffnung auf Veränderung stärker als das Wissen, dass sich nie etwas ändern wird.

 

 

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